25.05.2018 12:00
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Fonds-Stars im Test: Bert Flossbach und seine größten Konkurrenten

Euro am Sonntag-Fonds-Tipps: Fonds-Stars im Test: Bert Flossbach und seine größten Konkurrenten | Nachricht | finanzen.net
Euro am Sonntag-Fonds-Tipps
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Das laufende Jahr ist für Anleger herausfordernd. Wie sich die größten Multi-Asset-Fonds in den vergangenen ­Monaten geschlagen haben, wie sie für die Zukunft gerüstet sind.
€uro am Sonntag
von Christoph Platt, €uro am Sonntag

Eins lässt sich vom Jahr 2018 aus Anlegersicht nicht behaupten: dass es langweilig ist. Im Januar schien es, als würde sich die Hausse aus dem Vorjahr ungebremst fortsetzen. Doch im Februar und März herrschte Katerstimmung an den Aktienmärkten. Die wichtigsten Indizes knickten ein und viele Anleger flüchteten. In erster Linie waren es Sorgen um einen beschleunigten Rückzug der US-Notenbank aus ihrer lockeren Geldpolitik, welche die Korrektur auslösten. Plötzlich erschien vieles nicht mehr so rosig wie noch einige Wochen zuvor.


Knapp zwei Monate lang ging es an den Börsen abwärts, ehe sich die Kurse stabilisierten. Der deutsche Leitindex DAX markierte am 26. März sein Jahrestief - und seither entwickeln sich die Aktienmärkte wieder prächtig.


Das Auf und Ab an den Börsen stellt vor allem eine Fondsgattung vor He­rausforderungen: Mischfonds. Von ihnen erhoffen sich Anleger, dass sie auf jedes Börsenwetter die richtige Antwort parat haben. In der Tat können Mischfonds, die sowohl Aktien als auch Anleihen kaufen und gelegentlich Rohstoff­investments beimischen, sehr flexibel agieren. Denn ihr Instrumentarium ist groß. Es richtig - also gewinnbringend oder verlustmindernd - einzusetzen ist die hohe Kunst, der sich die Mischfondsmanager verschrieben haben.

€uro am Sonntag hat sich zwölf beliebte Produkte angesehen und ihre Leistung im laufenden Jahr begutachtet. Aus jeder der drei Mischfondskategorien (offensiv, ausgewogen, defensiv) wurden vier Flaggschiffe ausgewählt. Ihr Gewicht reicht von rund drei Milliarden Euro bis knapp 27 Milliarden.


Wohin die Reise geht
Manche der bekannten Manager haben ihre Sache im laufenden Jahr gut gemacht, andere weniger gut. Wie sich die Fondslenker während der Turbulenzen sowie davor und danach verhalten haben, lesen Sie im Folgenden. Die aktuelle Ausrichtung der Fonds gibt zudem Hinweise auf die Erwartungen der Manager an die kommenden Monate. Als Zeitraum der Korrektur wurde der 31. Januar bis 26. März gewählt. Der DAX verlor in dieser Phase gut zehn Prozent.

Als offensive, also eher aktienlastige Mischfonds wurden der First Eagle Amundi International, der Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen, der Flossbach von Storch Multiple Opportunities und der UniRak untersucht. Eine besonders gute Figur macht im laufenden Jahr der Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen. Er ragt nicht nur aus den offensiven Produkten hervor, sondern aus ­allen betrachteten Flaggschiffen. Während der Marktturbulenzen vom 31. Januar bis 26. März verlor er nur marginal an Wert und legte damit die Basis für die gute Entwicklung seit Jahresbeginn (siehe Tabelle unten).

"Wir waren schon länger defensiv aufgestellt", berichtet Frank Fischer. Ende Januar fuhr der Fondsmanager die Aktienquote dann noch einmal taktisch zurück und sicherte die seiner Ansicht nach überkauften US-Titel mit Futures ab. Dank dieser Maßnahmen konnte er die Verluste eindämmen. "Mittlerweile haben wir die Aktienquote wieder erhöht und auch die meisten Absicherungen aufgelöst", sagt Fischer. Gleichwohl blickt der Manager wegen geopolitischer Gefahren, einer sich abschwächenden Konjunktur und steigender Zinsen nur verhalten optimistisch auf die Aktienmärkte.

