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06.11.2017 11:37
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Notenbankpolitik muss mit der Zeit gehen

IKB Kolumne: Notenbankpolitik muss mit der Zeit gehen | Nachricht | finanzen.net
IKB Kolumne
Dr. Klaus Bauknecht
Aktuell wird viel über die neue Normalität der Geldpolitik gesprochen.
Notenbanken sollen demnach nicht nur die Inflation im Blick haben, sondern auch die Finanzmarktstabilität. Überlegungen solcher Art sind nicht überraschend; denn schließlich muss sich die Rolle einer Notenbank immer aus den Herausforderungen ihrer Zeit ergeben.

So hat zum Beispiel die Vorstellung einer unabhängigen Notenbank, die vor allem die Inflation steuert, mit der steigenden Inflationsrate in den 70er Jahren an Popularität gewonnen. Dagegen haben die Deregulierung der 90er Jahre und die Finanzkrise eine stärkere Finanzaufsicht der Notenbanken erfordert.

Mit veränderten Prioritäten ergibt sich allerdings auch ein Wandel bei den Instrumenten, die der Notenbank dauerhaft zur Verfügung stehen sollten. Zwar wird häufig die Notwendigkeit von Aufkaufprogrammen und negativen Zinsen anlässlich einer anhaltend niedrigen Inflation gesehen; doch die EZB steht in der Kritik, diese Instrumente bereits zu lange anzuwenden. Sie seien zwar Teil einer neuen Normalität, angewandt werden sollten sie allerdings nur im Krisenfall.

Solche Überlegungen übersehen jedoch, dass es weniger um das Niveau der Zinsen oder des Aufkaufprogramms geht, sondern darum, was eine geldpolitische Wende für die Wirtschaft bedeuten könnte. Auch das ist Teil einer neuen Normalität: Zinsen können für lange Zeit negativ sein, weil eine Veränderung unberechenbare realwirtschaftliche Risiken mit sich bringen könnte.

Sicherlich schafft die aktuelle Geldpolitik starke Anreize zur Blasenbildung, zu Umverteilungen und Fehlinvestitionen. Doch diese Folgen sind entweder zum Teil gewünscht oder noch nicht sichtbar, während die Überschuldung vieler Euro-Länder und anhaltend niedriges Wachstum weiterhin reale Risiken darstellen. Neben ihrer neuen Funktion als Finanzaufsicht steht die EZB deshalb zunehmend in der Pflicht, die Konjunktur mittel- bis langfristig zu stützen. Sicherlich hat die Sorge, dass eine zu lockere Geldpolitik zu Inflation führt, auch weiterhin Bestand; doch noch scheint Europa hiervon weit entfernt zu sein.

Extrem niedrige Zinsen oder ein Aufkaufprogramm sind deshalb trotz Sorgen über langfristige Konsequenzen zu einem zentralen Bestandteil des Instrumentenkastens der Notenbank und somit Teil ihres neuen Selbstverständnisses geworden. Aus der ehemaligen Geldpolitik im Krisenfall ist Normalität geworden. Denn eine langfristige Perspektive oder Prinzipien sind in einem Umfeld von schwachem Wachstum eher weniger gefragt, sondern aktive Geldpolitik. Schwaches Wachstum und nicht eine mögliche zukünftige Überhitzung gilt es aktuell zu bekämpfen. Gemäß dieser keynesianischen Perspektive handelt die EZB richtig. Die grundsätzliche Frage ist, ob die Notenbank ausreichende Instrumente besitzt, um diese neuen Ziele zu erreichen. Doch dies ist vielleicht nur eine Sorge derjenigen, deren Denken in alten Ideen und Prinzipien gefangen ist. Schließlich hat die Geldpolitik das Monopol der Geldschöpfung.

Dr. Klaus Bauknecht, Chefvolkswirt der IKB Deutsche Industriebank AG

Dr. Klaus Bauknecht ist als Chefvolkswirt der IKB Deutsche Industriebank AG verantwortlich für die volkswirtschaftlichen Analysen, Prognosen und Einschätzungen der Bank. Zudem lehrt der promovierte Volkswirtschaftler an der Nelson Mandela University in Südafrika. Zuvor arbeitete er in verschiedenen leitenden Positionen anderer Banken und im südafrikanischen Finanzministerium. Er schreibt zu aktuellen und übergeordneten Konjunktur-, Volkswirtschafts- und Marktthemen.

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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