Goldman Sachs: So überbewertet ist der US-Dollar zum chinesischen Yuan tatsächlich

Die US-Investmentbank Goldman Sachs sieht eine starke Überbewertung des US-Dollar gegenüber dem chinesischen Yuan. So dürfte sich das Devisenpaar weiterhin entwickeln.
Werte in diesem Artikel
• Goldman Sachs hält US-Dollar für überbewertet
• Chinesischer Yuan zu rund 20 Prozent unterbewertet
• Yuan dürfte in den nächsten sechs bis zwölf Monaten aufwerten
Das Goldman Sachs-Forex-Strategie-Team rund um Kamakshya Trivedi hat laut MarketWatch kürzlich einen Überblick über die Entwicklung des Devisenpaares US-Dollar gegenüber dem chinesischen Yuan gegeben und dabei das in Worte gefasst, über was an den Währungsmärkten lange nur geflüstert wurde: Die starke Überbewertung des US-Dollars gegenüber dem Yuan.
So schätzt das Strategieteam, dass der Yuan gegenüber dem Greenback aktuell zu rund 20 Prozent unterbewertet ist. In anderen Worten: Würde der Yuan tatsächlich auf dem Niveau gehandelt, wie es die wirtschaftlichen Fundamentaldaten suggerieren, wäre er gegenüber dem Dollar deutlich stärker als er es derzeit ist.
Aktueller Wechselkurs
So liegt der Wechselkurs zwischen US-Dollar und Yuan aktuell bei rund 6,7921. Goldman Sachs sieht hier innerhalb der nächsten sechs Monate eine Aufwertung des Yuan auf einen Kurs von 6,7 voraus, innerhalb von zwölf Monaten dürfte die Währung gar bis 6,5 aufwerten, was einem prozentualen Anstieg von rund 4,3 Prozent entsprechen würde.
Großer Handelsüberschuss
Die Ursachen des Ungleichgewichts sieht die Bank in verschiedenen Faktoren. So verfügt die Volksrepublik über einen Handelsüberschuss, der angesichts der günstigen Währung und der Wettbewerbsfähigkeit der Exporte laut Goldman Sachs eher noch zunehmen dürfte. Schon jetzt weist die Bank darauf hin, dass Chinas Außenhandelsüberschuss gemessen am weltweiten BIP ein noch nie dagewesenes Ausmaß erreicht hat.
Zwar habe der durch die Blockade der Straße von Hormus ausgelöste Ölpreisschock temporär auf Chinas Handelsbilanz gelastet, der Aufwertungsdruck der heimischen Währung sei wegen des Außenhandelsüberschusses jedoch bei einem "Gleichgewichtszustand" angekommen.
Fokus auf saubere Energie
Zudem, so das Team um Trivedi, würde der Energiepreisschock dazu führen, dass "die weltweiten Investitionen in Energiesicherheit und erneuerbare Energien wahrscheinlich beschleunigt" werden. Für China sei dies mittelfristig ein positiver Impuls, da sich das Land bei den Lieferketten bereits eine starke Position für sauberer Energie aufgebaut hätte.
Lange hat China versucht eine Aufwertung des Yuan zu verhindern, um den Exportüberschuss nicht zu gefährden. Dennoch dürfte auch die Volksrepublik von einer steigenden Inflation nicht verschont bleiben, was auch die aktuell niedrigen Zinsen noch oben treiben könnte. Doch auch wenn Goldman Sachs nun eine Aufwertung der Währung vorhersieht, kommt die Bank auch zu dem Schluss, dass sich der Yuan gegenüber dem US-Dollar auf Basis eines gewichteten Durchschnitts seiner beiden Bewertungsmodelle "auf realer handelsgewichteter Basis auf einem der günstigsten Niveaus der letzten Jahrzehnte befindet", zitiert MarketWatch aus dem GS-Bericht.
Sino-amerikanischer Handelskrieg
Ein weiterer Faktor, der das Währungspaar beeinflussen dürfte, ist der anhaltende Handelskrieg zwischen den USA und China. Als die Zölle, mit denen sich beide Nationen überzogen, eskalierten, führte dies zu einer Abwertung des Yuan gegenüber dem US-Dollar. Dies glich die Auswirkungen der Zölle auf die Preise für chinesische Importe in die USA jedoch teilweise wieder auf. So erwies sich ein schwächerer Yuan gar als natürliche Absicherung für chinesische Exporteure, fasst CryptoBriefing zusammen.
Was bedeutet dies für Investoren
Goldman Sachs sieht zwar eine Aufwertung des Yuan voraus, diese fällt mit einem Plus von 4,3 Prozent in den nächsten zwölf Monaten jedoch moderat aus. Es ist dementsprechend nicht damit zu rechnen, dass sich die berechnete Lücke von 20 Prozent schnell schließen wird. Sollte es tatsächlich zu einer Aufwertung des Yuan kommen, würde dies teurere chinesische Importe in die USA bedeuten, was sich wiederum auf alle Bereiche auswirken dürfte.
Profitieren könnten Anleger mit Investments in China-Aktien, da diese durch eine Yuan-Aufwertung Rückenwind verliehen bekommen, so CryptoBriefing. Auf Yuan lautende Renditen würden bei der Rückumrechnung in mehr US-Dollar umgewandelt werden. Ein stärkerer Yuan bedeutet zudem, dass die in China erzielten Gewinne für US-Unternehmen, die dort Umsatz generieren, in US-Dollar-Rechnung mehr wert sind.
Im Übrigen kommt Goldman Sachs zu dem Schluss, dass der US-Dollar auch noch gegenüber anderen Währungspaaren überbewertet ist. Sollte es zu einem allgemeinen Abwertungszyklus des Greenback kommen, könnte dies die Kursgewinne des Yuan noch einmal zusätzlich verstärken.
Martina Köhler, Redaktion finanzen.net
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