Anklage erhoben

Chip-Schmuggel nach China: Schwere Vorwürfe gegen Super Micro-Mitbegründer lassen Aktie abstürzen

20.03.26 21:26 Uhr

Super Micro-Aktie bricht an der NASDAQ ein: Milliarden-Skandal um KI-Chips - Super Micro-Mitgründer angeklagt | finanzen.net

Die US-Justiz erhebt schwere Vorwürfe gegen einen Mitgründer von Super Micro. Anleger reagieren ernüchtert und schicken die Aktie auf Talfahrt.

Werte in diesem Artikel

• Anklage gegen Super Micro-Mitgründer wegen Exportverstößen
• Mutmaßliches Netzwerk schleuste KI-Server über Drittstaaten nach China
• Unternehmen kooperiert mit den Behörden

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Die ohnehin angespannten technologischen Beziehungen zwischen den USA und China haben eine neue, strafrechtliche Dimension erreicht. Im Zentrum steht ein mutmaßliches illegales Netzwerk, das darauf ausgelegt war, hochmoderne NVIDIA-Chips unter Umgehung strenger Exportkontrollen nach China zu schleusen.

Anklage gegen Mitgründer von Super Micro erhoben

Die US-Justizbehörden haben in diesem Zusammenhang Anklage gegen Wally Liaw erhoben, einen Mitbegründer und Vizepräsidenten von Super Micro Computer. Ihm und zwei weiteren Personen wird vorgeworfen, über Jahre hinweg ein komplexes System zur Verschleierung von Hardware-Lieferungen betrieben zu haben, um die nationale Sicherheit der USA zu unterlaufen. "Die heute veröffentlichte Anklageschrift beschreibt detailliert die mutmaßlichen Versuche, US-Exportgesetze durch gefälschte Dokumente, vorgetäuschte Server zur Irreführung von Prüfern und verschlungene Umschlagpraktiken zu umgehen, um das wahre Ziel der beschränkten KI-Technologie - China - zu verschleiern", wird John A. Eisenberg, stellvertretender Generalstaatsanwalt für Nationale Sicherheit, von Seiten der Justizbehörde zitiert. "Diese Chips sind ein Produkt amerikanischer Innovationskraft, und die Abteilung für Nationale Sicherheit wird unsere Exportkontrollgesetze weiterhin durchsetzen, um diesen Vorteil zu schützen".

Ein ausgeklügeltes System der Täuschung

Laut der am Donnerstag in Manhattan entsiegelten Anklageschrift handelt es sich um eine Umgehung von Exportgesetzen. Das Schema basierte offenbar auf der Nutzung eines Unternehmens in Südostasien als Zwischenstation. Dieses Unternehmen bestellte große Mengen an Super Micro-Servern, die mit den streng kontrollierten NVIDIA-GPUs bestückt waren. Anstatt jedoch am angegebenen Bestimmungsort zu verbleiben, wurden die Systeme laut Staatsanwaltschaft direkt nach China weitergeleitet. Um die Behörden und interne Prüfer zu täuschen, sollen die Beteiligten zu drastischen Mitteln gegriffen haben. So wird ihnen vorgeworfen, funktionsunfähige Attrappen von Servern bereitgestellt zu haben, um bei Inventurprüfungen den Verbleib der echten Hardware vorzutäuschen.

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"Wie in der Anklageschrift dargelegt, waren die Angeklagten an einem systematischen Komplott beteiligt, um große Mengen von Servern mit US-amerikanischer KI-Technologie an Kunden in China umzuleiten", so US-Staatsanwalt Jay Clayton für den südlichen Bezirk von New York. "Sie taten dies mithilfe eines undurchsichtigen Netzes aus Lügen, Verschleierung und Verheimlichung - alles mit dem Ziel, den Absatz anzukurbeln und Einnahmen zu generieren, die gegen US-amerikanisches Recht verstoßen. Solche illegalen Umleitungsgeschäfte, wie sie heute aufgedeckt wurden, bringen Milliarden von Dollar an unrechtmäßig erworbenen Gewinnen ein und stellen eine direkte Bedrohung für die nationale Sicherheit der USA dar".

Konsequenzen für das Management und die Compliance

Obwohl Super Micro Computer als Unternehmen selbst nicht in der Bundesanklage als Beschuldigte geführt wird, hat der Fall unmittelbare personelle Folgen. Das Unternehmen reagierte prompt auf die Veröffentlichung der Vorwürfe und stellte Wally Liaw sowie den ebenfalls angeklagten Mitarbeiter Ruei-Tsang Chang mit sofortiger Wirkung frei. Zudem wurde die Zusammenarbeit mit einem beteiligten Auftragnehmer beendet. In einer offiziellen Stellungnahme distanzierte sich der Konzern von den Handlungen der Individuen: "Das in der Anklageschrift geschilderte Verhalten dieser Personen verstößt gegen die Unternehmensrichtlinien und Compliance-Kontrollen, einschließlich der Versuche, geltende Exportkontrollgesetze und -vorschriften zu umgehen." Das Unternehmen betonte zudem seine Kooperationsbereitschaft mit den Behörden und versicherte, dass man vollumfänglich an der Aufklärung der Vorfälle mitwirke.

Geopolitische Tragweite und Marktreaktion

Der Fall unterstreicht die strategische Bedeutung von KI-Beschleunigern, die von der US-Regierung als entscheidend für die nationale Sicherheit eingestuft werden. Die betroffenen NVIDIA-Chips gelten als Goldstandard für künstliche Intelligenz und unterliegen daher strikten Performance-Beschränkungen für den Export nach China. Der mutmaßliche Schmuggel von Servern im Wert von Milliarden Dollar stellt laut Anklage ein "unannehmbares Risiko" dar.

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Super Micro-Aktie bricht ein

Die Nachricht sorgte an den Finanzmärkten für erhebliche Unruhe, woraufhin die Aktie von Super Micro im Handel an der NASDAQ letztlich um 33,32 Prozent auf 20,53 US-Dollar einbrach.

Während die Ermittlungen andauern, steht die gesamte Branche vor der Herausforderung, ihre Lieferketten noch lückenloser zu überwachen, um nicht selbst in das Fadenkreuz der Exportfahnder zu geraten.

Bettina Schneider, Claudia Stephan, Evelyn Schmal, Benedict Kurschat, Melanie Schürmann, Redaktion finanzen.net

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Bildquellen: Poetra.RH / Shutterstock.com, rafapress / Shutterstock.com

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