08.10.2021 09:39

DAX: Kaufchance oder Trendwende?

Interview: DAX: Kaufchance oder Trendwende? | Nachricht | finanzen.net
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Nach einer beeindruckenden Rally in der ersten Jahreshälfte haben Dax, Dow & Co. seit September den Rückwärtsgang eingelegt. Kaufchance oder Trendwende? Zu dieser Frage nimmt ein erfahrener Anlageexperte Stellung.
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finanzen.net: Der Dax hat in der ersten Jahreshälfte deutlich zugelegt. Mehr als 13 Prozent Kursgewinn standen Ende Juni zu Buche. Ein ähnliches Bild zeigte sich bei den US-Pendants. Doch spätestens seit Mitte August scheint die Luft aus den Märkten zu entweichen. Was die Gründe dafür sind und wie es an den Märkten in den nächsten Monaten weitergehen könnte, wollen wir heute mit Holger Steffen besprechen. Hallo Herr Steffen.

Holger Steffen: Hallo Herr Altvater.

finanzen.net: Herr Steffen, Sie sind Analyst und Berater des Value Stars Deutschland-Index. Ein Index, der seit seiner Auflage im Jahr 2013 eine Durch­schnitts­rendite von über 16 Prozent pro Jahr erzielt hat. Bevor wir uns der aktuellen Marktsituation zuwenden: Wie zufrieden sind Sie als Investor mit dem bisherigen Jahresverlauf?

Holger Steffen: Es hätte kaum besser laufen können. Der Value-Stars-Deutschland-Index hat schon im ersten Halbjahr in fünf von sechs Monaten eine positive Rendite erzielt. Bereits zur Jahresmitte notierte der Index mehr als 23 Prozent im Plus. Der DAX als Vergleichs­maßstab hatte bis dahin nur 13,2 Prozent zugelegt. Mit unserer Aktien­auswahl haben wir also auch in diesem Jahr voll ins Schwarze getroffen. Im Übrigen - und das will ich ausdrücklich betonen - hat sich unser Portfolio auch im zweiten Halbjahr deutlich besser als der DAX entwickelt. Trotz des Kursrückgangs der letzten Wochen liegt unser Portfolio seit Jahresbeginn aktuell mehr als 27 Prozent im Plus. Damit haben wir unsere Outperformance gegenüber dem DAX auf gut 17 Prozent­punkte ausgebaut.


Der DAX sackte wieder unter die 15.000er Schwelle ...


finanzen.net: Klingt gut. Vielleicht können wir gleich noch auf Ihre aktuelle Aktien­auswahl und einige Ihrer Favoriten zu sprechen kommen. Lassen Sie uns aber zunächst beim Markt und beim DAX bleiben: Der deutsche Leitindex konnte die magische Hürde von 16.000 Punkten im August ja nicht wirklich lange halten. Und spätestens Anfang September - pünktlich zum meteoro­logischen Herbstbeginn - sind die ersten Herbststürme über das Parkett hinweg gezogen. Nicht wenige Markt­teilnehmer zeigen sich zusehends verunsichert. In den letzten Tagen sackte der deutsche Leitindex sogar wieder unter die 15.000er Schwelle. Was sind aus Ihrer Sicht die Gründe für diese Entwicklung? Und worauf sollten Anleger in den kommenden Monaten achten?

Holger Steffen: Das lässt sich in aller Kürze kaum beantworten, ich versuche es trotzdem mal (lacht). Die Märkte haben im letzten Jahr, nach dem Corona-Crash, eine beein­druckende Erholungs­rally gestartet, getragen von einem starken wirtschaft­lichen Aufschwung, der mit den Lockerungen der Corona-Einschränkungen einherging. Seit dem Frühjahr 2021 zeigen sich aber auch zahlreiche Probleme, die der rasante Aufschwung mit sich gebracht hat.

finanzen.net: Auf welche Probleme spielen Sie an?

Holger Steffen: Es hat sich gezeigt, dass in der Krise in vielen Sektoren zu wenig investiert wurde, nun fehlt es an den nötigen Kapazitäten bei einer anziehenden Nachfrage. Dabei waren die internatio­nalen Liefer­ketten aufgrund der Coronakrise ohnehin schon angespannt. Heute haben wir in vielen Bereichen Engpässe, etwa bei Halbleitern oder auch bei Kunststoffen.


Neben Engpässen bei den Lieferketten schauen professio­nelle Anleger auf zwei weitere Problemfelder ...


finanzen.net: Es klemmt also in der Wirtschaft?

