07.07.2022 21:47

Inflation: Welche Investments Ihr Vermögen retten

Inflation schwer zu bändigen: Inflation: Welche Investments Ihr Vermögen retten | Nachricht | finanzen.net
Inflation schwer zu bändigen
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Anlagestrategie: Die Fed stemmt sich gegen die Inflation. Auch die EZB tritt auf die geldpolitische Bremse. Schnell werden die Preise jedoch nicht sinken. Trotz volatiler Märkte - ausgewählte Aktien schützen vor Kaufkraftverlusten.
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€uro am Sonntag

von Jörg Billina und Sven Parplies, Euro am Sonntag

Wut und Ängste der Konsumenten nehmen zu: Sie fürchten, dass die Inflation außer Kontrolle gerät. Sparguthaben und Depots verlieren an Wert, die Kreditkosten steigen, alles wird teurer. Wie kommt man da über die Runden? Die Preise für Nahrungsmittel lagen in Deutschland im Mai um elf Prozent über dem Niveau des Vorjahres. Speisefette und Speiseöle kosteten fast 40 Prozent mehr. Gleichzeitig schießen die Energiekosten nach oben, auch Mietern drohen kräftige Erhöhungen. Deutlich mehr müssen die Bürger ebenso für Waren des täglichen Bedarfs bezahlen.

Im Mai ermittelte das Statistische Bundesamt im Vergleich zum Vorjahresmonat eine Inflationsrate von 7,9 Prozent. Geht’s noch höher? Nicht unwahrscheinlich. Denn die gewerblichen Erzeugerpreise zogen um über 33 Prozent an. Nach Einschätzung des Ökonomen Hans-Werner Sinn wird rund ein Drittel davon an die Konsumenten abgegeben.

Schon schwört Christian Lindner die Bürger auf eine lange Phase der Entbehrungen ein. "Meine Sorge ist, dass wir in einigen Wochen und Monaten eine sehr besorgniserregende Situation haben könnten", sagt der Bundesfinanzminister.

Besorgniserregend - in den USA hat der Kaufkraftverlust dieses Ausmaß schon erreicht. Im Mai ermittelte das Bureau of Labour Statistics im Vergleich zum Vorjahresmonat eine Inflationsrate von 8,6 Prozent. "Hält der Preisdruck an, drohen zehn Millionen US-Bürger in die Armut abzurutschen", warnt Finanzministerin Janet Yellen.

Das düstere Szenario ist nicht unwahrscheinlich. Der Höhepunkt der Inflation scheint auch jenseits des Atlantiks noch nicht erreicht zu sein. Die Investmentbank Morgan Stanley rechnet im Herbst mit einem Anstieg auf 9,2 Prozent. Auch dann sei längst noch nicht Schluss, warnt Peter Schiff von der US-Investmentgesellschaft SchiffGold. "Wir stehen erst am Anfang. Die Inflation war lange Zeit nur in den Aktienmärkten vorhanden, nun aber steigen die Preise nachhaltig auf breiter Front."

Auch weil die befürchtete Lohn-Preis-Spirale in Gang gekommen ist. Der US-Jobmarkt ist eng, die Arbeitslosenquote beträgt gerade mal 3,8 Prozent. Arbeitnehmer können daher Kompensation für die Kaufkraftverluste fordern und erhalten diese auch. In den ersten drei Monaten des Jahres stiegen die Löhne im Schnitt schon um fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal.

"Jeder Gewerkschaftschef, der sieht, wie die Reallöhne seiner Mitglieder pulverisiert werden, muss jetzt mindestens mit sechs Prozent aus den Tarifverhandlungen kommen", sagt Philipp Vorndran von der Kölner Vermögensgesellschaft Flossbach von Storch. Das aber zwinge noch mehr Unternehmen, die steigenden Kosten auf die Verbraucher abzuwälzen.

Auch in Deutschland erheben die Gewerkschaften Anspruch auf Ausgleich und höhere Löhne. Die IG Metall beispielsweise geht mit Lohnerhöhungsforderungen von um die acht Prozent in die Tarifverhandlungen.

