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14.05.2020 17:56

Wirecard-Aktie im Abwärtstaumel: Wirecard wächst zu Jahresbeginn langsamer - Prognose erneut bestätigt

Wachstum gebremst: Wirecard-Aktie im Abwärtstaumel: Wirecard wächst zu Jahresbeginn langsamer - Prognose erneut bestätigt | Nachricht | finanzen.net
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Der in der Kritik stehende Zahlungsdienstleister Wirecard hat im ersten Quartal die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie gespürt.
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Wirecard-Vorstandschef Markus Braun bestätigte aber trotz eines langsameren Wachstums als zuletzt die Jahresprognose. Der DAX-Konzern geht nicht davon aus, dass die Krise einen nachhaltig negativen Effekt auf die Branche hat. Allerdings kam das Geschäft mit Fluggesellschaften und Reisebüros deutlich unter Druck, während der Online-Shoppingboom die Auswirkungen abfederte.

Im ersten Quartal stand etwas weniger Wachstum zu Buche als in den Vorquartalen. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen legte im Vorjahresvergleich um 26 Prozent auf 199,2 Millionen Euro zu, wie das Unternehmen aus dem Münchener Vorort Aschheim am Donnerstag anhand vorläufiger Zahlen mitteilte. Im Vorquartal war das Ergebnis noch um über 40 Prozent gewachsen. Um Einmalaufwendungen bereinigt wäre das operative Ergebnis im ersten Quartal um 29 Prozent auf 204 Millionen Euro gestiegen, rechnete das Unternehmen vor. Der Umsatz wuchs um 24 Prozent auf 700,2 Millionen Euro.

Für das zweite Quartal seien die Effekte der Pandemie noch nicht endgültig abzuschätzen, teilte der Konzern weiter mit. Chef Braun demonstrierte aber Optimismus für die grundsätzliche Ausrichtung. Neuere Statistiken zeigten, dass der Coronavirus den Trend zu bargeldlosen und sogar zu vollkommen digitalisierten Zahlungen am Terminal vor Ort beschleunige. "Wir gehen davon aus, dass die Welt nach dem Coronavirus weit stärker digitalisiert sein wird als vorher", sagte Braun.

Das über die eigene Plattform abgewickelte Transaktionsvolumen sei im ersten Quartal weitgehend im Rahmen der Erwartungen gewachsen, sagte Braun. Die Jahresprognose für das operative Ergebnis bestätigte Wirecard erneut, hier will das Unternehmen 1 bis 1,12 Milliarden Euro erreichen. "Wir sind gut in das neue Geschäftsjahr gestartet", sagte Finanzchef Alexander von Knoop. "Unser Neukundengeschäft entwickelt sich weiterhin stark."

Allerdings hätten die Covid-19-Auswirkungen einen negativen Effekt auf das Geschäft mit den wichtigen Kunden bei Fluggesellschaften und aus der Reisebranche gehabt. "Diese Effekte konnten wir weitestgehend durch Zuwächse im Online-Geschäft in den Bereichen Konsum- und Digitale Güter ausgleichen", sagte von Knoop.

Das Unternehmen macht sein Geschäft vorwiegend mit der Abwicklung von Zahlungen im Internet für mehr als 300 000 überwiegend kleine und mittlere Händler. Wirecard steht nach der mehrmonatigen Sonderprüfung der Bilanzen unter hohem Druck. Kritiker werfen dem Konzern Ungereimtheiten in den Büchern vor, die auch die Prüfer von KPMG in ihrem Bericht zum Teil nicht gänzlich ausräumen konnten.

Nun wird der Vorstand umgebaut, Braun soll sich vor allem auf die strategische Entwicklung des Konzerns konzentrieren. Er ist mit 7 Prozent auch einer der größten Aktionäre des Unternehmens. Der Amerikaner James Freis soll - von der Deutschen Börse kommend - als Compliance-Vorstand auf die Einhaltung von Regeln und auf die Grundsätze guter Unternehmensführung achten. Das Ressort von Brauns rechter Hand Jan Marsalek, der bisher fürs Tagesgeschäft zuständig war, wird anders ausgerichtet. Für Tagesgeschäft sowie für den Vertrieb sucht der Aufsichtsrat neues Spitzenpersonal zur Erweiterung des Managements.

Wirecard will nach all den Problemen seinen testierten Geschäftsbericht 2019 erst am 4. Juni vorlegen. Wann die detaillierten Zahlen aus dem ersten Quartal veröffentlicht werden sollen, steht noch nicht fest.

