22.02.2018 16:58
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US-Anleiherenditen auf gefährlichem Terrain - Warnschuss für Investoren?

Nach Fed-Protokoll: US-Anleiherenditen auf gefährlichem Terrain - Warnschuss für Investoren? | Nachricht | finanzen.net
Nach Fed-Protokoll
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Die US-Anleiherenditen haben am Mittwoch den höchsten Stand seit vier Jahren erreicht. Ein Alarmsignal an Investoren, oder kein Grund, sich Sorgen zu machen? Eine US-Großbank enttarnt einen weit verbreiteten Mythos.
Dass die US-Notenbank Federal Reserve den Leitzins weiter anheben wird, bezweifelt am Markt derzeit kaum noch jemand. Und auch das jüngste Fed-Protokoll untermauert diese Erwartungen: "Laut einer Mehrheit der Teilnehmer erhöht der stärkere wirtschaftliche Ausblick die Wahrscheinlichkeit für weitere graduelle Leitzinsanhebungen", hieß es im Protokoll (Minutes) zur jüngsten Sitzung des geldpolitischen Ausschusses (FOMC) vom 30. und 31. Januar. Auch wenn der Tenor der US-Notenbank nicht wirklich überraschte, gerieten in Folge der Veröffentlichung US-Staatsanleihen stark unter Druck, für zehnjährige Papiere stieg die Rendite auf den höchsten Stand seit 2014. Zeitgleich rutschten die US-Börsen deutlich ins Minus - die am Markt vielbeschworene negative Korrelation von Aktien und Anleihen wurde deutlich.

Fed-Protokoll wird unterschiedlich interpretiert

Höhere Anleiherenditen sprechen für höhere Inflationserwartungen, die sich wiederum negativ auf Aktien auswirken, Anleihen im Vergleich aber attraktiver machen. Nach Veröffentlichung der Fed-Minutes hatten sich die Anleger am Aktienmarkt zunächst darauf berufen, dass von Seiten der Fed eine rasante Inflation nicht in Sicht sei, das hatte Aktien gestützt und für eine Fortsetzung der Rally gesorgt. Doch am Rentenmarkt konzentrierte man sich auf einen anderen Punkt: Nämlich dass die Fed die Zinsen sogar noch häufiger anheben könnte, als bislang prognostiziert. Als kurzfristiger Gewinner ging der Anleihenmarkt aus dem Interpretationsrennen hervor, wie die gestrigen Marktbewegungen bewiesen.

Droht jetzt ein Ende der Aktienrally?

Doch ob die Märkte nun in eine nachhaltige Abwärtsbewegung übergehen, bleibt abzuwarten. "Ich denke, das zeigt, dass es immer noch eine aktive Debatte über Inflation gibt. Es scheint zum aktuellen Zeitpunkt niemand besorgt über einen abrupten Anstieg der Inflation zu sein", erklärte Michelle Meyer, der das Segment US-Wirtschaft bei der Bank von Amerika Merrill Lynch abdeckt. Sein Finanzhaus hat in einer Studie zudem die Beziehung zwischen hohen Anleiherenditen und Aktien untersucht und dabei interessanterweise festgestellt, dass die negative Korrelation nicht konsistent ist - Aktien in Zeiten hoher Renditen am Anleihenmarkt also nicht zwangsläufig eine Abwärtstendenz einleiten müssen.

Die Experten der Bank entschärften damit einen unter Investoren weit verbreiteten Mythos. Zwar befinden sich Anleiherenditen auf gefährlichem Terrain, dass die Aktienrally damit zwangsläufig vor dem Aus steht, ist aber alles andere als ausgemacht.

Unsicherheit über neuen Fed-Chef Powell

Dass die Kursbewegungen vom Mittwoch den Studienergebnissen zu widersprechen scheinen, dürfte auch auf andere Gründe zurückzuführen zu sein. Denn die Märkte sind derzeit hypernervös, jedes Wort der US-Währungshüter wird auf die Goldwaage gelegt und genauestens seziert. Hinzu kommt, dass es an der Spitze der US-Notenbank gerade einen Wechsel gegeben hat: Jerome Powell hat den Fed-Chefposten von Janet Yellen übernommen. Noch können die Märkte den neuen Vorsitzenden der Federal Reserve nicht einschätzen. Das bestätigt auch Stephen Stanley, Chefökonom von Amherst Pierpont: "Wir wissen mit Sicherheit, dass das letzte Treffen, das von Yellen geleitet wurde, deutlich weniger über die zukünftige Politik der US-Notenbank ausgesagt hat, als das künftige Treffen tun. Zudem hat sich seit dem 31. Januar (der letzten Notenbanksitzung unter Janet Yellen; Anm. d. Redaktion) sehr viel getan. Die Finanzmärkte sind für ein paar Wochen lang verrückt geworden. Ein guter Teil dessen, was in den Fed-Minutes aus dem Januar kommuniziert wurde, dürfte sich in einigen Monaten ziemlich dumm anhören", so der Experte.

Experten widersprechen sich

Das sehen andere Experten naturgemäß anders. So hatte Crashprophet Jim Rogers erst kürzlich eindringlich gewarnt, dass der schlimmste Bärenmarkt der Geschichte direkt vor der Tür stehe. Auch Investmentmanager Peter Toogood glaubt, in der aktuellen Marktsituationen Parallelen zu der Zeit der letzten Börsenkrise im Jahr 2008 erkannt zu haben. Die Aktienmärkte seien derzeit nicht gesund, warnte Toogood.

Redaktion finanzen.net

Bildquellen: Kiichiro Sato/AP, Richard Drew/AP, M. Spencer Green/AP
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