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25.10.2019 03:06
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Anleger aufgepasst: Diese Steuern fallen bei Investments wie Aktien, Fonds, Gold, Immobilien & Co. an

Steuerzahlung im Fokus: Anleger aufgepasst: Diese Steuern fallen bei Investments wie Aktien, Fonds, Gold, Immobilien & Co. an | Nachricht | finanzen.net
Steuerzahlung im Fokus
Wer investiert muss sich früher oder später mit einem oft leidigen Thema auseinandersetzen: der Steuer. Doch wie viele Steuern fallen eigentlich bei Investitionen in Aktien, Fonds, Immobilien, Edelmetalle & Co. an?
• Abgeltungssteuer wird für nahezu alle Erträge fällig
• Sparerpauschbetrag und Nichtveranlagungsbescheinigung bringen Vorteile
• Unterschiedliche Regelungen für unterschiedliche Anlageklassen

Wenn Sparen und Anlegen so einfach wäre, würden sich Investoren nicht den Kopf zerbrechen, was es alles zu beachten gibt. Welche Asset-Klasse ist die richtige für mich? Ist die Risikostufe passend zu meiner Toleranzgrenze? Und welche Steuern fallen beim Kauf und Verkauf für mich eigentlich an? Denn gerade bei diesem Thema gibt es einiges zu beachten.

Abgeltungssteuer: 25 Prozent plus Soli und Kirchensteuer

Auf nahezu alle Investitionen - selbst auf Tagesgeldkonten oder Sparbücher - fallen Steuern an. Grund dafür ist die 2009 eingeführte Abgeltungssteuer. Diese wird für alle Erträge von Kapitalanlagen fällig und hat eine Höhe von 26,375 Prozent - das sind 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag, je nachdem wird zusätzlich noch die Kirchensteuer einbehalten. Zinsen, Dividenden und realisierte Kursgewinne fallen unter die steuerpflichtigen Vorgänge.

Die Zahlung der Abgeltungssteuer auf die Erträge von Kapitalanlagen erfolgt direkt durch die Bank, bei der man das Depot laufen hat. Das jeweilige Institut führt die Steuer auf die betroffenen Gewinne dann direkt an den Fiskus ab. Dieses Prinzip wird Quellensteuer genannt.

Sparerpauschbetrag in Höhe von 801 Euro pro Jahr

Grundsätzlich gilt: Es besteht ein steuerlicher Freibetrag von 801 Euro jährlich, der sogenannte Sparerpauschbetrag. Wer also Teile seiner Investitionen gewinnbringend verkaufen möchte, sollte diesen Steuerfreibetrag im Hinterkopf behalten und sofren möglich lieber über zwei Jahre Anteile mit einem Gewinn von je 800 Euro verkaufen als einmal Anteile mit Gewinn in Höhe von 1600 Euro - denn dann müssten 799 Euro davon zu 210 Euro versteuert werden.

Was hierbei allerdings zu beachten ist: Wer den Freibetrag nutzen möchte, ist in der Bringschuld und muss als Anleger einen Freistellungsauftrag bei der Bank stellen, damit diese den Freibetrag berücksichtigt. Wer dies vergisst, kann ihn allerdings im Nachhinein bei der Steuererklärung geltend machen. Übrigens gilt für verheiratete Paare der doppelte Freibetrag in Höhe von 1.602 Euro. Transaktionsgebühren beim Verkauf von Assets oder Bankgebühren beim Kaufen werden dabei vom Gewinn abgezogen.

Nichtveranlagungsbescheinigung bei geringfügigen Einkommen

Wer nur ein geringfügiges oder gar kein Einkommen hat, für den lohnt sich außerdem die Nichtveranlagungsbescheinigung. Dies ist oft bei Rentnern, Studenten oder Mini-Jobbern der Fall. Einkommen unter der Grenze für den Mindestbedarf, der bei Singles bei 9.168 Euro und bei Verheirateten bei 18.336 Euro jährlich liegt, bleibt nämlich steuerfrei. Wer weniger als den Mindestbetrag verdient, aber Gewinne aus Investitionen mitbringt, bei dem können auch diese bis zum Erreichen des jährlichen Mindestbetrags steuerfrei bleiben.

Aktien versteuern

Für Aktien gelten die Regeln der Abgeltungssteuer ganz normal, insofern sie ab 2009 gekauft worden sind. Interessant ist hierbei die Verlustverrechnung. Wer beim Aktiengeschäft Verluste einfährt, kann sich diese als Gegenwert für seine Gewinne anrechnen lassen. Wer durch niedrigere Kurse beim Verkauf zunächst 1.500 Euro Verlust macht, der kann sich auf seinen Sparerpauschbetrag ebenjene Summe anrechnen lassen. Gewinne bis zu 1.500 Euro blieben in diesem Fall dann zusätzlich steuerfrei. Voraussetzung ist jedoch, dass die Verluste auch wirklich durch eine Veräußerung der Aktien realisiert werden und die entsprechenden Aktien nach Einführung der Abgeltungssteuer erworben wurden.

