15.07.2015 20:16

China-Aktien: Crash! Und nun?

Boom auf Pump finanziert: China-Aktien: Crash! Und nun? | Nachricht | finanzen.net
Boom auf Pump finanziert
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Nach einer steilen Aufwärtsfahrt stürzen die Kurse im Reich der Mitte dramatisch ab. Peking stemmt sich mit allen Mitteln gegen den Crash.
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von Wolfgang Hagl, Euro am Sonntag

Anleger, die ihr Geld in den chinesischen Aktienmarkt stecken, müssen seit jeher mit starken Kursausschlägen zurechtkommen. Doch momentan zeigen die Börsen im Reich der Mitte Turbulenzen, die selbst die hartgesottensten Zocker nicht kalt lassen dürften. Zunächst startete der Shanghai Composite im Oktober eine erstaunliche Rally. Der mit mehr als 1.100 China-Aktien bestückte Index legte bis Juni um knapp 130 Prozent zu. Doch dann kippte die Stimmung. Gegenüber dem Top hat die marktbreite Benchmark mittlerweile knapp ein ­Drittel eingebüßt.

Peking setzt alles daran, den Crash zu stoppen und ein Übergreifen auf die Realwirtschaft zu verhindern. Ende Juni senkte die Zentralbank überraschend den Leitzins und reduzierte gleichzeitig die Mindestreserveanforderungen. Auch der Finanzsektor stemmt sich gegen die Baisse. Die 21 größten Börsenmakler des Landes möchten umgerechnet mindestens 17,3 Milliarden Euro in Wertpapiere investieren, um den Handel zu stützen. Außerdem versprachen sie, keine Aktien mehr abzustoßen, bis sich der Leitindex um rund ein Fünftel erholt hat. Als die verabreichten Beruhigungspillen nicht wirkten, setzte die Börsenaufsicht zahlreiche Titel vom Handel aus, und das Kabinett beschloss hohe Investitionen in anfällige Wirtschaftsbereiche. Immerhin: Am Ende der Woche zogen die Kurse wieder an.

"China kann es sich nicht leisten, diese Schlacht zu verlieren", erklärt Sean Darby, Chef-Aktienstratege von Jefferies. Seiner Ansicht nach steht nicht weniger als das Vertrauen in das Finanzsystem auf dem Spiel. Darby führt den Crash unter anderem auf das unhaltbare Bewertungsniveau zahlreicher Aktien zurück. Fundamentale Gründe für die jüngste Rally sieht er ohnehin kaum. In der Tat erlebt die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt eine deutliche Wachstumsverlangsamung. Neben der lockeren Geldpolitik und einer reichlich vorhandenen Liquidität nennt der Jefferies-Strategie die Umverteilung von privatem Haushaltsvermögen als einen Grund für den starken Kursanstieg.

Privatanleger in Bedrängnis

Immer mehr Chinesen wollten bei der Börsenparty dabei sein und nahmen großzügig ­verteilte Kredite auf. Laut Zahlen von China Securities Depository and Clearing wurden allein im Mai knapp zwölf Millionen neue Depots eröffnet. Gerade die Novizen dürfte der Ausverkauf besonders hart treffen. Zumal kein Ende der Turbulenzen in Sicht ist.

Entsprechend vorsichtig sollten Trader agieren, bei denen die Kursausschläge für ein Kribbeln in den Fingern sorgen. Diese Anlegerspezies geht ihrer Leidenschaft häufig mit CFDs nach, die Wetten sowohl auf steigende als auch auf fallende Notierungen ermöglichen (siehe Investor-Info unten). Unabhängig davon erfordert die Positionierung im Reich der Mitte eine besonders disziplinierte Vorgehensweise. Dazu zählt vor allem das konsequente Setzen und Einhalten von Stoppkursen.

Drei Aktien für die Mutigen

Im Fokus der CFD-Community stehen chinesische Internetwerte, allen voran Alibaba (siehe Investor-Info). Der Kurs des Onlinehändlers geriet schon vor dem allgemeinen Ausverkauf unter Druck. Nicht zuletzt Vorwürfe, wonach sich auf den Plattformen Produktfälschungen tummeln, brachten die Firma in Verruf. Den Wachstumsaussichten konnte dies keinen Abbruch tun. Für Trader könnte der Techtitel daher mit Blick auf den 12. August interessant sein, wenn Alibaba Quartalszahlen vorlegt.

Einen Tag später meldet sich China Mobile (ISIN: HK 094 100 953 9) zu Wort. Dann wird sich zeigen, ob der Mobilfunkanbieter den Gewinnrückgang des ersten Quartals aufholen konnte. Gebremst hatte Anfang des Jahres die zunehmende Konkurrenz durch meist kostenfreie Messaging-Dienste. Das Management setzt nun verstärkt auf den neuen Übertragungsstandard 4G. Von Januar bis Mai nahm die Zahl entsprechender Verträge um fast 90 Prozent zu. Hier könnte dem Konzern eine Infrastrukturinitiative in die Hände spielen. Bis Ende 2017 möchte Peking mehr als 180 Milliarden US-Dollar in den Internet­ausbau investieren. Dazu zählt auch die Forcierung der 4G-Technologie.