Das macht die Wirecard-Aktie

Die Aktien von Wirecard haben am Donnerstag nach vorläufigen Quartalszahlen ihre Schwankungsbereitschaft einmal mehr unter Beweis gestellt. Nach schwachem Start wechselten sie munter ihr Vorzeichen, die Ausschläge nahmen aber keine übergroßen Dimensionen an. Zum Handelsschluss rutschten die Papiere im XETRA-Handel mit einem Minus von 2,65 Prozent auf 83,35 Euro wieder in die Verlustzone. Der deutsche Leitindex war zeitgleich nochmals um 1,5 Prozent abgerutscht.

In den Anfangsminuten waren die Papiere des Bezahldienstleisters noch mit bis zu vier Prozent unter Druck geraten, im weiteren Verlauf hatten sie aber auch schon etwas mehr als zwei Prozent gewonnen. Mit der Stabilisierung beim Tagestief von 82 Euro haben sie schlimmeres vorerst verhindert: Unter 80 Euro wären sie einem Mehrjahrestief gefährlich nahe gekommen. Seit über einem Jahr wird der Konzern immer wieder mit Zweifeln an den Geschäftspraktiken konfrontiert. Auch eine mit Spannung erwartete Sonderprüfung hatte diese zuletzt nicht vollständig ausräumen können.

Die Zahlenvorlage ergab am Donnerstag, dass Wirecard im ersten Quartal die Auswirkungen der Corona-Krise zu spüren bekommen hat. Vom Virus beeinflusst stand etwas weniger Wachstum zu Buche als in den Vorquartalen. Zum Beispiel kam das Geschäft mit Fluggesellschaften und Reisebüros deutlich unter Druck, was aber vom Online-Shoppingboom abgemildert wurde. Vorstandschef Markus Braun bestätigte trotz des langsameren Wachstums die Jahresprognose.

Analysten zeichneten ein durchwachsenes Bild, sehen den Fokus bei Wirecard derzeit aber anderswo. Für den JPMorgan-Experten Sandeep Deshpande und seinen UBS-Kollegen Hannes Leitner lag das Quartalsergebnis unter den Markterwartungen. Knut Woller von der Baader Bank sah dies ähnlich, zog aber dennoch ein solides Fazit vom Jahresstart des Zahlungsdienstleisters. Positiv hob er die Unternehmensaussagen zum anziehenden Neukundengeschäft hervor.

Deshpande schränkte die Bedeutung der Resultate jedoch ein. Investoren bräuchten eine Lösung der anhaltenden Probleme, bevor sie sich wieder mit den laufenden Ergebnissen beschäftigen könnten. Einen Schritt dahin hatte Wirecard jüngst mit beschlossenen Umstrukturierungen im Vorstand gemacht. Unter anderem gibt dabei Konzernchef Markus Braun einen Teil seiner Macht ab und es wird ein hochrangig besetztes Compliance-Ressort gegründet. Dieses soll die Einhaltung von Gesetzen und Regeln überwachen.

David Vignon vom Analysehaus Bryan Garnier begrüßte die zu Wochenbeginn beschlossenen Schritte in seinem aktuellen Kommentar. Er betonte aber zugleich, dass dies allein noch nicht ausreiche, um bei Investoren wieder glaubwürdiger zu werden. Hierzu seien mehr Fortschritte nötig. "Bis dahin erwarten wir nicht, dass sich der Aktienkurs stark in die eine oder andere Richtung bewegt", so der Experte.

Die Kursentwicklung von Wirecard drückt aus, dass bei Anlegern noch viel Vertrauen wieder zurück gewonnen werden muss. Die Aktien, die zwischen Anfang 2017 und September 2018 mit einer Rally von 40 auf knapp 200 Euro Furore machten und den DAX-Aufstieg schafften, werden nun schon im zweiten Jahr von den Vorwürfen belastet. Als diese Anfang 2019 aufkamen, wurden die Aktien noch bei ungefähr 170 Euro gehandelt.

Bis Ende April hatte sich das Papier vom wenige Wochen zuvor erlittenen Fall unter die 80-Euro-Marke mühsam wieder erholt, dann kam aber schon wieder der nächste Rückschlag, als die mit Spannung erwartete Buchprüfung durch die Wirtschaftsprüfer von KPMG nicht alle Zweifel hatte ausräumen können. Seither müssen die Anleger sich statt einer großen Erholung eher wieder mit einem neuen Talsohle beschäftigen. Unter 79,68 Euro blüht den Aktien ein Tief seit November 2017.

/men/mis/fba

ASCHHEIM (dpa-AFX)

Bildquellen: Wirecard, Anton Garin / Shutterstock.com

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