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16.08.2018 18:13
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Analyst: Die größte Bedrohung für europäische Banken ist nicht die Türkei

Trotz Lira-Verfall: Analyst: Die größte Bedrohung für europäische Banken ist nicht die Türkei | Nachricht | finanzen.net
Trotz Lira-Verfall
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In den letzten Tagen richteten sich die Augen der Marktteilnehmer angesichts des massiven Verfalls der türkischen Währung verstärkt in Richtung Türkei. Doch die größere Gefahr für die Banken in Europa kommt aus einer ganz anderen Richtung, sagt ein Analyst.
Am vergangenen Freitag erging eine Warnung der Europäischen Zentralbank, der zufolge die EZB besorgt sei, dass die fortdauernde Währungskrise in der Türkei in Problemen für die Banken des europäischen Kontinents ausufern könnte. Besonders die Geldhäuser mit starkem Engagement in der Türkei, wie die französische BNP Paribas oder die italienische UniCredit stünden daher unter Beobachtung. Noch sei die Lage jedoch nicht kritisch, berichtete die "Financial Times" unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Viele türkische Kreditnehmer könnten sich nicht ausreichend gegen den Kursverfall der Lira abgesichert haben und dadurch Zahlungsprobleme bei den auf Euro oder Dollar laufenden Krediten bekommen, so die Befürchtung der EZB.
Die größere Gefahr komme jedoch aus einer anderen Richtung, warnte kürzlich Fixed-Income-Stratege Tom Kinmonth gegenüber CNBCs "Squawk Box Europe".

Kinmonth: Das ist "das wahre Problem für die europäische Bankenbranche"

Die eigentliche Bedrohung für die europäische Bankenbranche sei jedoch nicht die Türkei, sondern Italien, erklärte Kinmonth. "Die Probleme in Italien … werden in den nächsten drei Monaten die gesamte europäische Bankengeschichte für die nächsten drei bis fünf Jahre bestimmen", so der Analyst. Als drittgrößte Wirtschaft in der gesamten Europäischen Union wirft Italien bereits einiges an Gewicht in die Waagschale. Umso folgenreicher für Europa ist also auch, was die umstrittene neue Koalitionsregierung in Wirtschaftsangelegenheiten beschließt. Einigen Wirbel verursachte bereits die laufende Planung des Haushaltes für das nächste Jahr, denn die Koalition plant, die öffentlichen Ausgaben zu erhöhen, die Renten und staatlichen Leistungen anzuheben. Marktteilnehmer sind jedoch besorgt, woher die italienische Regierung das Geld dafür nehmen will, denn auch der Schuldenberg des Landes hat bereits eine beträchtliche Größe erreicht.

Massiver Schuldenstand und mehr staatliche Leistungen: Geht das zusammen?

Tatsächlich steht Italien mit rund 130 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts in der Kreide, es ist der zweitgrößte öffentliche Schuldenstand innerhalb der Eurozone. Dass Anleger im Hinblick auf die Steigerung der Renten und der staatlichen Leistung skeptisch sind, verwundert wenig. Doch nicht nur das Budget des italienischen Staatshaushalts sollte Marktbeobachtern Kopfzerbrechen bereiten, so Kinmonth. Denn in den kommenden Wochen werden auch die Ratingagenturen ihr Rating für Italien aktualisieren und die Zeichen stehen schlecht. Die italienischen Banken weisen noch immer ein hohes Niveau an notleidenden Krediten auf. Die Ungewissheit, die die aktuelle Politik in Rom umrankt, macht Vorhersagen über die Zukunft der Banken nur noch schwieriger. Auch das Auf und Ab der italienischen Staatsanleihen sorgt für zunehmende Nervosität bei den Banken des Landes, denn die Renditen bewegen sich seit längerem im Takt, den die Erklärungen der Politiker vorgeben. Das wiederum ruft Erinnerungen an die Staatsschuldenkrise von 2011 wach, als die Renditen 10-jähriger italienischer Staatsanleihen im November die Sieben-Prozent-Marke nahmen und Sorgen auslösten, ob Italien die Anleihen würde verlängern können. All dies zusammengenommen ergibt eine wacklige Basis für die weitere Entwicklung in Italien - und damit letztendlich auch für das Bankensystem in Europa.
"Das Türkei-Problem ist auf dem Radar", schlussfolgerte auch Kinmonth, "aber die Bankenebene ist eigenwilliger. Hier werden alle Augen auf Italien gerichtet sein." Wie die weitere Entwicklung sowohl in Italien als auch in der Türkei aussehen wird, bleibt jedoch vorerst noch abzuwarten.

Redaktion finanzen.net

Bildquellen: Mediagram / Shutterstock.com, dgcampillo / Shutterstock.com

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