Trend vorbei?

Schlechte Nachrichten für Tesla und Co.: Sind E-Autos nur eine Modeerscheinung, deren Ende naht?

02.02.24 22:24 Uhr

Schlechte Nachrichten für Tesla und Co.: Sind E-Autos nur eine Modeerscheinung, deren Ende naht? | finanzen.net

Das vergangene Jahr war geprägt von Nachrichten rund um EV-Hersteller, die ihre Preise drastisch senkten, um ihre Stromer irgendwie unters Volk zu bringen - mit mäßigem Erfolg, wie auch die jüngste Quartalsbilanz von E-Auto-Platzhirsch Tesla zeigte. Ist die Zeit von E-Autos schon wieder vorüber, bevor sie überhaupt richtig begonnen hat?

Werte in diesem Artikel

• Tesla sorgte mit jüngster Bilanz für lange Gesichter
• EV-Absatz in den USA wuchs 2023 immer langsamer
• Erfolgsgeschichte von E-Autos schon wieder vorüber?

Vor nicht langer Zeit schien es, als würde die Zukunft den E-Autos gehören. Symbolhaft für den zunehmenden Erfolg von EV-Fahrzeugen schien das rasante Wachstum von E-Autohersteller Tesla zu sein. Im Gesamtjahr 2019 lieferte der Konzern unter Visionär Elon Musk insgesamt noch nur rund 367.500 Fahrzeuge aus. Im Jahr 2023 waren es bereits 1,81 Millionen Stromer, die ausgeliefert wurden. Die Produktion wuchs derweil auf 1,85 Millionen Fahrzeuge an. Auch die Tesla-Aktie konnte seither eine beachtliche Entwicklung an den Tag legen. So beendete sie das Jahr 2019 bei einem Kurs von 27,89 US-Dollar. Zum Jahresende 2023 stand der Kurs bei 248,480 - ein Plus von 790,96 Prozent.

Teslas Zahlen zum vierten Quartal 2023 enttäuschen

Dennoch erwies sich das vergangene Jahr als besonders herausfordernd für Tesla, das Wachstum des US-Platzhirsches schwächte sich deutlich ab. So erzielte das Unternehmen im vierten Jahresviertel 2023 eine Brutto-Gewinnmarge von 17,6 Prozent - vor Jahresfrist hatte diese noch 23,8 Prozent betragen, im Vorquartal lag sie bei 17,9 Prozent. Auch umsatzseitig gab es bei Anlegern lange Gesichter. So stiegen die Erlöse im vierten Quartal 2023 zwar um drei Prozent auf 25,2 Milliarden US-Dollar an, diese Wachstumsrate entsprach jedoch der geringsten in drei Jahren und blieb auch hinter den Erwartungen zurück.

Noch schwerer ins Gewicht fiel allerdings die Tatsache, dass Tesla für das Jahr 2024 kein Absatzziel ausgeben wollte und lediglich erklärte, die Wachstumsrate beim Absatz dürfte "deutlich geringer" ausfallen als noch 2023. Als Begründung wurde eine neue Fahrzeug-Generation genannt, an der gerade gearbeitet werde. Man befände sich aktuell zwischen zwei Wachstumswellen. In der Vergangenheit hatte Tesla eine jährliche Wachstumsrate von im Schnitt 50 Prozent über mehrere Jahre angepeilt. Davon war bei der jüngsten Quartalsvorlage nun nicht mehr die Rede.

Um das Absatzziel für 2023 von 1,8 Millionen ausgelieferten Fahrzeugen überhaupt zu erreichen, senkte der Musk-Konzern 2023 seine Preise massiv. Der beliebte Model Y wurde in den USA beispielsweise 26 Prozent günstiger angeboten. Dabei ist der US-Autobauer nicht der einzige EV-Hersteller, der unter einer schwächelnden Nachfrage litt.

US-Absatz mit EVs wächst langsamer

So zeigen Zahlen des Automobilforschungsunternehmens Kelley Blue Book, dass die EV-Verkäufe in den USA im Gesamtjahr 2023 zwar auf eine neue Rekordmarke von 1,2 Millionen Fahrzeugen angestiegen sind, von Quartal zu Quartal ging die Absatzrate jedoch zurück. So ging es im vierten Quartal 2022 mit den EV-Verkäufen in den USA im Vorjahresvergleich noch um 52 Prozent aufwärts. Im dritten Quartal 2023 ging es jedoch nur noch um 49 Prozent nach oben, im vierten Jahresviertel des gleichen Jahres dann nur noch um 40 Prozent. Auch wenn der EV-Markt in den USA also weiter wächst, hat sich die Wachstumsrate dennoch abgeschwächt.

