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05.02.2016 03:00
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Passive Giganten: Die größten ETFs der Welt

Euro am Sonntag: Passive Giganten: Die größten ETFs der Welt | Nachricht | finanzen.net
Euro am Sonntag
Rund 4500 passive Indexfonds gibt es inzwischen weltweit. Einige davon sind Hunderte Milliarden Euro schwer, andere winzig. Was Anleger aus der Größe ablesen können - welche Gefahren lauern.
€uro am Sonntag
von Christoph Platt, Euro am Sonntag

ETFs sind eine Erfolgsgeschichte. Der Markt für die passiven Produkte, die einen Börsenindex eins zu eins abbilden, wächst und wächst. Mittlerweile gibt es weltweit rund 4.500 ETFs, die ein Vermögen von knapp drei Billionen US-Dollar verwalten.


Die steigende Nachfrage hat etliche Exchange Traded Funds zu echten Riesen heranwachsen lassen. Der größte Indexfonds der Welt, der Vanguard Total Stock Market ETF, ist 369 Milliarden Euro schwer. Damit ist er nicht nur der Spitzenreiter unter den börsengehandelten Indexprodukten, sondern generell der größte aller Fonds. Übrigens: Wenn Sie als Privatanleger auch bereits mit kleinen Beträgen für Ihr Kind in ETFs investieren wollen, dann sollten Sie sich einmal OSKAR ansehen, den unkomplizierten ETF-Sparplan für Kinder.


ETFs werden riesig, wenn sich viele Anleger für den abgebildeten Index und den zugrundeliegenden Markt interessieren. Folgerichtig haben Indexfonds auf viel beachtete Indizes wie den Euro Stoxx 50 oder den S & P 500 ein höheres Volumen als solche, die beispielsweise in Nebenwerte aus Schwellenländern investieren. Doch woraus resultiert der Größenunterschied bei ETFs, die denselben Index verfolgen? Warum ist der eine ETF etwa auf den DAX riesig und der andere ein Fliegengewicht?

Lockmittel Gebühren

Logisch wäre, wenn der Fonds mit den niedrigsten Gebühren die meisten Anleger anzöge. "Der Preis ist aber nur bedingt eine Größe, nach der sich das Volumen eines ETFs richtet", sagt Detlef Glow, Europa- Chef des Analysehauses Thomson Reuters Lipper. Das zeigen verschiedene Beispiele. "Der db X-trackers Euro Stoxx 50, der einst für null Prozent Jahresgebühr angeboten wurde, hätte ansonsten ins Unermessliche wachsen müssen", sagt er.

Auf zwei iShares-ETFs, die beide dem S & P 500 folgen, verweist Ali Masarwah, Analyst der Ratingagentur Morningstar. "Lange Zeit war der 2002 aufgelegte S & P-500-ETF von iShares der größte seiner Art", sagt er. Doch dann bot iShares einen wesentlich günstigeren ETF auf den gleichen Index an. Dieser ist inzwischen zwar größer als der ursprüngliche Fonds. "Doch das Volumen des alten ETFs schrumpft erstaunlich langsam", berichtet er. Für den Experten ein Beleg dafür, dass der Vorteil, als Erster am Markt zu sein, auch durch niedrige Kosten der jüngeren Konkurrenz nur langsam ausgeglichen werden kann. Ein früher Markteintritt kann also ein Grund für ein hohes Gewicht sein.

Vertrieb entscheidend

Ein weiteres wichtiges Kriterium ist der Vertrieb. ETFs, die an vielen Börsenplätzen gehandelt werden, sprechen eine größere Klientel an als Produkte, die regional beschränkt angeboten werden. Das macht Masarwah am Beispiel der deutschen Anbieter db X-trackers, Com­Stage und Deka deutlich. "Die Deutsche Bank nutzt ihr weltweites Netzwerk, um ETFs von db X-trackers auch in Asien oder Lateinamerika abzusetzen." Die Commerzbank-Tochter Com­Stage setze hingegen ihren Schwerpunkt auf Deutschland und die Schweiz, die Fondstochter der Sparkassen, Deka, agiere noch eingeschränkter.


Für die kleinere Konkurrenz unfair: Ein großer ETF wirkt gerade für institutionelle Investoren wie ein Magnet. Das hat mit den hohen Beträgen zu tun, die sie bewegen. "Die institutionellen Investoren brauchen eine gewisse Fondsgröße, um ihre Order platzieren zu können", sagt Lipper-Experte Glow. Sollen mehrere Milliarden investiert werden, ist die Zahl der ETFs, die aus Investorensicht eine solche Summe ohne Weiteres aufnehmen können, sehr klein. Das hat zur Folge, dass den ohnehin schon großen Fonds fortlaufend weitere Mittel zufließen. "Das ist eine Art selbst erfüllende Prophezeiung", sagt er.

