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09.02.2019 01:00
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Crowdinvesting im Test: Was die Plattformen den Anlegern bieten

Euro am Sonntag-Service: Crowdinvesting im Test: Was die Plattformen den Anlegern bieten | Nachricht | finanzen.net
Euro am Sonntag-Service
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Fast 300 Millionen Euro flossen 2018 über Plattformen für Schwarm-Finanzierung in Immobilien, Start-ups und Energieträger. Das war Rekord. Unser großer Test zeigt, was die Anbieter können.
€uro am Sonntag
von Bernhard Bomke, Euro am Sonntag


Als im Dezember bekannt wurde, dass der Onlinehändler Von Floerke offenbar mit überhöhten Umsatzzahlen um Kleinanleger geworben hatte, die nun schlimmstenfalls mit dem Totalverlust rechnen müssen, war das für die Zeichner eine alarmierende Nachricht. Sie hatten im Sommer 2017 über die Crowd­investing-Plattform Kapilendo gut 1,2 Millionen Euro bereitgestellt.


Die siebenstellige Summe hat die Funktion eines Nachrangdarlehens und soll fünf Jahre lang mit jährlich neun Prozent verzinst werden. Eine solch hohe Ver­zinsung ist selbst in der noch vergleichsweise jungen Anlagewelt des Crowd­investings ein hoher Wert - so hoch, dass Anleger wissen sollten, dass sie ein deutlich erhöhtes Risiko eingehen. Die Frage ist nur: Wissen sie das?

In diesem Fall hatte das vom Anlegerschützer Stefan Loipfinger betriebene Portal Investmentcheck geringe Transparenz moniert. Doch die Anleger, die mindestens 100 Euro mitbringen mussten, stellten die 1,2 Millionen Euro binnen weniger Wochen zur Verfügung. Das ist durchaus typisch. Der Schwarm (Crowd) findet sich schnell zusammen und zieht rasch weiter zum nächsten ­Investment, bei dem die Anleger mit 50, 100 oder 250 Euro mit dabei sind.

650 Millionen Euro von der Crowd

2018 war das mit Abstand stärkste Crowdinvesting-Jahr in Deutschland. Nach Zahlen von Crowdfunding.de flossen fast 300 Millionen Euro von Privatanlegern in Immobilien, Unternehmen und in den Bereich Energie und Umwelt, also vor allem in erneuerbare Energien. Größter Anbieter war Exporo mit 129 Millionen Euro. Seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2011 kamen über 650 Millionen Euro an Schwarmfinanzierungen zusammen. In die Crowd-­Statistik wird aufgenommen, was eine Mindestbeteiligung von höchstens 1000 Euro hat, erklärt Michel Harms, Herausgeber von Crowdfunding.de.

Fälle wie der des Accessoires-Händlers Von Floerke, gegen deren Gründer mittlerweile die Bonner Staatsanwalt wegen Insolvenzverschleppung ermittelt, ließen sich "letztlich nicht ausschließen", erklärt Johannes Ranscht. Er ist Geschäftsführer von gleich drei Plattformen für Crowdinvesting: Seedmatch (Unternehmen), Mezzany (Immobilien) und Econeers (Energie). Ranscht beschreibt, wie der Prozess läuft, ehe zum Beispiel die Plattform Seedmatch, über die bereits mehr als 42 Millionen Euro eingesammelt wurden, die Finanzierung eines Unternehmens über die Crowd anbietet.

Und der geht so: Die Firma bewirbt sich bei der Plattform, stellt - sofern es keine Neugründung ist - einen Jahresabschluss zur Verfügung, und Seedmatch prüft die Unterlagen. Zudem wird externe Expertise, unter anderem die eines Steuerberaters, hinzugezogen. "Wir treffen die Auswahl sehr sorgfältig", betont Ranscht, "aber wenn jemand ein Dokument fälscht, sind uns die Hände gebunden."

