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18.05.2015 14:28
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Mittelstandsanleihen: Warum weniger Zins manchmal mehr ist

Vermögensverwalter-Kolumne: Mittelstandsanleihen: Warum weniger Zins manchmal mehr ist | Nachricht | finanzen.net
Vermögensverwalter-Kolumne
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Die Auswirkungen der schweren Finanzkrise führten bei vielen Unternehmen zu einer merklichen Einschränkung ihrer Finanzierungsmöglichkeiten.
Von Dirk Stöwer, Geschäftsführer der Kontor Stöwer Asset Management GmbH, Trier

Insbesondere Banken zeigten sich in der Folgezeit bei der Kreditvergabe erheblich zugeknöpfter. Da bot es sich für Unternehmen aus dem Mittelstandsektor an, es den größeren Unternehmen nachzumachen und über den Kapitalmarkt Anleihen zu begeben. Auch für viele Privatkunden waren die hochverzinslichen Papiere mit Renditen von überwiegend zwischen sechs Prozent und neun Prozent eine willkommene Ergänzung ihrer Depots. Dabei vermittelte das "Prädikat Mittelstand" ein gewisses Qualitätsniveau. Zudem vermittelten landläufig bekannte Markennamen wie Underberg, Valensina oder Katjes den Eindruck vermeintlicher Sicherheit.

Seit dem Start des Mittelstandsanleihesegments sind knapp fünf Jahre vergangen. Die Zwischenbilanz: Die sogenannten Minibonds (wie Mittelstansanleihen auch genannt werden) mussten ähnlich wie der Neue Markt bereits nach kurzer Zeit zahlreiche Insolvenzen hinnehmen. Bilanztricksereien und Fehler bei der Besicherung sorgten für zusätzlichen Wirbel. Kein Wunder, dass viele Anleger in der Folgezeit einen großen Bogen um dieses Segment machten. Folglich sagten die Unternehmen zahlreiche Emissionen entweder ganz ab oder konnten nur ein Bruchteil der geplanten Summen einwerben. Die derzeitige Emissionsdürre basiert daher auf einem tiefen Misstrauen gegenüber diesem Segment und insbesondere das Privatkundengeschäft zeigt sich nach wie vor kaum bereit für neue Emissionen.

Dabei muss konstatiert werden, dass vor allem der klassische Privatkunde mit den komplexeren Strukturen einer Unternehmensanleihe oft überfordert ist. Da sich die großen Banken und Versicherungen kaum mit Emissionen in der Größenordnung zwischen zehn Millionen Euro und 50 Millionen Euro befassen dürften, bleibt eine begrenzte Zielgruppe von spezialisierten Vermögensverwaltern, Family Offices, kleineren Finanzinstituten und Fondsmanagern übrig, die sich mit dem Thema Mittelstandanleihen aktiv beschäftigen.

Obwohl 2015 einige Emissionen zurückgezogen wurden, gab es auch erfolgreiche Platzierungen wie die des Leipziger Automobilzulieferers NZWL oder der Heidelberger Softwarefirma SNP Schneider-Neureither. Insofern trennt sich die Spreu von Weizen.

Hilfreich für Investoren sollten zukünftig die zunehmend anlegerfreundlicheren Anleiheklauseln (Covenants) sein. Dazu gehören beispielsweise verlängerte "non-call-Phasen". Dabei handelt es sich um die Frist, in der die Anleihe nicht durch den Emittenten gekündigt werden kann. Außerdem wurden erweiterte Zugriffsrechte auf die Insolvenzmasse geschaffen. Damit soll vermieden werden, dass Gläubiger der Anleihen im Insolvenzfall nachrangig bedient werden. Diese Annäherung an den High-Yield-Standard könnte dazu beitragen, dass der Markt der Mittelstandanleihen doch noch zu einem Klassiker wird.

Wir wünschen uns Anleihen, die aufgrund einer besseren Kreditwürdigkeit geringere Renditen bieten. Die Ausfallquote könnte so deutlich reduziert werden - weniger Zins wäre manchmal für den Anleger im Endergebnis deutlich mehr.

Immer mehr Privatanleger in Deutschland vertrauen bei ihrer Geldanlage auf bankenunabhängige Vermögensverwalter. Frei von Produkt- und Verkaufsinteressen können sie ihre Mandanten bestmöglich beraten. Mehr Informationen finden Sie unter www.vermoegensprofis.de.

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

Bildquellen: Sebastian Duda / Shutterstock.com

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