18.07.2018 22:44
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Nach Kursdebakel: Warum Analysten weiter zum Kauf der Netflix-Aktie raten

Trotz schwacher Zahlen: Nach Kursdebakel: Warum Analysten weiter zum Kauf der Netflix-Aktie raten | Nachricht | finanzen.net
Trotz schwacher Zahlen
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Der Börsenliebling enttäuscht: Nachdem der Streamingdienst Netflix überraschend schwache Zahlen für das abgelaufene Quartal präsentiert hatte, brach die am Markt enorm gehypte Aktie zweistellig ein. Sofort sprangen Analysten dem Unternehmen zur Seite.
Netflix gehört zu den Anlegerlieblingen am US-amerikanischen Aktienmarkt. Innerhalb eines Jahres hat sich der Wert der Netflix-Aktie verdoppelt, ihren höchsten Stand markierte sie noch vor wenigen Wochen bei 423 US-Dollar. Nicht nur Aktionäre, die zum Börsenstart Aktien zum Ausgabepreis von 15 US-Dollar ergattern konnten, haben mit Netflix-Aktien eine tiefgrüne Bilanz in ihrem Depot eingefahren, auch für Investoren, die erst später eingestiegen sind, hat sich die Beteiligung am weltgrößten Streamingdienst mehrheitlich gelohnt.

Doch am Montagabend hatte der Streaming-Gigant überraschend negative Nachrichten im Gepäck: Anders als erhofft riss Netflix bei Umsatz und Abonnentenzahl sowohl die eigene Messlatte als auch die der Marktbeobachter. Die Reaktion der Anleger folgte prompt: Im nachbörslichen US-Handel brach die Aktie zeitweise um 14 Prozent ein. Auch wenn Schnäppchenjäger die Gelegenheit nutzten und dafür sorgten, dass das Minus im regulären Handel mit rund fünf Prozent moderater ausfiel: Die schwache Quartalsbilanz scheint Netflix-Anleger und -Investoren zumindest aufgeschreckt zu haben.

Analysten weitgehend unbeeindruckt

Eine Reihe von Experten sahen sich nach dem Kursdebakel auf den Plan gerufen und sprangen dem Streamingdienst mehrheitlich zur Seite. Andy Hargreaves von KeyBanc Capital Markets senkte zwar das Kursziel für die Netflix-Aktie leicht von 385 auf 375 US-Dollar, sah die langfristige Wachstumsperspektive des Unternehmens aber nicht in Gefahr. Die Aktie bleibt bei "overweight", Anlegern riet Hargreaves am Montagabend weiterhin dazu, sich Netflix-Aktien ins Depot zu holen.

Auch für Scott Devitt, Analyst bei Stifel, Nicolaus & Company, hat die Netflix-Aktie nicht an Attraktivität eingebüßt. Im Gegenteil: Von "Halten" stufte er die Aktie auf "Kaufen" herauf, wobei er insbesondere auf die nun wieder attraktiveren Einstiegskurse verwies.

Ebenfalls positiv äußerte sich in diesem Zusammenhang Barton Crockett, der für B. Riley die Netflix-Aktie analysiert. Das Wachstum des Unternehmens sei immer noch beeindruckend, so der Experte. Dabei verwies Crockett insbesondere auf die Fähigkeit des Streaming-Anbieters, selbst Content zu generieren. Trockenperioden, wie bei andere Content-Erstellern üblich, habe er bei Netflix noch nicht gesehen, erklärte er gegenüber CNBC.

Auch Crocketts Kollege bei Bernstein Research, Todd Junger, nahm Bezug auf die Inhaltskomponente, die er als "solide" bezeichnete. Dank exzessiven Marketings werde bald ein positiver ROI zu sehen sein, zeigte sich Junger zuversichtlich. Ähnlich äußerten sich auch Experten von JPMorgan und Piper Jeffrey, die Kursziele von 415 und 420 US-Dollar vergaben und damit bei der Netflix-Aktie noch deutlich Luft nach oben sehen.

Noch positivere Erwartungen an den Aktienkurs hat GBH Insights: Mit einem Kursziel von 500 US-Dollar liegen die Analysten der Research-Firma am oberen Ende der Spanne. Ein Ende des Wachstums sieht Analyst Daniel Ives trotz der enttäuschenden Neukundenzahlen im zweiten Quartal nicht. "Wir glauben, dass es eher ein Abbremsen als ein Negativ-Trend für Netflix ist", so der Experte in einer Mitteilung an Kunden vom Montagabend. "Der Streaming-Markt und das Wettrennen um Inhalte wird in den kommenden zwölf bis 18 Monaten weiterhin Rückenwind für das Unternehmen liefern", zeigte er sich überzeugt.

Nur wenige Verkaufsempfehlungen

Während acht Analysten ihre Kursziele für Netflix nach den schwachen Zahlen angehoben haben, gibt es auch weniger optimistische Beobachter: Immerhin 13 Experten haben die Kursziele für die Netflix-Aktie nach unten angepasst. Zum Verkauf raten allerdings nur vier Experten, wie einer Liste bei "MarketWatch" zu entnehmen ist.

Content ist king

Maßgeblich für die Geschäftsentwicklung bei Netflix dürfte in den kommenden Monaten sein, wie der Konzern mit der stärker werdenden Konkurrenzsituation im eigenen Geschäftsfeld umgehen wird. In den Markt drängen große Namen wie Amazon, Apple und Disney, die der Nummer Eins im Streaming-Geschäft Marktanteile abnehmen könnten. Am Ende könnte die Inhaltskomponente die entscheidende sein: Wer es schafft, Streaming-Nutzer mit Exklusivinhalten an sich zu binden, hat gegenüber den Konkurrenten einen Vorteil. Netflix will an dieser Front weiter Druck machen: Bis zu acht Milliarden US-Dollar plant das Unternehmen für eigenen Content im Jahr 2018 auszugeben - ein neuer Rekord. Auch Amazon investiert in diesem Bereich kräftig - allein 250 Millionen US-Dollar soll sich der Handelsriese die Fernsehrechte für Tolkiens "Herr der Ringe"-Serie haben kosten lassen. Apple will Medienberichten zufolge bis zum Jahr 2022 mehr als vier Milliarden US-Dollar in die Produktion eigener Serien stecken. Einen Vorteil anderer Art hat in diesem Zusammenhang Disney: Durch den Kauf von Lucasfilm, Pixar und Marvel hat der Entertainment-Riese reihenweise Exklusivrechte für Filme wie Star Wars, Avengers & Co., die über eine große Fanbase verfügen.

Netflix steht also vor enormen Herausforderungen. Analysten glauben trotz der durchwachsenen Zweitquartalszahlen mehrheitlich daran, dass der Streaming-Gigant diese meistern wird.

Redaktion finanzen.net

Bildquellen: pixinoo / Shutterstock.com, dennizn / Shutterstock.com, Netflix

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