Nicht nur Russlands Schuld

Die wesentlichen Gründe für den Anstieg der Preise ist der Krieg Russlands gegen die Ukraine, die Sanktionen des Westens gegen russische Öllieferungen, die drastischen Kürzungen russischer Gaslieferungen sowie die Blockade der für die weltweite Versorgung wichtigen ukrainischen Weizenlieferungen. Allerdings sind auch die durch Corona unterbrochenen Lieferketten immer noch als Treiber aktiv. In den USA beispielsweise können wegen fehlender Baumaterialien lange nicht so viele Häuser gebaut werden wie nachgefragt werden. Der Immobilienanbieter Realtor.com beziffert die Lücke auf 5,4 Millionen. In Deutschland fehlen Ersatzteile und ganze Geräte.

Verantwortung für den Preisanstieg tragen aber auch die Regierungen. Sie haben in den vergangenen Jahren die Staatsdefizite massiv erhöht. Aktuell sind die USA mit 30 Billionen Dollar - etwa 137 Prozent des Bruttoinlandsprodukts - in den Miesen. Innerhalb von nur zehn Jahren kletterten die US-Schulden um 13 Billionen Dollar.

Die US-Notenbank wiederum hat mit ihrer ultralockeren Geldpolitik Washington, aber auch Konsumenten und Unternehmen zur Schuldenaufnahme ermutigt. Im vergangenen Jahr erwarb die Fed noch Monat für Monat US-Staatsanleihen und hypothekenbesicherte Wertpapiere im Wert von 120 Milliarden Dollar. Gleichzeitig senkte sie die Zinsen auf Tiefstwerte ab. Ihr Ziel, die Wirtschaft mit Liquidität zu fluten und die Nachfrage anzukurbeln, hat sie erreicht. Im letzten Jahr legte das Bruttoinlandsprodukt um 5,5 Prozent zu.

Doch jetzt kann die Fed den Aufschwung nicht mehr anschieben, sondern muss die Liquidität zurückfahren. "Natürlich wollen wir keine Rezession provozieren", sagte US-Notenbankchef Jerome Powell soeben vor dem US-Kongress. "Aber wir glauben, dass es absolut notwendig ist, Preisstabilität wiederherzustellen." Die Priorität ist damit klar. Vergangene Woche hob die Notenbank den Leitzins gleich um 0,75 Prozentpunkte auf 1,50 bis 1,75 Prozent an. Einen weiteren Zinsschritt in dieser Größenordnung wird sie wohl im Juli vornehmen.

Wann sie den Erhöhungszyklus beendet? "Wir erwarten, dass die Zinssätze Ende des Jahres bei 3,25 und 3,50 Prozent stehen. Dies sollte es dann gewesen sein", meint Felix Hüfner, Chefvolkswirt bei der UBS. Die Investmentbank Nomura geht dagegen von Erhöhungen bis kommenden Februar auf 3,50 bis 3,75 Prozent aus.

Konjunkturelle Bremsspuren

Fraglich bleibt, ob es Fed-Chef Jerome Powell gelingt, auf die geldpolitische Bremse zu treten, ohne der Wirtschaft allzu sehr zu schaden. Am Aktienmarkt sorgen die Zinserhöhungen und Stagflations- oder gar Rezessionsbefürchtungen für Verwerfungen. Sowohl der Nasdaq 100 als auch der S & P 500 haben von ihren Hochs mittlerweile über 20 Prozent verloren. Beide Indizes erfüllen damit die für einen Bärenmarkt geltende Definition. Eine Trendumkehr zeichnet sich noch nicht ab. Korrigieren Unternehmen in den kommenden Monaten ihre Gewinnerwartungen nach unten, kann die Baisse noch eine Weile die Baisse ernähren.

