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10.12.2019 22:05
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Weltrekord-Börsengang in den Startlöchern: Was Investoren von der Aramco-Aktie erwarten können

Mega-IPO: Weltrekord-Börsengang in den Startlöchern: Was Investoren von der Aramco-Aktie erwarten können | Nachricht | finanzen.net
Mega-IPO
Der profitabelste Konzern der Welt am Mittwoch geht an die Börse. Es wird ein Rekord-IPO. Was jetzt auf Anleger zukommt.
• Aramco könnte den weltgrößten Börsengang stemmen
• Klimaschutzbedenken vs. Profitablität
• Was Anleger erwartet

Inmitten umfangreicher Debatten über Klimapolitik wagt einer der größten Umweltsünder der Welt den Gang aufs Börsenparkett: Der saudi-arabische Ölriese Aramco.

Profitabelster Konzern der Welt

Der Ölgigant ist ein Unternehmen der Superlative - kein Konzern ist profitabler. Beheimatet im Land, das der weltweit größte Ölexporteur ist, hat Aramco, ein staatseigener Konzern, allein im vergangenen Jahr Umsätze von 355,9 Milliarden US-Dollar erzielt und dabei satte 111,1 Milliarden US-Dollar verdient.

"In den letzten drei Jahren waren wir für jedes achte weltweit produzierte Barrel Rohöl verantwortlich, und unsere nachgewiesenen firmeneigenen Vorkommen waren Ende 2018 fünfmal so groß wie die kombinierten Vorkommen der fünf wichtigsten größten Ölkonzerne", betonte Aramco-CEO Amin H. Nasser kürzlich.

Die schiere Größe und Marktdominanz von Aramco ist Fluch und Segen zugleich: Denn das Unternehmen verdient gutes Geld und sorgt mit dafür, dass die Staatskassen des Landes gut gefüllt bleiben. Doch Saudi-Arabien will sich zunehmend unabhängiger von Öl machen - der Börsengang ausgerechnet des größten Ölkonzerns der Welt soll dies ermöglichen. Doch Aramco wird nur dann weiter gute Geschäfte machen, wenn fossile Brennstoffe weltweit weiterhin stark nachgefragt werden. Noch ist diese Voraussetzung gegeben - dass sich die Welt in naher Zukunft vollständig von fossilen Energieformen abwenden wird, scheint unwahrscheinlich. Auch die OPEC geht davon aus, dass Öl auch in den kommenden Jahrzehnten der wichtigste Energieträger bleibt.

Klimasünder deluxe

Doch die Debatten laufen: Die Forderungen nach dem Umstieg auf alternative Energiemodelle werden immer lauter, was auch bezüglich der Zukunft von Aramco Fragen aufwirft. Denn das Unternehmen ist einer der weltweit größten Verursacher von Treibhausgasen: Rund 5 Prozent der Treibhausemissionen gehen auf Aramcos Konto.

Das könnte den Ruf des Ölriesen im aktuell klimafreundlichen Umfeld empfindlich belasten - und im schlimmsten Fall Anleger vom Kauf von Aramco-Aktien abhalten. Ähnlich wie die Glücksspiel- oder Waffenbranche dürften auch Ölkonzerne in naher Zukunft zu den Investments zählen, die als ethisch nicht korrekt zählen. Das wiederum würde dem Bemühen von Saudi-Arabien, sich durch den Börsengang aus seiner Ölabhängigkeit zu befreien, zuwiderlaufen.

Erschwerend hinzu kommt noch, dass die saudische Politik in vielen Teilen der Welt Anlass zur Sorge gibt. Denn die Regierung ist wenig transparent, immer wieder gibt es Vorwürfe über Menschenrechtsverletzungen im Land. Das könnte auch die Entwicklung von Aramco an der Börse belasten, denn der Staat wird unzweifelhaft der mit Abstand größte Anteilseigner des Ölgiganten bleiben und damit auch über uneingeschränkte Entscheidungsgewalt über geschäftliche Entscheidungen verfügen. Viele Anleger könnte diese Tatsache abschrecken.

Rekord-IPO-Erlös sicher

Zunächst soll nur ein kleiner Teil der Aramco-Aktien an der saudi-arabischen Wertpapierbörse Tadawul gehandelt werden. Während man sich über die Bewertung des Gesamtkonzerns lange uneinig war - Saudi Arabien hoffte auf zwei Billionen Dollar, Analysten bewerteten das Unternehmen mit 1,5 Billionen Dollar um ein Viertel niedriger - hat die Börse den Wert des Unternehmens genau dazwischen angesiedelt: Der endgültige Ausgabepreis liegt bei 32 Riyal (8,50 US-Dollar), teilte Aramco mit. Damit wird das Unternehmen mit 1,7 Billionen Dollar bewertet.

