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08.07.2018 15:00

Gutes Gewissen lohnt! Die Top-Investments für Nachhaltigkeit

Euro am Sonntag-Exklusiv: Gutes Gewissen lohnt! Die Top-Investments für Nachhaltigkeit | Nachricht | finanzen.net
Euro am Sonntag-Exklusiv
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Immer mehr Geld fließt weltweit in Aktien und Fonds, die sich der Nachhaltigkeit verschrieben haben. Welche gute Rendite bringen.
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von Matthias Fischer, Euro am Sonntag

Die ursprüngliche Bedeutung von Nachhaltigkeit beschreibt laut Duden ein "Prinzip, nach dem nicht mehr verbraucht werden darf, als jeweils nachwachsen, sich regenerieren, künftig wieder bereitgestellt werden kann". Mittlerweile hat der Begriff aber eine Ausdehnung erfahren, neben den ökologischen Kriterien umfasst er nun auch eine soziale und ethische Komponente. So müssen Unternehmen, die sich Nachhaltigkeit auf die Fahnen schreiben, nicht nur ressourcenschonend werkeln. Sondern sie müssen ebenso für ordentliche Beschäftigungsverhältnisse der Mitarbeiter sorgen, keine Kinder für sich arbeiten lassen, auf Gleichberechtigung achten und so fort.


Auch institutionelle Investoren berücksichtigen bei ihren Anlagen neben den harten Geschäftszahlen immer stärker solche Kriterien. Eine kürzlich veröffentlichte Studie der US-Invest­mentbank Morgan Stanley zeigt, welchen Branchen die Profis besonders aus dem Weg gehen: vor allem Waffen, Tabak, Pornografie und Kohle. Wie wichtig solche Kriterien mittlerweile sind, zeigen die Anlagevolumina: Im Jahr 2016 (neuere Zahlen liegen noch nicht vor) waren nach Zahlen der Global Sustainable Investment Alliance (GSIA) knapp 23 Billionen US-Dollar (rund 20 Billionen Euro) nach unterschiedlichen nachhaltigen Kriterien angelegt - das entspricht rund einem Viertel aller weltweit angelegten Gelder. Rund die Hälfte davon entfiel allein auf Europa.

Viel mehr als eine Modeerscheinung

Immer mehr Unternehmen besinnen sich nun auf Nachhaltigkeit - sei es, weil sie sich wirklich mit dem Ansatz identifizieren oder sich einfach dadurch bessere Geschäfte versprechen. Und wie es sich für nachhaltig gehört, ist das wohl keine kurze Modeerscheinung. "Das nachhaltige Investieren ist kein Trend. Es ist gekommen, um zu bleiben", sagt Wim Van Hyfte, Nachhaltigkeitsexperte bei der Fondsgesellschaft Candriam.

Fonds streuen Risiko

Das macht das Thema auch für Privat­anleger interessant. Die haben zwei Möglichkeiten zu investieren - entweder sie kaufen direkt die Aktien von nachhaltig wirtschaftenden Unternehmen. Oder sie investieren in einen Aktienfonds, der gleich eine Vielzahl solcher Unternehmen im Portfolio hat und so das Risiko gegenüber dem Einzelinvest­ment breiter streut.



Einer dieser Fonds ist der Sycomore Selection Responsable, der überwiegend in nachhaltige Unternehmen aus der Eurozone investiert - maximal zehn Prozent des Fondsvermögens dürfen aus anderen Regionen der Welt beigemischt werden. Seine drei beliebtesten Branchen sind Gesundheit (Anteil im Portfolio: 22 Prozent), Konsumgüter (19 Prozent) und Industrie (17 Prozent). Allerdings langt der Fonds bei den Gebühren ziemlich zu, neben einer Managementgebühr von zwei Prozent pro Jahr fällt noch eine erfolgsabhängige Performance Fee von 25 Prozent an.

Der Terrassisi Aktien zählt zu den Fonds, die ihre Investments nach besonders strengen Nachhaltigkeitskriterien auswählen. Damit ist er langfristig erfolgreich, schwankt aber mitunter im Wert recht deutlich. Zu seinen drei Top-Positionen zählen mit Union Pacific und CSX gleich zwei US-Eisenbahngesellschaften, dazu kommt noch der größte Chiphersteller Intel. Die Gebühren liegen bei etwa 1,5 Prozent pro Jahr.

Anleger, die wegen der geringeren Kosten einen Indexfonds (ETF) bevorzugen, setzen auf den iShares Dow Jones Global Sustainability Screened ETF. Der Fonds bildet die Wertentwicklung des Dow Jones Sustainability World Enlarged Index ab, der die Branchen Tabak, Spiel, Waffen, Alkohol und Pornografie ausschließt. Seine Gesamtkostenquote liegt bei 0,6 Prozent pro Jahr.

