02.06.2017 10:34

Wann platzt die Aktienblase, Dirk Müller?

Interview mit Mr. DAX: Wann platzt die Aktienblase, Dirk Müller? | Nachricht | finanzen.net
Interview mit Mr. DAX
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Mr. DAX spricht im Interview über Chancen und Risiken an den Märkten sowie über Gold, den Dollar und die Fed-Politik.
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von Benjamin Summa

Herr Müller, politische Risiken und die Euro-Stärke stehen derzeit weiteren Dax-Rekordhochs im Weg. Welche Chancen und welche Risiken machen Sie derzeit an den Aktienmärkten aus?
Dirk Müller: Ich glaube tatsächlich, dass wir in einer letzten großen Welle des Aufschwungs sind, die noch eine ganze Weile andauern kann. Momentan gibt es noch viele Pessimisten an den Märkten, keiner traut dem Braten so richtig. Das ist die Voraussetzung für eine weiterlaufende Hausse. Erst wenn alle ins Optimisten-Lager gewechselt sein werden, wird es kritisch. Risiken gibt es aber natürlich in vielfältigster Hinsicht: die riesige China-Blase, die zu platzen droht, die politischen Turbulenzen um den amerikanischen Präsidenten oder die gefährlichen Entwicklungen im Nahen Osten und in Nordkorea. Aber im Augenblick wollen die Märkte dennoch mit Kraft nach oben, die Risiken werden weitestgehend ausgeblendet.

Aber werden die Märkte einen US-Präsidenten Trump wirklich längerfristig ausblenden können? Er schlittert von einer Polit-Affäre in die nächste.
Es ist erstaunlich, wie gelassen die Märkte mit diesem Unsicherheitsfaktor "Donald Trump" umgehen. Wir sind in einer Phase, die sehr stark an die Nixon-Ära erinnert, und keiner kann mit Sicherheit sagen, ob am Jahresende der Präsident noch Trump heißen wird. Aber das billige Geld der Notenbanken lässt das Gros der Anleger tatsächlich über diese starken Unsicherheiten hinwegblicken. Politische Krisen spielen nicht mehr die Rolle, die sie noch vor einigen Jahren gespielt haben.

Nicht wenige Strategen raten derzeit zu europäischen Titeln, da diese günstiger als US-Aktien seien. Ist der europäische Markt tatsächlich attraktiver?
Tatsächlich haben wir in Europa aktuell günstigere Bewertungen. Aber diese sind auch gerechtfertigt. Das größte Gewinnwachstum sehen wir nun mal in den USA - dies hat weniger damit zu tun, dass dort die klügsten Köpfe zu verorten wären, sondern mit einer aggressiven Wirtschaftspolitik der Regierung, die alles dafür tut, um Gesetze im Sinne der US-Unternehmen zu verändern. Diese Macht der Politik eröffnet Märkte und schafft einen immensen Wettbewerbsvorteil. Diese Vorteile haben europäische Unternehmen nicht.

Welche Strategie verfolgen Sie derzeit bei Ihrem eigenen Fonds?
Vor dem Hintergrund der drei Gefahrenherde Brexit, Frankreich- und Trump-Wahl waren wir stark abgesichert und haben dadurch auch Performance verschenkt. Aktuell haben wir die Absicherungen aufgelöst, aber wir sind so positioniert, dass wir die konservative Strategie sofort wieder aufgreifen können, sobald der Markt unter Druck kommt. Denn wenn der Aktienmarkt kippt, dann sehr schnell und sehr stark. Das erwarte ich aber erst in der zweiten Jahreshälfte 2017 bis zur ersten Jahreshälfte 2018.

Bleibt die US-Notenbank bei ihrer Politik der schrittweisen Anhebung der Leitzinsen?
Die US-Wirtschaft hat sich seit 2009 erholt, keine Frage. Aber eine boomende Wirtschaft sehe ich nicht. Eine Rezession liegt meiner Einschätzung näher als ein Boom. In Amerika wird weiterhin unglaublich viel "auf Pump" gemacht, das Land hatte im vergangenen Jahr nur 1,6 Prozent Wirtschaftswachstum und eine Neuverschuldung von 5,4 Prozent der Wirtschaftsleistung. Die Hoffnung auf schnelle Trump-Effekte bei Infrastruktur-Investitionen war nicht gerechtfertigt.

Ich hatte durchaus erwartet, dass die Fed angesichts massiver Ausgabenprogramme durch die Trump-Administration die Zinsen deutlicher anheben könnte, um die Inflation in Schach zu halten. Da Donald Trump aber als Tiger gesprungen und als Bettvorleger zu landen droht, ist es wieder sehr fraglich, ob die Fed tatsächlich die Zinsen anheben wird. Wenn sie es dennoch tut, dann wären das genau die Zutaten, die man für eine Rezession braucht: steigende Zinsen in einem noch immer schwächelnden konjunkturellen Umfeld.

Das Ölkartell OPEC und zehn weitere Staaten unter Führung Russlands verlängern ihre Förderkürzung um neun Monate. Trotzdem fällt der Preis. Warum ist das so?
Die OPEC ist ein zahnloser Tiger. Förderkürzungen wurden immer angekündigt - die Effekte waren bescheiden. Die Welt hat sich entschieden, sich bis 2050 im Wesentlichen von Öl und Gas zu verabschieden. Der Schalter wird aber nicht einfach 2049 umgelegt, vielmehr werden wir in den kommenden Jahren eine dramatische Ausweitung bei den erneuerbaren Energien sehen. Wer jetzt also das Öl nicht aus dem Boden holt, der wird künftig darauf sitzen bleiben. Deswegen produzieren die Förderländer, was sie können. Der Ölpreis wird aus meiner Sicht nie mehr in den dreistelligen Bereich steigen, den wir gewohnt waren - es sei denn, es käme zu einem militärischen Konflikt im Mittleren Osten.

Der US-Dollar ist jahrelang gestiegen, nach der Trump-Wahl hat er ein Hoch erreicht. Seitdem ist er deutlich schwächer geworden. Sehen Sie hier bereits eine Trendumkehr?
Ja, das kann man durchaus so sehen. In der Vergangenheit war die ganze Welt Euro-short und pro-Dollar. Jetzt ist das Überraschungsmoment auf der anderen Seite. Die US-Zinserhöhungen rücken in weitere Ferne, gleichzeitig beginnt die EZB das Wording zu verändern, um irgendwann mal wieder aus dem extrem billigen Geld herauszukommen. Zudem scheinen sich Merkel und Macron relativ einig in Bezug auf tief greifende Reformen innerhalb der EU zu sein - das alles stützt den Euro.

Der Goldpreis korreliert oftmals negativ mit dem Dollarkurs. Sind Sie demzufolge positiv in Bezug auf den Goldpreis gestimmt?
Die Entwicklung beim Goldpreis in Dollar sieht sehr gesund aus. Wichtig wäre es jetzt, dass Gold die 1.350 Dollar übersteigt. Wenn dies gelänge, dann sähen wir wahrscheinlich sehr schnell deutliche Preissteigerungen, die in Richtung 1.700 Dollar gehen können.

Disclaimer: Der Autor, Benjamin Summa, ist freier Mitarbeiter bei finanzen.net. Er interviewt regelmäßig Finanzexperten zu aktuellen Themen.

Bildquellen: Dirk Müller

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