Betrug

Marketrobo: Hunderte Millionen Euro Schaden auf Bitcoin-Plattform

15.02.22 23:32 Uhr

Marketrobo: Hunderte Millionen Euro Schaden auf Bitcoin-Plattform | finanzen.net

Auch beim Kauf von Bitcoin müssen sich Investoren in Acht nehmen - eine 2020 groß angelegte Betrugsmasche über die Plattform "Marketrobo" macht dies deutlich. Die Staatsanwaltschaft tappt bei den Ermittlungen noch immer im Dunkeln.

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• Marketrobo-Betrüger haben sogar Schauspieler und Sprecher für Werbung in zwei Sprachen engagiert
• Schaden könnte bei über einer Milliarde Euro liegen
• IT-Forensikerin Zinke verfolgt die Spur der Betrüger bis nach Holzkirchen bei München

Seit im Jahr 2020 Betrüger über die selbst aufgebaute Plattform "Marketrobo" gutgläubigen Kunden im Rahmen vermeintlichen Bitcoin-Handels mehrere Hundert Millionen Euro abgeluchst haben, laufen bei mehreren Staatsanwaltschaften in Deutschland die Ermittlungen - bislang erfolglos.

Marketrobo hat irgendwann einfach alle Kundenkontos gelöscht

Die BR-Journalisten Maximilian Zierer und Hakan Tanriverdi haben für die Tagesschau recherchiert und konnten mit einem der Opfer, welches nach Angaben der Journalisten anonym bleiben möchte, sprechen. Während des Gesprächs konnte in Erfahrung gebracht werden, dass die Betrüger ihre professionell angelegte Plattform Marketrobo mit dem Versprechen bewarben, im "Stundentakt" das von den Kunden angelegte Geld zu vermehren. Die Werbung habe unter anderem per E-Mail stattgefunden, von der Investition überzeugt hätten sie den Gesprächspartner der Journalisten während eines persönlichen Telefonats. Das Prinzip sei einfach gewesen: Die Kunden sollten BTC kaufen und sie an die Betrüger senden, damit diese sie für erstere vermehren können. Dies geschah allerdings nicht: Stattdessen wurden irgendwann einfach die Kundenkontos gelöscht, sodass die Opfer keinen Zugriff mehr auf ihr Geld hatten.

Der BR-Recherche zufolge waren die Telefonnummern gefälscht, zudem haben die Täter offenbar sogar Schauspieler und Sprecher für die Aufnahme von Werbevideos in deutscher und englischer Sprache engagiert und die Agentur, die die Werbe-E-Mails in Auftrag gab, erfunden.

Ermittlungen der Staatsanwaltschaft verlaufen im Sand, die Schadenssummen gehen vielleicht bis in Milliardenhöhe

BTC-Transaktionen werden in der Blockchain gespeichert und sind öffentlich einsehbar - allerdings werden immer nur die Adressen (Zahlencodes) der Beteiligten gespeichert: Wer dahinter steckt, ist unklar. Nachdem im Sommer 2020 die gesamte Plattform offline gegangen war, konnte die Staatsanwaltschaft aufgrund fehlender Hinweise nicht mehr weiter ermitteln. Die Tagesschau zitiert ein Schreiben der Staatsanwaltschaft Osnabrück von November 2021: "Dem Weg des Geldes zu folgen, macht bei Bitcoin-Transaktionen, nach den hier vorliegenden Erfahrungen, ohnehin grundsätzlich keinen Sinn." Und das, obwohl der Schaden nach Angaben der Tagesschau allein bei den Fällen, die bei der Staatsanwaltschaft Bamberg landen, bei mehreren Hundert Millionen Euro liegt. Das Nachrichtenportal zitiert den Vizechef der Zentralstelle Cybercrime in Bayern: "Ob wir die Milliarde schon gerissen haben, kann ich nicht sagen. Aber das sind unvorstellbare Schadenssummen."

Privatermittlerin konnte die Spur bis zu einem Automaten im Münchner Umkreis verfolgen

Das anonyme Opfer, mit dem die BR-Journalisten sprechen konnten, habe rund 60.000 Euro bei Marketrobo investiert und sich nicht mit den ergebnislosen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zufrieden gegeben. Stattdessen habe die betroffene Person die private IT-Forensikerin Rebecca Zinke mit dem Fall beauftragt. Diese konnte die Transaktionen bis nach Holzkirchen in der Nähe von München nachverfolgen, wie die BR-Recherche ergab. Dort seien zumindest einige der erbeuteten BTC an einem Automaten in Bargeld umgetauscht worden. Der Automat wurde, wie Zierer und Tanriverdi bei der Staatsanwaltschaft München II in Erfahrung bringen konnten, ohne gültige Lizenz betrieben und ist mittlerweile inaktiv. Die Besitzer des Geschäfts, in dem der Automat stand, wollten sich offenbar auch auf Nachfrage der Journalisten nicht zu dem Thema äußern.

An dieser Stelle endet die Spur der Betrüger. Es gilt nun also herauszufinden, wer hinter dem Blockchain-Zahlencode des Transaktionsempfängers steckt. Ob dies allerdings möglich sein wird, ist bislang unklar.

Redaktion finanzen.net

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