15.11.2022 15:51

Füllstand der deutschen Gasspeicher übersteigt 100-Prozent-Marke - Wohl 54 Milliarden Euro Kosten für Gaspreisbremse

Gasspeicher gefüllt: Füllstand der deutschen Gasspeicher übersteigt 100-Prozent-Marke - Wohl 54 Milliarden Euro Kosten für Gaspreisbremse | Nachricht | finanzen.net
Gasspeicher gefüllt
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Der Füllstand der Erdgasspeicher in Deutschland hat die 100-Prozent-Marke geknackt.
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Dies ging am Dienstag aus Daten des europäischen Gasspeicherverbandes GIE hervor. Die 100 Prozent beziehen sich laut Netzagentur auf das von den Anlagenbetreibern ausgewiesene Arbeitsgasvolumen, das die gesicherte Kapazität des Speichers angibt. "Dieses entspricht jedoch nicht immer den physikalischen Möglichkeiten, sodass einige Speicher mehr Gas einspeichern können", teilte die Behörde am Dienstag in Bonn mit. Deshalb könne auch bei einem Füllstand von 100 Prozent noch weiter eingespeichert werden.
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Nachdem am Dienstag in Wilhelmshaven auch der erste Anleger für Schiffsanlandungen von Flüssigerdgas (LNG) fertiggestellt wurde, sprach Netzagentur-Präsident Klaus Müller von einem "Doppelerfolg für die Versorgungssicherheit". Der LNG-Anleger sei fertig und die Gasspeicher seien "proppenvoll", schrieb Müller auf Twitter. "Das ist das Ergebnis guter politischer Entscheidungen. Diesen Schwung brauchen wir jetzt für den Ausbau Erneuerbarer Energien & ihrer Netze". Damit über Wilhelmshaven wie geplant in einigen Wochen LNG nach Deutschland importiert werden kann, sind allerdings noch weitergehende Arbeiten nötig.

In den Speichern wurden den jüngsten Angaben der GIE-Transparenzplattform Agsi zufolge am Montagmorgen 245,44 Terawattstunden Erdgas registriert. Dies lag leicht über der 100-Prozent-Marke, die bei 245,39 Terawattstunden erreicht wurde. Zum Vergleich: Im Januar und Februar 2022 wurden laut Bundesnetzagentur in Deutschland insgesamt knapp 227 Terawattstunden Erdgas verbraucht. Auch auf EU-Ebene waren die Speicher am Montagmorgen gut gefüllt: Die AGSI-Seite verzeichnete einen Füllstand von 95,6 Prozent. Die Befüllung der Speicher war in diesem Jahr durch den russischen Gaslieferstopp stark erschwert worden.

Die Speicher gleichen Schwankungen beim Gasverbrauch aus und bilden damit ein Puffersystem für den Markt. Während Gas eingespeichert wird, fließt über Pipelines weiterhin Gas etwa aus Norwegen, den Niederlanden und Belgien nach Deutschland. Für gewöhnlich sind die Speicher mit Beginn der Heizperiode gut gefüllt. Bis zum Frühjahr nehmen die Füllstände dann ab. Am 1. Februar sollen sie laut Energiewirtschaftsgesetz aber noch zu 40 Prozent gefüllt sein.

Der größte deutsche Speicher im niedersächsischen Rehden, auf den allein rund 18 Prozent der gesicherten Speicherkapazität entfallen, war am Montagmorgen zu 94,75 Prozent gefüllt. Dass deutschlandweit zusammengenommen trotzdem über 100 Prozent erreicht wurden, liegt nach Angaben des Gasspeicherverbandes Ines daran, dass mehrere andere Speicher bereits zu über 100 Prozent befüllt sind.

"Es handelt sich um einen Speicherfüllstand, der in Deutschland seit Beginn der Aufzeichnungen noch nie erreicht worden ist", sagte Ines-Geschäftsführer Sebastian Bleschke der Deutschen Presse-Agentur. Derzeit würden die Einspeichermöglichkeiten unter Einhaltung sämtlicher Sicherheitsbestimmungen bis an ihre technischen Grenzen herangefahren.

