19.04.2017 16:52
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Bigbank-CEO Kaido Saar: "Verstecken Sie Ihr Geld nicht unter der Matratze!"

Interview: Bigbank-CEO Kaido Saar: "Verstecken Sie Ihr Geld nicht unter der Matratze!" | Nachricht | finanzen.net
Interview
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Die aktuelle Niedrigzinsphase treibt vor allem Sparer zur Verzweiflung. Dabei könnte ein Blick ins europäische Ausland helfen. Denn Institute wie die estnische Bigbank bieten für Festgelder attraktivere Konditionen. Wir sprachen mit Bigbank-CEO Kaido Saar auf der Invest über sein Geschäftsmodell und die Ängste vieler Sparer.
Herr Saar, Bigbank ist seit 2009 auf dem deutschen Markt aktiv, dennoch ist der Name den meisten Deutschen noch kein Begriff. Woran liegt das?

Kaido Saar: "Ich denke nicht, dass uns nur wenige Deutsche kennen. Wir sind schon seit sieben Jahren hier in Stuttgart auf der Invest und haben mehr als 5.000 aktive Kunden aus Deutschland. Damit haben wir eine für uns wichtige Marke erreicht. In Estland leben nur 1,3 Millionen Menschen, 5.000 Menschen entsprechen bei uns einer Kleinstadt. Verglichen mit der Deutschen Bank oder der Commerzbank sind wir natürlich viel kleiner und unbekannter. Aber alles ist relativ. Und wenn man auf unsere Nische schaut - ausländische Banken, die in Deutschland Dienstleistungen anbieten -, dann ist Bigbank bekannt."

Bigbank ist dennoch für internationale Verhältnisse eher klein. Wie kam es da zu dem Namen "Bigbank"?

Kaido Saar: "Diese Frage höre ich sehr oft, und ich finde es schön, dass unser Name den Menschen auffällt. Der Name ist eigentlich ein Akronym von Balti Investeeringute Grupp, auf Deutsch Baltische Investment Gruppe. Abgekürzt wird das zu BIG. Als die Bank bei ihrer Expansion die Grenzen des Baltikums überschritten hat, haben wir den abgekürzten Namen weiter benutzt, der dann zu Bigbank wurde. Unsere Leute mochten ihn und unsere Marke war in vielen Ländern bereits bekannt. Also haben wir ihn behalten."

Warum zögern Ihrer Meinung nach viele Deutsche noch, ihr Geld bei einer ausländischen Bank anzulegen?

Kaido Saar: "In der Vergangenheit war das einmal wirklich so: Wenn man in Deutschland lebte, dann nutzte man nur deutsche Finanzdienstleistungen. Wenn man in Frankreich lebte, nutzte man nur französische. Wenn man in Estland lebte, nur estnische und so weiter. Aber heute fangen die Menschen immer mehr an, grenzübergreifende Dienstleistungen zu nutzen, denn jetzt haben wir einen Digitalen Binnenmarkt in Europa. Das wirkt sich auch auf den Finanzsektor aus. Es gibt mit dem SSM eine zentrale europäische Bankenaufsicht und mit dem SRM einen einheitlichen Bankenabwicklungsmechanismus. Das sind alles wichtige Fortschritte. Außerdem fangen auch die Menschen selbst an, sich nicht nur die Banken im eigenen Land, sondern auch die in anderen Ländern anzusehen."

Werden Sie oft von Kunden gefragt, ob ihr Geld in Estland sicher ist?

Kaido Saar: "Als Investor ist das natürlich eine der wichtigsten Fragen, unabhängig davon, wo man sein Geld anlegt. Anleger fragen sich immer: Ist mein Geld sicher? Kann ich dem Partner vertrauen, dem ich mein Geld gebe? Bei Bigbank ist das Geld auf jeden Fall sicher. Wir haben eine sehr starke Kapitalbasis. Unsere Kernkapitalquote liegt bei 21 bis 22 Prozent. Sie ist also mehr als doppelt so hoch wie die Mindestvorgabe in der Europäischen Union. Außerdem ist Bigbank profitabel. Wir haben in den vergangenen Jahren und selbst während der Krise Gewinne verzeichnet. Die Bank selbst ist also sehr stark. Das Gleiche gilt auch für die estnische Wirtschaft. Estland ist zwar ein kleines Land, aber wenn man von der Größe absieht und auf die relativen Zahlen schaut, dann ist Estland das stärkste Land in der Europäischen Union. Estland hat mit 10 Prozent die niedrigste Staatsverschuldung. Der Durchschnitt in der EU liegt bei 80 Prozent, selbst in Deutschland liegt die Staatsschuldenquote mit 68 Prozent über der von Estland."

