EZB-Zinsentscheid: Leitzins für den Euroraum bleibt unverändert

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Donnerstagnachmittag ihre Entscheidung zur zukünftigen Zinspolitik im Euroraum veröffentlicht. So ist sie ausgefallen.
• EZB tastet Leitzins nicht an
• Wichtiger Einlagenzins weiter bei 2,00 Prozent
• Auswirkungen des Iran-Kriegs auf die Inflation werden genau beobachtet
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins für den Euroraum trotz Iran-Krieg, Ölpreisschock und Inflationssorgen nicht angetastet. Somit verbleibt der Einlagenzins, den Banken für das Parken von Geldern erhalten, weiterhin bei 2,0 Prozent. Die Notenbank setzt damit ihren Kurs der "ruhigen Hand" fort.
"Der Krieg im Nahen Osten hat zu deutlich unsichereren Aussichten geführt. Er hat Aufwärtsrisiken für die Inflation und Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum zur Folge."
Noch vor wenigen Wochen sah sich die EZB in einer komfortablen Lage im Kampf gegen die Teuerung im Währungsraum. Denn mit einer Rate von 1,9 Prozent im Februar liegt die Inflation nahe am mittelfristigen Ziel der Notenbank von 2 Prozent. Doch mit dem Krieg im Nahen Osten und dem Ölpreisschock wächst die Sorge vor einem starken Anziehen der Inflation.
Teuerung dürfte auch in Deutschland anziehen
Deutschland dürfte nicht verschont bleiben. Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung erwartet, dass die Inflation in der ersten Jahreshälfte von zuletzt knapp zwei Prozent "merklich über 2,5 Prozent" steigen wird.
EZB-Chefvolkswirt Philip R. Lane warnte bereits vor den Folgen eines länger andauernden Krieges im Nahen Osten. Dies könne die Wirtschaft bremsen und die Inflation anheizen: "Eine Eskalation des Konflikts im Nahen Osten ist eines der wichtigsten Risikoszenarien, die von der EZB beobachtet werden."
Schlechte Erinnerungen an Ukraine-Krieg
Die Notenbank will verhindern, dass sie auf eine mögliche neue Preiswelle zu spät reagiert. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 stand die EZB in der Kritik, den damaligen Preisanstieg lange unterschätzt zu haben. Die Inflation im Euroraum schnellte zeitweise auf mehr als zehn Prozent nach oben.
Mit der Energiekrise stiegen damals auch die Lebensmittel- und Spritpreise in Deutschland rasant, die Inflation kletterte im Jahresschnitt 2022 auf 6,9 Prozent und lag 2023 immer noch bei 5,9 Prozent. Das kostete die Verbraucher Kaufkraft und die EZB Glaubwürdigkeit.
Der Iran-Krieg hat mit steigenden Spritpreisen und teurerem Gas längst Deutschland erreicht. Zöge sich der Krieg über Monate hin, würde der Ölpreis weiter steigen und mit ihm die Inflation in der Eurozone "schätzungsweise auf mindestens 3 Prozent", sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer.
Einige Experten vermuten bereits, dass die Notenbank im Sommer die Zinsen anheben wird. Im Fall der Fälle dürfte die EZB dieses Mal schneller agieren als 2022, meint Ulrike Kastens, Ökonomin bei der Deutschen-Bank-Fondstochter DWS: "Zinserhöhungen werden damit wahrscheinlicher, Zinssenkungen sind vom Tisch."
Sparzinsen steigen - aber Gefahr durch Inflation
Für Sparer bedeutet die Inflationsgefahr Chancen und Risiken zugleich. Zwar beobachtet der Geldratgeber Finanztip bei Tagesgeld steigende Aktionszinsen für Neukunden: Immer mehr oft zeitlich begrenzte Tagesgeld-Angebote lägen über drei Prozent. "Banken nutzen die aktuelle Phase, um sich mit befristeten Angeboten neue Einlagen zu sichern." Grund sei, dass Banken immer weniger an baldige Zinssenkungen der EZB glaubten.
Auch dem Vergleichsportal Verivox zufolge nimmt der Konkurrenzkampf der Banken Fahrt auf. Aktuell böten 18 Banken neuen Kunden einen Tagesgeldzins von 3 Prozent oder mehr. Im Schnitt würden bundesweit verfügbare Festgelder mit zwei Jahren Laufzeit mit 2,09 Prozent verzinst und Tagesgelder mit 1,3 Prozent.
Wegen des Iran-Kriegs "könnten die Realzinsen allerdings schnell wieder ins Minus fallen", warnt Verivox. "Die moderaten Zinsanstiege der letzten Wochen dürften den kriegsbedingten Anstieg der Verbraucherpreise bei Weitem nicht ausgleichen." Erst Leitzinserhöhungen der EZB könnten dann wieder zu steigenden Sparzinsen führen.
EZB vor schwieriger Abwägung
Eine Zinsanhebung der EZB würde allerdings die Wirtschaft im Euroraum bremsen, die Prognosen zufolge in diesem Jahr ohnehin nur leicht wachsen dürfte und nun auch noch von den Folgen des Iran-Kriegs getroffen wird.
Selbst wenn die Energiepreise längerfristig erhöht bleiben, wäre es für die EZB schwierig, ihre Geldpolitik zu straffen, sagt Berenberg-Ökonom Felix Schmidt. "Denn in diesem Szenario würde das Wirtschaftswachstum in der Eurozone möglicherweise zwischenzeitlich zum Erliegen kommen."