Bund rechnet mit 54 Mrd Euro Kosten für Gaspreisbremse

Haushalte und Industrie sollen über die Gaspreisbremse bis zum Frühjahr 2024 mit insgesamt 54 Milliarden Euro entlastet werden.

Davon würden etwa 33 Milliarden Euro Haushalten und Gewerbe zufließen und 21 Milliarden Euro der Industrie, heißt es in einem ersten Entwurf des Gesetzes zur Gaspreisbremse, der der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag vorlag. "Bei diesen Schätzungen ist jedoch die Unsicherheit durch die Preisentwicklung zu berücksichtigen", warnt das Wirtschaftsministerium in dem Dokument. Das Geld soll aus dem Abwehrschirm von bis zu 200 Milliarden Euro gegen die Energiekrise kommen.

Der Entwurf enthält die Eckpunkte zur Entlastung von Gas- und Wärmekunden. Haushaltskunden sollen für 80 Prozent des geschätzten Jahresverbrauchs zwölf Cent pro Kilowattstunde zahlen. Für Industriekunden sind für 70 Prozent des Verbrauchs sieben Cent vorgesehen. Für die Fernwärme ist ein Deckel von 9,5 Cent verankert. Die Preisbremse soll bis April 2024 gelten und für die Industrie ab Januar greifen. Haushaltskunden sollen ab März entlastet werden, wobei ein Vorziehen auf Januar oder Februar noch geprüft wird, wie auch aus dem Dokument hervorgeht.

Informiert werden müssen die Haushaltskunden dem Papier zufolge bis Mitte Februar, wie hoch ihre monatliche Entlastung dann ausfällt. Die Betriebskosten-Vorauszahlung muss dann entsprechend angepasst werden - aber nur, wenn sie um mehr als zehn Prozent fällt. Ansonsten soll über die Jahresendabrechnung entlastet werden. Der Verbrauch über den 80 Prozent muss aber zum vollen Marktpreis bezahlt werden. Die Versorger wiederum sollen die erwarteten Entlastungs-Beträge vierteljährlich im Voraus bekommen, um sie an die Kunden weiterzugeben.

Geregelt wird zudem, dass Verbraucher die Kostenvorteile versteuern müssen, sofern sie über 75.000 Euro im Jahr (Ehepaare: 150.000) verdienen. Die Gaspreisbremse ist die zweite Stufe der Entlastung nach der sogenannten Dezember-Hilfe, die noch dieses Jahr fließen soll. Sie ist bereits in Bundestag und Bundesrat beschlossen.

Das Papier enthält sonst in vielen Einzelpunkten noch Leerstellen und wird daher als "Vorentwurf" eines Gesetzes vom Wirtschaftsministerium bezeichnet. So ist beispielsweise offen, ob Industrie-Profiteure der Preisbremse weiter Dividenden und Manager-Boni auszahlen dürfen. Große Gasverbraucher wie BASF oder Heidelberg Materials haben bereits angekündigt, auf die Hilfen dann verzichten zu wollen. Ein Dividenden-Verbot könnte so Auswirkungen auch auf die erwarteten Ausgaben des Staates für die Preisbremsen haben.

Wirtschaftsminister Robert Habeck und Abgeordnete der Ampel-Parteien haben bereits Sympathie für ein solches Verbot gezeigt. Habeck verwies aber auf mögliche Umsetzungsprobleme. Im Vordergrund müssten schnelle Hilfen stehen.

Eigentlich sollte die Gaspreisbremse zusammen mit der Strompreisbremse diese Woche im Kabinett beschlossen werden. Dies hat die Regierung auf Ende November verschoben, da die zu klärenden Fragen komplex seien. Dies gilt besonders für die geplante Abschöpfung von sogenannten Zufallsgewinnen der Stromproduzenten. Mit dieser soll im Wesentlichen die Strompreisbremse finanziert werden, wie aus dem Dokument zur Gaspreisbremse auch hervorgeht.

BRÜSSEL/Berlin (dpa-AFX / Reuters)

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