Bigbank bietet für Festgelder überdurchschnittlich hohe Zinsen an. Wie können Sie das in der aktuellen Niedrigzinsphase bewerkstelligen?

Kaido Saar: "Ja, wir bieten höhere Zinssätze an als der Durchschnitt. Aktuell sind das zum Beispiel 1,15 Prozent p.a. für ein Festgeld mit 3-jähriger Laufzeit. Bei 10 Jahren sind es 2,0 Prozent p.a.. Wir können uns das aus zwei Gründen leisten. Zum einen gibt es uns nur online. So sparen wir die Kosten für ein teures Filialnetzwerk. Das ist sehr wichtig für unsere Kostenbasis. Zum anderen ist unser Geschäftsmodell sehr einfach und transparent, da wir uns nur auf bestimmte Finanzdienstleistungen konzentrieren. Wir bieten Festgelder und Verbraucherdarlehen an, jeweils mit einer durchschnittlichen Laufzeit von drei bis vier Jahren. Die Kredite bringen einen Ertrag, der über dem Durchschnitt liegt, da es sich nicht um Immobilienkredite handelt. Wenn man Immobilienfinanzierung betreibt, dann kann man nur sehr niedrige Zinsen verlangen. Aber wenn man den Konsum finanziert, sind etwas höhere Kreditzinsen möglich. Die Marktsituation im Baltikum, in Finnland oder in Schweden ist außerdem anders als in Deutschland. In den nordischen Staaten sind die Zinsen auf Verbraucherdarlehen etwas höher und bieten somit bessere Chancen für uns."

Warum sollten Anleger auch in der Niedrigzinsphase noch auf Festgelder setzen und ihr Kapital nicht nur an der Börse anlegen?

Kaido Saar: "Das ist wie bei der Entscheidung, ob man für eine Reise ein Auto oder ein Flugzeug nimmt. Es hängt von den Bedürfnissen ab. Auch beim Investieren hängt alles von der Risikobereitschaft des Anlegers ab. Es gibt viele Menschen, die keine großen Risiken eingehen wollen. Für die sind immer noch Bankeinlagen wie Festgelder eine gute Wahl. Wenn man eine höhere Risikobereitschaft hat, kann man hingegen an die Börse gehen und sein Geld in die Finanzinstrumente stecken, die dort angeboten werden. Natürlich kann man beides auch kombinieren. Viele Menschen teilen ihr Kapital in zwei Bereiche auf: Einer zur Absicherung und der andere, um mehr zu riskieren."

Die US-Notenbank hat begonnen, die Zinsen wieder anzuheben. Die EZB setzt momentan noch auf Niedrigzinsen. Wie werden sich die Zinssätze, die Verbraucher erhalten, in den nächsten Monaten entwickeln?

Kaido Saar: "Wenn die USA die Leitzinsen erhöhen, dann beeinflusst das die Zinsen für europäische Verbraucher nur indirekt. Direktere Auswirkungen hätte eine Zinserhöhung durch die EZB. Auf kurze Sicht wird es aber keine Änderung der EZB-Politik geben. Dafür sind die Kontraste in der EU zu groß: Einige Länder wollen höhere Zinsen und andere können sich das nicht leisten, weil das ihrer Wirtschaft schaden würde. Bis die EZB die Zinsen erhöht und auch Verbraucher höhere Zinsen auf ihre Bankeinlagen erhalten, wird es also noch etwas dauern."

Gibt es noch etwas, dass Sie den deutschen Sparern gerne sagen möchten?

Kaido Saar: "Trotz der aktuellen Situation an den Märkten ist es die schlechteste Lösung, sein Geld unter der Matratze zu verstecken. Wegen der Inflation verliert man auf diese Weise Geld. Es gibt bessere Alternativen als die Matratze, selbst wenn die Zinsen so niedrig sind wie jetzt. Bewerten Sie Ihre Risikobereitschaft und wählen Sie dann eine passende Anlage, aber machen Sie zumindest etwas. Das ist immer noch besser als gar nichts zu tun."

Bildquellen: Bigbank
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