Das neue Jahr beginnt auf Rekordständen

Das neue Jahr macht da weiter, wo das alte endete: auf Rekordständen. Die Aktienmärkte haben im Dezember zu einer satten Jahresendrallye angesetzt, die auch noch ins neue Jahr hinüberschwappt.
Auch wenn die Welt immer mehr in Unwucht gerät und die Krisenherde eher noch mehr werden - an der Börse herrscht eitel Sonnenschein. Aktien und Edelmetalle waren im letzten Jahr die großen Kurstreiber. Nur der erstarkende Euro, der gegenüber dem US-Dollar über 13 Prozent aufgewertet hat, hat den Anlegern bei Dollar-Investments etwas in die Suppe gespuckt.
Auf Hab Acht sind die Marktteilnehmer nur bezüglich der Inflationsdaten aus den USA, die bisher aber unter den Erwartungen geblieben sind. Die Aktienmärkte reagierten auf die jüngsten Zahlen mit Kursgewinnen, auch wenn man die Verlässlichkeit der Zahlen infrage stellen kann, denn die Statistikbehörde musste Teile der Daten wegen des vorangegangenen Regierungsstillstands schätzen.
Die US-Statistiken wirken jedoch sowieso vielfach manipuliert: Die erste Veröffentlichung basiert auf einer relativ geringen Datenmenge, so dass die Zahlen nach einigen Wochen wieder revidiert werden, wenn mehr Daten zur Verfügung stehen. Die Revision wird von den Märkten häufig aber gar nicht mehr beachtet; insofern kann man den Zahlen nicht allzu viel nachhaltig kursbeeinflussenden Effekt zumessen.
Speziell die US-Notenbank steckt allerdings in einem Dilemma: Die Geldpolitik bewegt sich aktuell zwischen Rallye und Risiko. 2026 könnte der Kessel wie bei einer Dampflok nochmals richtig aufgeheizt werden, sowohl von fiskalischer als auch von geldpolitischer Seite: Sowohl die USA als auch Europa dürften weiterhin konjunkturelle Impulse geben, obwohl sich die Weltwirtschaft nicht in einer akuten Schwächephase befindet. Gleichzeitig wird die US-Notenbank die Zinsen wohl weiter senken.
Diese Kombination stützt zwar die Wirtschaft - weiter steigende Unternehmensgewinne sind zu erwarten - bringt aber auch Risiken mit sich - etwa eine Rückkehr von Inflation oder die Bildung von Vermögensblasen.
Schon jetzt zeigt sich, dass viel Anlegergeld teilweise nur in wenige Branchen fließt - an erster Stelle steht hier der Technologie- und KI-Sektor. Klassische Branchen wie beispielsweise Konsum und Gesundheit wurden im letzten Jahr eher links liegen gelassen. Es entstand ein "Aktienmarkt der zwei Geschwindigkeiten". Daraus ergeben sich aber auch Chancen für das kommende Jahr: Denn selten gab es nach mehreren guten Börsenjahren und rekordhohen Indexständen noch so viele attraktiv bewertete Aktien wie zum Jahreswechsel 2025/2026.
von Dr. Marc-Oliver Lux von Dr. Lux & Präuner GmbH & Co. KG in München
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