30.03.2021 08:40

Tourismus-Aktien: Welche Urlaubstitel nach der Corona-Krise am meisten profitieren

Hochgradig urlaubsreif: Tourismus-Aktien: Welche Urlaubstitel nach der Corona-Krise am meisten profitieren | Nachricht | finanzen.net
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In Ländern wie Großbritannien und den USA wecken die erfolgreichen Impfkampagnen die Reiselust. Touristik-Riese TUI erwartet ein gutes Sommergeschäft.
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von Klaus Schachinger, Euro am Sonntag

Ende Mai soll’s losgehen. Dann sollen Ferienflieger der Lufthansa-Tochter Eurowings zwei Mal pro Woche britische Urlauber aus Birmingham und Manchester nach Mallorca fliegen. Erweiterungen des Flugplans werden während der nächsten Wochen analysiert. Zum ersten Mal starten Ferienflieger von Eurowings aus Großbritannien in Richtung der auch bei vielen Deutschen beliebten Ferieninsel. Möglich wird die frühe Anreise der Briten, weil Großbritannien mit den Corona-Schutzimpfungen viel schneller vorankommt als Deutschland und die EU.

Bis zum 4. März hatte Großbritannien 33 Impfdosen pro 100 Einwohner verabreicht. Hierzulande waren es erst 8,5 Dosen, im EU-Schnitt 8,7. Das Ziel, bis Mitte Februar mindestens 15 Millionen der Einwohner Großbritanniens zu impfen, wurde nach Angaben der Regierung erreicht.

Die Briten packt das Reisefieber

Als Premier Boris Johnson deshalb für den 17. Mai eine Zulassung von Urlaubsflügen in Aussicht stellte, vorausgesetzt die Ausbreitung der Pandemie und möglicher Mutanten des Virus bleiben unter Kontrolle, packte die Briten postwendend das Reisefieber. Bei Billigfliegern wie Easyjet, Ryanair und Eurowings legten die Buchungen von ihren sehr niedrigen Niveaus aus mit prozentual hohen dreistelligen Wachstumsraten zu.

Auch bei der britischen Tochter des TUI-Konzerns lag das Plus bei 500 Prozent. Sollte es der britischen Regierung gelingen, mit der bisher erfolgreichen Impfkampagne die Pandemie unter Kontrolle zu halten, wird sich das anziehende Reisegeschäft in der Bilanz des Touristikkonzerns sicher bemerkbar machen.

Mit rund sechs Millionen Kunden im Jahr 2019 ist Großbritannien für TUI der zweitgrößte Markt, hinter Deutschland mit sieben und vor Frankreich mit fünf Millionen Reisefreudigen. Großbritanniens TUI-Chef Andrew Flintham will deshalb mit der Regierung an gemeinsam Lösungen arbeiten, damit britische Urlauber reisen können.

Zum Auftakt der Touristikmesse ITB, in diesem Jahr online, zeigte sich Europas größter Reiseveranstalter auch für Deutschland zuversichtlich. TUI geht fest davon aus, dass die Reisewarnung für Mallorca schon bald aufgehoben wird. Deutschland-Chef Marek Andryszak erwartet "kurzfristige Buchungen für die Osterfeiertage". Denn entscheidend seien nicht die Warnungen von Politikern vor dem Reisen, sondern die Risikoeinstufung des Robert-Koch-Instituts. Dieses halte sich an den Inzidenzwert - und dieser sei in Mallorca schon länger deutlich unter der Risikogebietsschwelle von 50, mit sinkender Tendenz. Ab dem 27. März, also noch vor Ostern, will TUI die Balearen von Düsseldorf, Frankfurt und Hannover anfliegen und Angebote mit Aufenthalten in Hotels schnüren. Im Sommer sollen Jets von TUI fly täglich von sieben deutschen Flughäfen nach Mallorca abheben.

TUI erwartet gutes Sommergeschäft

Sollte die Reisewarnung und damit auch die bis zu zehntägige Quarantänepflicht nach der Heimkehr wegfallen, erwartet Andryszak einen sprunghaften Anstieg der Buchungen, ähnlich wie in Großbritannien. In einigen Wochen hofft der Manager auf quarantänefreies Reisen auch auf die Kanarischen Inseln, nach Griechenland und in die Türkei. "Im Juli und August werden wir am Mittelmeer mit sehr hohen Kapazitäten operieren", glaubt Andryszak.

An den Börsen beflügelte die neue Zuversicht in der Branche die Aktien von Reiseveranstaltern, Airlines, Flughafenbetreibern und Anbietern von Kreuzfahrten deutlich. Auch die Aktien des US-Mediengiganten Walt Disney zogen an, als bekannt wurde, dass Disneyland in Kalifornien im April unter strengen Auflagen öffnen könne. Die Impfungen in den USA laufen auf Hochtouren und bisher sehr erfolgreich.