Der US-amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Todd G. Buchholz argumentiert im Rahmen eines Beitrags für das Nachrichtenportal MarketWatch, dass es so scheine, als sei der Trend zu E-Autos bereits wieder am Abklingen, wofür es seiner Ansicht nach mehrere Gründe gäbe, wobei er sich vorrangig auf die Situation in den USA bezieht.

Ladeinfrastruktur unzureichend

Ein großes Thema sei weiterhin die unzureichend ausgebaute Ladeinfrastruktur in den Vereinigten Staaten. Für viele Menschen wäre es laut Buchholz einfach bequemer, das ausgebaute Netzwerk an Tankstellen zu nutzen, um ihre Benziner oder Dieselfahrzeuge mit Kraftstoff zu versorgen, als auf die Suche nach einer funktionierenden Ladestation zu gehen. Hinzu käme, dass laut einer Umfrage unter EV-Besitzern in den USA 21 Prozent der öffentlichen Ladestationen nicht funktionieren würden, wie das Auto-Datenanalyse-Unternehmen J.D. Power herausgefunden hat. Dabei betonte J.D. Power-Experte Brent Gruber gegenüber Bloomberg, dass dieser Prozentsatz vor zwei Jahren noch bei 14,5 Prozent gelegen hätte: "Es läuft definitiv in die falsche Richtung", kommentierte Gruber dementsprechend.

Stromnetz unzuverlässig

Hinzu komme das fehleranfällige Stromnetz der USA, welches es für Verbraucher zusätzlich erschwere, bei sich zuhause die nötige Ladevorrichtung für einen Stromer einzurichten. Wie die US Energy Information Administration laut MarketWatch-Kolumnist Buchholz berichtet, hätte sich die durchschnittliche Länge von Stromausfällen in dem Zeitraum von 2013 bis 2021 auf mehr als sieben Stunden verdoppelt. Auch die Häufigkeit von Stromausfällen sei auf annähernd 20 Prozent gestiegen. Vor diesem Hintergrund sei es Buchholz zufolge nicht weiter verwunderlich, dass Verbraucher wenig Glauben daran hätten, dass eine eigene Ladestation überhaupt eine Option sei.

Strategiewechsel bei einigen Autobauern

Um den größeren Trend weg von EVs zu untermauern, verweist Buchholz außerdem auf den drastischen Strategiewechsel des Mietauto-Unternehmens Hertz, welches erst kürzlich bekannt gab, rund ein Drittel seiner EV-Flotte, die vornehmlich aus Teslas besteht, zu veräußern. Zuvor hatte es seitens des Unternehmens eigentlich geheißen, man plane, mindestens 25 Prozent der eigenen Autoflotte bis Ende 2024 auf Stromer umzustellen. Hertz gesellt sich damit in die Riege der Autobauer General Motors und Honda, die im Oktober 2023 ebenfalls ihre Pläne cancelten, den Bau von erschwinglichen EVs gemeinsam voranzutreiben. Die Unternehmen verwiesen allesamt auf eine schwächelnde Nachfrage.

Ein Autobauer, der nicht auf den EV-Zug mit aufgesprungen sei, dafür jedoch auf Hybrid-Modelle gesetzt habe, sei Toyota. Der als E-Auto-Skeptiker bekannte ehemalige CEO des japanischen Autoproduzenten, Akio Toyoda, sagte angesichts der hinter den Erwartungen zurückgebliebenen Tesla-Zahlen im dritten Quartal 2023 laut Fortune, dass die Menschen "endlich die Realität" erkennen würden. Seine Ablehnung gegenüber E-Autos hatte Toyoda im letzten Jahr mitunter dazu bewogen, sein Amt niederzulegen.

Laut Buchholz bleibe nun abzuwarten, ob sich die E-Autobranche wieder berappeln könne oder sich als Modeerscheinung erweise.

Redaktion finanzen.net

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