29.11.2022 14:42

Nestlé-Aktie niedriger: Nestlé will in den nächsten Jahren weiter wachsen - Trennung von Erdnuss-Allergie-Mittel?

Neue Ziele: Nestlé-Aktie niedriger: Nestlé will in den nächsten Jahren weiter wachsen - Trennung von Erdnuss-Allergie-Mittel? | Nachricht | finanzen.net
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Der Nahrungsmittelkonzern Nestlé will in den kommenden Jahren weiter wachsen und trotz des aktuell inflationären Umfelds wieder profitabler werden.
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Dafür setzt sich der Konzern neue Mittelfristziele. Für das laufende Jahr hob Firmenchef Mark Schneider anlässlich einer Investorenveranstaltung zudem die Prognose für das organische Umsatzwachstum leicht an. Während die Schweizer prinzipiell an die bisherige Strategie anknüpfen, vollzieht der Konzern jedoch eine Kehrtwende außerhalb des klassischen Lebensmittel- und Getränkegeschäfts: Nur zwei Jahren nach der Übernahme stellt Nestlé sein Erdnussallergie-Medikament Palforzia auf den Prüfstand, wie der Konzern am Dienstag in Barcelona mitteilte.

An der Börse kamen die neuen Ziele zwar gut an, doch wurde die Abkehr von Palforzia in Marktkreisen kritisch gesehen. Die Aktie gab zeitweise mehr als ein Prozent nach, konnte ihren Verlust aber zuletzt auf ein moderates Minus eindämmen.

Die neuen mittelfristigen Margenziele seien konkreter als die bisherigen Aussagen und lägen deutlich über den Konsensschätzungen, schrieb Analyst James Edwardes Jones von der kanadischen Bank RBC in einer ersten Reaktion. Das sei interessanter als der aktualisierte Jahresausblick, da die Markterwartungen hierfür bereits am oberen Ende der neuen Zielspannen lägen.

JPMorgan-Analystin Celine Pannuti äußerte viel Lob: Inmitten eines von hoher Unsicherheit geprägten wirtschaftlichen Umfelds rage der Lebensmittelhersteller mit der Formulierung der 2025er-Ziele aus der Konkurrenz heraus, stellte sie fest. Nach der bisherigen Enttäuschung über die Entwicklung der Profitabilität dürften die mittelfristigen Margenziele großen Anklang finden, ergänzte die Expertin.

Nestlés Marge hatte zuletzt unter den steigenden Kosten gelitten. Bis 2025 will der Konzern den Angaben zufolge zu einer Profitabilität im Bereich von 17,5 bis 18,5 Prozent zurückkehren. Die Umsätze sollen in diesem Zeitraum organisch, also Zukäufe und Wechselkursveränderungen herausgerechnet, im jeweils mittleren einstelligen Prozentbereich steigen.

Für das laufende Jahr stellt das Unternehmen nun ein Erlösplus aus eigener Kraft von 8 bis 8,5 Prozent in Aussicht - zuletzt standen 8 Prozent im Plan. Auch der Gewinn je Aktie (EPS) soll abseits von Wechselkurseffekten weiter anziehen - hier strebt Nestlé von 2022 bis 2025 einen Zuwachs von sechs bis zehn Prozent pro Jahr an.

Nestlé werde mit Blick nach vorn an den bereits im Jahr 2019 präsentierten Plänen festhalten, sagte Schneider weiter. Mit der strategischen Überprüfung von Palforzia will der Konzern künftig in der Sparte Nestlé Health Science gezielt den Schwerpunkt auf Verbraucherprodukte und medizinische Ernährung setzen. Wichtig sei, dass die Strategie diszipliniert und rasch umgesetzt werde, ergänzte der Firmenchef. Nestlé werde unter dem Credo "Good for you" ausgewogene Nahrungsmittel rund um den Globus auf den Markt bringen und dabei nachhaltig agieren. So soll beispielsweise bei Verpackungen mehr und mehr auf den Einsatz von Plastik verzichtet werden.

Zum Erdnussallergie-Medikament Palforzia sagte der Firmenchef, Nestlé habe große Hoffnungen in dieses Geschäft gesetzt. Statt eines Blockbusters habe sich Palforzia aber eher als Nischentherapie erwiesen. Der Konzern will die Überprüfung voraussichtlich im ersten Halbjahr 2023 zum Ende bringen. Nestlé hatte den Hersteller von Palforzia, das US-Unternehmen Aimmune Therapeutics, im Jahr 2020 für 2,6 Milliarden Dollar übernommen.

