11.05.2017 15:14
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Bank of England hält an lockerer Geldpolitik fest

Wie erwartet: Bank of England hält an lockerer Geldpolitik fest | Nachricht | finanzen.net
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Die britische Notenbank setzt ihre Niedrigzinspolitik unverändert fort.
Knapp einen Monat vor den Parlamentswahlen in Großbritannien hält die britische Notenbank unverändert an ihrer lockeren Geldpolitik fest. Der Leitzins bleibe weiterhin auf dem historischen Tief von 0,25 Prozent, teilte die Bank of England (BoE) am Donnerstag in London mit. Die Entscheidung fiel mit einer Gegenstimme. Die Währungshüter stellten unterdessen eine mögliche künftige Straffung in Aussicht. Zum Brexit-Verfahren äußerte sich Notenbankchef Mark Carney zuversichtlich.

Die Notenbank gehe von einem sanften Brexit mit einer Einigung zwischen Großbritannien und der Europäischen Union sowie einer Übergangsphase aus, sagte Carney bei einer Pressekonferenz in London im Anschluss an die Zinsentscheidung. Man habe keine alternativen Prognosen für einen ungeordneten Brexit ohne Einigung erstellt.

BOE STELLT KÜNFTIGE STRAFFUNG IN AUSSICHT

Die geldpolitischen Entscheidungen waren von Volkswirten erwartet worden. Kurz vor den vorgezogenen Parlamentswahlen am 8. Juni galt eine Veränderung des geldpolitischen Kurses als sehr unwahrscheinlich. Auch das Volumen der Wertpapierkäufe zur Konjunkturstützung ließ die BoE am Donnerstag wie erwartet unverändert bei 435 Milliarden Pfund. Das britische Pfund fiel nach den Entscheidungen auf ein Tagestief von 1,2873 US-Dollar.

Allerdings stellte die Notenbank auch einen möglichen künftigen Straffungskurs in Aussicht. Wenn die Wirtschaft wie erwartet wachse, dann müsse die Geldpolitik etwas stärker gestrafft werden, als an den Finanzmärkten erwartet werde, hieß es von der BoE. An den Märkten wurde zuletzt bis Ende 2019 nur eine Leitzinsanhebung eingepreist. Inzwischen sind die Erwartungen aber etwas höher.

EINE GEGENSTIMME BEI LEITZINSENTSCHEIDUNG

Die Entscheidung zur Beibehaltung des Leitzinses fiel am Donnerstag nicht einstimmig. Wie bereits bei der vorangegangenen Sitzung im März hat Kristin Forbes als einziges Mitglied im Offenmarktausschuss für eine Zinserhöhung gestimmt. Experten hatten zuvor spekuliert, auch das BoE-Mitglied Michael Saunders könnte dieses Mal für eine Anhebung stimmen, was jedoch ausblieb. Alle stimmberechtigten Mitglieder waren dafür, das Volumen der Anleihekäufe unverändert zu lassen.

Normalerweise hat der Offenmarktausschuss der BoE neun Mitglieder. An der aktuellen Entscheidung waren aber nur acht Mitglieder beteiligt, da es bislang noch keinen Nachfolger für die ehemalige BoE-Vizechefin Charlotte Hogg gibt, die ihren Posten Mitte März nach nur wenigen Tagen im Amt räumen musste. Grund für den Rücktritt war die Kritik eines Parlamentsausschusses, der bemängelte, Hogg habe nicht offengelegt, dass ihr Bruder in einer höheren Position bei der von der Notenbank beaufsichtigten Geschäftsbank Barclays arbeitet.

CARNEY: INFLATION KÖNNTE KURZFRISTIG KONSUM BELASTEN

Notenbankchef Carney sieht kurzfristig negative Folgen der zuletzt gestiegenen Inflation auf die Briten zukommen. Die privaten Haushalte stünden "vor schwierigeren Zeiten", weil die Lohnentwicklung kurzfristig mit der Inflation nicht mithalten dürfte, sagte Carney. Druck auf die Realeinkommen dürfte demnach kurzfristig den Konsum belasten. In den kommenden Jahren sei aber Besserung in Sicht.

Die Notenbanker rechnen damit, dass die Inflation von derzeit 2,3 Prozent weiter bis zum Schlussquartal 2017 auf knapp unter drei Prozent steigen wird. Danach werde der Inflationsdruck zwar etwas nachlassen. Über den gesamten derzeitigen Prognosehorizont bis Ende 2019 hinweg sei aber weiter mit einer Teuerungsrate über dem eigentlich angepeilten Inflationsziel bei zwei Prozent zu rechnen. Vor allem das seit dem Brexit-Votum vom vergangenen Sommer deutlich geschwächte britische Pfund hat die britische Teuerungsrate zuletzt steigen lassen, weil eine schwache heimische Währung importierte Güter verteuert.

BOE VOR BREXIT-DILEMMA

Auf das derzeitige Niveau hatte die Notenbank ihren Leitzins kurz nach dem Brexit-Votum vom vergangenen Sommer reduziert. Ausschlaggebend waren Sorgen um die britische Wirtschaft, die das Votum jedoch bislang besser verkraftet hat als viele Ökonomen erwartet hatten. Zuletzt gab es allerdings Zeichen der Schwäche. Zahlen vom Donnerstag zufolge ist die britische Industrieproduktion im März den dritten Monat in Folge gesunken. Insgesamt hat die britische Wirtschaft im ersten Quartal dieses Jahres deutlich an Fahrt verloren.

Die britische Notenbank steht vor einem Dilemma. Einerseits hat sie ein Interesse daran, die lockere Geldpolitik auch in Zukunft unverändert fortzusetzen, um die britische Wirtschaft vor möglichen negativen Folgen des anstehenden Brexits zu schützen. Andererseits ist die Inflation inzwischen auf 2,3 Prozent gestiegen, Durch eine straffere Geldpolitik können Notenbanken grundsätzlich gegen eine zu starke Inflation ankämpfen./tos/bgf/fbr

LONDON (dpa-AFX)
Bildquellen: shanneong / Shutterstock.com, Alex Yeung / Shutterstock.com

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