Erster Zinsschritt im Juli

Die Europäische Zentralbank (EZB) dagegen unternahm bislang nichts. Der für Banken geltende Einlagezinssatz liegt bei minus 0,5, der Leitzins bei null Prozent - obwohl die EZB gemäß den Europäischen Verträgen dem Ziel Preisstabilität verpflichtet ist. Diese liegt vor, wenn die Inflationsrate um die zwei Prozent beträgt. In der Eurozone wurden zuletzt aber 8,1 Prozent gemessen.

"Die EZB hat unterschätzt, wie schnell die Wirtschaft und vor allem wie robust der Arbeitsmarkt aus der Covid-Krise kommt", analysiert UBS-Chefvolkswirt Hüfner. Auch stufte EZB-Chefin Christine Lagarde die Inflation über Monate hinweg als nur temporär ein. Die Glaubwürdigkeit der EZB ist angeschlagen. Lagarde will sie wiederherstellen, doch tut sie dies in mäßigem Tempo. "Die EZB wird erst mal ihre Anleihekäufe beenden und im Juli den Leitzins vermutlich um 25 Basispunkte anheben", sagt Hüfner. Im September sollte dann ein Schritt von 50, im Oktober und im Dezember wiederum um jeweils 25 Basispunkte erfolgen.

Für die EZB wird es ein schwieriger Balanceakt. Die südeuropäischen Staaten sind hoch verschuldet. Sorgen bereitet insbesondere Italien. Die drittgrößte Volkswirtschaft der EU weist eine Schuldenquote von 155 Prozent auf. In diesem Jahr werden rund 200 Milliarden Euro an Staatsanleihen fällig, im nächsten Jahr müssen 310 Milliarden Euro an die Gläubiger zurückbezahlt werden. "All das muss finanziert werden, während die EZB sich anschickt, keine weiteren Euroanleihen zu erwerben", sagt Cyrus de la Rubia von der Hamburg Commercial Bank.

Verständlicherweise ist Italiens Ministerpräsident Mario Draghi gegen Zinserhöhungen. Sie sind seiner Auffassung nach im aktuellen Umfeld nicht nötig. Unter den Investoren wachsen dennoch Zweifel. Sie trennten sich von italienischen Staatspapieren, die Rendite der zehnjährigen Anleihe kletterte zwischenzeitlich auf vier Prozent, so hoch wie seit sechs Jahren nicht mehr.

Die zehnjährige Bundesanleihe rentiert dagegen nur mit 1,65 Prozent. In Frankfurt schrillten daraufhin die Alarmglocken. Ein zu starkes Auseinanderdriften oder gar eine Neuauflage der Eurokrise wollen die Währungshüter unbedingt vermeiden. Lagarde berief vergangene Woche eine Sondersitzung ein. Die EZB-Mitglieder verständigten sich auf die Schaffung eines neuen geldpolitischen Instruments. Wie dieses konkret aussehen soll, darüber schweigt sich die EZB noch aus. Der Zweck aber scheint klar: "Es sollen nicht mehr Anleihen aller Länder auf den Sekundärmärkten gekauft, sondern nur gezielt und in besonderen Fällen Bonds hoch verschuldeter Länder erworben werden", sagt UBS-Chefvolkswirt Hüfner.

Doch damit riskiert die EZB den Vorwurf, sie betreibe Staatsfinanzierung. Das aber gehört nicht zu ihren Aufgaben. Investoren sehen auch die Gefahr, dass die EZB mit ihrem Versprechen verhindert, dass die Länder notwendige Reformen auf den Weg bringen. Und so richtig schlüssig ist die Vorgehensweise auch nicht. Die EZB schöpft die Geldmenge nicht so stark ab, wie es notwendig wäre, um sich dem Preisziel zu nähern. Und sie schwächt den Euro. Dadurch aber werden Waren aus dem Ausland teurer, Inflation wird importiert. Viel spricht dafür, dass Anleger noch lange Zeit mit hohen Teuerungsraten konfrontiert bleiben.

Aktien sind in Inflationszeiten eigentlich ein gutes Investment. Wer eine Aktie kauft, erwirbt einen Anteil an einem Unternehmen, also an Sachwerten oder auch immateriellem Vermögen wie Patenten. Entscheidend für die Kursentwicklung des breiten Aktienmarkts sind Dosierung und Trendrichtung der Teuerungsrate, wie eine Analyse der Investmentbank Goldman Sachs zeigt.

