Wincor Nixdorf: Das Muster ist bekannt

Selten zeigen sich Boom and Bust so im Zeitraffer wie bei der Aktie von Wincor Nixdorf, einem Hersteller von Geldautomaten und Kassensystemen. Was war geschehen?
von Jörg Lang, Euro am Sonntag
Am Donnerstag, dem 9. April, stieg die Aktie um bis zu 17 Prozent auf 47,20 Euro. Der Grund: Laut einer Agenturmeldung wollte das Unternehmen eine Investmentbank beauftragen, strategische Alternativen auszuloten. Auf Börsendeutsch heißt das: Das Management hätte nichts dagegen, übernommen zu werden. Doch die Euphorie endete schon einen Tag später nach Börsenschluss. Wincor warnte, dass Umsatz und Gewinn die Prognosen bei Weitem nicht erreichen würden. Die gesamten Kursgewinne und noch viel mehr büßte der Wert wieder ein. In der vergangenen Woche hat das Unternehmen nun die Halbjahreszahlen vorgelegt. Und die sind noch schlimmer als befürchtet.
Das operative Ergebnis brach im jüngsten Quartal um mehr als 60 Prozent ein, im ersten Halbjahr betrug das Minus 31 Prozent. Der Aktienkurs setzte fast erwartungsgemäß seine Talfahrt fort und notiert inzwischen weit unter dem Niveau, bei dem die kurze Übernahmespekulation ihren Ausgangspunkt genommen hatte. Eine solche Achterbahnfahrt passt zu der Aktiengesellschaft: Sie entspricht dem übergeordneten Muster während der bald elfjährigen Börsenhistorie der früheren Siemens-Tochter. Wer die Kursentwicklung betrachtet, erkennt drei große Zyklen, die in der Aufwärtsbewegung jeweils mehr als 100 Prozent brachten. Mit den nachfolgenden Einbrüchen war aber auch jedes Mal wieder alles verloren. Und der vierte Aufwärtszyklus wurde gerade abgebrochen.
Es gibt wohl zwei Gründe für dieses Auf und Ab. Zum einen ist es die schwierige Lage der Kunden aus Banken und Handel. Die waren in den vergangenen Jahren nicht immer die fleißigsten Besteller. Der zweite Grund liegt beim Unternehmen selbst. Wie die Halbjahreszahlen belegen, ist der Einfluss des Hardwaregeschäfts auf das Ergebnis zu groß. Die Umsätze bei Geldautomaten und Co schrumpften um zwölf Prozent. Weil die Gesamterlöse aber nur um zwei Prozent sanken, müssen Software und Dienstleistungen gewachsen sein. Andere Anlagenbauer verdienen dort hohe Margen. So gesehen hätte der Gewinn zulegen müssen. Aber auch das ist ein stetiger Begleiter bei Wincor.
Schon in den vergangenen Zyklen hat das Unternehmen seine Fertigungstiefe verringert und so den Boden für den Aufwärtszyklus gelegt. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass das auch dieses Mal der Fall sein wird. Selbst jetzt hat Wincor im ersten Halbjahr immer noch einen operativen Cashflow von mehr als 90 Millionen Euro hereingeholt. Damit kann die Straffung leicht finanziert werden. Und wer den Cashflow aufs ganze Jahr hochrechnet, wird einen Börsenwert von 1,1 Milliarden Euro bei einem Umsatz von fast 2,5 Milliarden nicht anspruchsvoll finden. Spekulationen auf eine Übernahme könnten also schnell wieder aufflammen.
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