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12.11.2013 15:00

Anlegen nach islamischem Recht: Satanische Zinsen, ethische Erträge

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Muslime müssen bei der Geldanlage strikten Regeln folgen. Für sie gibt es spezielle Produkte, die auch für andere Anleger interessant sein können.
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€uro am Sonntag
von Thomas Strohm, Euro am Sonntag

Reiche Muslime lieben London. Vermögende aus Nahost haben viel Geld in der britischen Hauptstadt geparkt, etwa in Immobilien gesteckt. Zudem sind Finanzierungen, die islamischem Recht entsprechen, in Großbritannien ebenso selbstverständlich wie eine den religiösen Normen genügende Geldanlage.

Premier David Cameron ist das aber noch nicht genug — er will den Finanzplatz im Wachstumsmarkt Islamic Finance weiter stärken. Kein Wunder: Das Potenzial ist riesig. Der Markt für islamische Finanzprodukte wächst weit schneller als traditionelles Bankgeschäft. Und wenn das Volumen islamkonformer Investments wie von ihm prognostiziert 2014 auf global 1.300 Milliarden Pfund steigt, will der Premier sicherstellen, dass ein gehöriger Teil davon über die Londoner City läuft. Zur Einordnung: Umgerechnet sind das 1.550 Milliarden Euro, verglichen mit 2006 ein Plus von 150 Prozent. Das in deutschen Publikumsfonds steckende Vermögen liegt heute wie 2006 bei 690 Milliarden Euro.

Als durchaus symbolträchtig darf deshalb Camerons Ankündigung gesehen werden, dass Großbritannien als erster westlicher Staat eine Anleihe emittieren wird, die dem islamischen Recht — der Scharia — entspricht. Zinsen sind danach verboten, die sogenannten Sukuks beteiligen Investoren deshalb an laufenden Einnahmen. Wer beispielsweise den Bond der Briten kauft, bekommt Erträge aus staatlichen Immobilien.

Derlei Kniffe sind wichtig, wenn es um Finanzen im Islam geht. Denn die Regeln für die Geldanlage sind streng: keine Zinsen, keine Spekulation — stattdessen darf nur sozial und ethisch investiert werden. Selbst Kleinanleger können dennoch relativ einfach gemäß den Vorschriften investieren: Es gibt eine Reihe auch in Deutschland erhältlicher börsengehandelter Fonds (Exchange Traded Funds, ETFs) auf verschiedene Aktienindizes, die nur Titel enthalten, die der Scharia entsprechen.

Halal oder haram
Das kann auch für Nichtmuslime interessant sein, die eine nachhaltige Anlage suchen und dabei bestimmte Branchen meiden wollen. Die Vorschriften der Scharia-ETFs sind nämlich strikter als bei manch normalem Nachhaltigkeitsfonds. Anleger dürfen sich nur nicht von den Etiketten Scharia und Islam abschrecken lassen. Darüber, dass in den Produkten auch wirklich keine Aktien sind, in die nicht investiert werden darf, wachen Scharia-­Gelehrte. Ein Problem bei diesem System ist allerdings, dass es von verschiedenen Autoritäten unterschiedliche Gutachten geben kann, was noch erlaubt, also halal, ist — oder schon verboten, haram.

Die Verlockungen jedenfalls sind groß, Muslime leben hierzulande in einer Sparbuchgesellschaft voller Garantieprodukte und Zinsversprechen. „Der Wunsch nach Sicherheit und planbarer Rendite ist auch bei ihnen stark“, sagt Uwe Zimmer, Vorstand der Kölner Vermögensverwaltung Meridio. Sicherer Zins ohne Risiko ist aber nun mal zweifellos haram. Ebenso verboten ist allerdings zu viel Risiko — die Spekulation. Erlaubt ist der Mittelweg: Rendite aus unternehmerischem Handeln mit einem gewissen Risiko.

Aktien wären also ein perfektes Investment, um dem Zins- wie dem Spekulationsverbot zu genügen. Allerdings kommen für einen gläubigen Muslim wiederum nicht alle Titel infrage. Ist ein Unternehmen zu hoch verschuldet, verstößt auch das gegen das Zinsverbot; Banken müssen sowieso draußen bleiben. Ebenso alles, was mit Waffen, Alkohol, Pornografie oder Tabak zu tun hat. Das sind Gebiete, die auch viele nichtmuslimische Anleger nicht in ihrem Depot haben möchten. Aber obwohl das Prinzip unabhängig vom Glauben überzeugt und islamische Investments weltweit boomen — in Deutschland kommt das Segment bisher nicht so recht in Schwung.

