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29.12.2018 01:00
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Promi-Fonds: Große Namen, große Ziele

Euro am Sonntag: Promi-Fonds: Große Namen, große Ziele | Nachricht | finanzen.net
Euro am Sonntag
Bekannt aus Funk, TV und Boulevardpresse - manche Promis managen Fonds oder haben einen ins Leben gerufen. €uro am Sonntag hat sich die Portfolios angesehen.
€uro am Sonntag
von Andreas Hohenadl, Euro am Sonntag

Das Sparen wieder einfach cleverer machen", will der eine. "Wir investieren ausschließlich in die attraktivsten Firmen der Welt", verspricht ein anderer. Und eine Aktienauswahl via "Königsanalyse" - damit wirbt ein Dritter. Mit solchen Aussagen auf ihren Websites wollen Fonds prominenter Zeitgenossen Anleger zum Investieren animieren.


An sich ein löbliches Unterfangen. Denn die Deutschen haben nach wie vor viel Geld auf mager verzinsten Sparbüchern und Festgeldkonten liegen. Kapital für die Altersvorsorge aufzubauen, kann so kaum gelingen. Doch vielen fehlt der Mut, in rentablere Anlageformen wie Aktien zu gehen. Das zu ändern haben sich einige Promi-Fonds zum Ziel gesetzt. Sie wollen den Teil der Bevölkerung ansprechen, den der klassische Bankvertrieb kaum erreichen kann.


Dirk Müller ist einer dieser Promis. Der 50-Jährige war von 1992 bis 2010 als Börsenmakler tätig. Bekannt wurde er, weil sein Arbeitsplatz unter der großen Kurstafel der Frankfurter Börse lag. Dort war er ein beliebtes Motiv für Fotografen, weil Müller dem Geschehen an den Märkten mit seiner Mimik eine emotionale Note gab. Irgendwann hatte er dann den Spitznamen "Mister DAX" weg. Müller steigerte seine Popularität durch Talkshow-Auftritte, als Vortragsredner und Autor von erfolgreichen Börsenbüchern. Wie kaum ein anderer vermag er zu polarisieren. Während die einen ihn für einen Selbstdarsteller und Verschwörungstheoretiker halten, schätzen ihn die anderen für seine klare Sprache und kritischen Ansichten.

Überraschender Erfolg

Im April 2015 legte der gebürtige Frankfurter seinen eigenen Fonds auf: den Dirk Müller Premium Aktien. Mit dem setzt er auf Aktien nordamerikanischer und europäischer Unternehmen, die er im Bedarfsfall absichert. "Mir ist wichtig, wenig zu verlieren, aber in Aufschwüngen mit dabei zu sein", sagt er.



2018 hat Müller mit seinem Anlageergebnis viele überrascht. Denn mit einem Plus von gut neun Prozent liegt er deutlich vor der Konkurrenz, die im Schnitt Minusrenditen erwirtschaftete. Der Lohn für den Erfolg ist ein steigendes Investoreninteresse. Erst kürzlich habe ein großer quantitativ gesteuerter Fonds bei ihm angelegt, erzählt Müller. "In deren Analysetools sind wir plötzlich ganz oben aufgetaucht, dann haben sie sich angesehen, was wir machen, und haben investiert."

Der aktuelle Erfolg ist eine Genugtuung für Müller, dessen Fähigkeiten als Fondsmanager lange angezweifelt wurden. Nicht ganz zu Unrecht. Denn seit Auflage des Portfolios bis Herbst 2016 ging es mit dem Fonds erst mal um rund 13 Prozent nach unten. Und auch danach hinkte er der Konkurrenz der globalen Aktienfonds häufig hinterher.

Müller erklärt dies mit seiner vorsichtigen Absicherung. "Zur US-Wahl Ende 2016 haben wir das Risiko komplett aus dem Fonds rausgenommen, da wir im Falle einer Trump-Wahl die Auswirkungen auf die Märkte nicht abschätzen konnten", sagt er. "Und was passierte? Trump gewinnt, und insbesondere die Kurse von US-Bankaktien explodierten." Solche Titel aber habe er nicht im Fonds. "Wir haben einen Sprung an den Märkten nicht mitgemacht", sagt er. "Ich will langfristig von guten Unternehmen profitieren. Kurzfristige Verrücktheiten der Börse brauche ich nicht und will ich auch gar nicht zocken."

Auch für einen anderen Promi-Fonds lief es in diesem Jahr gut: den Max Otte Vermögensbildungsfonds, gemanagt vom gleichnamigen Finanzprofessor. Ottes Bekanntheit gründet darauf, dass er 2006 in seinem Buch "Der Crash kommt" die Finanzkrise voraussagte. Als es tatsächlich dazu kam, war er ein gefragter Mann und häufiger Gast in Talkshows. Der gebürtige Westfale leitet in Köln das Institut für Vermögensentwicklung. Seine Professur inklusive Verbeamtung an der Fachhochschule Worms gibt er zum Jahresende auf. "Ich musste mich entscheiden: Professor oder Unternehmer?", so Otte gegenüber €uro am Sonntag. "Ich konzentriere mich nun auf das Unternehmertum."

Ottes Portfolio hat seit Jahresanfang bis jetzt rund ein Prozent eingebüßt. Das ist in diesem schwachen Börsenjahr eine beachtliche Leistung. Seit rund zwei Jahren entwickelt sich der 2013 aufgelegte Fonds überdurchschnittlich. Otte erklärt das zum einen mit erfolgreicher Einzeltitelauswahl: "Im Portfolio haben wir große Qualitätsunternehmen, finden aber immer wieder auch Spezialfälle. Zum Beispiel die US-Juwelierkette Signet Jewelers, den luxemburgischen Satellitenbetreiber SES oder die Uhrenmarke Fossil. Deren Aktien haben uns große Gewinne eingebracht."

