15.07.2022 17:54

Uniper-Aktie schließt weit im Plus: Laut Fortum weiter keine Einigung in Gesprächen über Uniper-Hilfen - Uniper nimmt Gas aus Speichern

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In den Gesprächen über Staatshilfen für den deutschen Gasimporteur Uniper gibt es nach Angaben des finnischen Mutterkonzerns Fortum weiter keine Einigung.
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Der finnische Energiekonzern Fortum zieht alle Optionen zur Sicherung der europäischen Energiemärkte in Betracht, während er mit der Bundesregierung über die Stabilisierung seiner Tochtergesellschaft Uniper SE spricht.

"Angesichts der neuen geopolitischen Gegebenheiten müssen wir alle Optionen in Betracht ziehen, um die Versorgungssicherheit und die Stabilität der europäischen Energiemärkte langfristig zu gewährleisten", so Markus Rauramo, Vorstandsvorsitzender von Fortum.

Deutschlands größter Gasimporteur Uniper hatte vergangene Woche angesichts der stark gestiegenen Gaspreise im Rahmen der gedrosselten russischen Gaslieferungen um Staatshilfe gebeten und bei der Bundesregierung Stabilisierungsmaßnahmen beantragt.

Entscheidungen wurden noch nicht getroffen, so Fortum. Eine Lösung für Uniper müsse aber die erheblichen Verluste aufgrund der fortgesetzten Drosselung der Belieferung mit russischem Gas stoppen, das Investment-Grade-Rating von Uniper sichern und die neuen Realitäten der unzuverlässigen Gasflüsse aus Russland berücksichtigen.

Fortum befindet sich mehrheitlich im Besitz des finnischen Staates, und Finnlands Europaministerin Tytti Tuppurainen reiste gestern nach Berlin, um mit deutschen Regierungsvertretern über die finanziellen Schwierigkeiten von Uniper zu sprechen.

"Es wurden verschiedene Optionen vorgeschlagen", sagte Tuppurainen nach den Gesprächen am Donnerstag. "Wir haben noch viel Arbeit vor uns und müssen in den nächsten Tagen, spätestens aber in den nächsten Wochen eine Lösung finden."

Im Falle einer anhaltenden Gasdrosselung und weiterer Gaspreiserhöhungen wurden die Verluste von Uniper weiter zunehmen und wahrscheinlich noch dramatischer werden, so Fortum. Die Höhe der Verluste für Uniper hänge wesentlich von den Mechanismen zum Kostenausgleich ab, die die Bundesregierung einführen will.

"Der Schlüssel zur Lösung dieser Situation liegt also in den Händen Berlins", so Fortum.

Ministerium: Finnischer Besuch hat Zeitplan für Uniper nicht verändert

Der gestrige Besuch der finnischen Ministerin für europäische Angelegenheiten und staatliche Beteiligungsführung in Berlin zum Rettungspaket für den Gashändler Uniper hat nach Aussagen des Bundeswirtschaftsministeriums zu keinen Änderungen am Zeitplan geführt. Über den Inhalt der Gespräche wollte sich ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums nicht weiter äußern.

"Der Besuch der Ministerin hat an dem Zeitplan - es gibt keinen echten Zeitplan -, sondern auch an der Zeitvorstellung nichts verändert", erklärte der Sprecher im Wirtschaftsministerium, Robert Säverin.

Uniper hatte vergangene Woche angesichts der stark gestiegenen Gaspreise im Rahmen der gedrosselten russischen Gaslieferungen um Staatshilfe gebeten. Auch die finnische Muttergesellschaft und die finnische Regierung sind an den Gesprächen beteiligt.

Wirtschaftliche Bedeutung der Gasturbine

Mit Blick auf die Wartungsarbeiten an der Gaspipeline Nord Stream 1 und die ausstehende Gasturbine aus Kanada sagte Säverin, das zuständige Unternehmen habe Siemens zugesagt, sich für die möglichst schnelle Lieferung der Turbine einzusetzen. "Über Einzelheiten dieses Lieferweges kann ich nichts sagen. Das ist Sache von Siemens", sagte Säverin. "Wir vertrauen darauf, dass Siemens die politische Bedeutung, die wirtschaftliche Bedeutung dieser Turbine erkannt hat und alles daran setzen wird, diese möglichst schnell an den Ort zu bringen, wo sie dann eingesetzt wird."

Es bestehe aktuell nur die Genehmigung für die Lieferung dieser einen Turbine, die nach Auffassung der russischen Seite erforderlich sei, um die Wartungsarbeiten bei Nord Stream 1 abzuschließen. Deutschland bereite sich auf alle möglichen Szenarien für Nord Stream 1 vor, auch auf mögliche anhaltende Lieferstopps nach Drohungen aus Moskau.

"Wir haben ja seit Kriegsbeginn immer wieder Äußerungen der einen oder anderen Richtung. Es gibt ja kein konsistentes Muster der Äußerung aus Moskau. Wir kümmern uns um die Fakten, wir treffen alle Maßnahmen, um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein und kümmern uns nicht um einzelne Aussagen und kommentieren sie auch nicht", sagte Säverin.

Die Wartungsarbeiten an Nord Stream 1 haben am Montag begonnen und dauern üblicherweise zehn Tage.