Holger Steffen: So kann man das sagen. Es klemmt in vielen Bereichen und das hat mitunter hohe Kosten­steigerungen zur Folge. Daneben stechen derzeit zwei weitere Problem­bereiche hervor. Zum einen die Turbulenzen im chinesischen Immobilien­sektor. Nach einem jahrelang stark kredit­finanzierten Boom kühlt sich der chinesische Immobilien­markt ab. Einige Anbieter geraten ins Wanken, darunter der hoch verschuldete Immobilien­riese Evergrande.

finanzen.net: Und zum anderen?

Holger Steffen: Zum anderen sind die Preise für Energie­rohstoffe wie Gas und Kohle zuletzt stark gestiegen. Die Preise schießen regelrecht durch die Decke. Auch hier wurde in der Krise einfach zu wenig investiert, die Quittung folgt nun sozusagen auf dem Fuße.


"Der Wind an den Märkten ist eindeutig rauer geworden."


finanzen.net: Herr Steffen, was bedeutet das für Anleger? Worauf sollten private Investoren nun ihr Hauptaugen­merk richten?

Holger Steffen: Der Wind an den Märkten ist eindeutig rauer geworden. Für Anleger ist es daher noch wichtiger auf Unternehmen zu setzen, die eine starke fundamentale Story bieten und nicht zu hoch bewertet sind. Die Wahrschein­lichkeit, dass wir auch in den nächsten Monaten größere Markt­schwankungen sehen, halte ich für nicht gerade gering. Mit sorgfältig ausgewählten Aktien und einer sinnvollen Diversi­fikation können Anleger aber auch aus dieser Marktlage ihren Vorteil ziehen.


"Wir achten ganz besonders auf die Qualität ..."


finanzen.net: Sie sind nicht nur Kapitalmarkt­analyst, sondern auch einer der Berater des Value Stars Deutschland-Index: Mit welcher Strategie gehen Sie in die nächsten Monate? Und was sollten Anleger bei der Aktienauswahl für die kommenden Monate beachten?

Holger Steffen: Wir achten ganz besonders auf die Qualität der Unternehmen. Im Value-Stars-Deutschland-Index setzen wir ohnehin vorrangig auf Unternehmen, die einen starken Track-Record aufweisen und parallel dazu die Chance auf ein hohes Gewinn­wachstum bieten. Natürlich setzen wir die Wachstums­chancen stets in Relation zur aktuellen Bewertung. Wie wir hier genau vorgehen und welche Anlage­kriterien wir als professio­nelle Akteure anlegen, können Interessierte auch auf unserer Webseite [Link zur Webseite, Anmerkung der Redaktion] nachlesen. Klar ist: Günstig bewertete, fundamental starke Unternehmen sind das Rückgrat des Index und Basis unseres Erfolgs.

finanzen.net: Wie viele Aktien halten Sie momentan im Value Stars-Portfolio?

Holger Steffen: Aktuell ungefähr 25. Die Zahl schwankt im Zeitablauf üblicherweise zwischen 20 und 30. Wir achten darauf, dass einzelne Aktien kein zu hohes Gewicht haben, um Klumpen­risiken zu vermeiden. Anleger, die einen Einblick in die genaue Zusammensetzung - also unsere aktuelle Aktien­auswahl - erhalten möchten, finden diese im Übrigen in unserem kostenlosen Newsletter, in dem wir nicht nur regelmäßig die Marktlage kommentieren, sondern auch über neu aufgenommen Aktien informieren [Link zum Newsletter, Anmerkung der Redaktion].


Welche Aktien sind aktuell einen Blick wert?


finanzen.net: Können Sie verraten, welche Aktien Ihr Team zuletzt ins Portfolio aufgenommen hat?

Holger Steffen: Ich kann gerne etwas zu unseren Schwergewichten sagen, denen wir noch sehr viel zutrauen. Ein hohes Steigerungs­potenzial bei den Gewinnen sehen wir zum Beispiel bei der Beteiligungs­gesellschaft Gesco, die nach einer schwierigen Phase inzwischen über ein starkes Portfolio verfügt. Die Chancen spiegeln sich aus unserer Sicht derzeit nicht in der günstigen Bewertung wider. Die Aktie weist ein niedriges zwei­stelliges KGV auf.

finanzen.net: Im Small Cap-Bereich finden sich also tatsächlich noch günstige Unternehmen?

Holger Steffen: Auf jeden Fall. Man muss nur lange genug schürfen. Für institutionelle Investoren sind Small Caps - also Aktien mit Markt­kapita­lisierung deutlich unter einer Milliarde Euro - meist zu klein. Ein Grund, weshalb es unter den Nebenwerten kaum bekannte Perlen gibt; und genau die möchten wir für unsere Anleger aufspüren.

finanzen.net: Haben Sie weitere solcher günstigen Unternehmen für uns?