Zum anderen habe man den Fonds 2018 vorsichtig positioniert. "Wir haben bis zum Sommer hin fast 25 Prozent Liquidität aufgebaut, was für unsere Verhältnisse viel ist", erklärt Otte. "Dieses Geld haben wir jetzt zu großen Teilen wieder investiert. Deshalb hat sich der Fonds im vergangenen Monat wieder mit den Märkten bewegt. Unseren Vorsprung aber haben wir gehalten."

Nicht immer lief es so gut für Otte und seine zwei Mitstreiter. Von Ende 2014 bis Anfang 2016 hinkte der Fonds der Konkurrenz hinterher. "Unser Team hatte sich noch nicht eingespielt", sagt Otte. Zudem belasteten Fehlinvestments im Rohstoffbereich. Der Professor musste Kritik einstecken. "Doch damals habe ich meine externen Verpflichtungen radikal zurückgefahren und mich auf den Fonds und die Kapitalmarktanalyse konzentriert", so Otte. "Anscheinend hat es ja was gebracht."

Zukunft mit Fragezeichen

Während Müller und Otte schon einige Jahre Erfahrung im Fonds-Business gesammelt haben, ist der Zukunftsfonds noch ziemlich jung. Aufgelegt wurde der Mischfonds im November 2017. Und das mit großem Tamtam. Was nicht verwundert, denn einer der Hauptakteure hinter dem Produkt ist Kai Diekmann, ehemaliger Chefredakteur der "Bild"- Zeitung. Zusammengetan hat er sich mit dem Ex-Investmentbanker Leonhard "Lenny" Fischer, der einst jüngster Vorstand der Dresdner Bank war. Beide haben für dieses Projekt eigens die Deutsche Fondsgesellschaft gegründet.

Ihr Ansinnen: Dem deutschen Sparer, der unter den Nullzinsen leidet, eine ertragsstärkere Anlage schmackhaft zu machen. Mit der Umsetzung ist die in Freiburg ansässige Greiff Capital Management betraut. Seit Auflage hat der Fonds rund vier Prozent verloren. Kritiker bemängeln, dass das Portfolio fast zwei Drittel der Anlagesumme in Festgeldern und Bankguthaben geparkt hat. Dazu Greiff-Vorstand Volker Schilling: "Wir sind mit dem Produkt nicht angetreten, um die Helden zu spielen, sondern um die Risiken im Griff zu haben."

Angestrebt ist mit dem Zukunftsfonds ein Portfolio, das zu maximal 30 Prozent auf Aktien setzt und zu 40 Prozent auf Staats- und Unternehmensanleihen. Je fünf Prozent dürfen zudem in Edelmetallen und Schwellenländeranleihen angelegt sein. Der Rest ist Cash. Doch mit diesen Quoten wird nur angelegt, wenn es die Risikoparameter zulassen. Und das war 2018 praktisch nicht der Fall. "Es gibt Phasen, da ist Kasse einfach sinnvoll", sagt Schilling.

Ihm geht es darum, in volatilen Märkten die Verluste so gering wie möglich zu halten. Denn nur dann habe er eine gute Ausgangsbasis, um über einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren die Zielrendite von zwei bis vier Prozent per annum zu erzielen. "Wenn wir den Fonds auf die Zielquoten hochfahren, können wir kleine Verluste schnell wieder ausgleichen", sagt Schilling. Sein Anspruch jedenfalls ist klar: "2019 muss der Fonds zeigen, dass er performen kann."

Investor-Info

Dirk Müller Premium Aktien
Der Sicherheitsfanatiker

Das A und O bei Müllers Aktienfonds ist die Absicherung. Wenn die Märkte nach unten kippen - oder vor Ereignissen mit unkalkulierbarem Ausgang -, sichert er seine Bestände mittels Futures ab. Der Fonds investiert in großkapitalisierte europäische und US-Unternehmen. 2018 konnte Müller mit seiner Strategie überzeugen. Bleiben die Märkte schwierig, könnte das weiter der Fall sein. Der Fonds ist jedenfalls ein Kandidat für die Watchlist.

Max Otte Vermögensbildung
Langfristig auf Kurs

Finanzprofessor Max Otte bringt die längste Erfahrung als Fondsmanager mit. Denn bereits seit 2008 lenkt er einen in Liechtenstein aufgelegten Fonds (PI Global Value), den er im Prinzip gleich wie den Max Otte Vermögensbildungsfonds managt. Die Wertentwicklung des PI-Fonds über zehn Jahre kann sich mit rund elf Prozent p. a. sehen lassen. Ottes Vermögensbildungsfonds ist nominell ein Mischfonds. In der Regel befinden sich aber nur Aktien darin. Von den Promis zeigte Otte bisher die konstanteste Leistung.

Der Zukunftsfonds
Anspruch (noch) nicht erfüllt

Zugegeben, 2018 war kein besonders günstiges Jahr für defensive Mischfonds wie diesen. Auch die Konkurrenz konnte nicht glänzen. Doch der Anspruch des Fonds ist es, eine renditestärkere Alternative zum Sparbuch zu bieten - mit zwei bis vier Prozent Plus p. a. über einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren. Diesem Anspruch wird das Portfolio bisher noch nicht gerecht. Interessenten sollten zunächst mal auf Erfolge warten. Dass diese publiziert werden, dafür dürfte Ex-"Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann mit Sicherheit sorgen.


Bildquellen: Max Otte, Dirk Müller
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