Shortseller-Bericht sorgt für Kursrutsch bei IonQ, D-Wave und anderen Quantenaktien

Ein neuer Shortseller-Bericht von Wolfpack Research löste einen massiven Abverkauf bei der Aktie von IonQ aus - und belastet auch die Konkurrenten D-Wave & Co.
Werte in diesem Artikel
• Wolfpack mit schweren Vorwürfen
• Bis zu 86 Prozent der früheren Pentagon-Einnahmen nicht nachhaltig finanziert?
• IonQ dementiert
Wolfpack Research hat am Mittwoch mit einem Bericht über IonQ, eines der führenden börsennotierten Quantencomputing-Unternehmen, für einen Kursrutsch gesorgt. Die IonQ-Aktie verlor an der NYSE 8,14 Prozent auf 35,34 US-Dollar.
Der Bericht wirkte auch am Donnerstag weiter nach und es zeigte sich ein weiteres Minus von 13,89 Prozent auf 30,43 US-Dollar. Und auch die Konkurrenz war Teil des Ausverkaufs, der den kompletten Quantensektor zu erfassen schien: Nach deutlichen Vortagesverlusten zeigte sich die Aktie von D-Wave Quantum 14,42 Prozent tiefer bei 17,21 US-Dollar, für Rigetti ging es an der NASDAQ weitere 12,89 Prozent auf 14,98 US-Dollar nach unten und Quantum Computing büßte daneben 14,46 Prozent auf 7,81 US-Dollar ein.
Schwere Vorwürfe von Shortseller-Seite
Wolfpack wirft IonQ in seinem Bericht vor, Investoren systematisch über die wahre Natur seines Umsatzwachstums getäuscht zu haben. Demnach sollen bis zu 86 Prozent des Umsatzes von 2022 bis 2024 aus nicht vom Pentagon angefragten Forschungsförderungen, sogenannten "Backdoor-Earmarks", stammen, die nach der Rückeroberung des Kongresses durch die Republikaner 2025 gestrichen wurden.
Damit klaffe nun eine Lücke von mindestens 54,6 Millionen US-Dollar in den Auftragsbüchern von IonQ. Der Bericht suggeriert darüber hinaus, dass das Unternehmen ohne diese "politische Schützenhilfe" kaum in der Lage gewesen wäre, signifikante Umsätze mit seiner Quantentechnologie am freien Markt zu generieren.
Strategische Zukäufe als Ablenkungsmanöver?
Statt echter kommerzieller Verträge habe IonQ vollständige potenzielle Auftragssummen wie 1,5 Milliarden US-Dollar als "Bookings" verbucht, obwohl nur 12 Millionen US-Dollar budgetiert und vertraglich verbindlich waren, heißt es in dem Bericht weiter. Das Unternehmen habe Investoren nicht über diese Kürzungen informiert, sondern habe sie durch Akquisitionen kaschiert und Firmen wie Vector Atomics und SkyWater Technology gekauft. Wolfpack bezeichnet dies als den Versuch, "Umsatz zu kaufen".
IonQ erwerbe margenschwache, klassische Hardware-Geschäfte, die nichts mit der eigentlichen Quantentechnologie zu tun haben, nur um die Umsatzkurve in den Bilanzen künstlich nach oben zu treiben, heißt es in dem Bericht weiter. Diese Strategie belaste den Cashflow massiv und verwässere den Fokus des Unternehmens.
Insiderverkäufe wecken Verdacht
Auch die personelle Situation bei IonQ lässt laut Wolfpack die Alarmglocken schrillen. Der überraschende Rücktritt des langjährigen CEO Peter Chapman wird im Bericht in direkten Zusammenhang mit dem Wegfall der Pentagon-Gelder gestellt.
Während das Management öffentlich weiterhin Optimismus verbreitete, sollen Insider laut den Recherchen im großen Stil Kasse gemacht haben: Führungskräfte und frühe Investoren hätten Aktien im Wert von rund 396 Millionen US-Dollar abgestoßen. Für Wolfpack ist dies ein klares Indiz dafür, dass die Führungsriege selbst nicht mehr an die langfristige Vision des Unternehmens glaubt.
IonQ dementiert die Vorwürfe
Nach der Veröffentlichung des Berichts hat IonQ sich in Schadensbegrenzung versucht und die Behauptungen vehement bestritten. In ersten Statements heißt es Fortune zufolge, dass der Wolfpack-Forschungsbericht falsche, irreführende und unbegründete Behauptungen eines Leerverkäufers enthalte, der versuche, durch einen Kursverfall der IonQ-Aktien Profit zu erzielen. Der Bericht enthalte zudem erhebliche Falschdarstellungen hinsichtlich der Beziehungen von IonQ zu Regierungsbehörden, der Geschäftsstrategie und der finanziellen Stabilität. "Wir verfolgen einen klaren Weg zur Wertsteigerung für unsere Aktionäre, und unsere kürzlich getroffene Vereinbarung zur Übernahme von SkyWater Technology belegt, dass IonQ ein vertrauenswürdiger Ökosystempartner der US-Regierung, verbündeter Nationen und Industriepartner ist", so das Unternehmen weiter.
Redaktion finanzen.net
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