Hedgefonds

Jagd auf Wall Street-Gauner

20.07.11 12:00 Uhr

Die Angst geht um unter Amerikas Hedgefonds-Managern. Denn das FBI geht mit immer härteren Bandagen gegen Insiderhandel und Korruption vor.

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von Tim Schäfer, €uro am Sonntag

Wenn Angst und Misstrauen an der Wall Street regieren, ist das nichts Neues. Neu ist, dass weder Kurskapriolen noch Hiobsbotschaften von der Konjunktur- und Unternehmensfront an den Nerven der Börsianer zerren. Vielmehr sind es die eigenen Kollegen, die Maulwürfe und Undercover-Agenten, die manch erfolgsverwöhntem Händler das Leben zur Hölle machen. Sogar einen ersten ­Todesfall hat es schon gegeben.

Seit US-Präsident Barack Obama angekündigt hat, er wolle sich die Hedgefonds vorknöpfen, steht der verschwiegene Sektor, der zwei Bil­lionen Dollar verwaltet, unter extre­mem Druck. Denn ohne Sünde sind die wenigsten im Netzwerk der Nadelstreifenträger. Fast täglich fliegen neue Skandale auf. Der Ruf der Branche ist ruiniert.

Der Mann, der den Sumpf trockenlegen soll, heißt Preet Bharara. Der New Yorker Staatsanwalt ist Obamas Speerspitze im Kampf gegen Insiderhandel und Korruption. 200 Anwälte arbeiten dem ehrgeizigen Hardliner zu.

Bharara lässt im Börsenviertel keinen Stein auf dem anderen. Im ­Visier hat der indischstämmige Strafverfolger vor allem sogenannte Expertennetzwerke. Das sind kleine Firmen, die Fachleute für Informa­tionen bezahlen, die sie dann an Hedgefonds weiterverkaufen.Die Kommerzialisierung des Networkings ist für Bharara die Wurzel allen Übels: „Es geht hier nicht um Individuen, die ab und zu korrupt sind. Es geht um ein kriminelles Geschäftsmodell.“ Bhararas Methoden entstammen der Jagd auf Mörder, Terroristen und Drogenkartelle. Gegen Wirtschaftskriminelle wurden sie noch nie angewandt. Da werden Kronzeugen verkabelt, Telefone angezapft, Verdächtige auf Schritt und Tritt überwacht. Das knallharte Vorgehen ist vom Justizministerium abgesegnet, wie John Nester, der Sprecher der Börsenaufsicht SEC, gegenüber €uro am Sonntag bestätigt.

Sobald er einen kriminellen Ring wittert, weist Bharara das FBI an, sich den kleinsten Fisch aus dem Kreis der Verdächtigen vorzunehmen und massiv unter Druck zu setzen. Dem bleibt meist keine andere Wahl, als in die Rolle des Under­cover-Agenten zu schlüpfen, um für sich selbst Straferleichterungen zu erwirken. Für die Ermittler ein entscheidender Vorteil: Wer genug auf dem Kerbholz hat, genießt das Vertrauen krimineller Kollegen und Geschäftspartner. Warum sollte sich ­jemand selbst hinter Gitter bringen, indem er seine Mittäter verpfeift?

Ein Gedankengang, den Bharara zum Logikfehler degradierte. Dutzende Akteure sind bereits angeklagt und verurteilt worden. Zuletzt befand eine Jury den früheren Galleon-Trader Zvi Goffer, dessen Bruder Emanuel sowie Michael Kimelman, einen Freund der Familie, für schuldig. Das Trio könnte bis zu 20 Jahre hinter Gittern verbringen.

Obwohl die Goffers und Kimelman wichtige Gespräche nur über Prepaid-Handys oder gar auf der Straße führten, um möglichst wenig Spuren zu hinterlassen, konnten die Beamten durch Tonbandaufnahmen nachweisen, dass sie in den Jahren 2007 und 2008 fast 100.000 Dollar für Hinweise auf bevorstehende Übernahmen an Rechtsanwälte gezahlt hatten. Millionen verdiente Goffer mit diesen illegalen Tipps. Seinen aus dem gleichnamigen James-Bond-Thriller stammenden Spitznamen „Octopussy“ , erhielt er, weil er viele Quellen gleichzeitig anzuzapfen pflegte.

