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27.11.2018 22:30
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Kann es noch zu einer Jahresendrallye im DAX kommen, Robert Halver?

Interview: Kann es noch zu einer Jahresendrallye im DAX kommen, Robert Halver? | Nachricht | finanzen.net
Interview
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Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank, spricht im Interview über die Chancen auf eine Jahresendrallye, die Inflationsentwicklung und Gold.
Von Benjamin Summa

Herr Halver, seit Monaten befindet sich der DAX im Abwärtstrend. Kann der deutsche Leitindex aus Ihrer Sicht in den kommenden Wochen noch mal Boden gutmachen oder fällt die Jahresendrallye in diesem Jahr komplett aus?
Robert Halver: Angesichts von Handelskonflikt, Brexit- und Italien-Sorgen sowie der Angst vor Zinserhöhungen und einer globalen Wirtschaftsabkühlung kommt es für Aktien momentan knüppeldick. Doch wo politische Probleme sind, wurden immer auch politische Lösungen gefunden. Der Brexit-Deal wäre das Beste, was Brüssel und London passieren könnte. Bis zum finalen Scheidungsvertrag Ende 2022 bliebe vieles beim Alten ohne verunsichernde politische und wirtschaftliche Umbrüche. In Sachen "Handelskonflikt" arbeiten China und die USA hinter den Kulissen schon an einer Entspannung. Und die US-Notenbank wird 2019 das Leid von Leitzinsanhebungen beenden. Nicht zuletzt würde es mich wundern, wenn die EU in puncto Italien nicht erneut finanzpolitische Gnade vor Stabilitätsrecht ergehen lassen wird. Bewegung an diesen Krisenfronten ist jedoch die Bringschuld, um die Jahresendrallye noch möglich zu machen.

Der DAX hatte in den vergangenen Monaten immer eine schwächere Performance als der Dow-Jones. Warum ist das so?
Die Eurosklerose, die Brexit- und Italien-Diskussion lassen den europäischen Standort nicht glänzen. Die Amerikaner haben im Vergleich handfeste Vorteile durch die Trump’schen Unternehmenssteuersenkungen. Bei uns fehlt der Wille zu Wirtschaftsreformen. Hinzu kommen hausgemachte Schwächen wie die auch politisch verschuldete Dieselkrise, die deutschen Autobauern zugesetzt hat. Und Monsanto-Mutter Bayer wurde durch die Prozesse in den USA wegen der angeblich krebserregenden Wirkung des Unkrautvernichters Glyphosat geschwächt.

Die unter Druck von US-Präsident Donald Trump stehende Notenbank Fed hat kürzlich angekündigt, ihre Arbeitsweise künftig auf den Prüfstand stellen zu wollen. Was erwarten Sie von der US-Zinspolitik im neuen Jahr?
Die wichtigste Notenbank der Welt muss zwar eine restriktive geldpolitische Sprache wählen, um sich des Eindrucks eines willfährigen Instruments des US-Präsidenten zu erwehren. Dennoch glaube ich, dass die Fed angesichts der massiven Überschuldung Amerikas und einer amerikanischen, aber auch weltweiten Konjunktur, die ihren Zenit überschritten hat, den Zinserhöhungszyklus 2019 auslaufen lässt. Die Fed wird die Zinsschraube nicht überdrehen, um keine Rezession zu riskieren.

Wie groß ist der Handlungsspielraum der EZB: Wird es sich Mario Draghi leisten können, in absehbarer Zeit etwas stärker an der Zinsschraube zu drehen?
Eine schwächere Euro-Wirtschaft gibt der EZB Argumente für ein weiteres Hinauszögern von Zinsanhebungen. Überhaupt muss die EZB hinter vorgehaltener Hand Wundheilung für die italienischen Finanzen betreiben. So lässt sie die Anleiheaufkäufe zum Jahresende zwar auslaufen. Doch wird sie mit neuen Langfristkrediten ihre Liquiditätsoffensive unter neuem Etikett zugunsten europäischer Banken fortsetzen, die auch den hoch rentierlichen italienischen Staatspapieren zugutekommt. Zum Schluss ist der römische Staatshaushalt finanziert, die Italo-Schuldenkrise macht Pause und europäische Aktien haben wieder gute Laune. Eine Exit-Strategie hat die EZB bis heute nicht gefunden und will sie auch gar nicht finden.

Der Bankenverband hat kürzlich darauf aufmerksam gemacht, dass Anleger auf den sogenannten Realzins achten sollten, um erfolgreich zu sparen. Das gilt insbesondere, wenn die Inflationsrate höher ist als die Rendite der meisten Geldanlagen, wie das seit einiger Zeit der Fall ist. Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung der Inflationsrate ein?
Die Inflationsrate wird über den sinkenden Ölpreise und eine schwächere Konjunktur bald nachgeben. Sparer sollten sich dennoch nicht freuen. Auch bei sinkenden Preisen bleiben die Zinsen real negativ und Zinssparen damit sichere Vermögensvernichtung. Finanzpolitiker haben ein Interesse daran, da die galoppierende Staatsverschuldung von negativen Realzinsen aufgefressen wird wie grüne Wiesen von Heuschrecken. Übrigens, die tatsächliche Inflation ist höher als die geschönte offizielle.

Gold hat in den vergangenen Wochen von den Turbulenzen an den Aktienmärkten profitiert. Denken Sie, dass das Edelmetall damit seine Tiefststände vom August 2018 hinter sich gelassen hat?
Eine Konkurrenzwährung Gold gefährdet die Akzeptanz von Geld und damit die Allmacht der Geldpolitik. Insofern kann das Edelmetall zwar nicht von fundamental gerechtfertigten Kurssteigerungen profitieren. Doch hat Gold immerhin einen Boden ausgebildet. Grundsätzlich ist Gold in unserer überschuldeten und zinsarmen Finanzwelt zum realen Vermögenserhalt unverzichtbar. Ich bleibe dabei: Gold gehört mit bis zu zehn Prozent des liquiden Vermögens in jedes Portfolio.






Disclaimer: Der Autor, Benjamin Summa, ist freier Mitarbeiter bei finanzen.net. Er interviewt regelmäßig Finanzexperten zu aktuellen Themen.




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Bildquellen: Simon Katzer, Bernd Roselieb, Robert Halver

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