Rückkehr der Meme-Aktien?

Meme-Aktien GameStop, AMC, Peloton & Co. mit Sommerrally: Böses Omen für den breiten Aktienmarkt?

21.07.23 22:24 Uhr

Meme-Aktien GameStop, AMC, Peloton & Co. mit Sommerrally: Böses Omen für den breiten Aktienmarkt? | finanzen.net

Nachdem Meme-Aktien zu Beginn des Jahres 2021 das Trendthema am Markt waren, wurde es seitdem etwas ruhiger um GameStop, AMC & Co. Mit dem jüngsten Anstieg des Solactive Roundhill Meme Stock Index rückt das Thema jedoch wieder vermehrt in den Fokus der Anleger. BTIG-Analyst Jonathan Krinsky warnt gar vor verheerenden Folgen für den S&P 500.

Werte in diesem Artikel

• GameStop & Co. starteten Meme-Hype
• Feiern Meme-Aktien Comeback?
• Warnung vor Kursverlusten am breiten Markt



WallStreetBets-Bewegung löst Short Squeeze aus

Meme-Aktien rückten am Markt Anfang 2021 in den Fokus, nachdem sich Kleinanleger im Reddit-Unterforum r/WallStreetBets organisierten, um den Kurs der Aktie des ins Straucheln geratenen US-Videospielhändlers GameStop anzukurbeln. Zuvor wurde das Papier zum Ziel von Shortsellern, die auf sinkende Kurse wetteten. Die Community des Forums investierte massiv in die Anteilsscheine der Einzelhandelskette, was zu einem rapiden Anstieg des Aktienkurses führte und schließlich in einem Short Squeeze resultierte. Die steigenden Aktienkurse führten dazu, dass die Leerverkäufer ihre Positionen schließen mussten, um weitere Verluste zu vermeiden. Dies bedeutete für die betroffenen Hedgefonds nicht nur dramatische Einbußen, sondern trieb auch den Kurs der GameStop-Aktie weiter an.

Ähnlich erging es neben der GameStop-Aktie auch den Anteilen des Kinobetreibers AMC und der mittlerweile insolventen Handelskette Bed Bath & Beyond, die unter der Bezeichnung Meme-Aktien zusammengefasst wurden.

Solactive Roundhill Meme Stock Index enthält Aktien mit hohem "Meme-Score"

Weitere Meme-Aktien, die zum Ziel von Shortsellern geworden sind und dann von Kleinanlegern "gekapert" wurden, finden sich auch im Solactive Roundhill Meme Stock Index. Der Index umfasst insgesamt 25 börsennotierte US-Unternehmen, die einen hohen Short-Interest-Anteil und "Meme-Score" aufweisen. Letzterer ergibt sich daraus, wie oft die Aktie innerhalb der letzten zwei Wochen im WallStreetBets-Forum genannt wurde, wie der Index-Betreiber Solactive in einem Leitfaden schreibt. Und so umfasst der Index derzeit Anteile von Unternehmen wie Nikola, AMC, NIO, Peloton, GameStop und Tesla.

Sommerrally bei Meme-Aktien

Seit Ende Juni bewegt sich der Index vor allem aufwärts: Stand am 26. Juni 2023 etwa noch ein Kurs von 342,78 Punkten an der Tafel, legte das Börsenbarometer mittlerweile auf 421,91 Zähler zu (Schlusskurs vom 20. Juli 2023). Seit Jahresbeginn verteuerte sich der Index bereits um 59,3 Prozent.

Laut Jonathan Krinsky, Analyst bei BTIG, könne ein Anstieg des Meme-Index mit einer Schwäche des allgemeinen Markts einhergehen. So stieg der Index innerhalb von drei Handelstagen im Juli um mehr als 10 Prozent, während der Consumer Staples Select Sector SPDR Fund 1,3 Prozent nachgab, wie Krinsky in einer Kundennotiz schrieb, die der Nachrichtenagentur "Bloomberg" vorliegt. Der Fonds bildet den Consumer Staples Select Sector Index ab, welcher wiederum den Basiskonsumgütersektor des S&P 500 wiedergibt. Damit soll untersucht werden, wie sich Unternehmen aus den Bereichen Verbrauchsgütervertrieb und Einzelhandel, Haushaltsprodukte, Nahrungsmittel, Getränke, Tabakwaren und Körperpflegeprodukte am Markt schlagen.

