Inflationsfurcht

Zuverlässigster Indikator für den Aktienmarkt: So sollten Anleger jetzt reagieren

16.06.21 23:22 Uhr

Zuverlässigster Indikator für den Aktienmarkt: So sollten Anleger jetzt reagieren | finanzen.net

Inflationssorgen belasteten den Aktienmarkt zuletzt immer wieder. Leuthold-Stratege Jim Paulsen sieht hierfür vor allem steigende Anleiherenditen als Grund und rät Anlegern dazu, diese genau im Blick zu behalten.

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• Aktienmarkt von Inflationsfurcht gezeichnet
• Zehnjährige US-Anleiherendite ausschlaggebend
• Renditeanstieg auf zwei Prozent denkbar

Inflationsbefürchtungen sorgen für Unsicherheit am Markt

In den letzten Wochen hatte die Angst vor Inflation den Aktienmarkt fest im Griff. Im vergangenen Monat waren es unter anderem stark gestiegene Verbraucherpreise aus den USA, die die Angst schürten, dass der Preisdruck die wirtschaftliche Erholung nach der Corona-Pandemie behindern könnte. So befürchten Anleger, dass die US-Notenbank Fed früher als angekündigt von ihrer Niedrigzinsstrategie abrücken könnte, wodurch Aktien gegenüber Anleihen als weniger attraktive Anlageklasse gelten könnten. Auch die Bewertungen von großen US-Tech-Unternehmen könnten unter einer gestiegenen Inflation leiden, so die Befürchtung. Infolgedessen machte sich Verunsicherung am Markt breit.

Ausschlaggebendes Signal für Aktienbewegung

Jim Paulsen von der Leuthold Group kann hier für etwas mehr Klarheit sorgen. Wie er kürzlich gegenüber "MarketWatch" erklärte, sei die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen der zuverlässigste Indikator für die Richtung, die der Aktienmarkt einschlagen wird - und das bereits seit der Weltwirtschaftskrise 2008. "Der Anleihenmarkt war ausschlaggebend, oder zumindest gleichzeitig signalgebend", so der Chef-Investmentstratege zur Situation vor 13 Jahren. Die Renditen hätten gezeigt, welche Gruppen von Unternehmensanteilen in der Zukunft zu den Gewinnern und welche zu den Verlierern zählen würden, wie Paulsen in einer Kundennotiz schrieb, die "MarketWatch" vorliegt. Dies gelte besonders für zyklische Aktien, Wachstums- sowie Nebenwerte.

Welche Aktien von steigenden Renditen profitieren - und welche nicht

So fand der Analyst heraus, dass defensive Sektoren und kaum volatile Werte des S&P 500 gut performen, wenn die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen sinken. Derzeit liegen diese bei knapp 1,5 Prozent (Stand vom 15. Juni 2021). Sollten sie aber auf zwei Prozent steigen, werden die genannten Aktiengruppen absacken, glaubt der Experte. Während steigende Anleiherenditen in der Regel also für Chaos an den Börsen sorgen, sind es umgekehrt aber besonders Nebenwerte, zyklische Titel sowie Aktien aus Schwellenländern, die dann profitieren, wie aus seinen Recherchen hervorgeht.

Einstieg in zyklische Aktien empfohlen

Dabei hält Paulsen den Anstieg der Anleiherendite auf zwei Prozent für nicht unwahrscheinlich. Bis Ende des Jahres soll der Kurs diese Marke überschreiten. Für den Strategen stelle sich eher die Frage, wieso es nicht schon früher zu diesem Anstieg kam. "Die jüngste Pause bei der zehnjährigen Rendite trotz eskalierender Inflationserwartungen ist rätselhaft", fasste er zusammen. "Wenn die Renditen weiterhin seitwärts tendieren oder einen Teil ihres jüngsten Anstiegs zurücknehmen, werden defensive Anlagen, einschließlich Wachstumsaktien, wahrscheinlich die Aktienmärkte anführen." Anlegern rät Paulsen, rechtzeitig zu reagieren und nicht aufs falsche Pferd zu setzen: "Aktienanleger sollten die Botschaft des Anleihenmarktes beherzigen und bei ein paar dieser schnellen 'zyklischen' Aktien einsteigen!"

Inflationsthema bleibt zunächst relevant

Dementsprechend werde auch das Inflationsthema vorerst nicht vom Tisch sein, wie Paulsen gegenüber "CNBC" bestätigte. "Ich glaube nicht, dass man bis zum Herbst sagen kann, wo die Inflation steht", so der Analyst. Anstehende Wirtschaftsdaten werden tendenziell auch eher besser ausfallen als von Experten erwartet. Ein deutlich stärkeres Gewinnwachstum könne den Aktienmarkt noch bis zum Herbst stützen, anschließend seien sinkende Kurse aber durchaus denkbar, gab der Stratege zu bedenken.

Redaktion finanzen.net

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