Doch auch ohne kriminelle Energie gehört das Risiko zum Geschäft, wenn Anleger beim Crowdinvesting dabei sind. Ranscht hat 70 der von Seedmatch finanzierten Investments analysiert und kommt zum Schluss: "Wir haben 20 Prozent Top-Performer, die durch die Decke gehen." Das heißt, die Unternehmen werfen mitunter deutlich höhere Renditen ab als erwartet. 40 Prozent ordnet er als solide Performer ein. Sie bringen überschaubare Renditen. Der große Rest macht eher schlechte Laune. Ranscht formuliert es so: "Bei weiteren 40 Prozent ist gehörig was schiefgelaufen." Damit machen die Investoren also ein Minus.

Der Seedmatch-Chef hat einen Tipp für Anleger, die beim Crowdinvesting mitmischen wollen: "Wir raten jedem, der 1000 Euro anlegen will, das Geld auf vier Projekte zu verteilen. Dann ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich groß, einen Top-Performer zu erwischen." Dieser ziehe dann die Gesamtperformance entscheidend nach oben.

Unternehmen kommen für Seedmatch unter anderem dann in Betracht, wenn die benötigte Summe zwischen 100 000 Euro und 2,5 Millionen Euro liegt. Die Obergrenze hat damit zu tun, dass laut Anlegerschutzgesetz erst ab 2,5 Millionen Euro Fundingsumme ein umfassender Prospekt erstellt werden muss. Unternehmen, die unter dieser Grenze bleiben, müssen nur ein paar ­Informationen im Umfang eines Zweiseiters zur Verfügung zu stellen.

27 Plattformen im Check

Angesichts des stark gestiegenen Interesses von Privatanlegern hat das Deutsche Kundeninstitut (DKI) für €uro am Sonntag einen ersten Test "Beste Crowdinvesting-Plattform" gemacht. Die Düsseldorfer prüften, was sich bei dieser Investmentspezies auf dem etwas unübersichtlichen Markt sinnvoll testen lässt. Sie konzentrierten sich beim Check von 27 Plattformen auf die Aspekte Konditionen, Produktangebot und Kundenservice.

Bei den Konditionen beschränkt sich der Test zum Beispiel auf die Basisver­zinsung der Angebote. Das führt dazu, dass die Renditewerte im Vergleich zu manch anderen Veröffentlichungen bisweilen niedrig erscheinen. Um größtmögliche Vergleichbarkeit herzustellen, sah das DKI davon ab, Renditeelemente wie in Aussicht gestellte Erfolgsbeteiligungen einzubeziehen. Neben der Basisverzinsung warfen die Tester in der Rubrik Konditionen unter anderem einen Blick auf Gebühren, Mindestanlagebeträge und Investitionslaufzeiten.

In der Disziplin Produktangebote schauten die Prüfer auf die Projekt­typen, die Einzahlungsmöglichkeiten, den Modus der Zinszahlungen und ­Tilgungszeiträume, die verschiedenen Anlagemodelle (Nachrangdarlehen, partiarisches Nachrangdarlehen, Unternehmenskredit et cetera) sowie da­rauf, ob das Geld für die Projekte auch wirklich eingesammelt wurde (siehe Tabelle "Die Anbieter und ihre Projekte"). Zudem wurde auch noch gecheckt, wie es um den Service für die Kunden steht (Kompetenz, Freundlichkeit, Tempo).

Testsieger wurde der Unternehmens- Crowdfinanzierer Kapilendo. Der Anbieter hat zwar den Ärger mit Von Floerke, doch im Test landete er mit der Note "sehr gut" auf Platz 1 - vor fünf weiteren Anbietern, welche die Bestnote erzielten. Die Tester überzeugten neben den vergleichsweise hohen Ba­sisverzinsungen von durchschnittlich 6,9 Prozent per annum in den vergangenen drei Jahren unter anderem zahlreiche Angebotsdetails.

