Berufliche Rückschläge bewältigen: Fehler verstehen, Auszeiten nutzen, neu starten

Rückschläge gehören zur Karriere - entscheidend ist der Umgang. Der Artikel zeigt, wie man Fehler, Auszeiten und Neuorientierungen nutzt, um gestärkt weiterzugehen und beruflich neue Wege zu finden.
Rückschläge einordnen: Emotionen zulassen, aber nicht steckenbleiben
Manchmal genügt ein einzelner Moment - ein geplatztes Projekt, eine Absage, ein Fehler - und der eigene Karriereweg fühlt sich plötzlich brüchig an. Solche Einschnitte gehören jedoch zum Berufsleben dazu und markieren oft nur eine vorübergehende Zäsur, nicht das Ende des Weges. Die Karrierebibel beschreibt Rückschläge als das Verfehlen eines wichtigen Ziels, das zunächst schmerzt, aber den nächsten Schritt nicht bestimmen muss.
Wichtig ist daher, die eigenen Emotionen nicht zu verdrängen. Enttäuschung, Wut oder Frust dürfen auftauchen und haben ihren Platz. Gleichzeitig sollte man sich nicht dauerhaft in ihnen verlieren - denn festgehaltene Wut verschleiert den Blick auf Lösungen, wie die Leadership-Expertin Emma-Isadora Hagen im Focus betont. Wer akzeptiert, dass ein Rückschlag keine endgültige Niederlage ist, kann ihn leichter als temporäre Herausforderung einordnen.
Hinzu kommt eine psychologische Verzerrung: Laut der Karrierebibel neigen wir dazu, die Intensität zukünftiger negativer Ereignisse zu überschätzen - ein Phänomen, das als Intensity Bias beschrieben wird. Rückschläge wirken dadurch oft größer, als sie tatsächlich sind. Umso wichtiger ist es, innere Ressourcen zu stärken: Selbstvertrauen, Optimismus und das Gefühl, das eigene Leben aktiv gestalten zu können.
Aus Fehlern lernen: Analyse, Growth Mindset und Job-Feintuning
Wenn der erste Schock nachlässt, beginnt die eigentliche Arbeit: zu verstehen, was den Rückschlag ausgelöst hat - und was man daraus mitnehmen kann. Eine sorgfältige Ursachenanalyse hilft, Klarheit zu gewinnen. Emma-Isadora Hagen (Focus) empfiehlt, nüchtern zu unterscheiden: Welche Faktoren lagen außerhalb der eigenen Kontrolle, und wo spielten Kommunikation, Vorbereitung oder Erwartungen eine Rolle?
Dabei ist es wichtig, Verantwortung zu übernehmen, statt in Schuldzuweisungen zu verfallen. Die Karrierebibel betont, dass das Zuschreiben von Schuld an andere bedeutet, ihnen auch die Macht über die Situation zu überlassen. Wer dagegen den eigenen Einfluss anerkennt, schafft die Grundlage für echte Veränderung.
Ein hilfreicher Ansatz ist das sogenannte Growth Mindset - die Überzeugung, dass Fähigkeiten durch Lernen und Anstrengung wachsen können. Hagen beschreibt diese Haltung als zentral, um Rückschläge nicht als Scheitern, sondern als Entwicklungschance zu begreifen. Dazu gehört, den Blick auf die eigenen Stärken zu richten und sich bewusst zu fragen: Was kann ich aus dieser Situation machen? Die Karrierebibel hebt hervor, dass diese innere Haltung Menschen resilienter und handlungsfähiger macht.
Eine praktische Umsetzungsmöglichkeit bietet Job Crafting: den eigenen Arbeitsalltag aktiv so zu gestalten, dass er besser zu individuellen Interessen, Stärken und Werten passt. Das kann bedeuten, bestimmte Aufgaben verstärkt zu übernehmen, die Rolle gemeinsam mit Vorgesetzten anzupassen oder Verantwortung dort zu suchen, wo Motivation entsteht - ein Ansatz, den Hagen ausdrücklich empfiehlt.