Das beste Szenario ist demnach eine Inflation, die unterhalb von einem Prozentpunkt liegt und steigt. Das sind meist Phasen, in denen sich die Wirtschaft nach einer Rezession erholt und Aktien noch günstig zu haben sind. Steigt die Inflation zwischen einem und drei Prozent, legen die Aktienmärkte ebenfalls zu. Eine moderat steigende Teuerungsrate ist Zeichen einer gesunden Wirtschaft.

Ab etwa drei Prozent aber kippt die Stimmung. Steigt die Inflation über diese Schwelle hinaus und weiter an, wird es ungemütlich. Börsianer preisen dann steigende Zinsen und eine Konjunkturabkühlung oder sogar eine Rezession ein. Genau in dieser Phase befinden sich die Aktienmärkte aktuell. Erst wenn die Inflation wieder sinkt und damit der Druck auf die Notenbanken nachlässt, gelingt den Aktienkursen der Ausbruch aus dem Abwärtstrend.

Im Detail ist die Dynamik komplexer. Einige Branchen und Unternehmen kommen mit steigender Inflation und einer schwächelnden Konjunktur besser zurecht als andere. Und jede Krise hat ihre Besonderheiten. Der offensichtlichste Gewinner in der aktuellen Konstellation ist die Energiebranche, deren Geschäft in normalen Wirtschaftskrisen unter sinkender Nachfrage leidet.

Für Konzerne wie Exxon, Chevron, Shell oder auch Totalenergies ist der steile Anstieg des Ölpreises ein Glücksfall. Solange der Krieg um die Ukraine anhält, dürfte das Niveau hoch bleiben. Kräftige Gewinne sichern die Finanzierung der Dividende und erleichtert den Konzernen Investitionen in die anstehende Energiewende. Unter Druck geraten dürften diese Aktien, wenn die hohen Marktpreise die Wirtschaft zu stark schwächen und damit die Nachfrage nach Rohstoffen zurückgeht.

Sonderkonjunktur hat auch die Rüstungsindustrie. Die Branchenriesen wie Lockheed und Raytheon machen ihre Geschäfte vor allem mit der US-Regierung und haben langjährige Aufträge. Das macht das Geschäft gut planbar. Der Senat hat gerade eine stärkere Steigerung des US-Rüstungsbudgets beantragt als von Präsident Biden vorgeschlagen. Mit dem Aufschlag sollen steigende Kosten durch die Inflation abgedeckt werden. Einen deutlichen Schub erlebt der deutsche Rüstungskonzern Rheinmetall durch die Investitionsoffensive der europäischen Staaten, vor allem Deutschlands.

Pharma ist billig

Klassisch defensive Branchen decken den Grundbedarf der Menschen und können sich dadurch von Konjunkturzyklen und Inflationsdruck abkoppeln. Das gilt insbesondere für den Gesundheitssektor und die Hersteller von Nahrungsmitteln. Genauso wie Menschen unabhängig von der Konjunkturlage essen müssen, kennen Krankheiten keine Konjunkturzyklen. Pharma ist noch vergleichsweise günstig bewertet und liefert zuverlässig Dividende.

Die Pharmabranche hat in der Pandemie Umsatz verloren, weil viele Menschen aus Angst vor dem Virus nicht zum Arzt gegangen sind. Inzwischen normalisiert sich das Geschäft. Die langfristigen Trends - Bevölkerungswachstum und Alterung der Gesellschaft - bleiben intakt. In den kommenden drei Jahrzehnten dürfte sich beispielsweise die Zahl der Menschen, die 65 Jahre und älter sind, weltweit verdoppeln.

Ähnliche Dividendenrenditen wie die Pharmabranche werfen Nahrungsmittelhersteller ab. Konzerne wie das Schweizer Unternehmen Nestlé haben gezeigt, dass sie steigende Kosten an die Kunden weitergeben können.