Auch Goffers früheren Boss, den schwergewichtigen Galleon-Gründer Raj Rajaratnam, befanden die Geschworenen des Wertpapierbetrugs und der Verschwörung für schuldig. Am 29. Juli wird das Gericht in Manhattan die Haftdauer festlegen. Der in Sri Lanka geborene Rajaratnam soll 63,8 Millionen Dollar ergaunert haben – der größte aufgedeckte In­siderfall eines Hedgefonds und der spektakulärste Skandal an der Wall Street seit Bernie Madoff.

Auch eine Frau brachte Bharara bereits hinter Gitter, was in der Männerwelt der Wall Street einem Meisterstück gleichkommt: Winifred Jiau reichte an Trader des mächtigen Hedgefonds SAC aus Stamford, Connecticutn brandheiße Insiderinformationen weiter. Dafür kassierte sie 120.000 Dollar im Jahr.


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Jiau hatte als Beraterin für Primary Global Research gearbeitet. Die Expertenfirma war darauf ausgerichtet, Händler an der Wall Street mit Insidern aus Industrieunternehmen zu vernetzen. Zuvor hatte sie ihre Brötchen bei Chipherstellern wie Taiwan Semiconductor verdient. Über ihr Netzwerk erhielt sie Finanzzahlen von Techfirmen wie Marvell Technology oder Nvidia vorab.

Mit den Hinweisen von „Winnie the Poohster“, wie die Informantin genannt wurde, strichen drei junge Händler Millionengewinne ein – bis FBI-Mitarbeiter einen von ihnen aufsuchten und ihm Aufnahmen von ­abgehörten Telefongesprächen vorspielten: SAC-Portfoliomanager Noah Freeman (35), Harvard-Absolvent, blieb nichts anderes übrig, als zu kooperieren. Die Ermittlungen gegen SAC sind bereits ausgeweitet worden. Die Beamten interessieren sich vor allem für Trades, die SAC-Chef Steven A. Cohen im Umfeld von Übernahmen höchstpersönlich veranlasst hat. Der Milliardär steht seit Jahren im Verdacht verschiedener Mauscheleien. Auch seine Exgattin hatte ihn bezichtigt, Insidergeschäfte zu tätigen.

„Winnie the Poohster“ muss mit bis zu 25 Jahren Haft rechnen, Freemans einstige Kollegen Samir Barai und Donald Longueuil drohen ebenfalls Gefängnisstrafen. Als Longueuil im November 2010 aus der Zeitung von den Ermittlungen gegen SAC erfuhr, vernichtete er umgehend Beweismaterial. Zwei Festplatten und einen Flash-Speicher zerteilte er mit einer Beißzange. Den Abfall packte er in vier kleine Plastiktüten und warf sie nachts um zwei auf vier verschiedene Müllwagen. Dummerweise erzählte Longueuil seinem Freund Freemann am Telefon von der nächtlichen Entsorgungstour. Die Ermittler hör­ten mit. „Es war wie in einem schlechten Film“, höhnt Staatsanwalt Bharara, der sich gern in der mit wichtigen Fällen einhergehenden Aufmerksamkeit der Medien sonnt. Er trete auf „wie der Sheriff der Wall Street“, schreibt die „New York Times“.

Allerdings haben die Methoden des Sheriffs ihre Schattenseiten. Der Trader Ephraim Karpel, der seit 2008 notgedrungen mit dem FBI zusammengearbeitet hatte, erhängte sich in seinem Büro auf der Fifth Avenue. Seine Witwe sagte der Presse: „Die Ermittlungen haben sein Leben verändert, er ging daran zugrunde. Er fiel tiefer und tiefer in ein Loch und fand nicht mehr heraus.“

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