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Autozulieferer: Zurück auf der Überholspur

16.08.10 16:00 Uhr

Viele Autozulieferer haben sich in der Krise gesundgespart. Nun verdienen manche sogar besser als die Autokonzerne selbst. Welche Aktien für Anleger interessant sind.

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32.064,6 PKT 394,2 PKT 1,24%

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18.002,3 PKT 279,6 PKT 1,58%

von Klaus Schachinger, €uro am Sonntag

Auftragsflaute? Das war einmal. Die Serie guter Quartalsberichte und die starke Zuversicht der deutschen Autozulieferer deutet darauf hin, dass die Gefahr einer Pleitewelle, von der vor Jahresfrist noch die Rede war, gebannt ist. „Die Branche ist schnell auf den Wachstumspfad zurückgekehrt. Das zweite Halbjahr wird noch deutlich besser“, sagt Ferdinand Dudenhöffer, Inhaber des Lehrstuhls für Automo­bil­wirtschaft an der Universität Duis­burg-Essen. Mehr noch: „Sollte es keinen Rückfall in die Rezession geben, werden auch die nächsten drei bis vier Jahre sehr gut“, ist Deutschlands Autopapst überzeugt. Die Branche sei in einer robusten Verfassung. „Es besteht kein Anlass mehr für eine ausgeprägte Konsolidierung“, so Dudenhöffer. Trotzdem wird es zu einigen Übernahmen kommen: Die schwächsten 25 Prozent der Branche ächzen weiter unter hoher Schuldenlast und geringer Liquidität.

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Die Besten unter den Zulieferern ­dagegen verdienen inzwischen mehr als die Autokonzerne selbst. Beispiel Volkswagen: Der größte deutsche Autobauer erwirtschaftet etwa vier Prozent Umsatzrendite. ElringKlinger, ein Hersteller von Zylinderkopf- und Spezialdichtungen, schaffte 14 Prozent. Von solchen Margen sind Verkabelungsspezialist Leoni, Sitzhersteller Grammer und die Automotive-Sparte des Rüstungskonzerns Rheinmetall zwar noch weit entfernt, doch auch sie lieferten während der Woche eindrucksvolle Belege für das fulminante Comeback der Branche. Nach durchweg roten Zahlen im ersten Halbjahr 2009 gelang den Dreien zwischen Januar und Juni die Rückkehr in die Gewinnzone. Bereits Ende Juli hatte Continental mit einem operativen Gewinn von mehr als einer Milliarde Euro überrascht.


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Lkw-Zulieferer hinken da noch etwas hinterher. Sollte etwa SAF Holland bereits im zweiten Quartal der Sprung in die schwarzen Zahlen gelungen sein, wäre dies eine Über­raschung. Immerhin: Die Analysten der Commerzbank gehen davon aus, dass das zweite Quartal 2010 auf absehbare Zeit das letzte ist, in dem ein Nettoverlust ausgewiesen wird. Der Halbjahresbericht wird am 26. August veröffentlicht. Ob die Aktie, die sich seit dem Tief verzehnfacht hat, dann schon bereit ist für den nächsten Schub, bleibt abzuwarten. Denn nach den Höhenflügen der Zuliefereraktien dominierten zuletzt Gewinnmitnahmen das Bild. Verstärkt wurde dieser Trend durch erneute Sorgen um das nachlassende Wirtschaftswachstum im wichtigen Absatzmarkt USA. Selbst die Anteilsscheine des Ingenieurdienstleisters Bertrandt kamen im Vorfeld der Zahlen, die für den 18. August erwartet werden, unter Druck. Zu Unrecht, meint Analyst Christian Ludwig vom Bankhaus Lampe: „Bertrandt profitiert von den Entwicklungsbudgets in der Branche, die auch in der Krise nicht zurückgefahren wurden.“ Mit den gut gefüllten Orderbüchern seien aber auch bei den meisten anderen Autozulieferfirmen in der zweiten Jahreshälfte positive Überraschun­gen möglich, glaubt Ludwig.

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Die meisten Autozulieferer haben ihre Hausaufgaben während der Branchenkrise gut gelöst. „Deutsche Autozulieferer haben sehr genau auf ihre Liquiditätsreserven geachtet, sie verfügen über starke Produktportfolios und haben ihre großen Forschungsprojekte auch während der Krise durchfinanziert“, lobt Vinzenz Schwegmann von der Beratungsgesellschaft Alix Partners.

