13.09.2015 12:00

Religion und Geldanlage: An Werte glauben

Euro am Sonntag: Religion und Geldanlage: An Werte glauben | Nachricht | finanzen.net
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Fonds, die nach religiösen Grundsätzen investieren, ziehen Nachhaltigkeitsanleger an. Die Ausschlusskriterien können aber die Rendite schmälern.
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von Julia Groth, Euro am Sonntag

Washington bekommt bald hohen Besuch: Der Papst spricht am 24. September als erstes Oberhaupt der katholischen Kirche vor dem US-Kongress. Über einen Mangel an Fans dürfte sich Franziskus auf seiner Reise in die Vereinigten Staaten kaum beschweren - rund 25 Prozent der US-Bürger sind katholischen Glaubens. Das sind circa 80 Millionen Menschen, eine erkleckliche Zahl, dürfte sich auch S & P Dow Jones Indices gedacht haben. Der Indexanbieter hat vor Kurzem einen neuen Aktien­index lanciert, der sich an katholische Investoren richtet. Der Index S & P 500 Catholic Values enthält jene Firmen des US-Leitindex S & P 500, die den Vorgaben der US-Bischofskonferenz zum sozial verantwortungsvollen Investieren entsprechen.

Der neue Katholikenindex umfasst rund 90 Prozent der im S & P 500 gelisteten Dividendenwerte. Er ist für das New Yorker Investmenthaus Global X lizenziert, das auf dieser Basis einen börsengehandelten Indexfonds (ETF) auf den Markt bringen will. Das Barometer eignet sich darüber hinaus als Vergleichs­index für Anleger, die nach katholischen Wertmaßstäben investieren.

Wachsender Markt

Investments, die sich an religiösen Vorgaben orientieren, sind ein kleiner, aber wachsender Markt. Zunächst eta­blierten sich islamkonforme Fonds, katholische Anbieter zogen nach. Die Produkte profitieren vom Wunsch, mit gutem Gewissen Geld anzulegen. "Seit der Finanzkrise kommen immer mehr Anleger zu uns, die nachhaltig orientiert sind und einen gewissen Werterahmen haben, auch ohne katholisch zu sein", sagt Norbert Wolf, Geschäftsführer der Steyler Bank, dem Geldhaus der gleichnamigen römisch-katholischen Missionare. Die Bank bietet seit 2012 einen Aktienfonds an, der sich an christlichen Werten orientiert (siehe Investor-Info).

Andere Aktienfonds für gläubige Christen gibt es etwa von TerrAssisi, der Missionszentrale der Franziskaner (ISIN: DE 000 984 734 3), von der genossenschaftlichen Bank für Kirche und Caritas (DE 000 532 653 2) oder der katholischen Pax-Bank (DE 000 975 021 6).

Katholikenfonds investieren nach ­einer ähnlichen Systematik wie normale Nachhaltigkeitsfonds. Besonders sündige Branchen sind ausgeschlossen, unter den übrigen werden mithilfe eines Dienstleisters die nachhaltigsten Kandidaten herausgefiltert. Wie bei nichtkirchlichen Nachhaltigkeitsfonds sind Rüstungsfirmen meist ebenso verboten wie Tabak-, Alkohol- und Glücksspielanbieter sowie Atomkraftwerksbetreiber.

Islamfonds liefen zuletzt besser

Darüber hinaus sind Unternehmen ausgeschlossen, deren Geschäft gegen katholische Werte verstößt, etwa Hersteller von Verhütungsmitteln und Firmen, die Geld mit Abtreibungen verdienen. Bei ihren Kriterien orientieren sich Anbieter christlicher Fonds an unterschiedlichen Richtlinien, zum Beispiel am sogenannten Frankfurt-Hohenheimer Leitfaden, der unter Federführung eines Moraltheologen entstanden ist.

Studien deuten darauf hin, dass Nachhaltigkeitsfonds ein besonders günstiges Rendite-Risiko-Profil aufweisen. Es ist demnach nicht unwahrscheinlich, dass Unternehmen, die nachhaltig wirtschaften, auf lange Sicht erfolgreicher sind als andere Firmen. Wer nun aber meint, dass christliche Fonds mit ihren besonders strengen Kriterien erfolg­reicher sein müssten als herkömmliche Nachhaltigkeitsfonds, der irrt. Der Ausschluss bestimmter Branchen mag ethisch und moralisch geboten sein, ­unter Rendite­gesichtspunkten kann er Nachteile bergen. Wer Pharmafirmen meidet, weil sie Verhütungsmittel herstellen, hatte einen der wachstumsstärksten Sektoren der vergangenen Monate nicht im Depot.

