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07.06.2017 20:01
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Depotbanken erheben "Strafzinsen" für Gold-Anleger

Neue Gebühren: Depotbanken erheben "Strafzinsen" für Gold-Anleger | Nachricht | finanzen.net
Neue Gebühren
Auf der Flucht vor Negativzinsen wagen immer mehr Sparer den Schritt an die Börse. Doch auch hier bitten die Broker ihre Kunden nun bei einem besonders beliebten Produkt zur Kasse.
Wer sein Geld vermehren und dabei möglichst wenig Risiko eingehen will, hat es schon seit einiger Zeit nicht mehr leicht. Nicht genug, dass man die Zinsen auf Sparguthaben mit der Lupe suchen muss - oftmals werfen Bankkonten überhaupt keine Rendite ab, und immer mehr Institute verlangen sogar Strafzinsen von ihren Kunden. Beim Vermögensaufbau führt daher aktuell kein Weg mehr an der Börse vorbei - doch auch dort lauern Gebühren. Nachdem der Broker flatex bereits im März damit begann, Negativzinsen auf Beträge zu erheben, die auf dem Depotkonto geparkt und nicht investiert wurden, gehen einige Broker jetzt einen Schritt weiter. Sie verlangen monatliche Gebühren, wenn Anleger ein bestimmtes Gold-Produkt im Depot haben.

Gold gewinnt durch Negativzinsen an Attraktivität

In Zeiten niedriger Zinsen und politischer Unsicherheiten ist das gelbe Edelmetall für viele Anleger besonders attraktiv. Es bietet zwar ebenfalls keine laufenden Erträge, gilt aber - anders als Bankkonten - als Inflationsschutz und sicherer Hafen bei Krisen. Anstatt Gold in physischer Form zu kaufen, können Anleger aber auch über Wertpapiere in Gold investieren. Eines der beliebtesten Produkte ist dabei das Zertifikat Xetra-Gold der Deutschen Börse. Das Zertifikat lässt Anleger nicht nur von der Entwicklung des Goldpreises profitieren und kann jederzeit über die Börse gehandelt werden, es verbrieft pro Schein auch den Besitzanspruch an einem Gramm Gold, das in physischer Form bei einer Verwahrstelle hinterlegt und auf Wunsch an den Anleger ausgeliefert wird.
Die Nachfrage nach dem Produkt war gerade in den letzten Monaten riesig: Während sich im September 2016 laut Angaben der Deutschen Börse erstmals mehr als 100 Tonnen Gold im Bestand von Xetra-Gold befanden, waren es im Februar 2017 bereits mehr als 150 Tonnen.

Diese Broker verlangen monatliche Gebühren für Xetra-Gold

Während Anleger Xetra-Gold jahrelang bei ihren Depotbanken wie jedes andere Zertifikat handeln konnten, bitten nun einige Broker speziell Kunden, die dieses Wertpapier besitzen, zur Kasse. Laut Informationen der "WirtschaftsWoche" verlangen bereits S-Broker, Onvista und comdirect Gebühren von den Anlegern, die Xetra-Gold besitzen. Auch die Consorsbank soll über einen entsprechenden Schritt nachdenken. Wie teuer es für die Kunden wird, hängt vom Gegenwert des Xetra-Goldes ab, das sie in ihrem Depot haben. 0,02975 Prozent davon verlangt etwa die Commerzbank-Tochter comdirect laut "WirtschaftsWoche" seit 1. Juni monatlich als Gebühr.

Xetra-Gold verursacht mehr Kosten als andere Zertifikate

Dass mit Xetra-Gold nun auch die erste Zertifikate-Anlage von "Strafzinsen" betroffen ist, kommt jedoch nicht ganz überraschend. Denn natürlich fallen für die sichere Hinterlegung des physischen Goldes laufende Kosten an. Die Deutsche Börse Commodities, Herausgeberin des Zertifikats, beziffert dieses Verwahrentgelt auf 0,025 Prozent des Goldwertes pro Monat plus Mehrwertsteuer - und kommt für diesen Betrag natürlich nicht selbst auf. Stattdessen wurde er schon immer den Anlegern bzw. deren Depotbanken in Rechnung gestellt - diese gaben die Kosten bislang nur nicht weiter. Da viele Finanzinstitute im aktuellen Niedrigzinsumfeld neue Einnahmequellen erschließen müssen, sind diese Zeiten jetzt jedoch offenbar zumindest bei einigen Brokern vorbei.

In die eigene Tasche wirtschaften sich die Broker mit den Gebühren allerdings nicht, sie decken damit lediglich die ihnen entstehenden Kosten. Denn der von der comdirect erhobene Gebührensatz von 0,02975 Prozent entspricht genau dem von der Deutschen Börse angegebenen Verwahrentgeld plus 19 Prozent Mehrwertsteuer für die Dienstleistung. Für alle betroffenen Anleger dürfte die neue Gebühr jedoch trotzdem ärgerlich und womöglich ein Grund zum Depotwechsel sein.

Redaktion finanzen.net

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