Gleichzeitig lohnt ein Blick auf das Umfeld. Hagen weist darauf hin, dass ein toxisches Team, destruktive Dynamiken oder fehlende Unterstützung eine Krise verstärken können. In solchen Fällen hilft es, das Netzwerk zu aktivieren: Menschen, die Feedback geben, Mut machen oder neue Perspektiven eröffnen, können entscheidend dafür sein, gestärkt aus einem Rückschlag hervorzugehen.
Geplante Auszeiten: Sabbatical & Co. als strategischer Karriere-Baustein
Manchmal entsteht Entwicklung nicht im Tun, sondern im bewussten Pausieren. Ein Sabbatical bietet genau diesen Raum: eine mehrmonatige Unterbrechung des Arbeitslebens, die in der Regel über ein angespartes Langzeitkonto finanziert wird. Haufe beschreibt diese Form der Auszeit als Chance, Abstand zu gewinnen, neue Erfahrungen zu sammeln und persönliche Themen - von Familie bis Weiterbildung - in den Vordergrund zu rücken.
Auch für Arbeitgeber kann eine solche Pause laut Haufe sinnvoll sein: Sie entlastet in ruhigeren Phasen, unterstützt die Bindung von Fachkräften und stärkt das Profil als moderner, mitarbeiterorientierter Betrieb. Entscheidend ist jedoch, klare Rahmenbedingungen zu vereinbaren: Dauer, Vergütung, Versicherungen sowie die Rolle, in die Beschäftigte nach ihrer Rückkehr zurückkehren.
Neben dem klassischen Langzeitkonto kommen auch Teilzeitmodelle mit Vorarbeit oder ein unbezahlter Urlaub infrage - jeweils mit unterschiedlichen Auswirkungen auf Einkommen und Sozialversicherung. Auszeiten lassen sich zudem gezielt dafür nutzen, über berufliche Ziele nachzudenken oder eine Weiterbildung vorzubereiten, wie Haufe betont. So wird eine Pause nicht zum Bruch, sondern zu einem durchdachten Bestandteil der eigenen Karriereentwicklung.
Neuorientierung & zweiter Karriereweg: systematisch planen statt hektisch flüchten
Ein beruflicher Neustart gelingt selten durch spontane Abbrüche, sondern durch klare Selbstreflexion. Hagen (Focus) betont, wie wichtig es ist, sich ehrlich zu fragen, was einen motiviert, welche Tätigkeiten leichtfallen und welche Werte wirklich zählen. Ein dauerhafter Konflikt zwischen persönlichen Bedürfnissen und Jobanforderungen führt langfristig fast immer zu Unzufriedenheit - hier kann Wertearbeit Orientierung geben.
Auch die eigene Leidenschaft ist ein hilfreicher Kompass: Aktivitäten, bei denen man die Zeit vergisst, lassen sich in Fortbildungen, Nebenprojekten oder ehrenamtlichen Aufgaben ausprobieren, um mögliche neue Richtungen zu testen, wie Hagen vorschlägt.
Für eine fundierte Neuorientierung bietet die Bundesagentur für Arbeit vielfältige Werkzeuge: Check-U und "New Plan" zur Stärkenanalyse, BERUFENET und die Fachkräfte-Engpassanalyse für realistische Berufsbilder sowie der Entgeltatlas für Gehaltsübersichten. Konkrete Wege in den zweiten Karriereweg reichen von Umschulung über Weiterbildung bis hin zum Quereinstieg - jeweils mit eigenen zeitlichen und finanziellen Rahmenbedingungen.
Neuaufstellung bedeutet nicht zwingend den großen Bruch. Oft lohnt ein seitlicher Schritt in einen anderen Fachbereich oder ein Arbeitgeberwechsel, um Erfahrungen zu erweitern. Wichtig bleibt auch die Kommunikation: Hagen betont, dass offene Gespräche - privat wie beruflich - Missverständnisse vermeiden und Veränderung erleichtern.
Redaktion finanzen.net
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