Verizon: Was Börsenprofis von dem Deal halten
Mit der drittgrößten Übernahme der jüngeren Wirtschaftsgeschichte sorgt der US-Telekomgigant Verizon für Aufsehen.
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von Tim Schäfer, Euro am Sonntag
Nach jahrelangen Verhandlungen ist der amerikanische Telekomgigant endlich am Ziel: Für 130 Milliarden Dollar übernimmt Verzion Communications die volle Kontrolle über sein US-Handygeschäft. Der britische Telekomkonzern Vodafone willigte in den Verkauf seines 45-Prozent-Anteils ein. Das 14 Jahre alte Joint Venture wird damit Anfang kommenden Jahres aufgelöst.
Vodafone wird circa 59 Milliarden Dollar Barmittel sowie Verizon-Aktien im Wert von 60 Milliarden Dollar erhalten. Elf Milliarden Dollar sollen aus kleineren Transaktionen lockergemacht werden. Für Verizon ist die Einigung ein großer Schritt: Die Handysparte Verizon Wireless ist der größte und profitabelste Mobilfunkanbieter im hart umkämpften amerikanischen Markt.
Das Verhältnis zwischen Verizon und Vodafone war seit Längerem angespannt. Verizon-Chef Lowell McAdam suchte jetzt nach einer Entscheidung, um das vergleichsweise niedrige Zinsniveau für die Finanzierung zu nutzen. Ein anderer Impulsgeber war der schwache Kursverlauf. McAdam soll vom Börsenkurs enttäuscht gewesen sein. Deshalb signalisierte er den Briten seine Bereitschaft, mehr als seine bislang gebotenen 100 Milliarden Dollar zu zahlen. Damit kam Bewegung in die festgefahrenen Gespräche. Das Ergebnis ist der drittgrößte Deal in der jüngeren Wirtschaftsgeschichte. Der 59-jährige McAdam verabredete sich mit dem 51-jährigen Vodafone-Chef Vittorio Colao im Four Seasons Hotel in San Francisco. In einem Vier-Augen-Gespräch wollten sie die Verhandlungen in die entscheidende Phase bringen.
Millliardendeal auf dem Fahrrad
Beide kennen sich seit 20 Jahren. Im Fitnessstudio besprachen sie auf dem Fahrrad die Eckpunkte. Anschließend ging es beim Frühstück um den Preis, meldete Reuters. Das Projekt hatte die Codenamen „River“, „Thames“ respektive „Hudson“ — der Fluss, der westlich an Manhattan vorbeifließt. Beobachter führen die Einigung auf die lockere, umgängliche Art McAdams’ zurück, der ein Sportfan ist. Beide Manager trafen sich auch hin und wieder zum Abendessen in ihren Privathäusern. McAdams’ Vorgänger Ivan Seidenberg, der 2011 in Rente ging, soll dagegen Colao nicht wie einen Freund, sondern eher wie einen Konkurrenten behandelt haben.
Die Synergien halten sich in Grenzen. Die Transaktion soll den Gewinn je Verizon-Aktie um zehn Prozent heben. Mancher Analyst hatte sich mehr versprochen. In einem Interview mit dem Fernsehsender CNBC sagte McAdam, er plane die Schulden zügig zu tilgen. Randbereiche stünden vor dem Verkauf, um Geld flüssig zu machen. „Ich werde die Äste rund um den Baum stutzen.“
Wie bei Übernahmen üblich, geriet der Kurs des Käufers zunächst unter Druck. McAdam rechnet damit, dass die Kursschwäche in den nächsten sechs Monaten anhält. Es handle sich um ein „temporäres Phänomen“. Die kommenden drei Wochen wolle er nutzen, um mit Investoren zu sprechen und ihnen die Transaktion zu erklären. Die Dividende bleibe eine der „Top-3-Prioritäten“. Die Dividendenrendite ist nach dem Kursrücksetzer mit 4,3 Prozent attraktiv geworden.
Analysten kritisierten indes die wachsende Verschuldung. Die Ratingagenturen zeigten sich besorgt und stuften die Bonität herab. Nachvollziehbar angesichts der neuen Schulden. Barclays, Bank of America, JP Morgan und Morgan Stanley stellen 61 Milliarden Dollar zur Verfügung. Allein die Gebühren, die an Banken und Berater fließen, sollen eine halbe Milliarde Dollar ausmachen. Freilich ist die Finanzkraft des amerikanischen Marktführers enorm. Der freie Cashflow beträgt 15 Milliarden Dollar.
Trotz mahnender Stimmen ist Finanzvorstand Fran Shammo zuversichtlich. Er unterstrich, dass man sich an neuen internationalen Frequenzauktionen beteiligen werde. In der Heimat sei es nun leichter, das Festnetz mit dem Mobilnetz zu verknüpfen. Mehr Dienstleistungen wie mobiler Handel, mobile Videos oder mobile Werbung könnten jetzt forciert werden.
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