26.08.2017 08:00
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Krankenkassen mit prall gefüllten Geldbeuteln

Euro am Sonntag-Meldung: Krankenkassen mit prall gefüllten Geldbeuteln | Nachricht | finanzen.net
Euro am Sonntag-Meldung
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Gesundheit » Dank der guten Konjunktur haben jetzt viele Krankenkassen Überschüsse. Patienten bekommen trotzdem kein Geld zurück.
€uro am Sonntag
von Markus Hinterberger, €uro am Sonntag

Deutschlands gesetzliche Krankenkassen haben in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 1,4 Milliarden Euro an Überschüssen erwirtschaftet, das ist fast so viel wie im gesamten Jahr 2016. Insgesamt stieg das Finanzpolster aller Kassen auf über 17 Milliarden Euro. Dass die Zusatzbeiträge nun sinken, ist laut einer Umfrage von €uro am Sonntag unter Experten und ausgewählten Krankenkassen aber unwahrscheinlich.

"Diese Zahlen sind eine Momentaufnahme wegen der guten Situation am Arbeitsmarkt", so Wolfgang Greiner, Inhaber des Lehrstuhls für Gesundheits­ökonomie an der Uni Bielefeld. Bei den gesetzlich Versicherten ­gehen bis zur Beitragsbemessungsgrenze von 4350 Euro pro Monat derzeit 14,6 Prozent des Bruttoeinkommens an die jeweilige Krankenkasse; 7,3 Prozent davon zahlt der Arbeitgeber, die übrigen 7,3 Prozent sowie den von der Kasse festgelegten Zusatzbeitrag von im Schnitt 1,1 Prozent zahlt der Versicherte. Je mehr Menschen in Lohn und Brot stehen, desto höher sind auch die Einnahmen der Krankenkassen. "Die Kassen werden die Überschüsse allerdings nicht ausschütten oder günstiger werden, sondern sparen, um zukünftig steigende Zusatzbeiträge zu vermeiden", so Greiner.

Milliarden ungleich verteilt
Mittelfristig rechnet der Kassenkenner dennoch mit steigenden Zusatzbeiträgen. "Es wird bei einigen Kassen zu Erhöhungen kommen - bei kleineren, aber vielleicht auch bei einigen Ersatzkassen", prognostiziert er. Das liege auch daran, dass die Überschüsse ungleich verteilt seien. "Vor allem die AOK muss derzeit wenig Geld für Leistungen ausgeben, weil mehr jüngere, gesündere Menschen Neumitglieder bei ihr werden", so Greiner.

"Die Kassen sind in einer schwierigen Situation", sagt Thomas Adolph vom Portal ­Kassensuche.de. "Sie können nie wissen, ob die Politik neue Gesetze beschließt, die sie zu neuen Ausgaben zwingen." Björn Hansen, Chef der BKK Wirtschaft und Finanzen, warnt davor, die gute Kassenlage überzubewerten. "Die 17 Milliarden Euro an Überschüssen entsprechen dem, was alle Kassen innerhalb eines Monats ausgeben." Laut Gesetz müsse jede Kasse die Ausgaben eines Monats als Puffer vorhalten.

Auch wenn die BKK Wirtschaft und Finanzen nach eigenen Angaben einen Überschuss erzielt hat, will Hansen keine Aussage zum Zusatzbeitrag machen. Gleiches gilt für die Techniker Krankenkasse. "Die Leistungsausgaben entwickeln sich im Moment etwas besser als prognostiziert", so eine Sprecherin. Ob die Beiträge steigen, steht erst Ende des Jahres fest. Vorher wird der Schätzerkreis der gesetzlichen Krankenkassen eine Empfehlung abgeben, an die sich klamme Kassen aber nicht halten müssen. Gesetzlich Versicherte können binnen weniger Monate die Kasse ohne große Hürden wechseln.

Was Krankenkassen kosten, lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von €uro am Sonntag, Nummer 34/2017, die jetzt im Handel erschienen ist!

Bildquellen: Fernando Madeira / Shutterstock.com, 360b / Shutterstock.com

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