Uniper entnimmt wegen ausbleibender Lieferungen aus Russland Gas aus Speichern

Der Energiekonzern hat begonnen, Gas aus seinen Speichern zu entnehmen. "Seit Anfang der Woche entnehmen wir Gas aus den von uns selbst genutzten Kapazitäten", sagte ein Unternehmenssprecher am Freitag in Düsseldorf der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Als Argumente nannte er Liquiditätsgründe sowie die Erfüllung von Verträgen. Wie viel Gas entnommen wird, sagte der Sprecher nicht. Uniper-Chef Klaus-Dieter Maubach hatte auf einer Pressekonferenz Ende vergangene Woche bereits angekündigt, dass ein solcher Schritt nötig werde. Seiner Aussage nach waren die von Uniper genutzten Speicher-Kapazitäten zu dem Zeitpunkt zu 40 Prozent gefüllt.

Uniper spielt eine zentrale Rolle für die deutsche Energieversorgung und beliefert mehr als hundert Stadtwerke und Industriefirmen. Der größte deutsche Gasimporteur steht wegen der Krise mit Russland stark unter Druck. Die Firma musste in den vergangenen Wochen viel teureres Gas am Markt einkaufen, um die Verträge mit ihren Kunden bedienen zu können. Bisher kann Uniper die Mehrkosten nicht weitergeben und hat deshalb Liquiditätsprobleme. Das Management zog deshalb Ende Juni seine Jahresprognose zurück und bat um staatliche Hilfe.

Wie die Stabilisierungsmaßnahmen aussehen werden, ist noch unklar. Nicht zuletzt Uniper und sein finnischer Mehrheitseigentümer Fortum sind sich darüber uneins. Erst am Donnerstag hatte der Hauptaktionär mitgeteilt, dass es bislang keine Entscheidung gebe. Der Konzern setze die Gespräche mit der Bundesregierung fort, um Uniper sowohl in finanzieller Hinsicht als auch mit Blick auf die Geschäftsrisiken zu stabilisieren und so die Versorgungssicherheit in Deutschland zu gewährleisten, hieß es.

Fortum schwebt eine Restrukturierung Unipers vor - mit dem Ziel, eine Versorgungssicherheitsgesellschaft im Eigentum des Bundes zu gründen. Der Konzern hält 78 Prozent an Uniper und gehört selbst zu mehr als 50 Prozent dem finnischen Staat. Uniper hat hingegen bei der Bundesregierung einen Vorschlag eingereicht, der unter anderem Eigenkapital-Komponenten enthält, durch die sich der Bund an Uniper beteiligen könnte. Zudem sieht der Vorschlag Fremdkapital-Mittel durch eine Aufstockung einer KfW-Kreditlinie vor.

Im Moment wird die für Deutschland wichtige Pipeline Nord Stream 1 gewartet, sodass kein Gas mehr durch die Röhren unter der Ostsee fließt. Aber schon davor drosselte der russische Staatskonzern GAZPROM die Lieferungen auf 40 Prozent und begründete das mit einer fehlenden Turbine. Die Bundesregierung hält das Argument für vorgeschoben und befürchtet, dass auch nach der Wartung kein Gas mehr durch Nord Stream 1 fließt.

Uniper-Aktie kräftig erholt - Goldman setzt auf schnelle Staatshilfe

Aktien von Uniper haben sich am Freitag deutlich von ihrem jüngsten Rekordtief abgesetzt. Der Kurs des schwer unter der Krise mit Russland leidenden Energiekonzerns kletterte um bis zu 12 Prozent fast wieder auf 10 Euro. Zum Handelsende ging es noch um 5,82 Prozent aufwärts auf 9,36 Euro. Am Montag hatten sie mit 8,78 Euro einen neuen Tiefpunkt erreicht. Wegen ausbleibender Lieferungen aus Russland zapft Uniper seine Speicherbestände an, um Verträge zu erfüllen.

Analyst Alberto Gandolfi von Goldman Sachs strich am Vorabend gleichwohl seine Verkaufsempfehlung, auch wenn er das Kursziel von 20 auf 10 Euro halbierte. Er rechnet in Kürze mit Staatshilfen für die Düsseldorfer.

Die finnische Mutter Fortum hatte erst am Vorabend die Erwartungen an die laufenden Gespräche gedämpft. In den "konstruktiven Gesprächen mit der Bundesregierung" gebe es weiter keine Einigung, hatte es geheißen. Goldman-Analyst Gandolfi ist aber optimistisch und erwartet sich massive Erleichterung, sobald eine Einigung erzielt ist.

ESPOO / DÜSSELDORF / FRANKFURT (dpa-AFX / Dow Jones Newswires)

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23.09.2022Uniper UnderweightJP Morgan Chase & Co.
15.09.2022Uniper UnderweightJP Morgan Chase & Co.
07.09.2022Uniper UnderperformCredit Suisse Group
07.09.2022Uniper HoldJoh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank)
30.08.2022Uniper NeutralGoldman Sachs Group Inc.
20.07.2022Uniper OverweightJP Morgan Chase & Co.
11.07.2022Uniper OverweightJP Morgan Chase & Co.
05.07.2022Uniper OverweightJP Morgan Chase & Co.
01.07.2022Uniper OverweightJP Morgan Chase & Co.
21.06.2022Uniper OverweightJP Morgan Chase & Co.
07.09.2022Uniper HoldJoh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank)
30.08.2022Uniper NeutralGoldman Sachs Group Inc.
17.08.2022Uniper NeutralGoldman Sachs Group Inc.
17.08.2022Uniper Sector PerformRBC Capital Markets
17.08.2022Uniper NeutralUBS AG
23.09.2022Uniper UnderweightJP Morgan Chase & Co.
15.09.2022Uniper UnderweightJP Morgan Chase & Co.
07.09.2022Uniper UnderperformCredit Suisse Group
25.08.2022Uniper UnderweightJP Morgan Chase & Co.
23.08.2022Uniper UnderweightJP Morgan Chase & Co.

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