Maßnahmen bei Markteinbruch

Börsencrash überstehen: So kommen Anleger gut durch breite Kurseinbrüche am Markt

04.12.23 21:03 Uhr

Finanzmarkt-Turbulenzen im Griff: Clevere Anleger navigieren sicher durch Kurseinbrüche! | finanzen.net

Dass sich an den internationalen Finanzmärkten nicht ein Aufwärtstrend an den nächsten anschließt, ist Anlegern wohl bewusst. Doch nicht jeder breite Kurseinbruch am Markt muss auch das eigene Depot tief ins Minus reißen. So kommen Anleger weitgehend unbeschadet durch Marktcrashs.

• Börsencrashs kommen immer wieder vor
• Mit vorbeugenden Maßnahmen lassen sich Verluste abfedern
• Auch mitten im Crash lohnt sich das Investieren

In den vergangenen Jahrzehnten kam es immer wieder zu breiten Markteinbrüchen. Langwierige Bärenmärkte haben zwar auch für teils enormen Verlust von Anlegervermögen gesorgt, doch ein ausgewachsener Börsencrash ist häufig die Folge eines konkreten Ereignisses und kommt für viele Anleger daher weitgehend überraschend. Große derartige Markteinbrüche gab es etwa 1929, als die Weltwirtschaftskrise ihre Spuren am Finanzmarkt hinterließ. 1987 war es dann eine Panikreaktion am Markt, nachdem der Ausfall von Computersystemen die negative Marktstimmung verstärkt hatte. Im Jahr 2000 platzte die Dotcom-Blase, acht Jahre später brach der Markt wegen der Immobilien- und Subprime-Hypothekenkrise massiv ein. Der vorerst letzte große Börsencrash stammt aus dem Jahr 2020, als die COVID-19-Pandemie das Leben weltweit lahmlegte und tiefe Spuren an den Aktienmärkten hinterließ.

Folgen von Crashs lassen sich eindämmen

Keiner dieser Börsencrashs war für Anleger vermeidbar, doch nicht jeder Anleger litt in gleichem Maße unter den Kursrückgängen am Markt. Wer etwa im Jahr 2000 kaum Techtitel im Depot hatte, kam glimpflicher davon, denn wer sich im Jahr 2020 breit aufgestellt hatte, konnte einen Teil der breiten Marktverluste mit anderen Investments wieder ausgleichen.

Tatsächlich gibt es eine Reihe von Maßnahmen, die Anleger ergreifen können, um die Folgen eines Marktcrashs für das eigene Vermögen zumindest einzudämmen.

Das eigene Portfolio kennen

Wichtig ist es, über das eigene Portfolio Bescheid zu wissen und zudem die eigenen Ziele immer wieder kritisch zu hinterfragen. So sollten Investoren bei konkreten Aktieninvestments den bisherigen (langfristigen) Erfolg der Titel im Blick behalten. Wer weiß, wie Portfolio-Titel in der Vergangenheit performt haben, tut sich im Crashfall leichter mit der Entscheidung, ob er eine bestimmte Aktie nach einem Marktcrash verkauft oder auf die langfristigen Erholungsqualitäten des Anteilsscheins setzt. Gute langfristige Anlagen, die sich in den vergangenen Jahren bewährt haben, besaßen bislang offenbar ein solides Geschäftsmodell - hat sich daran nichts geändert, kann diese Tatsache Investoren vor Kurzschlussreaktionen bewahren.

Zudem sollten auch die eigenen Ziele immer wieder hinterfragt werden, denn naturgemäß ändern sich diese mit der Zeit. Wer Vermögen für die Rente aufbauen will, muss sein Portfolio risikoreicher gestalten, als etwa jemand, der bereits das Rentenalter erreicht hat. Wer aber noch länger Zeit hat, seine Ziele zu erreichen, kann auch risikoreicher investieren und einen eventuellen Crash am Markt mit der Zeit wieder ausgleichen.

Es lohnt sich also, das eigene Portfolio gut zu kennen und sich zudem bewusst zu sein, welche Risiken man bereit ist einzugehen und auf welche man lieber verzichten will.

Diversifizierung als A und O

Damit untrennbar verbunden ist eine breite Aufstellung des eigenen Portfolios. Anleger, die neben reinen Aktieninvestments auch andere Segmente der Börsenwelt abdecken, können im Crashfall von dieser Diversifikation profitieren. Wer breit investiert ist und einen Teil des Vermögens etwa in Anleihen hält oder anderen Anlageklassen, die traditionell nicht unbedingt mit dem Aktienmarkt korrelieren, kann sein Anlagerisiko deutlich reduzieren und zumindest einen Teil der Verluste bei einem Börseneinbruch abfedern.

Ohnehin sollten Investoren nur jene Titel im Depot haben, von denen sie ohne Wenn und Aber überzeugt sind. Wer in Unternehmen investiert, die operative Probleme aufweisen, muss sich des Risikos bewusst sein, dass diese Aktien im Falle eines Börsencrashs zwar nicht unbedingt tiefer fallen als operativ gesunde Unternehmen, wahrscheinlich werden diese problematischen Aktien aber eher Schwierigkeiten haben, sich langfristig wieder zu erholen.

Verbindlichkeiten im Blick behalten

Wer Crashs weitgehend unbeschadet überstehen will, der sollte zudem auch seine Finanzen fernab des Aktienmarktes im Blick behalten. Wer einen hohen Schuldenstand hat, für den lohnt sich eine Teilliquidation seiner Anlagen, bevor es zu einem Marktcrash kommt. Auch Immobilienkredite oder Hypotheken sollten ein überschaubares Maß behalten, um bei einem Abschwung am Markt nicht noch zusätzlich große monatliche finanzielle Verpflichtungen zu haben.

Auch in Krisenzeiten profitieren

Während die ersten Schritte als vorbeugende Maßnahmen vor einem möglichen Börsencrash gelten, können Anleger auch inmitten eines breiten Marktabschwungs Maßnahmen ergreifen, um den Kursverlust in ihren Depots abzufedern. So können Anleger auch nach einem Crashbeginn noch in traditionell marktgegenläufige Anlagen wie Anleihen umschichten. Auch Wetten auf sinkende Kurse sind eine Option, Verluste auszugleichen, allerdings setzt dies auf Anlegerseite eine gewisse Risikobereitschaft voraus.

Zudem können sich Kurseinbrüche auch für jene Anleger lohnen, die über grundsätzliches Vertrauen in ihr Depot verfügen - diese können dann die Kursrückgänge nutzen, um nachzukaufen: Buy the dip heißt diese taktische Handelsstrategie. Problematisch wird diese Taktik aber mit Blick auf einen ausgeprägten Marktcrash, wenn weitgehend unklar ist, wie tief die Anlagen noch sinken.

Um inmitten eines Börsencrashs zu investieren, sollten Anleger ein gewisses Maß an Cash zur Verfügung halten. Denn inmitten schwieriger Marktphasen ist das Erholungspotenzial und damit die Rendite deutlich größer - zumindest dann, wenn man auf die richtigen Börsentitel setzt.

Börsencrashs lassen sich nicht verhindern

Grundsätzlich lassen sich Börsencrashs nicht verhindern. Wer am Finanzmarkt investiert, wird im Falle eines Zusammenbruchs auf die eine oder andere Art von den Folgen betroffen sein. Wer aber langfristig orientiert ist und seine Investitionsauswahl gründlich überdacht und angepasst hat, für den lassen sich Börsenstürme überstehen.

Redaktion finanzen.net

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