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12.05.2018 01:00
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Jim Rogers: "Dollar und Gold werden durch die Decke gehen"

Euro am Sonntag-Exklusiv: Jim Rogers: "Dollar und Gold werden durch die Decke gehen" | Nachricht | finanzen.net
Jim Rogers
Euro am Sonntag-Exklusiv
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Hedgefonds-Veteran und Rohstoff-Experte Jim Rogers zu Handelskriegen, ­Perspektiven an den Finanzmärkten und der richtigen Strategie für den nächsten Crash.
€uro am Sonntag
von Uli Kühn, €uro am Sonntag

Es gibt viele, die mit dem Titel "Börsenlegende" hausieren gehen. Bei Jim Rogers ist er wirklich angebracht. Nicht nur weil der 75-Jährige schon seit Jahrzehnten im Geschäft ist, sondern auch wegen der aufsehenerregenden Wertentwicklung seines mit George Soros zusammen gemanagten Quantum-Fonds (siehe Vita-­Kasten). Genug Gründe, um mit Rogers über die aktuelle politische und wirt­schaft­liche Lage zu reden.
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€uro am Sonntag: China und die ­Vereinigten Staaten beginnen einen Handelskrieg. Wer wird gewinnen?
Jim Rogers: Das ist nicht korrekt formuliert, denn nur Washington will einen Handelskrieg, China nicht. Ich hoffe, dass sich beide Seiten beherrschen werden, denn in einem Handelskrieg hat es in der Geschichte noch nie einen Gewinner gegeben. Diesmal wäre es nicht anders.


US-Präsident Donald Trump scheint ­allerdings der Meinung zu sein, dass die Vereinigten Staaten auch ­siegreich aus solch einem Konflikt ­her­vorgehen können.
Das hat er gesagt, und genau so benimmt er sich. Aber Herr Trump kennt die Geschichte nicht, und vielleicht hat ihm noch niemand erklärt, dass es in einem Handelskrieg keinen Gewinner geben kann. Doch selbst wenn er das mitbekommen hätte, würde er wahrscheinlich denken, dass er schlauer ist als alle, die vor ihm solch eine Auseinandersetzung begonnen haben.

Dann sind die Ängste der Anleger also ­Ihrer Meinung nach berechtigt?
Die Nervosität der Märkte ist vollkommen nachvollziehbar. Alle Wirtschaftsnationen werden die Auswirkungen eines Handelskriegs zwischen China und den USA spüren, selbst wenn sie nicht direkt an der Auseinandersetzung beteiligt sind. Auf der ganzen Welt wird das Wirtschaftswachstum gebremst, nicht nur in China und den USA.


Wie stark wird Deutschland betroffen sein?
Auch Deutschland wird leiden, schließlich ist Ihr Land die drittgrößte Exportnation der Welt. Wenn der Welthandel zurückgeht, spürt Deutschland das als einer der Ersten.

Die Aktienmärkte haben ja bereits um zehn Prozent und mehr korrigiert. ­Haben sie damit schon die möglichen Folgen eines Handelskriegs vorweg­genommen oder geht es nochmals ­abwärts?
Die Aktienkurse sind sehr, sehr lange gestiegen. Der letzte große Einbruch liegt inzwischen fast zehn Jahre zurück. Das ist ungewöhnlich lang. Nach solch einer starken Hausse war eine Kor­rektur überfällig. Für eine Korrektur braucht es allerdings immer einen Auslöser. Diesmal war die Furcht der Anleger vor mehr Protektionismus und nachlassendem Wachstum der Auslöser - durchaus rational.

Sie haben schon im letzten Jahr vor ­einem drastischen Einbruch am ­Aktienmarkt gewarnt. So schlimm ist es dann aber doch nicht gekommen.
Da muss ich Sie korrigieren. Ich habe gesagt, wenn die nächste Baisse kommt, dann wird sie die schlimmste meines Lebens - und ich habe schon einige Bärenmärkte erlebt. Ich habe nicht pro­gnostiziert, dass wir schon in diesem Jahr eine echte Baisse bekommen. Mit Baisse meine ich einen viel stärkeren Kursrückgang als die zehn Prozent in diesem Frühjahr.

