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Chinas Wirtschaft: Der Crash kommt unausweichlich

18.11.16 22:50 Uhr

Chinas Wirtschaft: Der Crash kommt unausweichlich | finanzen.net

Nur dank staatlicher Eingriffe wächst Chinas Wirtschaft stabil. Zwar gibt es Chancen für Anleger, doch die Risiken sind hoch.

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von Christoph Platt, Euro am Sonntag

Ein Riesenreich entdeckt den Konsum: Fast 1,4 Milliarden Chinesen gönnen sich mehr und mehr Annehmlichkeiten wie etwa Smartphones, modische Kleidung, Autos oder Wohnungen. So lässt sich die Erfolgsgeschichte Chinas knapp zusammenfassen.



Fraglos ist der Aufstieg des Landes ein maßgeblicher Treiber der Weltwirtschaft. Doch das Reich der Mitte gilt nicht mehr uneingeschränkt als Wachstumslokomotive, die einst Dollarzeichen in die Augen der Anleger trieb. Vieles läuft nicht rund. "Chinas Wachstums­modell ist nicht zukunftsfähig", stellten die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute vor gut einer Woche in ihrem Jahresgutachten fest.

Schwerwiegende Probleme

Zwar knirscht es an vielen Ecken und Enden, doch momentan bereiten vor allem zwei Problemfelder große Sorgen: die Immobilienblase und die hohe Verschuldung.

Die Auswüchse am Immobi­lienmarkt machen mittlerweile sogar denjenigen Angst, die davon profitiert haben. So bezeichnete Wang Jianlin, Immobilienmogul und reichster Mann Chinas, die Entwicklung unlängst als größte Blase der Geschichte. Besonders in den Großstädten explodieren die Preise: In Peking stiegen sie für neu gebaute Wohnungen binnen eines Jahres um 28 Prozent, in Shanghai sogar um 32 Prozent. In weniger entwickelten Gebieten lässt der Bauboom andererseits regelrechte Geisterstädte entstehen. "Ein Einbruch am Immobilienmarkt ist die akuteste Gefahr in China", sagt Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank.


Ein solcher Crash könnte für die chinesische Wirtschaft dramatische Folgen haben. Sollte der Wert der Wohnungen fallen, würde das die Bereitschaft der Bürger bremsen, Geld für den Konsum auszugeben. Zudem könnten viele Baufirmen und Immobilienunternehmen ins Straucheln geraten.

Dennoch dürften die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen zunächst gering ausfallen. "China wäre in der Lage, diese Schwäche auszugleichen, indem wieder neue Investitionsprogramme ins Leben gerufen werden", sagt Schmieding. Staatliche Investitionen könnten entweder die Immobilienbranche selbst stützen oder an anderer Stelle für Ausgleich sorgen, damit der Wachstums­pfad nicht verlassen wird.


Auch bei dem zweiten Pro­blem, der zunehmenden Verschuldung, hat China noch das Ruder in der Hand. Zwar ist das Schuldenvolumen seit der Finanzkrise enorm gewachsen und die Gesamtverschuldung liegt mittlerweile bei rund 250 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, doch weil vor allem Staatsunternehmen ihre Bilanzen aufgebläht haben, hat der Staat als Eigner die Möglichkeit, diese Konzerne mit frischem Geld zu stützen. "Eine Bankenkrise könnte mithilfe der Zen­tralbank entschärft werden, die Institute mit Finanzierungs­bedarf rekapitalisieren würde", so Schmieding.

Fragwürdiges Heilmittel

Mehr Geld vonseiten des Staates - dieses Heilmittel hat China in der Vergangenheit schon mehrfach angewandt und dürfte es auch in Zukunft tun. Kurzfristig sorgt das für Stabilität, doch langfristig hat dieses Spiel irgendwann ein Ende. "Die Wirtschaft wieder und wieder mit Geld zuzuschütten lässt sich auf Dauer nicht durchhalten", konstatiert Schmieding. "Deshalb kann es in fünf bis zehn Jahren durchaus mal kräftig krachen."