Entziehen konnten sich dem Börsenbeben auch vergleichsweise defensive Aktien nicht. Beispielsweise büßte Sinopharm (CN E10 000 0FN 7) gegenüber dem Top von Ende Mai mittlerweile ein Viertel an Wert ein. Operativ legte der Pharmahändler zuletzt deutlich zu. Im ersten Quartal stieg der Umsatz um 20 Prozent. Beim operativen Ergebnis kam der Konzern überproportional voran. Geht es nach den Analysten, bleibt Sinopharm auf Wachstumskurs. Bis 2017 soll das Ergebnis je Aktie im Schnitt um ein Fünftel zunehmen.

Investor-Info

China-CFDs
Die Auswahl ist groß

CMC Markets wird dem Status als führender CFD-Broker in Deutschland auch bei chinesischen Basiswerten gerecht. Die Kunden können Trades auf 649 Aktien und zwei Indizes aus dem Reich der Mitte eingehen. Mit drei Benchmarks und 300 Kontrakten auf Einzel­titel ebnet IG den Weg in diesen heißen Markt. Derweil beschränkt sich das Angebot von Comdirect auf zwei Indizes.

Angebotsübersicht
CMC Markets: 649 Aktien-CFDs und 2 Index-CFDs
IG: 300 Aktien-CFDs und 3 Index-CFDs
Comdirect: kein Aktien-CFD und 2 Index-CFDs

China-Aktien
Begrenzter Zugang

Peking ist zwar gerade dabei, den Kapitalmarkt stärker zu öffnen. Gleichwohl haben selbst institutionelle Investoren weiterhin nur einen beschränkten Zugriff auf die an den Festlandbörsen in Shanghai und Shenzhen ­gehandelten A-Aktien. Ihnen stehen für das größte Segment des chinesischen Aktienmarktes nur bestimmte Quoten zur Verfügung. Einen häufig genutzten Ausweg bietet die Börse in Hongkong. Hier sind die sogenannten H-Aktien notiert. Dabei handelt es sich um die Anteilscheine von Unternehmen, die ihren Sitz auf dem chinesischen Festland haben. Zahlreiche solche Titel tummeln sich auch im weniger stark regulierten Freiverkehr der Deutschen Börse oder an den heimischen Regionalbörsen. Auch die CFD-Anbieter ­nutzen die internationalen Handelsplätze, um Differenzkontrakte auf chinesische Aktien und Indizes offerieren zu können.

China-Wetten
Ein echter Hot Stock

Chinesische Internetwerte haben es den ­Tradern angetan. "Alibaba und Baidu stehen bei unseren Kunden im Fokus", erklärt Gregor Kuhn von IG Deutschland. Das Duo geriet ­zuletzt in den Sog der Korrektur. Für mutige Anleger könnte sich bei Alibaba eine Chance bieten. Analysten trauen dem Betreiber von Onlinehandelsplattformen starkes Gewinnwachstum zu. Ein Stoppkurs darf bei dieser heißen Wette allerdings nicht fehlen.

CFD-Funktionsweise
Starke Hebel, große Risiken

Nomen ist beim Contract for Difference (CFD) Omen: Anleger setzen auf die absolute Differenz zwischen Eröffnungs- und Schlusskurs eines Basiswerts. Die Abwicklung erfolgt stets in bar. Aufgrund des auf eine Sicher­-heits­leistung (Margin) begrenzten Kapital­einsatzes entsteht eine Hebelwirkung. Die CFD-Häuser CMC Markets und IG bieten Kontrakte auf China-Aktien ab einer Margin von fünf Prozent an. Insofern können sich Trader mit einem Hebel von bis zu 20 positionieren. Bei vielen Titeln aus dem Reich der Mitte sind auch Wetten auf fallende Kurse möglich. Unabhängig vom jeweils verfolgten Kalkül gilt: Das Risiko ist grundsätzlich nicht auf die Sicherheitsleistung beschränkt. Vielmehr kann der Broker auf eine Nachschusspflicht pochen oder eine Position zwangsweise glattstellen, sobald der Verlust die Margin aufgezehrt hat. Anleger können diese Gefahr durch eine Vereinbarung mit dem Anbieter begrenzen.
Bildquellen: Digital Storm / Shutterstock.com, Aleksey Klints / Shutterstock.com

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05.11.2020Alibaba kaufenDZ BANK
16.05.2019Alibaba BuyThe Benchmark Company
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