Die Techbranche ist eigentlich ein offensives Investment, es gibt aber Ausnahmen. In einer immer stärker digitalisierten Welt werden Softwarehersteller wie Microsoft oder auch SAP zu Versorgern. Der Finanzdienst Bloomberg kalkuliert, dass mehr als 70 Prozent des Umsatzes von Microsoft aus Bereichen kommen, die auch dann wachsen, wenn die IT-Ausgaben sinken würden. Bei SAP stammen nach Angaben des Unternehmens inzwischen 81 Prozent der Umsätze aus Cloud-Abos, Service und Wartung, also relativ zuverlässigen Geschäften. Da die Programme Grundfunktionen erfüllen, lassen sich Preiserhöhungen durchsetzen.

Die hohen Energiepreise treffen alle Konsumenten, aber nicht jeden gleich hart. Je höher das Einkommen eines Haushalts ist, desto leichter lassen sich die hohen Kosten verkraften. Wer also auf Kunden mit großem Geldbeutel spezialisiert ist, hat einen Vorteil. Diese werden weiterhin shoppen und sich auch durch Preiserhöhungen nicht abschrecken lassen. Klassischer Gewinner sind darum die Hersteller von Luxusgütern. Bislang werden Aktien aus diesem Sektor durch ein Sonderproblem zurückgehalten: China ist ihr wichtigster Absatzmarkt. Dort leidet das Geschäft unter den scharfen Covid-Restriktionen der Regierung. Sobald sich die Viruslage entspannt, sollten Konzerne wie das französische Luxusmarkenkonglomerat LVMH profitieren.

Wer seine Marke geschickt inszeniert, kann seinen Kunden dosierte Preiserhöhungen zumuten. Dieses Modell funktioniert nicht nur im Luxussegment. Laufschuhe des Sportartikelriesen Nike gibt es in Deutschland in einer Preisspanne von rund 60 bis 300 Euro. In diesen Dimensionen dürften Kunden sich nicht von moderaten Preisaufschlägen abschrecken lassen. Der Sportmarkt ist relativ krisenresistent. Laufen oder auch mit den Kumpels im Park kicken ist eine billige Freizeitgestaltung mit Nutzwert für die Gesundheit.

Kursaufschwung nach dem Peak

Die Inflation bedroht die Aktienmärkte auch auf einer ganz anderen Ebene: Fallende Zinsen waren viele Jahre ein wichtiger Kurstreiber. Die in Zukunft erwarteten Unternehmensgewinne mussten mit immer niedrigeren Prozentzahlen abgezinst werden. Die Zukunft wurde also wertvoller. In der Logik der Börse rechtfertigte das höhere Bewertungskennziffern, vor allem bei jenen Unternehmen mit Aussicht auf starkes Wachstum. Innerhalb von zehn Jahren stieg das KGV des von Techwerten dominierten Aktienindex Nasdaq 100 von 13 auf 30, beim DAX von neun auf 16, beim breiten amerikanischen Aktienindex S & P 500 von zwölf auf 23.

Die Aktienkurse sind im Aufschwung also deutlich stärker gestiegen als die Unternehmensgewinne. Da jetzt die Zinsen steigen, kehrt sich dieser Bewertungseffekt um. Das erklärt die massiven Kursverluste vor allem im Technologiesektor. Immerhin sind die KGVs der Indizes inzwischen wieder auf das Niveau des langjährigen Durchschnitts gefallen.

Als potenziellen Boden sieht die DZ Bank ein DAX-Niveau von 12.500 Punkten. Beim S & P sehen Strategen die Unterstützungszone bei 3.000 bis 3.400 Punkten. Viel hängt aber von der Inflationsentwicklung ab. "Wir glauben, dass Aktien einen Höhepunkt der Inflation sehen müssen, um sich zu erholen", kalkuliert Goldman Sachs. Historisch sind die Aktienmärkte laut Berechnung der Bank nach einem Inflations-Peak um 15 Prozent gestiegen.