Wann das sein wird, ist offen. Das macht China für Anleger zu einem schwierigen Terrain. Auf der einen Seite steuert das Land auf einen großen Knall zu, auf der anderen Seite locken riesige Absatzmärkte, hohes Wachstum und zunehmender Wohlstand. Viele Zahlen, besonders aus der IT-Branche, sprechen eine eindeutige Sprache.

"Fast die Hälfte aller Käufe im Onlinehandel weltweit geht auf das Konto von China", berichtet Luke Richdale, Chef für Schwellenländeraktien bei J.P. Morgan Asset Management. "Der Umsatz von Alipay, dem Bezahldienst des chinesischen Inter­net­riesen Alibaba, ist mehr als dreimal so hoch wie der von Paypal, dem führenden west­lichen Onlinebezahlservice", nennt er ein Beispiel für das Potenzial chinesischer Firmen.

Chinas neuer Markt

Chancen sehen die Profis insbesondere am Markt für A-Aktien (siehe Investor-Info). Diese werden an der Börse in Shanghai gehandelt und ermöglichen ausländischen Anlegern seit einiger Zeit, in chinesische Unternehmen zu investieren, die zuvor nicht zugänglich waren. "Dort sind einige sehr gute Firmen verfügbar, die privat geführt werden und nicht dem Staat gehören", sagt Richdale.

China-Aktien gänzlich aus dem Depot zu verbannen, erscheint daher keine gute Lösung zu sein. Nur als wachstumsstarkes Dauerinvestment sollte sie niemand sehen. Denn nicht nur Rolltreppen in glitzernden Kaufhäusern führen sowohl nach oben als auch nach unten.

Investor-Info

Risikofaktor Immobilien
Große Gefahr

In Chinas Metropolen ist der Immobilienmarkt außer Rand und Band. Im Jahresvergleich stiegen die Preise für neu gebaute Wohn­gebäude in Shanghai um 32, in Peking um 28 Prozent. Zwischen Mitte 2014 und Mitte 2015 hatte sich der Markt etwas beruhigt. Doch seit 15 Monaten klettern die Preise immer schneller. Ein Platzen der Blase erscheint unausweichlich.

Aktienarten
Buchstabe als Wegweiser

Bei chinesischen Aktien müssen Anleger zwischen verschiedenen Börsen unterscheiden. A- und B-Aktien werden in Shanghai und Shenzhen gehandelt. A-Aktien in der Landeswährung Renminbi, B-Aktien in ausländischer Währung. Unternehmen, die in Hongkong gelistet sind, sind als H-Aktien verfügbar. Die Börse in Hongkong wird von staatseigenen oder -nahen Unternehmen dominiert, der Leit­index Hang Seng besteht zu rund 70 Prozent aus Finanztiteln. Der CSI 300, der Index für A-Aktien, ist deutlich ausgewogener und enthält viele private Unternehmen. Die Börse in Shanghai wird allerdings noch stark von chinesischen Privatanlegern getrieben, was sie volatiler macht. Sie öffnet sich aber zunehmend ausländischen Großinvestoren. Ein Einstieg in Shenzhen soll in Kürze möglich sein.

Comgest Growth Gr. China
Solides China-Investment

Nur qualitativ hochwertige Unternehmen, die verlässlich wachsen, kommen in das Portfolio des Comgest Growth Greater China. Die Sektoren IT und zyklische Konsumgüter haben derzeit das höchste Gewicht. Banken und Rohstoffkonzerne bleiben aus Prinzip außen vor, auch Versorger, Energie- und Immobilien­unternehmen sind aktuell nicht vertreten.

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Bildquellen: Mateo Pearson / Shutterstock.com, JOHANNES EISELE/AFP/Getty Images

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