Das mussten einige Fondsgesellschaften bereits erfahren, die mit großen Ambitionen gestartet waren, ihre aktiv gemanagten Produkte wegen mangelnder Nachfrage aber wieder schließen mussten. Ein Beispiel ist Meridio: 2010 hat Zimmer einen Mischfonds aufgelegt, der in Aktien wie Anleihen investieren durfte, Ende 2011 kam das Aus. „Unser Fonds hatte kaum Zuflüsse zu verzeichnen“, sagt er. „Und das, obwohl in der türkischsprachigen Presse — die meisten Muslime in Deutschland sind türkischstämmig — breit darüber berichtet wurde und der Zugang zur Community da war.“

Zimmer hat sich eingehend mit dem Thema beschäftigt und weiß, wie wichtig der Zugang zu den islamischen Gemeinden ist. „Entscheidungen werden bei gläubigen Muslimen in der immer noch sehr hierarchisch geprägten Familie und sehr oft auch im Umfeld der Moschee getroffen“, sagt der Vermögensverwalter. Vater und Onkel werden gefragt, der Imam zu Rate gezogen. Das hänge mit mangelnder Bildung in Geldfragen zusammen, so Zimmer. Ende der 90er-Jahre haben Betrüger das ausgenutzt und in Moscheen Geld für schariakonforme Anlagen in der Türkei eingesammelt, teils mit gutgläubiger Unterstützung der Imame. Der breiten Öffentlichkeit ist das kaum bekannt — es ging aber um immense Summen, die Hunderttausende Türken verloren haben, Schätzungen reichen von fünf bis 50 Milliarden Euro. „Das hallt auch heute noch stark nach“, sagt Zimmer. „Wenn es in einer Moschee um schariakonforme Geldanlage geht, sind die Leute äußerst vorsichtig.“ Viel Geld fließt deshalb schlicht an die Familien in der Türkei, wo etwa Immobilien gekauft werden. ETFs wären aber eine gute Alternative.

Investor-Info

ishares MSCI World Islamic
Global investieren

Der normale iShares-ETF auf den MSCI World gewann binnen drei Jahren rund 34 Prozent, die schariakonforme Variante auf den MSCI World Islamic legte gut 28 Prozent zu. Darin sind ExxonMobil, Johnson & Johnson sowie Chevron die größten Positionen. Eine Alternative für die islamkonforme globale Aktienanlage kann der db x-trackers DJ Islamic Market Titans 100 sein (ISIN: LU 032 847 552 9).

iShares MSCI USA Islamic
Fokus auf die USA

Mit dem ETF können Anleger die Entwicklung des marktbreiten, um nicht schariakonforme Titel bereinigten Index auf US-Aktien nachvollziehen. Auf Rendite müssen sie dabei kaum verzichten: Die Scharia-Variante legte in den vergangenen drei Jahren um 48 Prozent zu, die normale Version um 52 Prozent. Ein Alternative mit ähnlichem Fokus ist der db x-trackers S & P 500 Shariah (ISIN: LU 032 847 536 2).

DB X-Tr. S & P Eur. 350 Shariah
Rendite aus Europa

Wer sich bei seiner islamkonformen Aktienanlage auf europäische Titel beschränken will, kann das mit diesem ETF machen, der die schariagemäße Variante des S & P Europe 350 abbildet. Damit erzielten Anleger in den letzten drei Jahren einen Ertrag von fast 36 Prozent; ein ETF auf den herkömmlichen Index brachte nur 29 Prozent ein. Wegen des kleinen Fondsvolumens sollten Anleger dennoch abwarten.

iShares MSCI EM Islamic
Anlage in Schwellenländern

Auch ein Investment in den Emerging Markets ist mit einem schariakonformen ETF möglich. Damit erlitten Anleger in drei Jahren einen Verlust von zehn Prozent, mit einem ETF auf den normalen Index waren es minus fünf Prozent. Auf Sicht von fünf Jahren wird die Lücke größer: Das Plus des Islam-ETF liegt bei 83 Prozent, das des normalen bei 106 Prozent.

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