Einen Tag vor dem offiziellen Handelsstart meldete sich Saudi-Arabiens größte Bank, die National Commercial Bank, zu Wort. Das Finanzhaus, das den den Börsengang begleitet, teilte mit, dass der Börsengang noch größere Ausmaße annehmen wird, als gedacht. Demnach wurden nicht nur alle angebotenen Aktien verkauft, was einem Emissionsvolumen von 25,6 Milliarden Dollar entsprochen hätte. Der Konzern konnte zudem sämtliche für die Mehrzuteilungsoption ("Greenshoe") reservierten Papiere unters Volk bringen. Damit ergibt sich ein Gesamtvolumen von 29,4 Milliarden Dollar - mehr hat noch nie ein Unternehmen bei seinem Börsenlisting bisher eingenommen, das saudische Energieunternehmen stemmt daher den größten Börsengang aller Zeiten. Zum Vergleich: Der chinesische Alibaba-Konzern hatte im Rahmen seines IPO 2014 25 Milliarden US-Dollar eingenommen.

Das Geld will der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman in die Reform der staatseigenen Wirtschaft investieren. Mit seiner "Vision 2030" plant er eine Diversifizierung der saudischen Wirtschaft und massive Investitionen in den Bereichen Gesundheit, Infrastruktur und Tourismus.

Großinvestoren halten sich zurück

Das Umfeld dürfte für Aramco zunehmend schwieriger werden - auch und vor allem aufgrund der aktuellen Klimaschutzdebatte, die zunehmend in Richtung Abkehr von fossilen Brennstoffen geführt wird. Für viele potenzielle Großinvestoren ist dies bereits jetzt ein Grund, sich gegen ein Investment bei Aramco zu entscheiden. So hatten bereits früh unter anderem der norwegische Staatsfonds und der Staatsfonds von Singapur bei einem möglichen Einstieg abgewunken.

Auch andere internationale Investoren hielten sich im Vorfeld des Mega-IPO auffällig zurück, das Interesse an Aramco-Aktien war zumindest im Ausland geringer als gedacht. "Mit dem Börsengang wollten die Saudis und insbesondere der Kronprinz Aramco auf die internationale Investorenkarte setzen, aber das ist offensichtlich nicht gelungen", sagt Charles Hollis, ehemaliger britisch-saudischer Diplomat und Direktor der Nachrichtendienstes Falanx Assynt. Speziell außerhalb der Golfstaaten sei die Nachfrage so gering, dass die Banken, die den Börsengang begleiten, Werbeveranstaltungen in London und New York abgesagt haben sollen.

Nur zwei von 18 Fondsmanagern im Ausland sollen Reuters zufolge Interesse am Kauf von Aramco-Aktien haben - zwei Drittel der befragten Investoren hätten unterdessen ihr Nicht-Interesse bekundet. Indexfonds-Anbieter werden auf Dauer allerdings wohl kaum um eine Beteiligung an Aramco herum kommen, wenn die Aramco-Aktie erst einmal in große Indizes MSCI, FTSE Russell oder S&P aufgenommen wird. Weniger euphorisch als erhofft reagieren zudem Anleger aus der Region, denen die Banken für die Zeichnung der Aramco-Titel sogar vergünstigte Kredite anbieten mussten. Aramco selbst umschmeichelt zukünftige Aktionäre und verspricht bereits jetzt für das kommende Jahr eine Dividendenausschüttung in Höhe von 75 Milliarden US-Dollar. Und auch in Sachen Umweltschutz bemühen sich die Saudis, mögliche Anlegerbedenken zu zerstreuen und haben sich etwa die Reduzierung von Klimagasen auf die Fahnen geschrieben. Zudem arbeitet das Unternehmen gemeinsam mit anderen großen Branchenvertretern daran, die Entwicklung einer Technik voranzutreiben, mit deren Hilfe Kohlenstoff, der bei der Verbrennung fossiler Energien anfällt, im Boden gespeichert wird, statt ihn ungefiltert in die Atmosphäre zu blasen.

Ob diese Bemühungen ausreichen, um die Börsengeschichte von Aramco zu einem Erfolg werden zu lassen, bleibt abzuwarten. Am Mittwoch, dem 11.12.2019 soll das Erstlisting erfolgen.

Redaktion finanzen.net

Bildquellen: FAYEZ NURELDINE/AFP/Getty Images

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