Nestlé trennt sich vielleicht von Erdnuss-Allergie-Mittel

Das weltweit erste Medikament zur Behandlung der Erdnuss-Allergie hat sich bisher als Flop erwiesen. Dessen Eigentümer Nestlé kündigte am Dienstag eine Überprüfung aller strategischen Optionen für Palforzia an, was de facto einer Verkaufsankündigung gleichkommt. Erst vor zwei Jahren hatte der Schweizer Nahrungsmittelriese den Entwickler für 2,6 Milliarden US-Dollar aufgekauft. Doch ist die Nachfrage von Ärzten und Patienten geringer als erwartet ausgefallen.

"Wir hatten große Hoffnungen in dieses Geschäft gesetzt", sagte Nestlé-Vorstandschef Mark Schneider in einer Investorenkonferenz. "Statt nach einem Blockbuster sieht es mehr und mehr nach einer sehr wirksamen und sehr erfolgreichen Nischentherapie aus."

Eine Erdnussallergie gehört zu den häufigsten krankhaften Abwehrreaktionen des Immunsystems bei Menschen und kann tödlich enden. Studien zufolge leiden etwa 1 bis 2 Prozent der Kinder in westlichen Ländern daran.

Palforzia zielt nicht darauf ab, die Allergie zu heilen, sondern die Häufigkeit und Schwere der allergischen Reaktion durch Desensibilisierung zu verringern, so dass die Patienten kleinere Expositionen tolerieren können. Bei der Behandlung werden die Patienten schrittweise höheren Dosen von Erdnusspulver ausgesetzt, beginnend mit einer winzigen Dosis und allmählich ansteigend.

Laut einer klinischen Studie konnten zwei Drittel der mit Palforzia behandelten Kinder und Jugendlichen 600 Milligramm Erdnussprotein - das entspricht etwa zwei ganzen Erdnüssen - vertragen, verglichen mit nur 4 Prozent jener Studienteilnehmer, die nur ein Placebo erhalten hatten. Zu Beginn der Studie konnte keiner der mit Palforzia behandelten Patienten mehr als 30 Milligramm Erdnussprotein vertragen.

Anfang 2020 war Palforzia von der US-Gesundheitsbehörde FDA zugelassen worden, und Nestlé erwarb kurz darauf den Entwickler Aimmune Therapeutics Inc. Später folgte auch eine Zulassung in der Europäischen Union.

Die Verkäufe von Palforzia blieben jedoch bescheiden. Nestlé-CEO Schneider sagte am Dienstag, dass die schwache Leistung wahrscheinlich mit dem mühsamen Behandlungsprozess zusammenhängt, der vier bis fünf Monate lang alle zwei Wochen Besuche bei einem Allergologen erfordert.

Hinzu kommt: Wegen des Risikos eines anaphylaktischen Schocks müssen Patienten nach der Einnahme von Palforzia mindestens eine Stunde lang unter ärztlicher Aufsicht bleiben. Nestlé darf Allergologen für den zusätzlichen Auswand laut Schneider aus gesetzlichen Gründen keine Entschädigung zahlen, um dies auszugleichen.

"Wenn man all dies zusammennimmt, war es eindeutig viel, viel schwieriger, die von uns erwartete Akzeptanz bei den Patienten zu erreichen - und wir waren schon der Meinung, dass Akzeptanz angesichts des starken medizinischen Bedarfs zu erwarten war", sagte Schneider. Die Covid-19-Pandemie sei ein weiterer Grund dafür gewesen, dass die Markteinführung des Medikaments anfänglich ins Stocken geriet.

Ein weiterer Verkauf von Palforzia bleibe für Nestlé mit erheblichen Fixkosten verbunden, so Schneider. Dies sei umso schwerer zu rechtfertigen, wenn das Medikament keine großen Umsätze erziele. So sind Verkäufer von Medikamenten gegenüber den Zulassungsbehörden verpflichtet, weiter Daten über die Nebenwirkungen dieser Produkte zu erheben, damit mögliche Sicherheitsprobleme erkannt werden können.

Nestlé will sich im Geschäftsbereich Gesundheit künftig auf Kategorien konzentrieren, in denen das Unternehmen bereits eine führende Position innehat, etwa Nahrungsergänzungsmittel und Vitamine, wie der Konzern erklärte. Die Überprüfung der Optionen mit Blick auf Palforzia soll bis Mitte 2023 abgeschlossen sein.

Die Nestlé-Aktie notiert im Schweizer Handel zeitweise 0,59 Prozent schwächer bei 112,83 Franken.

BARCELONA/VEVEY (dpa-AFX) / LONDON (Dow Jones)

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