09.10.2012 16:00

Experten im Streitgespräch: "Wir haben keine Angst vor CFDs"

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Nur ein Kilometer trennt die Büros von Niklas Helmreich, Deutschlandchef des CFD-Anbieters CMC Markets und Peter Bösenberg, Zertifikate-Experte der Société Générale. Was ist denn nun besser, CFDs oder Zertifikate?
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€uro am Sonntag
von Emmeran Eder, Euro am Sonntag

Der Namensgeber würde sich im Grab umdrehen, wenn er das wüsste. Am François-Mitterrand-Platz in Frankfurt hat der britische CFD-Broker CMC Markets seinen Deutschlandsitz. An den Contracts for Difference, die als Zockerpapiere verschrien sind, hätte der sozialistische frühere Präsident Frankreichs sicher keine Freude gehabt. Das gilt auch für andere Franzosen.

Peter Bösenberg sieht in seiner Funktion als Leiter des deutschen Zertifikatevertriebs bei der Société Générale die zunehmende Konkurrenz der CFDs mit gemischten Gefühlen. Buhlen doch die beiden Produkte um die attraktive Gruppe der aktiven Trader. Im Streitgespräch von €uro am Sonntag mit Bösenberg und CFD-Profi Helmreich am François-Mitterand-Platz sind die beiden bezüglich CFDs und Zertifikaten selten einer Meinung.

€uro am Sonntag: Herr Bösenberg, immer mehr Anleger kaufen CFDs, die Zahl der Zertifikate­anleger stagniert. Ist das besorgniserregend?
Bösenberg: Nein. Es stimmt, dass die CFD-Branche wächst. Die Zer­tifikatebranche konsolidiert nach jahre­langen Zuwächsen. Wir haben aber trotzdem keine Angst vor CFDs. Zertifikate sprechen andere Kunden an.

Stimmt das, Herr Helmreich?
Helmreich: Nur teilweise. Zertifikatekäufer teilen sich in kurzfristig orientierte Trader und langfristige Anleger. Die erste Gruppe, die Hebelprodukte und Optionsscheine favorisiert, sehen wir durchaus als unsere Zielgruppe. Das ist ein Kundenkreis von etwa 200.000 Personen. Um die buhlen wir natürlich mit den Zertifikatehäusern. Diese Trader tätigen immerhin rund drei Viertel der Zertifikatetransaktionen.
Bösenberg: Bei etwa 20 Prozent der Zertifikatekäufer überschneiden wir uns. Der Rest will Strategien abbilden und investiert bevorzugt mittel- und langfristig in Inliner, Garantie-, Discount-, Bonus-, Express- und Indexzertifikate.

Wie viele Anleger kaufen derzeit hierzulande CFDs?
Helmreich: Gut 40 000. Da ist noch viel Luft nach oben.

Ist Deutschland weltweit der größte Markt?
Helmreich: Nein, Russland und England liegen nach Kundenzahl und Umsatz vor uns. Der russische Markt ist sehr undurchsichtig.

Warum sind CFDs in Deutschland eigentlich so beliebt — sind wir ein Volk von Zockern?
Helmreich: Das Produkt kommt ursprünglich aus Großbritannien. Der Grund für seine Entwicklung war, dass England für jede Transaktion an der Londoner Börse eine Stempelsteuer einführte. Durch die Konstruktion der Differenzkontrakte war außerbörslicher Handel möglich, wodurch die Steuer umgangen wurde. Unsere deutschen Kunden schätzen CFDs aber aus anderen Gründen: Sie sind einfach, kostengünstig und transparent. Zudem sind gehebelte Produkte wie Optionsscheine und Hebelzertifikate den Deutschen schon lange vertraut.

Das heißt, Zertifikateemittenten müssen eine Finanztransaktion­steuer fürchten, da diese für CFDs von Vorteil sein würde?
Bösenberg: Das käme auf die Ausgestaltung der Steuer an. Zudem machen wir mehr als 50 Prozent unserer Umsätze außerbörslich.

Stehen Sie aber, selbst wenn die ­Abgabe nicht kommt, nicht ­trotzdem auf verlorenem Posten?
Bösenberg: Nein, gar nicht. Viele unserer Kunden haben CFDs mal getestet, sind aber wieder zurückgekehrt. Es stimmt zwar, dass die spielerischen CFD-Oberflächen einfach zu bedienen sind. Das verleitet An­leger eventuell dazu, zu viele Trades zu machen. Bei einigen bricht sich dann der Spieltrieb Bahn. Das kann dazu führen, dass Kunden viel Geld verlieren. Was die Transparenz angeht, sind Zertifikate im Vorteil. Bei CFDs liefert man sich auf Gedeih und Verderb einem Anbieter aus. Bei Zertifikaten sind zugegebenermaßen ein paar Klicks mehr nötig, dann ist aber über Suchmaschinen ein Vergleich der Papiere verschiedener Emittenten leicht möglich.