Nur gelegentlich gelingt es neuen ETFs, schnell groß zu werden - dann, wenn sie akute Bedürfnisse der Anleger befriedigen. Zuletzt geschah dies mit einigen Smart-Beta-Produkten. Diese wenden sich ab von den herkömmlichen Börsenbarometern, die sich nach der Markt­kapitalisierung richten, und gewichten die Indexbestandteile neu. Besonders schnell gewachsen sind ETFs auf Indizes, die Titel mit geringen Schwankungen bevorzugen oder die ausschließlich dividendenstarke Unternehmen beinhalten. "Sie haben den Nerv der Zeit getroffen", sagt Masarwah.

In Ausnahmefällen kann auch ein neuer ETF riesig werden, der auf einen bereits vielfach abgebildeten Index setzt. So geschehen im Fall des Vanguard-ETFs auf den S & P 500, der erst 2012 auf den Markt kam und mittlerweile rund elf Milliarden Euro schwer ist. "Die Anleger suchten nach einer Alternative zum ­dominierenden Produkt von ­iShares, um ihr Vermögen über verschiedene Anbieter zu diversifizieren", berichtet Glow.

Gut für Anleger

Ein hohes Fondsvolumen ist für Anleger im Regelfall vorteilhaft. "Große ETFs sind tendenziell umsatzstärker als kleine", sagt Stephan Kraus, der bei der Deutschen Börse für das ETF-Segment verantwortlich ist. "Ein hoher Umsatz resultiert für gewöhnlich in niedrigen Spreads." Je geringer diese Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs, desto besser für den Anleger, weil ihn der Kauf des Indexfonds weniger kostet.

Bei Aktienfonds ist der Zusammenhang zwischen Größe und niedrigem Spread deutlich ausgeprägt. Unter den zehn größten ETFs, die über Xetra ­gehandelt werden, finden sich sechs der liquidesten Produkte. Für keinen dieser zehn Riesen mussten Anleger mehr als zwölf Basispunkte bezahlen, wie die Zahlen der Deutschen Börse von Ende Dezember zeigen. Weniger deutlich ist die Abhängigkeit von Größe und Liquidität bei Renten-ETFs. Denn in diesem Segment zählen Geldmarkt- und Staatsanleihe-ETFs zu den liquidesten, weil deren Papiere leicht handelbar sind. Die größten Renten-ETFs sind hingegen solche auf Unternehmensanleihen.

Anleger, die häufig handeln, sollten also in erster Linie auf die Liquidität achten und die Größe des ETFs nur als ersten Anhaltspunkt sehen. Auf der Website der Deutschen Börse lässt sich die Liquidität eines Fonds aus der Kennzahl XLM ablesen. Je niedriger diese ist, desto liquider ist der ETF und desto geringer der Spread. Grundsätzlich ist eine Differenz von mehr als einem Prozent ungewöhnlich. "90 Prozent der auf Xetra notierten ETFs haben einen Spread von weniger als 0,9 Prozent", sagt Kraus.

Nicht nur für die Anleger sind große Indexfonds von Vorteil, sondern auch für die Fondsgesellschaften. "Ein hohes Volumen ist essenziell für die Anbieter, denn das ETF-Geschäft hat extrem niedrige Margen", sagt Morningstar-Mann Masarwah. "Die An­bieter erwirtschaften ihren Gewinn nur über die Größe."

Kritische Stimmen

Die hohen Summen, die in einigen Schwergewichten und ganz generell in der ETF-Branche stecken, rufen indes Kritiker auf den Plan. Sie sehen die zunehmende Marktmacht der Produktgattung als Gefahr. Gerade die Passivität der ETFs sorge dafür, dass das Herdenverhalten der Anleger zunehme und Markttrends verstärke. Denn mit ETFs können Anleger unkompliziert und mit geringen Gebühren in einen ganzen Markt ein- und aussteigen.

Der große Vorteil von ETFs, der schnelle Handel sämtlicher Titel eines Index, kann damit zum Bumerang werden. So kam es in den vergangenen Jahren in den USA vereinzelt dazu, dass an Tagen mit starken Schwankungen am Aktienmarkt zahlreiche Stop-Loss-Marken bei ETFs rissen und dies den Kursverfall beschleunigte. Vor allem Großinvestoren nutzen diese Marken, um ihre ETF-Anteile automatisch zu veräußern, bevor die Kurse beispielsweise unter psychologisch wichtige Schwellen zu fallen drohen. Diese Verkäufe verstärkten den Abwärtstrend, was zu hohen Tagesschwankungen führte. Bislang war das ein rein amerikanisches Problem. "Wenn der Run auf die passiven Produkte anhält, könnten ETFs in Zukunft auch in Europa Märkte bewegen", sagt Masarwah.