Dann würde das gefürchtete Szenario einer Stagflation Realität: steigende Preise bei zugleich stagnierender Wirtschaft - ein Alptraum für Notenbanken. Sie hätte dann kaum Optionen zum Gegensteuern.
EZB erwartet Inflationsschub wegen Nahost-Krieg
Steigende Energiepreise infolge des Iran-Kriegs könnten nach Einschätzung der Europäischen Zentralbank (EZB) das Wirtschaftswachstum bremsen und die Inflation kräftig anheizen. Im wahrscheinlichsten Szenario erwartet die Notenbank für 2026 eine Teuerungsrate von durchschnittlich 2,6 Prozent im Euroraum, wie aus einer am Donnerstag veröffentlichten Mitteilung hervorgeht.
Noch im Dezember war die EZB für 2026 von einer Inflationsrate von nur 1,9 Prozent ausgegangen. Im Februar des laufenden Jahres lagen die Verbraucherpreise im Währungsraum um 1,9 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats.
In den neuen Prognosen der EZB sind Informationen bis zum 11. März berücksichtigt. Sie beinhalten damit Folgen des Iran-Kriegs, der Ende Februar begonnen hatte. Die deutlich höhere Inflationsprognose erklärte die Notenbank damit, dass "die Energiepreise aufgrund des Krieges im Nahen Osten höher sein werden". Die Inflationsprognose für das laufende Jahr liegt deutlich über der mittelfristig angepeilten Marke von 2,0 Prozent, bei der die Notenbank ihr wichtigstes Ziel gewahrt sieht.
Prognosen pessimistischer als noch im Dezember
In den Jahren 2027 (2,0 Prozent) und 2028 (2,1 Prozent) wird die EZB ihr Ziel stabiler Preise nach eigener Einschätzung erreichen. Allerdings liegen auch diese Werte etwas über der vorherigen Vorhersage aus dem Dezember.
Zugleich erwartet die EZB für den Euroraum weniger Wachstum. Die Wirtschaft wird demnach dieses Jahr nur noch um 0,9 Prozent zulegen und 2027 um 1,3 Prozent wachsen. Damit senkte die Notenbank ihre Prognose wegen der Kriegsfolgen und höherer Energiepreise. Noch im Dezember hatte die Notenbank ihre Wachstumsprognose für 2026 auf 1,2 Prozent angehoben.
Lagarde: Inflationsrisiken aufwärts gerichtet - vor allem kurzfristig
Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) ist nach den Worten von EZB-Präsidentin Christine Lagarde der Ansicht, dass die Inflationsrisiken im Euroraum aufwärts gerichtet sind - "vor allem kurzfristig", wie Lagarde in der Pressekonferenz nach der Ratssitzung sagte. Dagegen seien die Wachstumsriisken - vor allem kurzfristg - abwärts gerichtet. Zuvor hatte der EZB-Rat beschlossen, den Leitzins unverändert zu lassen und die weiteren Entwicklungen genau zu beobachten. Zudem hatte der volkswirtschaftliche Stab der EZB seine Inflationsprognose für 2026 deutlich angehoben und die Wachstumsprognose gesenkt.
Lagarde sagte, dass die EZB in nächster Zeit genau beobachten werde, ob die höhere Energiepreise über direkte oder indirekte Effekte zu einem breiteren Inflationsanstieg führten.
Lagarde: EZB-Zinsentscheidung fiel einstimmig
Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) ist nach den Worten von Präsidentin Christine Lagarde einig darüber gewesen, den Leitzins unverändert zu lassen. "Die Entscheidung fiel einstimmig, es gab keine unterschiedlichen Meinungen", sagte sie in der Pressekonferenz nach der Ratssitzung. Sie fügte hinzu: "Ich sage nicht, dass wir uns an einem guten Platz befinden, aber wir sind gut positioniert und ausgerüstet, mit einem sich entfaltenden schweren Schock umzugehen."
Lagarde zufolge wird der Rat in nächster Zeit vor allem auf die Entwicklung an den Rohstoffmärkten, auf indirekte- und Zweitrundeneffekte, auf die Verkaufspreise der Unternehmen, sowie auf Indikatoren der Lohnentwicklung achten.
Zuvor hatte der EZB-Rat beschlossen, den Leitzins unverändert zu lassen und die weiteren Entwicklungen genau zu beobachten. Zudem hatte der volkswirtschaftliche Stab der EZB seine Inflationsprognose für 2026 deutlich angehoben und die Wachstumsprognose gesenkt.
Lagarde: EZB startet 2026 von besserer Position als 2022
EZB-Präsidentin Christine Lagarde sieht die Europäische Zentralbank (EZB) in der aktuellen Periode hoher Ölpreise in einer besseren Startposition als 2022 zu Beginn des Ukraine-Kriegs. In ihrer Pressekonferenz nach der jüngsten EZB-Ratssitzung verwies sie auf eine Konstellation, die sie "drei mal zwei" nannte: "Die Inflation liegt bei 2 Prozent, die Inflationserwartung ist 2 Prozent und der Leitzins liegt bei 2 Prozent", sagte sie. Zudem achte die EZB heute stärker auf Risiken als damals.
Zuvor hatte der EZB-Rat beschlossen, den Leitzins unverändert zu lassen und die weiteren Entwicklungen genau zu beobachten. Zudem hatte der volkswirtschaftliche Stab der EZB seine Inflationsprognose für 2026 deutlich angehoben und die Wachstumsprognose gesenkt.
Carolin Ludwig, Julia Walter, Redaktion finanzen.net mit Material von dpa-AFX und Dow Jones Newswires
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