Aber die Kosten sprechen doch ­eindeutig für CFDs?
Helmreich: Bei uns zahlen Anleger sechs Euro pro Transaktion, beim Discountbroker dagegen für ein Turbozertifikat 12,50 Euro. Daher kommen sie auch verstärkt zu uns. Zudem entrichten Kunden bei Hebelzertifikaten Finanzierungskosten.
Bösenberg: Es gibt oft Sonderaktionen bei den Emittenten, dann zahlen Anleger deutlich weniger als 12,50 Euro. Und Finanzierungskosten zahlt man auch bei CFDs.
Helmreich: Nur wenn die Differenz­kontrakte über Nacht gehalten werden. Das ist aber nur bei fünf bis zehn Prozent der Transaktionen der Fall. Der Rest sind Daytrader. br> Bösenberg: Kein Wunder bei den hohen Hebeln. Da ist das Risiko über Nacht auch groß.

Wie hoch sind denn die Hebel?
Helmreich: Der durchschnittliche Hebel bei unseren CFDs ist 60. Die wenigen, die 24 Stunden handeln, sind meist Devisentrader, die die ganze Nacht vor dem Schirm sitzen.
Bösenberg: Bei Turbozertifikaten sind die Hebel deutlich niedriger als bei CFDs. Die meisten Inhaber sind auch nicht intraday, sondern eher tage- und wochenweise unterwegs.
Helmreich: Wer will, kann das bei uns auch machen. Er braucht nur ­einen niedrigen Hebel zu wählen. Wir bieten sogar einen mit Einser-Hebel auf den DAX an, ohne Finanzierungskosten. Das ist der billigste ETF, den es gibt.
Bösenberg: Das günstigste DAX-Produkt ist ein Indexzertifikat. Da ist die Konkurrenz so groß, dass viele Emittenten die Produkte sogar ohne Spread offerieren. Bei einer No-Fee-Aktion können sie DAX-Tracker sogar ganz ohne Kosten kaufen.

Dafür tragen Anleger das Emittentenrisiko. ETFs sind dagegen Sondervermögen. Wie ist das bei CFDs?
Helmreich: Wer den richtigen Anbieter auswählt, ist fast so gut geschützt wie bei Sondervermögen. Wichtig ist, sich das Eigenkapital des Brokers anzusehen. Hält er einen Sturm aus? Firmen- und Kundengelder sollten getrennt sein. Dann fällt das Anlegerkapital im Pleitefall nicht in die Insolvenzmasse. Im Ernstfall greifen die Einlagensicherungsfonds der Länder. In Deutschland sind meist 100.000 Euro, in England 50.000 Pfund abgesichert.

Was ist denn von CFD-Brokern auf den Kaimaninseln oder Zypern zu halten?
Helmreich: Der Anleger sollte sich darüber informieren, wie lange der Anbieter schon auf dem Markt ist, welche Aufsicht für ihn zuständig ist und ob er reguliert ist. Bei Unternehmen aus Steueroasen wäre ich generell vorsichtig. Leider gibt es in unserer Branche auch einige schwarze Schafe. Das will ich gar nicht verschweigen. Bei Zertifikatehäusern ist dagegen das Kundengeld im Insolvenzfall verloren. Lehman lässt grüßen.
Bösenberg: Es empfiehlt sich, das Rating der Bank anzusehen, bevor man investiert. Nach Lehman wurde aber viel getan, um den Schutz der Anleger zu erhöhen. Es gibt inzwischen besicherte Zertifikate, die Investoren beim Ausfall des Emittenten schützen. Wegen der höheren Kosten sind diese bisher beim Privatinvestor allerdings wenig gefragt. Die Frage ist aber sowieso, was Sondervermögen im Ernstfall bringt. Wenn eine der Topbanken pleitegeht, dürfte das zu enormen Verwerfungen am Finanzmarkt führen.

Wo stehen Ihre Branchen in zwei Jahren?
Helmreich: Der CFD-Bereich wird weiter wachsen, aber die Anbieterzahl sinken. Gut 40 CFD-Broker verträgt der Sektor nicht. Finanzstärke, Handelsplattform und Servicequalität sind entscheidende Wettbewerbs­vorteile. Die Transparenz wird sich erhöhen. Dazu soll die Aktivierung eines Verbands beitragen.br> Bösenberg: Es wird weniger Emittenten geben, die alle Zertifikatearten und Basiswerte komplett anbieten. Ich erwarte eine Fokussierung auf Teilsegmente. CFDs und Zertifikate existieren nebeneinander, jeder mit seinem Kundenstamm.

Auch wenn es ein zweites Lehman gibt? Würde das CFD-Anbietern nicht Kunden in Scharen zutreiben?
Helmreich: Das wäre das Schlimmste, was uns passieren könnte. Alle ­Finanzmarktakteure können nur ­gewinnen, wenn Investoren wieder Vertrauen fassen. Wir würden es nie ausnutzen, wenn Konkurrenten Schaden erleiden.

Ist das nicht etwas zu viel der Selbstlosigkeit?
Helmreich: Ich habe von einem guten Freund, mit dem zusammen ich ein Rendezvous mit Frauen hatte, etwas Wichtiges gelernt. Er riet mir: Rede nicht schlecht, sondern positiv über mich, wenn ich auf die Toilette gehe. Dann kriegen wir die Frauen. Mit den Tradern ist es genauso.

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