Die globale Reisebranche muss mit dem größten Einbruch in ihrer Geschichte klarkommen. Von Januar bis Ende Oktober 2020 verreisten nach Angaben der World Tourism Organization (UNWTO) 74 Prozent weniger Menschen als 2019. Vor Corona waren es 1,5 Milliarden, knapp ein Fünftel der Weltbevölkerung. Den finanziellen Schaden schätzt der Weltverband auf 1,3 Billionen Dollar. In Spanien etwa, weltweit die zweitbeliebteste Destination für Reisende, schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im vergangenen Jahr um elf Prozent. In einem durchschnittlichen Jahr liefert der Tourismus 13 Prozent von Spaniens BIP. Die Rückgänge der Touristenzahlen weltweit waren 2020 in den verschiedenen Regionen ähnlich stark.

Für 2021 erwarten Experten, dass die Mehrheit der Reisenden Urlaub in der Heimat oder in den jeweils angrenzenden Ländern bucht. Das hilft vor allem Onlineplattformen wie Expedia oder Booking. Auch viele US-Bürger werden ihren Urlaub in diesem Jahr wohl im eigenen Land oder im benachbarten Kanada verbringen. Wie im vergangenen Jahr dürfte dies Ferienwohnungsvermittler Airbnb besser ins Geschäft bringen. Die finanziellen Belastungen der Online-Anbieter sind während der Krise viel geringer als bei klassischen Touristikkonzernen wie TUI mit eigenen Hotels und Kreuzfahrtschiffen. Die Rückkehr zur Normalität im Tourismus erwarten Experten erst für 2023.

Impfnachweise sollten helfen

Nachweise von Corona-Impfungen könnten die Erholung aber beschleunigen. Laut Umfrage des Onlineportals Cruise Critic würden 40 Prozent der Befragten schon 2021 eine Kreuzfahrt buchen. Mehr als 80 Prozent der Befragten würden ein Schiff jedoch erst betreten, wenn dafür ein Nachweis einer Corona-Impfung verpflichtend ist. In den USA mit den beiden großen Anbietern Royal Caribbean und Carnival könnten die Nachweise früher eingeführt werden als in anderen Regionen.

Die EU will bis Sommer freiwillige digitale Nachweise von Corona-Impfungen einführen. Die Daten sollen dann auch in Apps auf Handys übernommen werden können.

Die gute Stimmung der Anleger nutzen Konzerne aus der Touristikbranche nun, um Kapital einzusammeln. Neue Aktien brachten Kreuzfahrtanbieter Carnival mit Sitz in Miami eine Milliarde Dollar ein. Billigflieger Easyjet holte sich über Anleihen 1,2 Milliarden Euro. Konkurrent Ryanair verfügt über rund 4,5 Milliarden Euro Cash-Reserven und kann nach Berechnungen von Analysten von Bloomberg Intelligence seine Fixkosten für fast zwei Jahre abdecken.

Der Billigflieger mit Sitz im irischen Dublin liege damit klar vor der Konkurrenz, sagen die Experten. Wohl auch weil Ryanairs Kosten pro Sitz mit 45 Euro viel niedriger sind als bei den Billigkonkurrenten Easyjet mit 81 Euro und Wizz Air mit gut 59 Euro. Für den Aktienkurs von Ryanair bringt das Extra-Auftrieb.


INVESTOR-INFO

Booking Holdings

Unterschätzter Primus

Wegen Corona schrumpfte auch der Erlös des weltweit größten Online-Vermittlers von Reiseunterkünften 2020 um 55 Prozent auf 6,8 Milliarden Dollar. Aktuell wird der Konzern gegenüber Börsenneuling Airbnb mit einem Abschlag bewertet. Zu Unrecht: Von Bookings 28 Millionen Angeboten fallen 6,2 Millionen in Airbnbs Kategorie. Airbnb hat 5,6 Millionen Listings und schreibt Verluste. Booking ist profitabel und verfügt über hohe Mittelzuflüsse. Kaufen.

TUI

Hoffnung auf den Sommer

Die Analysten von Bloomberg Intelligence schätzen TUIs monatliche Abflüsse aus den Reserven aktuell auf 250 bis 300 Millionen Euro. Die 2,1 Milliarden Euro Liquidität per Ende Februar verschaffen dem Konzern noch einige Monate Spielraum. Allerdings müssen sich die Hoffnungen auf bessere Geschäfte zu Pfingsten und spätestens im Sommer bestätigen. Ein Investment für Mutige.

Ryanair

In der ersten Reihe

Ende März, zum Abschluss des Geschäftsjahres, werde man mindestens drei Milliarden Euro Reserven haben. 80 Prozent der Flotte seien finanziell unbelastet, das ist im Branchenvergleich wenig. Damit startet Europas größter Billigflieger bei einer Erholung der Urlaubsflüge in Europa aus der ersten Reihe. Im neuen Geschäftsjahr erwarten Analysten mehr als 300 Millionen Euro Nettogewinn, ein Jahr später schon 1,6 Milliarden Euro.










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Bildquellen: Schroders, Martin Valigursky / Shutterstock.com

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