Zahlen des Fondsanalysehauses Morningstar belegen die Schwächen des christlichen Ansatzes: Die Katholikenfonds erzielten in den vergangenen zehn Jahren im Schnitt 5,4 Prozent Plus pro Jahr, herkömmliche globale ­Aktienfonds schafften durchschnittlich 5,7  Prozent. Noch besser schnitten scharia­konforme Fonds ab, die sich an islamischen Glaubensgrundsätzen orientieren: Diese Produkte legten jährlich im Schnitt um 7,6 Prozent zu.

Schariakonformen Fonds kam zugute, dass sie fast keine Aktien von Banken haben. Grund ist das Zinsverbot im islamischen Recht, der Scharia. Als Bankaktien im Zuge der ­Finanzkrise abstürzten, wurden Islamfonds kaum beeinträchtigt. In Katholikenfonds haben Aktien aus dem Finanzsektor hingegen oft ein großes Gewicht.

Auch in anderen Bereichen zeigen sich Unterschiede: Viele schariakonforme Fonds wie der Comgest Growth Europe S (siehe Investor-Info) oder der iShares MSCI World Islamic UCITS ETF (DE 000 A0N A0L 5) investieren im Gegensatz zu christlichen Fonds stark in Aktien aus dem Gesundheitssektor. ­Katholiken legen dagegen eher einen Schwerpunkt auf Industriewerte.

Dass Islamfonds zuletzt besser ab­geschnitten haben, bedeutet allerdings nicht, dass sie in Zukunft ein lohnenderes Investment sein werden als Katholikenfonds. "Der Ausschluss einzelner Branchen führt generell zu Verzerrungen", sagt Morningstar-Analystin Barbara Claus. Ihr Rat: Wer einen Religionsfonds kaufen will, sollte nicht zu dem Produkt mit den strengsten Ausschlusskriterien greifen. Eine Branche, die im laufenden Jahr schlecht abschneidet, kann nämlich im nächsten Jahr zu den Gewinnern gehören - und umgekehrt. So haben sich etwa die Kurse von Bankaktien seit 2012 deutlich erholt.

Man muss den Anbietern glaubens­basierter Fonds zugutehalten, dass sie Anlegern keine falschen Versprechungen machen. "Wir setzen nicht auf Nachhaltigkeit, um das Risiko zu minimieren", sagt Norbert Wolf von der Steyler Bank, "wir wollen Fonds anbieten, in die man mit gutem Gewissen investieren kann."

Und gläubige Katholiken können stattdessen auch in herkömmliche Nachhaltigkeitsfonds mit Schwerpunkt auf ökologischen Kriterien investieren. In der jüngsten Enzyklika hat Papst Franziskus den Kampf gegen die Umweltzerstörung jedenfalls zu einem Hauptanliegen gemacht.

Investor-Info

Comgest Growth Europe S
Nach Allahs Willen

Der Aktienfonds des französischen Anbieters Comgest investiert in europäische Wachstumswerte. Mindestens zwei Drittel müssen in schariakonforme Unternehmen fließen. Der Fonds ist zurzeit stark in Aktien aus dem ­Gesundheitssektor investiert, auch Konsumgüter haben ein großes Gewicht. In den vergangenen zwölf Monaten erzielte er beachtliche 17 Prozent Plus (ISIN: IE 00B 4ZJ 463 4).

Steyler Fair und Nachhaltig
Mit Gottes Segen

Der Aktienfonds der katholischen Steyler Bank mit Anlageschwerpunkt in Europa kann für die vergangenen zwölf Monate ein ordentliches Plus von circa acht Prozent vorweisen. Im Gegensatz zu ­vielen anderen Katholiken-­Fonds investiert er auch zu einem guten Teil in Pharmatitel, das größte Gewicht haben aber Industriewerte (ISIN: DE 000 A1J UVL 8).
Bildquellen: thopix / pixelio.de, Nejdet Duzen / Shutterstock.com
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