Holger Steffen: Immer noch günstig ist trotz hoher Kursgewinne eine andere Top-Position in unserem Portfolio: die Deutsche Rohstoff AG. Das Unternehmen hält Beteiligungen an Öl- und Gas­produzenten in den USA und hat in der Krise vieles richtig gemacht und antizyklisch investiert. Jetzt profitiert die Gesellschaft vom starken Anstieg der Rohstoff­preise. Ein weiterer Profiteur einer ähnlichen Entwicklung ist übrigens auch SMT Scharf, ein günstig bewerteter Zulieferer für die Bergbau­industrie. Hier haben wir nach starken Zahlen erst kürzlich weiter aufgestockt. Als Anleger im Value Stars Deutschland-Index profitieren sie automatisch von der Entwicklung dieser drei und aktuell von rund 20 weiteren Unternehmen unseres Portfolios.


Ein Investment in Small Caps erfordert ständiges Monitoring und langjährige Erfahrung


finanzen.net: Wer als Anleger in Small Caps wie SMT Scharf oder Deutsche Rohstoff investiert, sollte aber auf jeden Fall nah dran sein und die Entwicklung engmaschig verfolgen ...

Holger Steffen: Genau. Das ist sehr wichtig. Ein Investment in Small Caps erfordert ständiges Monitoring und lang­jährige Erfahrung. Ich würde Privat­anlegern auch eher nicht empfehlen, direkt in Small Caps zu investieren. Wir als Analysten schauen uns jedes Unternehmen sehr genau an, prüfen die Bilanzen und wägen Chancen und Risiken sorgsam gegeneinander ab. Für Privat­anleger ist dieser Aufwand schon aus zeitlichen Gründen kaum abbildbar. Auch das ist übrigens ein Grund dafür, weshalb wir mit dem Value Stars-Deutschland-Index einen direkt investierbaren Index geschaffen haben.

finanzen.net: ... in den Anleger auch invesieren können ...

Holger Steffen: Ja, mit einem Index-Zertifikat, das Anleger jederzeit über die Börse Stuttgart oder über Lang & Schwarz handeln - also kaufen und verkaufen - können [die WKN lautet: LS8VSD, Anmerkung der Redaktion]. Value-Stars-Anleger partizipieren somit jederzeit an allen von uns favorisierten Unternehmen. Übrigens: Anders als beim Erwerb von Investment­fonds­anteilen fällt beim Kauf oder Verkauf des Valus-Stars-Zertifikats kein Ausgabe­aufschlag oder ähnliches an. Es existiert nicht mal ein Spread, sodass Anleger jederzeit flexibel investiert sind.

finanzen.net: Herr Steffen, das war sehr interessant. Besten Dank, dass Sie Ihre Markt­einschätzung und Ihre Strategie mit uns geteilt haben.

Holger Steffen: Sehr gerne, Herr Altvater.

Das Interview führte Volker Altvater von finanzen.net am 08.10.2021. Informationen zum Value-Stars-Deutschland-Index, bei dem Holger Steffen als Berater fungiert, finden Interessierte auf www.value-stars.de. Informationen zum Anlegerbrief von Holger Steffen sind unter www.anlegerbrief.com

 

Über Holger Steffen

Holger Steffen Holger Steffen verfügt über lang­jährige Erfahrung in der Unternehmens- und Kapital­markt­analyse. Der Analyst ist mitverant­wortlich für das Muster­depot des Anlegerbriefs, das seit Start im Jahr 1999 eine durch­schnittliche Jahres­rendite von 17,3 Prozent aufweist (Stand: 01.10.2021). Seit 2013 fungiert er mit der Anlegerbrief Research GmbH zudem als Berater für den Value-Stars-Deutschland-Index, der seit Auflage im Dezember 2013 einen Kurszuwachs von 230,5% aufweist (Stand 07.10.2021).

Der gelernte Diplom-Kaufmann hat als wissen­schaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Finanz­wirtschaft der RWTH Aachen gearbeitet. Seit mehr als 15 Jahren ist Steffen in der Finanz­branche aktiv, sein Schwerpunkt liegt in der Unternehmens- und Kapital­markt­analyse. Der Analyst hat bereits zahlreiche Studien zu deutschen Nebenwerten verfasst und sich als Buchautor betätigt.

Hinweis: Die finanzen.net GmbH unterhält geschäftliche Verbindungen zur Anlegerbrief Research GmbH, dem Berater des Referenz­portfolios, und partizipiert an den Einnahmen aus der Verwaltungs­gebühr und der erfolgs­abhängigen Gebühr des Endlos-Zertifikats auf den Value-Stars-Deutschland-Index (WKN LS8VSD).

Bildquellen: VSI

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