Selbst zeitweise schwer angeschlagene Unternehmen wie SAF Holland sparten nicht am Entwicklungsetat und warten jetzt mit Innovationen auf. Ein neues Achssystem für Auflieger reduziert das Gewicht gegenüber den Produkten der Konkurrenz um 96 Kilogramm. In Verbindung mit Leichtmetallfelgen lassen sich sogar mehr als 200 Kilo sparen, die sich entweder in Form höherer Zuladung oder durch weniger Spritverbrauch auszahlen. Beim Kabel- und Bordnetzspezialisten Leoni wird das Geschäft unter anderem durch die starke Nachfrage nach der neuen Fünfer-Reihe von BMW, aber auch von anziehen­den Verkaufszahlen der GM-Tochter Buick beflügelt. „Wir sehen auch für das zweite Halbjahr keine Eintrübung“, sagt Finanzchef Dieter Belle. Für das laufende Jahr erwarten die Franken ein Umsatzplus von 20 bis 25 Prozent, und 2011 werde das Wachstum der Branche weiter an Fahrt gewinnen, meint Belle. Der schnelle Anstieg der Nachfrage erfordert auch einen deutlich höheren Finanzierungsbedarf. Damit ist nach Einschätzung von Alix Partners das schwächste Viertel der Branche überfordert. Während die besten der von Alix analysierten Firmen so gut wie schuldenfrei sind, stehen andere tief in der Kreide. Das Geld fehlt an allen Ecken und Enden.

Jüngstes Beispiel: Abgaskühlerspezialist Behr. Während der Branchenkrise schrumpfte der Eigenkapitalanteil auf 13 Prozent. Im Juli hatten sich die Schwaben in die Hände ihres Nachbarn Mahle gerettet. Der Produzent von Turboladern und Ventilen kaufte für geschätzte 150 bis 200 Millionen Euro knapp 20 Prozent der Anteile einschließlich der Option auf eine spätere Mehrheit. Damit entsteht der viertgrößte deutsche Autozulieferer (2009: 6,4 Milliarden Euro Umsatz) nach Bosch, Continental und ZF. „Der Zusammenschluss wird keine Ausnahme bleiben“, sagt Jan Dannenberg, Experte der Managementberatung Oliver Wyman. Weil Zukäufe noch günstig seien, werde man während des Jahres häufiger Transaktionen sehen. Finanzinvestoren allerdings scheiden als Mitbieter aus. „Die meiden Autozulieferer wie der Teufel das Weihwasser“, weiß Dannenberg aus vielen Gesprächen. Für diese Investoren sei es „schwer bis unmöglich“, von ihren Geldgebern das Okay für Zukäufe in diesem Sektor zu bekommen. Heuschreckenalarm? Auch das war einmal.

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Lesen Sie die Investment-Tipps auf der nächsten Seite!

Die lokalen Spezialisten - Kleine Werte, großes Potenzial
Anfang August hob Progress-Werk Oberkirch, kurz PWO, die Umsatzprognose für 2010 auf 250 Millionen Euro an. Das entspräche gegenüber dem Vorjahr einer Steigerung von 20 Prozent. Damit will PWO 15 Millionen Euro operativen Gewinn schaffen. 2009 waren es 4,9 Millionen Euro Verlust. Auch für den Lkw-Zulieferer SAF Holland sind nach dem Horrorjahr 2009 schwarze Zahlen in greifbare Nähe gerückt. Auftragseingang und Marktprognose sprechen für ein starkes zweites Halbjahr. Die Ergebnisse des ersten kommen am 26. August. Eine riskante Wette sind derzeit Papiere des Rußpartikelfilterherstellers Twintec.

Progress-Werk
ISIN: DE0006968001
Akt. Kurs: 28,99
Kursziel: 35,00

SAF Holland
ISIN: LU0307018795
Akt. Kurs: 5,90
Kursziel: 10,00

Twintec
ISIN: DE000A0LSAT7
Akt. Kurs: 7,80
Kursziel: 10,00

Die globale Liga - Drei Deutsche in den Top Ten
Trotz des Comebacks von US-Konkurrenten wie Johnson Controls sehen Branchenexperten für deutsche Zulieferer in Nordamerika mehr Chancen als Risiken. In Schwellenländern sind deutsche, japanische und französische Autozulieferer durch ihre hohen Standards nicht nur in puncto Produktqualität, sondern auch hinsichtlich Logistik und Fertigungstechnik der lokalen Konkurrenz überlegen.

