Megabedrohungen ausgemacht

Nouriel Roubini warnt vor Billionen-Verlusten auf Anlegerseite

01.12.23 23:16 Uhr

Nouriel Roubini warnt vor Billionen-Verlusten auf Anlegerseite | finanzen.net

Der als "Dr. Doom" bekannt gewordene Marktexperte Nouriel Roubini hat einen düsteren Ausblick auf die Marktentwicklung geliefert. In einem "Zeitalter der Megabedrohung" für die internationalen Volkswirtschaften müssten sich auch Anleger auf massive Verluste einstellen.

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• Nouriel Roubini warnt vor Megabedrohungen und Stagflation
• Anlegern drohen Billionen-Verluste
• Auch andere Experten sehen aktuelle Lage kritisch

In einem Kommentar, der auf Project Syndicate veröffentlicht wurde, geht Roubini auf politische und ökonomische Zukunftsszenarien ein. Dabei warnt er auch vor massiven Gefahren für Aktienanleger.

"Zeitalter der Megabedrohung"

Der Text, den Nouriel Roubini "Unser Zeitalter der Megabedrohungen" genannt hat, geht auf wirtschaftliche, monetäre und finanzielle Bedrohungen ein, die "auf gefährliche Weise mit verschiedenen anderen sozialen, politischen, geopolitischen, ökologischen, gesundheitlichen und technologischen Entwicklungen interagieren". Der aktuellen politischen Elite stellt der Ökonom in diesem Zusammenhang kein gutes Zeugnis aus.

Bedrohungen kommen seiner Ansicht nach dabei von unterschiedlichsten Seiten. Konkret nennt Roubini dabei eine anhaltende Deglobalisierung, die dazu führe, dass immer mehr Länder vom Freihandel zu einem sicheren Handel und von der wirtschaftlichen Integration zu Entkopplung und Risikoabbau übergegangen seien. Auch höhere Arbeitskosten, bedingt durch eine zunehmende Alterung in Europa, Japan und China, die zeitgleich verhindere, dass Arbeitskräfte aus armen in reichere Länder kämen, nennt Roubini als Belastungsfaktor. Hinzu komme der Klimawandel, der bereits jetzt die Energie- und Ernährungsunsicherheit verschärfe und zeitgleich die Energie- und Lebensmittelkosten steigen lasse. Zudem sei man nicht annähernd ausreichend auf künftige Pandemien vorbereitet, warnt der Marktökonom weiter.

Darüber hinaus hat Roubini auch Risiken ausgemacht, die aktuell noch unterschätzt würden, darunter KI-gestützte Cyberkriege und damit einhergehende Desinformation. Zudem gebe es eine "schwelende Gegenreaktion" auf zunehmende Vermögensungleichheit, die seiner Ansicht nach das Erstarken populistischer Politiker bedingen dürfte.

Schwieriges Umfeld für Anleger

Auch für Anleger am Finanzmarkt fällt der Zukunftsausblick von Nouriel Roubini wenig optimistisch aus, der Ökonom verweist dabei insbesondere auf erhebliche Risiken für die Aktien- und Rentenmärkte. Als Bedrohung hat er dabei die Ära der Stagflation ausgemacht, jene Zeit also, in der die Wirtschaft schwächelt, die Inflation aber hoch ist. Stagflation werde seiner Meinung nach zu einem Hauptfaktor für den Gegenwind an den Märkten, was sich als langfristiger Trend sowohl bei Unternehmenstiteln als auch Anleihen widerspiegeln werde. "Dieses Blutbad wird wahrscheinlich weitergehen", warnt Roubini mit Blick auf den Abschwung, der sich in diesen Bereichen bereits seit 2022 zeige, als die "Everything Bubble" geplatzt sei.

Für Anleger bedeutet dies, sie müssten sich auf mögliche Verluste vorbereiten, die seiner Ansicht nach enorm ausfallen dürften: "Weltweit könnten die Verluste für Anleihegläubiger und Aktienanleger im nächsten Jahrzehnt auf mehrere zehn Billionen Dollar anwachsen", warnte er weiter.

Hauptverantwortlich dafür sei die Inflation und deren Folgen: Ausgehend von einer durchschnittlichen Inflationsrate von 5 Prozent statt der aktuellen Zielinflation, die die US-Notenbank Fed auf zwei Prozent festgelegt hat, müssten die Renditen langfristiger Anleihen nahe bei 7,5 Prozent liegen, um eine reale Rendite von 2,5 Prozent zu erzielen, rechnet Roubini in seinem Beitrag vor. Dies wiederum würde aber bedeuten, dass die Anleihenpreise um 30 Prozent einbrechen und die Aktien sich in einem "ernsthaften Bärenmarkt" befinden würden.

Verstärkt würde diese Tendenz noch durch eine hohe Verschuldungsrate sowohl bei privaten als auch bei staatlichen Kreditnehmern. Für Zentralbanken wie die US-Notenbank entstünde damit ein Szenario einer "Schuldenfalle". Bemühungen, die Inflation durch höhere Zinssätze zu senken, bergen das Risiko einer Rezession unter hoch verschuldeten Kreditnehmern, was die Regierungen vermeiden wollen, so Roubini weiter.

"Dr. Doom" nicht der einzige Skeptiker

Es ist nicht das erste Mal, dass Nouriel Roubini seinem Namen "Dr. Doom" alle Ehre macht. Bereits mehrfach hatte der Wirtschaftsexperte in der Vergangenheit vor den Folgen einer Kombination von Schuldenkrise und Inflation gewarnt. Anlegern riet er in diesem Zusammenhang zu einer Depotanpassung, insbesondere dann, wenn sie einen Mix aus Aktien und Anleihen halten. Als Beispiele für alternative Vermögenswerte, die gegen eine Vielzahl der von ihm benannten Megabedrohungen als Absicherung dienen könnten, nannte er kurzfristige Staatsanleihen, inflationsindexierte Anleihen, Gold und andere Edelmetalle sowie Immobilien, die gegen Umweltschäden widerstandsfähig sind.

Auch Hedgefonds-Milliardär Ray Dalio warnte 2023 vor einer enormen Staatsverschuldung insbesondere in den USA, die sich - zusammen mit geopolitischen Faktoren - zu einer echten Schuldenkrise ausweiten könnte. Er rät Anlegern seinerseits aber zu einem diversifizierten Aktiendepot und Goldinvestments.

Für Hedgefondsmanager Mark Spitznagel ist die Verschuldungsproblematik der USA ebenfalls ein großes Problem. "Es steht außer Frage, dass wir in einem Zeitalter der Hebelwirkung, einem Zeitalter des Kredits leben, und das wird seine Folgen haben", warnte er unlängst gegenüber dem Wirtschaftsmagazin "Fortune". Er hält Diversifizierung, die er "Diworsifizierung" nennt, allerdings für keine optimale Anlagestrategie. Auch vermeintlich sicheren Anlagen wie Gold erteilt der Marktexperte eine Absage. Stattdessen sollten sich besorgte Privatanleger eher zum Teil aus dem Aktienmarkt zurückziehen und die Bargeldreserven aufstocken, um nach einer Abwärtsphase am Markt gestärkt wieder einsteigen zu können. Auch ein S&P 500-Indexfonds sei vor diesem Hintergrund eine Option, so Spitznagel weiter.

Redaktion finanzen.net

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