Aktuell angespannt ist die Situation bei einigen ausgewählten Renten-ETFs, insbesondere im Markt für US-Hochzinsanleihen. "Hier wird durch die ETFs eine Liquidität suggeriert, die bei Marktverwerfungen möglicherweise so nicht vorhanden ist", sagt er. Der Markt steht -auch wegen der Schwierigkeiten von US-Ölservicefirmen, die unter dem Ölpreisverfall leiden - unter Druck.

Investor-Info

iShares Core DAX
Hochliquide

Der iShares Core DAX ist der größte ETF auf den deutschen Leitindex. Mit seinem Vermögen von rund neun Milliarden Euro reicht es in der Volumen-Rangliste aller in Deutschland zugelassenen ETFs allerdings nur für Platz 13. Zugleich ist der Indexfonds der liquideste DAX-ETF, der auf der elektronischen Handels­plattform Xetra angeboten wird. Die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs beträgt nur 0,03 Prozent. Ein ideales Produkt für Anleger, die häufig handeln wollen.

db X-trackers Euro Stoxx 50
Extragünstig

Ein Volumen von fünf Milliarden Euro reicht nicht, um größter ETF auf den Euro Stoxx 50 zu sein: Zwei Indexfonds sind größer, einer davon zudem etwas liquider. Trotzdem empfiehlt €uro am Sonntag den db X-trackers Euro Stoxx 50 - insbesondere für langfristige Anleger. Denn mit einer jährlichen Gebühr von nur 0,09 Prozent sticht der db-X-trackers-Fonds aus der Konkurrenz hervor. Mit dem ETF setzen Anleger auf die 50 größten Unternehmen der Eurozone.

iShares Core MSCI World
Weltumspannend

Auch der iShares Core MSCI World verwaltet ein Vermögen von fünf Milliarden Euro - genauso viel wie sein ausschüttendes Pendant (ISIN: IE 00B 0M6 2Q5 8). Allerdings ist die unten dargestellte thesaurierende Variante mit 0,2 Prozent deutlich günstiger bei den jährlichen Gebühren. Die zwei Produkte sind die beiden größten hierzulande zugelassenen ETFs auf den Weltaktienindex und zählen zu den 50 liquidesten ETFs auf Xetra. Im MSCI World sind knapp 1.700 Aktien aus Industrieländern weltweit enthalten.

Die grössten ETFs ...

in Deutschland zugelassen

iShares Core S & P 500 US 464 287 200 0
iShares MSCI EAFE US 464287 465 9
PowerShares QQQ ETF US 739 35A 104 3
iShares Russell 2000 US 464 287 655 5
iShares iBoxx $ Invst Grade Crp Bond US 464 287 242 2
iShares MSCI Emerging Markets US 464 287 234 9
iShares Russell 1000 US 464 287 622 5
iShares MSCI Eurozone US 464 286 608 5
iShares Select Dividend US 464 287 168 9

weltweit

Vanguard Total Stock Market ETF US 922 908 769 0
Vanguard 500 ETF US 922 908 363 2
Vanguard Total International Stock ETF US 921 909 768 3
SPDR® S & P 500 ETF US 784 62F 103 0
Vanguard Total Bond Market ETF US 921 937 835 6
iShares Core S & P 500 US 464 287 200 0
Vanguard Mid-Cap ETF US 922 908 629 6
iShares MSCI EAFE US 464 287 465 9
Vanguard Small-Cap ETF US 922 908 751 8
Vanguard FTSE Developed Markets ETF US 921 943 858 0 Stand: 31.12.2015; Quelle: Morningstar

Bildquellen: Imagentle / Shutterstock.com, rvlsoft / Shutterstock.com

ETF-Finder

Was sind ETFs?

Exchange Traded Funds sind an der Börse gehandelte Investmentfonds. ETFs haben keine Laufzeitbegrenzung und können daher wie Aktien permanent zum aktuellen Börsenpreis gehandelt werden. Beim Kauf eines Fondsanteils wird der Anleger zum Anteilseigner der im Fonds enthaltenen Bestandteile. Zugleich beteiligt sich der Investor damit auch an der Entwicklung der im Fonds befindlichen Papiere.
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