Teils gut erholt
Die drei anderen offensiven Mischfonds-Flaggschiffe gaben während der Korrektur im Februar und März um vier bis fünf Prozent nach. Weil sie sich anschließend gut erholten, liegen der First Eagle Amundi International und der UniRak seit Jahresbeginn jedoch im Plus. Ersterer profitierte besonders von der Stärke des US-Dollar gegenüber dem Euro in den vergangenen Wochen, da er viele US-Aktien hält.

Seine Ausrichtung hat der First Eagle Amundi International 2018 kaum verändert. Mit einer Liquiditätsquote, die durchgängig bei rund 22 Prozent lag, und einer Goldquote von etwa elf Prozent, war und ist das Portfolio konservativ positioniert. Weil Aktien flächendeckend relativ teuer sind, fällt es dem Fonds zurzeit schwer, seine Strategie umzusetzen: Unternehmen aufzuspüren, die zu Discount-Bewertungen gehandelt werden.

Dass der FvS Multiple Opportunities seit Jahresbeginn leicht im Minus liegt, ist nicht auf mangelnde Vorsicht vor Ausbruch der Marktturbulenzen zurückzuführen. "Wir hatten bereits zum Jahresanfang damit begonnen, unsere Aktienquote leicht zu reduzieren", sagt Manager Bert Flossbach. In der Erholung seit Ende März läuft es aber nur mittelmäßig für den Fonds. "Als Belastung haben sich Aktien insbesondere aus dem nichtzyklischen Konsumgütersektor erwiesen", sagt er. Flossbach hält ihnen dennoch die Treue und erkennt bei ihnen nunmehr ein verbessertes Chance-Risiko-Profil.

Ausgewogene Portfolios
Bei den vier Mischfonds-Flaggschiffen, die als ausgewogen gelten, liegen der Carmignac Patrimoine und der BGF Global Allocation von Blackrock seit­ ­Jahresanfang leicht im Plus. Negativ fällt der Nordea Stable Return auf, der 2018 von den zwölf untersuchten Schwergewichten die schlechteste Performance aufweist.

Fondsmanager Asbjørn Trolle Hansen erklärt das mit dem besonderen Fokus des Produkts. Er setzt auf solide Unternehmen, die stabil, aber nur moderat wachsen. Diese seien bei Anlegern zurzeit wenig beliebt, weil die Mehrheit zyklische und schnell wachsende Firmen bevorzuge. Hansen hält jedoch daran fest und erwartet, dass das Gros der Anleger früher oder später den Wert dieser Unternehmen wiederentdecken wird. Reaktionen auf die Markttur­bulenzen gab es im Nordea Stable Return kaum, das Portfolio-Risiko wurde nur leicht gesenkt. Insgesamt hält der Fonds an einer ausgewogenen Risikostrategie fest und kombiniert relativ unkorrelierte aggressive und defensive Investments.

Wenig Veränderung gab es auch im JP Morgan Global Income. Lediglich das Gewicht von Unternehmens- und Hochzinsanleihen wurde reduziert, dafür wurde begonnen, eine Position in Hypothekenanleihen aufzubauen. "Die Turbulenzen im Februar und März hat das Fondsmanagement als vorübergehende Korrektur beurteilt und nicht als Vorgriff auf eine Rezession", sagt Jakob Tanzmeister, Client Portfolio Manager bei JP Morgan Asset Management. Grundsätzlich bleibe das Fondsmanagement weiterhin positiv gegenüber Aktien im Vergleich zu Anleihen gestimmt. Dass im Portfolio dennoch mehr festverzinsliche Wertpapiere als Aktien zu finden sind, ist der generellen Ausrichtung des Fonds geschuldet.

Gefahr bei Zyklikern
Risiken für die Aktienmärkte, insbesondere für die zyklischen Sektoren, sieht Didier Saint-Georges, Mitglied des Investmentkomitees bei Carmignac. "Daher behalten wir unseren derzeitigen Aktienportfolioaufbau bei, indem wir uns auf das konzentrieren, was wir als Qualitätsunternehmen einstufen - Unternehmen mit gut prognostizierbarem Wachstum und geringem Verschuldungsgrad", sagt er. Zykliker, noch dazu stärker verschuldete, werden vom Carmignac Patrimoine gemieden. Auf der Anleiheseite agiert der Fonds ebenso vorsichtig und hat die Empfindlichkeit der Papiere gegenüber Zinserhöhungen schon länger reduziert.