Bertrandt - Starker Ingenieurdienstleister
Als größter europäischer Ingenieurdienstleister profitiert Bertrandt vom aktuellen Trend zur CO2-Reduktion, beispielsweise durch Elektromotoren. Für gut 90 Prozent des Umsatzes (2009: 385 Millionen Euro) sind Kunden aus dem Inland verantwortlich. Die Deutsche Bank rechnet für 2010 mit zehn Prozent Umsatzsteigerung und 24 Prozent mehr Gewinn. Die hohe Profitabilität und eine attraktive Dividende machen Bertrandt zum Toptitel der Branche. Am Mittwoch gibt es Quartalszahlen.

Grammer - Zurück in den schwarzen Zahlen
Die Umsatzmilliarde ist das erklärte Ziel des neuen Vorstandschefs Hartmut Müller. Wegen des Wachstums im Fernen Osten und in Brasilien werden in diesem Jahr aber zunächst nur etwa 800 Millionen Euro Umsatz (2009: 728 Millionen) und 24 Millionen Gewinn vor Steuern und Zinsen erwartet. 2009 war noch ein Verlust in gleicher Höhe angefallen. Dass der harte Sanierungskurs fruchtet, zeigt sich an dem starken Kursanstieg, nach dem die Aktie reif für eine Konsolidierung ist. Abwarten.

ElringKlinger - Fokussiert und hochprofitabel
Ende Juli hat der Zulieferer von Zylinderkopfdichtungen, Hitzeschilden und Kunststoffteilen die Ziele für 2010 erneut angehoben. ElringKlinger stellt 690 bis 710 Millionen Euro Umsatz (2009: 579 Millionen) und 90 bis 95 Millionen Euro Betriebsgewinn (Ebit) in Aussicht (2009: 63 Millionen). Mit 14,1 Prozent operativer Marge zur Jahresmitte sind die Schwaben profitabler als viele Autobauer. Die schaffen oft nur einstellige Renditen.

Leoni - Günstig bewertet Nach einem starken Halbjahr verspricht der Kabel- und Bordnetzhersteller Leoni für 2010 mit 45 Millionen Euro Nettogewinn wieder schwarze Zahlen. Die Analysten von Merck Finck & Co. erwarten sogar 53 Millionen Euro Gewinn bei 2,8 Milliarden Euro Umsatz. Im Vorjahr waren es noch 138 Millionen Verlust und 2,2 Milliarden Umsatz. Bis Ende 2012 soll der Gewinn jährlich um mehr als 20 Prozent zulegen. Charttechnisch angeschlagen.

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Nachrichten zu ElringKlinger AG

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Analysen zu ElringKlinger AG

DatumRatingAnalyst
13.10.2023ElringKlinger HoldDeutsche Bank AG
04.08.2023ElringKlinger SellHauck & Aufhäuser Privatbankiers KGaA
05.12.2022ElringKlinger OverweightJP Morgan Chase & Co.
03.11.2022ElringKlinger BuyWarburg Research
03.11.2022ElringKlinger OverweightJP Morgan Chase & Co.
DatumRatingAnalyst
05.12.2022ElringKlinger OverweightJP Morgan Chase & Co.
03.11.2022ElringKlinger BuyWarburg Research
03.11.2022ElringKlinger OverweightJP Morgan Chase & Co.
16.05.2022ElringKlinger OverweightJP Morgan Chase & Co.
06.05.2022ElringKlinger OverweightJP Morgan Chase & Co.
DatumRatingAnalyst
13.10.2023ElringKlinger HoldDeutsche Bank AG
19.01.2022ElringKlinger HoldDeutsche Bank AG
11.11.2021ElringKlinger NeutralJP Morgan Chase & Co.
01.10.2021ElringKlinger HoldDeutsche Bank AG
30.09.2021ElringKlinger HoldWarburg Research
DatumRatingAnalyst
04.08.2023ElringKlinger SellHauck & Aufhäuser Privatbankiers KGaA
13.10.2021ElringKlinger ReduceKepler Cheuvreux
23.09.2021ElringKlinger ReduceKepler Cheuvreux
05.08.2021ElringKlinger VerkaufenDZ BANK
14.05.2021ElringKlinger VerkaufenDZ BANK

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