Glossar

Inflationsrate: Sie gibt an, wie sehr das Preisniveau innerhalb einer Volkswirtschaft über einen bestimmten Zeitraum gestiegen ist. Die Teuerungsrate wird im Vergleich zum Vorjahresmonat oder zum Vormonat gemessen.

Inflationsberechnung: Der Preisanstieg wird vom Statistischen Bundesamt ermittelt. Die Behörde verwendet dazu einen 650 Güterarten umfassenden Warenkorb. Die Ausgabenanteile der privaten Haushalte werden unterschiedlich gewichtet. Auf Wasser, Gas und Strom entfallen rund 31 Prozent, auf Nahrungsmittel rund zehn Prozent. Das Gewichtungen werden alle fünf Jahre aktualisiert.

Kerninflationsrate: Sie misst die Preisentwicklung eines Warenkorbs ohne die meist stark schwankenden Lebensmittel- und Energiepreise. Die Gründe für Preisveränderungen in den beiden Sektoren sind in der Regel nicht auf Entwicklungen innerhalb einer Volkswirtschaft zurückführen. In der Eurozone und in Deutschland betrug die Kerninflationsrate im Mai im Vergleich zum Vorjahresmonat jeweils 3,8 Prozent.

Erzeugerpreise: Das Statische Bundesamt ermittelt monatlich einen Preis-Durchschnittswert für gewerbliche Produkte, die im Inland hergestellt wurden. Im Mai legten die gewerblichen Erzeugerpreise in Deutschland im Vergleich zum Vorjahresmonat um 33,6 Prozent zu - so viel wie noch nie seit Beginn der Berechnung im Jahr 1949. Die Erzeugerpreise geben Hinweise auf den Verlauf der allgemeinen Inflation.

Inflationsmessung USA: Der Consumer Price Index wird vom Bureau of Labor Statistics monatlich ermittelt. Der Warenkorb besteht aus 80.000 Waren und Dienstleistungen, zu denen Äpfel, Benzin, Arztbesuche und TV-Gebühren zählen.

Lohn-Preis-Spirale: Ziehen die Preise an, wollen die Gewerkschaften Kompensation. Die IG Metall beispielsweise fordert in der aktuellen Tarifrunde bis zu acht Prozent mehr Lohn. Die Unternehmen versuchen dann, die höheren Kosten auf die Verbraucher abzuwälzen. Das Preisniveau steigt dadurch weiter, die Gewerkschaften fordern erneut Ausgleichszahlungen.

INVESTOR-INFO

Anleihe-Short-ETF

Auf fallende Kurse setzen

Die EZB will im Juli erstmals die Zinsen erhöhen. Das drückt die Kurse europäischer Staatsanleihen, Anleger trennten sich insbesondere von italienischen Papieren. Mit dem Xtrackers Eurozone Government Bond Short ETF können Anleger von fallenden Kursen profitieren. Seit Jahresanfang legte er 15 Prozent zu. Auf französische, italienische und deutsche Staatsanleihen entfallen über 60 Prozent der Mittel. Die durchschnittliche Laufzeit der Anleihen beträgt acht Jahre.

Globaler Value-Fonds

Relativ robust

Value feiert nach einer Durststrecke ein Comeback. Die Anlagestrategie, die sich auf unterbewerte Substanzwerte fokussiert, erweist sich als relativ robust gegen aktuell hohe Schwankungen. Der UniValueFonds: Global weist seit Jahresanfang einen Verlust von nur zwei Prozent auf. In den vergangenen fünf Jahren legte er 48 Prozent zu. Der Fonds setzt auf Finanzwerte wie JP Morgan Chase und Konsumtitel wie Coca-Cola. Auch die Deutsche Telekom findet sich im Portfolio.

US-Energie-ETF

Knapper Rohstoff

Aktien der US-Energiebranche haben zuletzt wegen zunehmender Rezessionsgefahren wieder verloren. Seit Jahresanfang weist der von State Street Global Advisors aufgelegte SPDR S & P U.S. Energy ETF jedoch immer noch ein Plus von 44 Prozent auf. Viel spricht dafür, dass die beiden Rohstoffe Öl und Gas weiterhin knapp bleiben und Energiewerte wieder zulegen. Im Exchange Traded Fund finden sich Dickschiffe wie ExxonMobil, ConocoPhillips, Chevron und Schlumberger. Insgesamt umfasst der ETF 21 Titel.

