Aktiv vs. Passiv

Haben passive ETFs ausgedient? Aktive Strategien erobern den Markt

26.01.26 03:31 Uhr

Passive ETFs am Ende? Aktivstrategien übernehmen das Ruder | finanzen.net

Passive ETFs galten lange als Goldstandard für kostenbewusste Anleger. Doch eine neue Generation aktiv verwalteter ETFs erobert den Markt - und stellt die Frage, ob die klassischen Indexfonds ihre besten Tage hinter sich haben.

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• In den USA waren 2025 bereits 85 Prozent aller neuen ETFs aktiv verwaltet
• Grenzen zwischen aktiven und passiven Strategien verschwimmen zunehmend
• US-Börsenaufsicht SEC ebnet Weg für ETF-Anteilsklassen bei traditionellen Investmentfonds

Die Grenzen zwischen aktiv und passiv verschwimmen

Was genau ist eigentlich ein "echter" ETF? Diese Frage stellten Anleger vor 15 Jahren noch mit einer klaren Erwartung: Ein börsengehandelter Fonds müsse einen Index wie den DAX, S&P 500 oder MSCI World möglichst exakt nachbilden. Passive Indexreplikation galt als Wesenskern dieser Anlageklasse. Diese Definition wandelt sich jedoch grundlegend.

Die strenge Trennung zwischen aktiven und passiven Anlagestrategien löst sich zunehmend auf. Wie Morningstar in einer Analyse vom 19. November 2025 ausführt, ist die strikte Unterscheidung zwischen "aktiv" und "passiv" irreführend und wird der Realität kaum gerecht. Manche passive ETFs treffen durchaus aktive Entscheidungen bei der Gewichtung von Risiko und Rendite, während sich einige aktive ETFs kaum von breit gestreuten Marktindizes unterscheiden.

Diese Entwicklung hat konkrete Auswirkungen auf die ETF-Landschaft. Morningstar zufolge haben aktive ETFs in Europa mittlerweile 62,4 Milliarden Euro erreicht (Stand: August 2025) - eine Nische, die rasant wächst. Eine Umfrage des ETF-Beraters Blackwater zeigt das Tempo dieser Transformation: Während 2021 noch 90 Prozent der befragten aktiven Fondsmanager nicht über die Auflage von ETFs nachdachten, lag diese Quote drei Jahre später nur noch bei zehn Prozent.

Aktive ETFs erobern den Markt

In den USA ist die Entwicklung bereits weiter fortgeschritten. Fidelity International zufolge waren dort fast 85 Prozent aller im Jahr 2025 neu aufgelegten ETFs aktiv verwaltet. Zwar fließt noch immer der Großteil des Kapitals in passive Strategien - etwa 35 Prozent der rund eine Billion US-Dollar, die 2025 in ETFs flossen, gingen in aktive Produkte. Doch die Dynamik ist eindeutig: Aktive ETFs übertreffen passive bereits zahlenmäßig in den Vereinigten Staaten.

In Großbritannien sind laut Fidelity derzeit 250 aktiv verwaltete ETFs an der Londoner Börse notiert - etwa jeder zehnte der insgesamt 2.151 gelisteten ETFs. Weltweit ist mehr als eine Billion US-Dollar in aktiven ETFs investiert. Die Kostenspanne für diese Produkte liegt zwischen 0,19 und 0,89 Prozent jährlich und spiegelt die höheren Aufwendungen für aktives Fondsmanagement wider.

Was treibt diese Entwicklung?

ETF-Anbieter streben nach Differenzierung und Preissetzungsmacht. Anders als bei standardisierten Indexprodukten, bei denen der Preiswettbewerb die Margen auf Bruchteile eines Prozents gedrückt hat, versprechen aktive Strategien höhere Gebühren und damit bessere Erträge für die Fondsgesellschaften.

Neue Regulierung beschleunigt den Wandel

Die Verschmelzung von aktiven und passiven Strategien wird durch regulatorische Änderungen weiter beschleunigt. Am 29. September 2025 kündigte die US-Börsenaufsicht SEC an, dass sie die Genehmigung für börsengehandelte Anteilsklassen bestehender Investmentfonds von Dimensional Fund Advisors erteilen werde. Diese Neuerung erlaubt es Investmentfonds, eine ETF-Anteilsklasse als zusätzliche Option anzubieten.

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Bitte lesen Sie den Prospekt des OGAW und das Basisinformationsblatt des Fonds, bevor Sie eine endgültige Anlageentscheidung treffen.

Der Vorteil liegt in der Steuereffizienz: Die steuerlich günstigen Transaktionen der ETF-Struktur können sich auf alle Anteilsklassen des Fonds auswirken und so auch traditionelle Investmentfonds steueroptimierter machen. Dutzende weitere Vermögensverwalter haben laut Morningstar ähnliche Anträge bei der SEC eingereicht. Sobald diese Hürden überwunden sind, dürfte eine weitere Welle aktiver ETFs auf den Markt kommen.

Diese Entwicklung verändert die Spielregeln grundlegend. Wenn aktive Investmentfonds durch ETF-Anteilsklassen ebenso steuereffizient werden wie reine ETFs und gleichzeitig ihre Gebühren weiter sinken, verlieren passive ETFs einen ihrer wichtigsten strukturellen Vorteile. In diesem Szenario rücken die Qualität des Investmentprozesses und die Expertise der Fondsmanager stärker in den Vordergrund - unabhängig davon, ob ein Produkt als aktiv oder passiv etikettiert wird.

Was bedeutet das für Anleger?

Die klare Trennung zwischen passiven und aktiven ETFs verschwindet zunehmend. Anleger stehen vor einer wachsenden Auswahl an Zwischenformen: Strategien, die sich nur leicht vom Index entfernen, Fonds, die gezielt auf einzelne Risikofaktoren wie Bewertung oder Unternehmensgröße setzen, und vollständig aktive Ansätze, bei denen Fondsmanager ihre Portfolios frei zusammenstellen.

Ob passive ETFs damit tatsächlich ausgedient haben, ist jedoch fraglich. Breit diversifizierte, kostengünstige Indexfonds auf Indizes wie den MSCI World oder S&P 500 behalten ihre Berechtigung als Kerninvestment in vielen Portfolios. Ihre niedrigen Kosten, hohe Transparenz und verlässliche Marktabbildung machen sie nach wie vor zur ersten Wahl für langfristig orientierte Anleger, die keine aktiven Wetten eingehen möchten.

Die Zukunft dürfte eher in einem Nebeneinander verschiedener Ansätze liegen. Passive Kern-Investments können durch gezielte aktive Bausteine ergänzt werden, wenn Anleger überzeugt sind, dass ein Fondsmanager in bestimmten Marktsegmenten tatsächlich Mehrwert schaffen kann.

D. Maier / Redaktion finanzen.net

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