Auch bei weiteren Punkten ist hier Vorsicht geboten: Die Verlustrechnung gilt nur in der jeweiligen Anlageklasse. Verluste aus Aktien können nicht mit Gewinnen aus Fonds oder Rohstoffgeschäften verrechnet werden, sondern nur mit Gewinnen durch Aktien, die durch Verkäufe realisiert werden. Auch eine Verrechnung mit erhatenen Dividenden ist nicht möglich. Langfristige Anleger, die vor 2009 Aktien erworben haben, können sich übrigens freuen: Hier greift das Bestandsschutzgesetz, was bedeutet, dass Kursgewinne beim Aktienverkauf nicht besteuert werden.

Fonds versteuern

Bei Fonds greift ein ähnliches Gesetz wie bei Aktien zum Thema Bestandsschutz allerdings nicht mehr. So gelten Anteile, die vor der Einführung der Abgeltungssteuer 2009 erworben wurden, nun bei der Versteuerung als "Anfang 2018 gekauft" und Fondsgewinne ab da an werden nach den geltenden Abgeltungssteuer-Regeln versteuert. Wenigstens wird Fondsbesitzern ein Ausgleich geboten: So gibt es für die eigentlich alten Fondsanteile einen Steuerfreibetrag in Höhe von 100.000 Euro.

Kursgewinne bei Fonds werden übrigens durch eine Vorabpauschale besteuert - auch bei thesaurierenden Fonds, die Gewinne nicht an die Anleger ausschütten, sondern direkt neu investieren. Verkauft ein Fonds-Anleger später Anteile, dann wird die Vorabsteuer mit den tatsächlich anfallenden Steuern auf die Gewinne verrechnet.

Edelmetalle versteuern

Auch auf Edelmetalle gilt pauschal die Abgeltungssteuer. Wer jedoch physisch in Gold, Silber & Co. investiert - sprich Goldbarren kauft und die Anteile nicht "fiktiv" über Zertifikate oder ETCs handelt -, der kann hier Erleichterungen spüren. Allerdings sind diese abhängig von der Haltedauer u.a. bei Münzen wie Krügerrand, Maple Leafs und Wiener Philharmoniker. So müssen die Edelmetalle mindestens ein Jahr gehalten werden, um etwaige Gewinne beim Verkauf nicht versteuern zu müssen. Allerdings sind nach einem Jahr Haltedauer auch etwaige Verluste nicht mehr steuerlich verrechnbar.

Immobilien versteuern

Wer eine Immobilie besitzt und sie vermietet, muss auf die Mieteinnahmen keine Abgeltungssteuer zahlen. Gewinne aus Einnahmen über die Vermietung werden nämlich nicht über die Abgeltungssteuer versteuert, sondern laufen beim Finanzamt als "Erträge aus Vermietung und Verpachtung". Darauf gilt stattdessen in der Einkommenssteuererklärung dann der persönliche Steuersatz, der je nach Einkommenshöhe variiert.

Was zu beachten ist: Beim Verkauf einer Immobilie kann je nachdem trotzdem eine Spekulationssteuer auf den Gewinn fällig werden, die sich nach dem persönlichen Einkommenssteuersatz richtet. Ein Ausweg ist hier die Haltedauer. Wer eine Immobilie mehr als zehn Jahre hält, wird beim Verkauf von der Versteuerung des Gewinns befreit. Auch wer die Immobilie seit Kauf oder Fertigstellung selbst genutzt oder zumindest im Jahr des Verkaufs und den beiden vorangegangenen Jahren selbst bewohnt hat, kann eine Immobilie sohne Zahlung der Spekulationssteuer veräußern und muss dabei keine weitere Haltedauer beachten.

Lebensversicherungen versteuern

Bei Lebensversicherungen gilt es zu unterscheiden zwischen "alten" und "neuen" Verträgen. Wurde die Versicherung nämlich vor dem 1. Januar 2005 abgeschlossen, so ist die Auszahlung steuerfrei.

Die Kapitalerträge von "neuen", ab dem 1. Januar 2005 abgeschlossenen, Lebensversicherungen müssen hingegen versteuert werden. Im ungünstigsten Falle sind das 25 Prozent Abgeltungssteuer plus Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer.

Jedoch gibt es auch bei "neuen" Verträgen Ausnahmen: Lief die Versicherung mindestens zwölf Jahre und der Versicherte ist zum Zeitpunkt der Auszahlung 60 Jahre alt oder älter, so muss nur der halbe Ertrag versteuert werden - und zwar mit dem persönlichen Einkommenssteuersatz. Bei ab 2012 abgeschlossenen Lebensversicherungen gilt hierfür das 62. Lebensjahr als Grenze.

Bei Lebensversicherungen wird übrigens nicht der jährliche Gewinn berechnet, sondern es wird erst am Ende der Laufzeit die Differenz aus eingezahlten Beiträgen und dem auszuzahlenden Betrag ermittelt. Dies ist dann der Kapitalertrag der versteuert wird.

Bei der Versteuerung von angelegtem Vermögen ist also einiges zu beachten. Anleger sollten sich vorab genau informieren und sich überlegen, welche Anlageoptionen ihnen auch unter Anbetracht der anfallenden Steuern die größten Renditen einbringen können.

Theresa Rauffmann / Redaktion finanzen.net

Bildquellen: filmfoto / Shutterstock.com, Daniela Staerk / Shutterstock.com
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