Hinweis auf Schwäche des breiten Aktienmarkts

Betrachte man den Zeitraum der vergangenen 18 Monate, sei auffällig, dass die Spanne zwischen dem Meme-Index und dem Konsum-Fonds nicht weniger als siebzehnmal 10 Prozentpunkte oder mehr betrug, so der BTIG-Experte. In zwölf dieser Fälle habe der S&P 500 Krinsky zufolge kurz darauf deutlich niedriger notiert. Beim letzten Mal, als BTIG einen solchen Fall identifizierte, brach der Index der 500 größten börsennotierten US-Unternehmen in den folgenden 20 Tagen um 4,5 Prozent ein. "Es ist ein zweischneidiges Schwert, wenn wir eine Rally bei einigen der Titel mit geringerer Qualität sehen", fuhr der Experte in der Notiz via Bloomberg fort. "Wenn wir jedoch einen Anstieg dieses Ausmaßes sehen, insbesondere im Vergleich zu einer defensiven Gruppe wie Basiskonsumgüter, deutet dies oft auf eine Jagd nach dem hin, was sich noch nicht bewegt hat und sich noch am meisten bewegen kann […]."

Dynamik unterscheidet sich bei Meme-Aktien

Dan Egan vom Beratungsunternehmen Betterment erklärt den jüngsten Kursanstieg der Meme-Aktien auch mit der Marktposition der betroffenen Unternehmen, wie er gegenüber dem Wirtschaftsmagazin "Money" erklärte. So seien diese deutlich kleiner und weniger liquide als die großen Akteure am Aktienmarkt, was eine zügige Dynamik der Kursbewegungen mit sich bringe, während etablierte Titel weniger schnell aus der Ruhe zu bringen seien. "Diese Kursbewegungen regen sich selbst an", fügte Egan hinzu, "und können für eine gewisse Zeit zum Selbstläufer werden." So können sich Anleger vom plötzlichen Kursplus zu einer Investition hinreißen lassen, was den Aktienpreis weiter in die Höhe treibt. Die WallStreetBets-Bewegung habe dies bewiesen.

Kurzzeitige Meme-Blase

Als weiteren möglichen Antrieb identifizierte Egan eine allgemeine positive Stimmung an den Börsen sowie die Aussicht darauf, dass die im vergangenen Jahr weitgehend vorhergesagte Rezession ausbleibe oder zumindest deutlich weniger stark ausfalle. Langfristig dürfte die Meme-Rally jedoch keinen Bestand haben, so der Experte weiter. "Ich denke, es handelt sich um eine kurzfristige Blase", so Egan. "Ich weiß nicht, wie sie sich auf Dauer halten wird." In den kommenden Monaten könnten die im Meme-Index enthaltenen Unternehmen unter einer verschärften wirtschaftlichen Situation leiden, die große Akteure weniger hart treffen werde.

Unklare Definition

Jack Hough vom Marktportal "Barron’s" kritisierte wiederum die Zusammenstellung des Solactive Roundhill Meme Stock Index und zweifelte an, ob Aktien von Unternehmen wie Delta Air Lines und Carnival sich tatsächlich als Meme-Stocks qualifizieren - schließlich finde er an deren Geschäftsmodellen ganz und gar nichts Lustiges. "Fazit: keine Meme-Rallye - nur Anleger, die sich an minderwertigem Material festhalten", so der ehemalige Anlageberater. "Es ist unklar, ob dies ein Zeichen für die bevorstehenden Probleme auf dem breiten Markt ist." Dennoch dürfte die Geldpolitik der US-Notenbank Fed im kommenden Jahr noch die ein oder andere Herausforderung für kleinere Unternehmen mit sich bringen, wie auch UBS-Anlagestratege Barry Gill laut dem Online-Medium bestätigte. "Das ist eher ein Ereignis des Jahres 2024 als ein Ereignis des Jahres 2023", wird der Experte zitiert.

Redaktion finanzen.net

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