Das Schlimmste steht uns also noch ­bevor?
Für mich ist das ganz einfach: Auslöser der Krise im Jahr 2008 war die zu hohe Verschuldung. Doch heute liegen die Schulden noch viel höher. Sogar China hat jetzt Schulden. Wie soll diese Situation bereinigt werden? Es wird eine gewaltige Baisse kommen, auch wenn ich den genauen Zeitpunkt nicht voraus­sagen kann. Kurzfristig könnte sich der US-Aktienmarkt sogar positiv entwickeln. Echte Bärenmärkte beginnen nicht von einem Tag auf den anderen, sondern entwickeln sich langsam.

Wie sollen sich Anleger positionieren, wenn die Megabaisse kommt?
Eine Idee wäre, sich in der Landwirtschaft zu engagieren. Die Agrarmärkte sind in den vergangenen Jahren ziemlich in die Knie gegangen. Doch jetzt verbessern sich die fundamentalen Daten. Bargeld zu besitzen, ist in der Baisse auch nie verkehrt. Es muss allerdings die richtige Währung sein.

Wie investiere ich denn am besten in den Agrarsektor?
Eine gute Möglichkeit wäre, einen Bauernhof zu kaufen und Landwirt zu werden. Das kann natürlich nicht jeder; ich zum Beispiel wäre bestimmt kein guter Bauer. Sie könnten aber auch einen Hof kaufen und den verpachten oder ein ­Restaurant auf dem Land eröffnen oder Traktoren verkaufen oder in Agrar­unternehmen investieren. Auch mit ­Agrarterminkontrakten können Sie enorm viel Geld verdienen, wenn Sie sich damit auskennen.

Für alle, die lieber auf Bargeld setzen: Welche Währung ist die richtige?
Das ist die entscheidende Frage. Wer die falsche Währung besitzt, kann viel verlieren. Ich besitze vor allem US-Dollar, denn wenn das Chaos ausbricht, werden die Anleger der Welt nach einem ­sicheren Hafen suchen.

Ausgerechnet die Währung der größten Schuldnernation soll eine ­sichere Währung sein?
Natürlich ist der Dollar im Grunde keine sichere Währung. Doch die Welt geht davon aus, dass es so ist. Also werden im Krisenfall alle wieder zum Dollar greifen. Aber wenn es Sie beruhigt: Ich besitze auch chinesische Renminbi und noch einige andere Währungen, hauptsächlich aber Dollar.

Sie haben Gold gar nicht erwähnt. Ist Gold nicht der klassische Krisenschutz?
Der Goldpreis folgt häufig einem ähn­lichen Muster: Wenn es an den Börsen kracht, gibt der Goldpreis zunächst ebenfalls nach. Erst etwas später greifen die Anleger zu Gold. Das ließ sich 2008 sehr gut beobachten. Der Goldpreis, in US-Dollar, kam in diesem Jahr ebenfalls sehr stark zurück, und erst nachdem der Aktienmarkt schon stark gefallen war, zog der Preis wieder an.

Dann ist Gold also kein Gegengewicht zu Aktien?
Das kann man so auch nicht sagen. Mein Krisenplan - oder zumindest ein Teil meines Krisenplans - sieht folgendermaßen aus: Wenn der Crash kommt, wird der Dollar stark steigen und eine Überbewertung erreichen. Gleichzeitig wird der Goldpreis, in US-Dollar, fallen. Das passiert meistens, wenn der Dollar steigt. Dann werde ich meine überbewerteten Dollar in unterbewertetes Gold und Silber tauschen.

In diesem Frühjahr hat es an den Börsen kräftig gerumst, doch der Goldpreis hat sich kaum bewegt. Weshalb?
Ich sage schon seit Langem, dass es noch nicht an der Zeit ist, Gold zu kaufen. Die Entwicklung des Goldpreises in diesem Jahr bestätigt mich in meiner Einschätzung. Es gab einige Nachrichten und Faktoren, die theoretisch für steigende Goldnachfrage hätten sorgen sollen. Der Goldpreis hat sich trotzdem nicht bewegt. Das ist ein klares Signal, dass zurzeit niemand Gold will und dass wir noch warten müssen, bevor wir in Gold investieren.

Wie lange müssen wir noch warten?
Die Zeit für Goldinvestments wird kommen, aber vorher muss der Preis noch weiter nachgeben. Ich hoffe sehr, dass ich den richtigen Einstiegszeitpunkt erwische. Wenn die richtige Krise kommt, werden die Preise von Gold und Silber durch die Decke gehen. In großen Krisen waren die Edelmetalle bislang immer als sicherer Hafen gefragt.