SAP mit Vorsprung

Neben den Fonds bieten sich aber auch die Aktien von nachhaltig wirtschaftenden Top-Unternehmen an. Wie etwa SAP. Das DAX-Unternehmen ist nicht nur gemessen am Börsenwert der größte Konzern Deutschlands, sondern auch Europas größter Softwarehersteller. Und Analysten bescheinigen ihm in Sachen Nachhaltigkeit einen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz. Die Walldorfer entwickeln ihre Softwareprodukte so, dass Geschäftsprozesse effizienter ablaufen können und Nachhaltigkeitskriterien automatisch mit einfließen. So können Energie und Ressourcen gespart oder Unfälle in Fabriken vermieden werden. Da effizientere Prozesse zudem die Kosten senken, ist die nachhaltige Orientierung für den Softwarekonzern und dessen Kunden auch ökonomisch sinnvoll. Das Unternehmen engagiert sich zudem auch gesellschaftlich, die Aktie ist allerdings nicht mehr günstig. Da aber neben den nachhaltigen Kriterien auch die Wachstumsper­spektiven stimmen, ist SAP ein attraktives Investment mit guten langfristigen Aussichten.

Energiesparende Chips

Ebenso aus der Technologiebranche stammt ON Semiconductor. Der US-­Halbleiterhersteller entwickelt und vermarktet elektronische Bauteile, vor allem für die Autoindustrie. Dabei geht es um möglichst hohe Energieeffizienz in allen stromgeführten Prozessen, etwa in der Motorsteuerung, bei Schaltungen und Beleuchtung. Das kann den Kraftstoff- und Energiebedarf minimieren und ist gerade den Autoherstellern zunehmend wichtig, um die Schadstoff­emissionen zu verringern.

2017 hat ON seinen Gewinn vervielfacht. Bleibt das so, dann liegt das KGV der Aktie für dieses Jahr bei 13 - recht günstig für einen Technologiewert. Das Unternehmen aus Phoenix hat sich hohen Transparenz-, Verantwortungs- und Ethikregeln verpflichtet. Für Vorstandschef Keith Jack­son ist das auch wichtig, um im Wettbewerb mit der Konkurrenz zu bestehen. Dafür ist ON Semiconductor Anfang 2018 vom US-Institut Ethisphere als eines der ethischsten Unternehmen weltweit ausgezeichnet worden.

Saubere Gewinne mit Ecolab

Sehr sauber geht es bei Ecolab zu. Das bereits 1923 gegründete Unternehmen hat sich auf Reinigung und Hygiene fokussiert, insbesondere für Großkunden wie Krankenhäuser, Hotels und Unternehmen. Der global agierende Konzern mit Sitz in St. Paul im US-Bundesstaat Minnesota achtet - auch bei seinen Zulieferern - auf die Wahrung der Menschenrechte. Mit Ecolab-Produkten schonen Kunden zudem beim Reinigen Ressourcen: Laut Konzernangaben wurden dank der Ecolab-Produkte 2016 rund 610 Milliarden Liter Wasser und 24 Millionen Kilogramm Abfall eingespart. Auch US-Multimilliardär Bill Gates hat das Potenzial der Aktie erkannt und sich vor einigen Monaten mit insgesamt 227 Millionen US-Dollar bei dem Konzern eingekauft.

Investor-Info

SAP
Gigant mit guter Moral

Der Softwareriese SAP zielt mit seiner für ­Unternehmen entwickelten Software auch darauf ab, Prozesse effizienter zu machen und so Ressourcen zu sparen. Weil er zudem im Cloud-Segment erfolgreich ist, bleibt die Aktie trotz hoher Bewertung ein Kauf.

ON Semiconductor
Ethisches Vollgas

In der Halbleiterbranche zählt Schnelligkeit bei der Entwicklung zu den Kerntugenden. Für ON ist aber Ethik ebenso als Wettbewerbskriterium wichtig. Damit fährt der Konzern, der vorwiegend Chips für die Auto­industrie produziert, auf der Überholspur.

Ecolab
Alles sauber

Hygiene und Reinigung sind immer wichtig. Damit ist Ecolab als antizyklisches Investment auch in Abschwungphasen gefragt. Das Potenzial des Unternehmens gefällt auch Milliardär Bill Gates, der zuletzt für über 200 Millionen Dollar Ecolab-Aktien gekauft hat.

Nachhaltige Fonds
Gut gestreut

Diese drei Aktienfonds streuen ihr Investment über eine Vielzahl von nachhaltig orientierten Unternehmen - und verringern gegenüber einer einzelnen Aktie so das Risiko für Anleger.

Name ISIN Rendite 5 Jahre
Sycomore Select FR0011169341 63,8 %
Terrassisi DE0009847343 70,2 %
DJ Global Sust. 1 IE00B57X3V84 64,8 %

1) ETF; Stand: 29.06.2018; Quelle: Fundresearch (Fonds), Bloomberg (Aktien)




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Bildquellen: wk1003mike / Shutterstock.com, Maikid/iStockphoto

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