Bei den defensiven Schwergewichten hat sich der Kapital Plus im laufenden Jahr am besten geschlagen. Sehr groß sind die Abstände zum Invesco Pan European High Income, zum M & G Optimal Income und zum Ethna-Aktiv aber nicht. Während der Marktturbulenzen im Februar und März entwickelten sich die Fonds ähnlich.

Bewusst unaufgeregt verfolgt der Kapital Plus seine Strategie. Seinem Mischungsverhältnis von 70 Prozent Renten und 30 Prozent Aktien ist er auch in diesem Jahr treu geblieben. Während der Korrektur wurden lediglich einzelne Aktienpositionen ausgetauscht. "Von den normalen Schwankungen wie im ersten Quartal dieses Jahres lassen wir uns nicht aus dem Konzept bringen", sagt Manager Stefan Kloss. Im Rententeil des Fonds zeigt sich eine lediglich minimal reduzierte Empfindlichkeit gegenüber Zinserhöhungen im Vergleich zur Benchmark.

Fast alles beim Alten
Auch Richard Woolnough, Lenker des M & G Optimal Income, hat keinen Anlass gesehen, sein Portfolio grundlegend zu verändern. "Das fundamentale Bild ist gleich geblieben", sagt er. Schon seit Längerem bevorzugt Woolnough Anleihen mit niedriger Duration, die von Zinsänderungen nicht so stark belastet werden. Diese Ausrichtung will er beibehalten, da er mit steigenden Zinsen rechnet. Einzig bei US-Staatsanleihen rückte er im April von seiner extremen Positionierung bei kurzen Laufzeiten etwas ab. Den Aktienanteil baute der Manager sowohl während der Korrektur als auch danach leicht auf knapp fünf Prozent aus. Traditionell haben Aktien im Fonds nur ein sehr geringes Gewicht.

Relativ defensiv war der Invesco Pan European High Income aufgestellt. Er war im Januar zu fast 20 Prozent in Barmitteln und Staatsanleihen investiert, außerdem zu zwölf Prozent in Anleihen verlässlicher Unternehmen (In­vestment Grade). Auf die Marktschwäche hat der Fonds nicht reagiert und insbesondere seine Aktienquote von gut 20 Prozent stabil gehalten. Das spiegelt die aktuell positive Haltung des Fonds, der überwiegend festverzinsliche Wertpapiere kauft, gegenüber Aktien wider.

Umtriebig war dagegen der Ethna-Aktiv. Anfang des Jahres stand dessen Aktienquote noch bei mehr als 30 Prozent, im Verlauf des Januars wurde sie jedoch auf unter zehn Prozent gesenkt. "Wir hielten den derart rasanten Kursanstieg der Aktien für nicht gerechtfertigt", sagt Thomas Herbert, Portfolio-Manager bei Ethenea. Mit dem Wiedereinstieg hatte das Fondsmanagement jedoch Pech.

"In diesen sehr volatilen Monaten hatten wir zweimal zu früh wieder Aktien­exposure aufgebaut und mussten dieses aus Risikomanagementgründen wieder reduzieren", sagt er. Wegen der noch immer guten Wirtschaftsaussichten sind die Lenker des Ethna-Aktiv weiter positiv für Aktien, sie haben den Fonds aber für ihre Verhältnisse aktuell eher konservativ positioniert.

In der Ruhe liegt die Kraft
Die Befragung der Mischfondsmanager hat vor allem eines ergeben: Die meisten haben ihre Flaggschiffe relativ besonnen durch die Turbulenzen gesteuert. Größere Anpassungen des Portfolios, insbesondere der Aktienquote, gab es nur bei wenigen Produkten, die dies aktiv einsetzen. Ohnehin haben die Manager einen langfristigen Investment­horizont. Von kurzfristigen Marktkorrekturen versuchen sie sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen.

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Bildquellen: Thomas Rabsch für Finanzen Verlag, Picsfive / Shutterstock.com

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