Seit rund einem Jahr zieht der Ölpreis wieder an. Wird das so weitergehen?
Aus technischer Sicht bildet sich beim Ölpreis seit 2016 gerade ein langfristiger Boden. Nach meiner Überzeugung werden die Preise weiter steigen, denn alle heute bekannten Ölreserven nehmen weiter ab. Auch Fracking und andere neue Techniken zur Ölgewinnung werden den Rückgang nicht ausgleichen können.

Warum ist der US-Dollar derzeit so schwach?
Vor einigen Jahren war der Dollar sehr stark. Dann wurde das vom Markt wieder korrigiert. Das ist eine ganz normale Entwicklung, die auch an anderen Märkten immer wieder zu beobachten ist. Jetzt kommt noch die Sorge vieler Anleger dazu, dass sich die Politik der Trump-Regierung negativ auf die Bonität der Vereinigten Staaten auswirken wird. Aber wie gesagt: Ich besitze bereits sehr viele Dollar und ich setze darauf, dass die US-Währung sehr stark wird - wahrscheinlich jedoch zum letzten Mal.

Aber das kann noch etwas dauern, oder?
Nein, die Trendwende beim Dollar dürfte schon sehr bald kommen, sie hat wahrscheinlich sogar schon begonnen. Das Vertrauen in den Euro und in das britische Pfund ist nicht sehr groß, vorsichtig ausgedrückt. Solange die chinesische Währung nicht vollständig konvertierbar ist, gibt es kaum Alternativen zum Dollar. Sobald aber die Chinesen das garantieren, werde ich in Renminbi umschichten.

Sind asiatische Aktien zurzeit ein ­Investment?
Ich würde jetzt eher Aktien aus Asien kaufen als Papiere aus den westlichen Industrienationen, denn ich kaufe lieber Aktien in abgeschlagenen Märkten als Titel, die schon super gelaufen sind. Der chinesische Aktienmarkt notiert heute 40 Prozent unter seinem Allzeithoch, der japanische sogar 50 Prozent. Die amerikanischen Börsen liegen da­gegen nahe an ihrem Rekordhoch.

Asiatische Aktien gefallen Ihnen also vor allem aufgrund markttechnischer Überlegungen?
Das ist ein wesentlicher Grund, aber es gibt auch fundamentale Faktoren, die für Aktien aus Asien sprechen. Immer mehr Unternehmen missfällt die Politik der US-Regierung und immer mehr Unternehmen wandern ganz oder teilweise nach Asien ab. Die Sanktionen gegen Russland führen bereits zu einer Verlagerung im internationalen Handel. Russland und China rücken näher aneinander. Als Folge der Sanktionen gibt es bereits einen Boom in der russischen Landwirtschaft. Insgesamt sind die Aussichten für Asien also gut - und Asien hat einige Probleme nicht, mit denen der Westen zu kämpfen hat.

Sie leben heute nicht mehr in New York City, Ihr Wohnsitz befindet sich in Asien. Ist das ein Statement gegen Ihr Heimatland?
Ich will meine Kinder optimal auf die Zukunft vorbereiten. Deshalb leben wir in Singapur. Meine Kinder sollen Asien kennenlernen und die chinesische Sprache lernen, denn China wird zum wichtigsten Land der Welt aufsteigen. Noch zu meinen Lebzeiten - und ich bin inzwischen 75 Jahre alt - wird China die Weltwirtschaft dominieren. Die Ver­einigten Staaten sind dagegen die größte Schuldnernation der Welt, und sie sind eindeutig auf dem absteigenden Ast. China und Asien bleiben dagegen weiter im Aufstiegsmodus.

Kurzvita

Der Extremist
Ob Reisen oder Investieren, Super­lative begleiten Jim Rogers’ Leben. 1970 gründete der US-Amerikaner mit der Wall-Street-­Legende George ­Soros den Quantum-­Fonds, der in zehn Jahren eine Rendite von 4000 Prozent erzielte. Extrem sind auch seine Trips, beispielsweise umrundete Rogers 1990 die Erde auf seinem Motorrad. Ende der 90er-Jahre stieg der heute 75-Jährige zu einem der einflussreichsten Rohstoffinvestoren weltweit auf.




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Bildquellen: Axel Griesch für €uro am Sonntag, provided by Jim Rogers

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