INVESTOR-INFO

Astrazeneca

Gesunde Gewinne

Der britische Pharmakonzern ist in Deutschland vor allem für seinen Covid-Impfstoff bekannt. Umsatzstärkster Bereich bei Astrazeneca sind Medikamente gegen Krebs. Auch Wirkstoffe gegen Erkrankungen der Atemwege und des Herz-Kreislauf-Systems oder auch Autoimmunerkrankungen gehören zum Portfolio. Die Deutsche Bank erwartet bei Astrazeneca bis 2026 ein Umsatzwachstum von durchschnittlich sechs Prozent, ein doppelt so starkes Wachstum beim Kerngewinn.

LVMH

Glamouröse Marge

Zum französische Luxusgüterkonglomerat gehören Marken wie Louis Vuitton, Dior und Bulgari. Wichtigste Sparte ist Mode & Lederwaren, die rund die Hälfte des Konzernumsatzes liefert. Die operative Marge liegt bei 27 Prozent und dürfte das glamouröse Niveau im günstigen Fall sogar leicht verbessern. Sorgen bereitet wegen der Covid-Restriktionen das China-Geschäft. Trotzdem: Das erste Halbjahr sei auf einem "sehr guten Weg", sagte unlängst Chef Bernard Arnault.

Microsoft

Digitaler Versorger

Das Cloud-Geschäft ist der Kurstreiber der Aktie. Das Wachstumspotenzial dort ist noch lange nicht ausgeschöpft. Da IT-Systeme für Unternehmen lebensnotwendig sind, liefert das Cloud-Geschäft Microsoft zuverlässige Einnahmen. Probleme bereitet dem Softwareriesen derzeit der starke Dollar. Microsoft hat bereits gewarnt, dass die Ergebnisse im Quartal aufgrund von negativen Währungseffekten etwas schlechter ausfallen. Die Aktie bleibt ein Basisinvestment für langfristig orientierte Anleger.

Nestlé

Zuverlässige Dividende

Der Schweizer Nahrungsmittelriese ist unter Börsianern wegen seines starken Markenportfolios beliebt. Produkte wie Tierfutter sollten sich in einem schwierigen Wirtschaftsumfeld überdurchschnittlich entwickeln. Schon im ersten Quartal hat Nestlé die Preise um mehr als fünf Prozent angehoben. Analysten trauen dem Konzern in den kommenden Jahren Umsatzsteigerungen von rund fünf Prozent zu. Die Dividende steigt seit 27 Jahren kontinuierlich.

Nike

Kräftig durchatmen

Am Montag will der weltgrößte Sportartikelkonzern seine Ergebnisse für das bis Ende Mai laufende Geschäftsjahr vorlegen. Auch Nike leidet unter steigenden Kosten, Problemen in der Lieferkette und China-Schwäche. Die Aktie hat seit dem Rekordhoch rund 40 Prozent an Wert verloren. Der langfristige Trend bleibt intakt. Vor allem die Stärkung eigener Vertriebskanäle bietet Potenzial. Ein weiterer Kursrückschlag würde eine gute Einstiegsgelegenheit bieten.

Rheinmetall

Die neue Realität

Der Krieg in der Ukraine hat auch für Rheinmetall eine neue Welt geschaffen. Vor allem bei der Bundeswehr sind die Lücken bei schwerem Gerät, aber auch Munition groß. Die im MDAX notierte Aktie ist bereits stark gestiegen, der Markt aber könnte das Potenzial unterschätzen. Für Goldman Sachs ist Rheinmetall aufgrund des Produktmix und der geografischen Ausrichtung einer der Topwerte im Verteidigungssektor. Ein Ausbruch über die Marke von 220 Euro wäre charttechnisch ein neues Kaufsignal.












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