Auf der Plattform fand das DKI eine große Anzahl von Projekten, sodass Investoren eine nennenswerte Auswahl haben. Zudem wissen die Anleger bei jedem Projekt, um welches Unternehmen es geht. Blindpools oder Semi-Blindpools gibt es dort nicht. Obendrein überlässt Kapilendo den Anlegern in einer ganzen Reihe von Fällen die Wahl des Anlagemodells. Das heißt, sie können sich entscheiden, ob sie ein Nachrangdarlehen, ein partiarisches Nachrangdarlehen (mit Beteiligung am Unternehmenserfolg) oder eher so etwas wie ein Bankdarlehen stellen wollen.

Bis zu zwölf Prozent Basiszins

Positiv werteten die Tester die niedrige Einstiegshürde von 100 Euro sowie die als überschaubar eingestufte Dauer von einem Jahr bis zu fünf Jahren, über die das eingesetzte Kapital gebunden ist. Auch beim Kundenservice punktete Kapilendo. Für Freundlichkeit wurde die Note 1,9 vergeben, für Kompetenz und Hilfsbereitschaft 2,0 und 2,2.

Mit der Gesamtnote "befriedigend" landete die von Ranscht geführte Plattform zur Unternehmensfinanzierung Seed­match auf dem letzten Platz. Die Dresdner fielen den Testern mit einer vergleichsweise niedrigen jährlichen Basisverzinsung von 2,4 Prozent auf. Die Einstiegshürde von 250 Euro ordnete das DKI als eher hoch ein, und die Dauer von vier bis fast elf Jahren, in denen das Kapital gebunden ist, liegt deutlich über dem Durchschnitt der Konkurrenz.

Positiv fiel hingegen die Möglichkeit ins Gewicht, Zinsgutschriften in diversen Rhythmen vornehmen zu lassen: halbjährlich, jährlich oder endfällig. In der Sparte Kundenservice sicherte sich Seedmatch für Freundlichkeit, Kompetenz und Hilfsbereitschaft gute Noten. Auf der Internetseite bemängelten Testpersonen allerdings die als reduziert empfundenen Informationen zu den einzelnen Beteiligungsmodellen.

Was fiel beim Test ansonsten auf? Den höchsten durchschnittlichen Zinssatz in den vergangenen drei Jahren bot mit 7,33 Prozent per annum der Energie-Crowdfinanzierer Bettervest. Als Höchstwert machte das DKI eine Beteiligung via Bettervest aus, die zwölf Prozent Basiszins im Jahr bietet. Schlusslichter sind hier Seedmatch und Green Rocket. Sie gingen in jeweils mindestens einem Fall mit einem zugesagten Basiszins von einem Prozent per annum ins Rennen. Generell ist die Spanne der Renditen in den Bereichen Energie und Unternehmen deutlich größer als bei Immobilien. Letztere sind für Renditen von 3,8 Prozent (Wiwin) bis zu 7,6 Prozent (Exporo) im Jahr gut.

Keine obligatorischen Gebühren

"Positiv fällt auf, dass keiner der Anbieter obligatorische Gebühren erhebt", so DKI-Chef Jörn Hüsgen. Der Test brachte zudem zutage: 25 der 27 getesteten Plattformen wollen von den Investoren eine Selbstauskunft. Doch das gilt je nach Anbieter erst ab bestimmten ­Beteiligungshöhen. So verlangt Exporo, Marktführer im Bereich Immobilien, die Auskunft erst ab 10.000 Euro.

Große Unterschiede zwischen den Angeboten gibt es obendrein bei der Anlagedauer und den Summen, welche die Crowds jeweils berappen sollen. Extrem kurz ist die Laufzeit bei einem Angebot von Companisto (Immobilien). Hier sind die Anleger nur zwei Monate dabei. Eine vergleichsweise geringe Anlagedauer bieten mit nur zwölf Monaten auch Angebote von Bettervest, Kapilendo, Leih­Deiner­UmweltGeld und Moneywell. Auf der anderen Seite fiel ein Projekt von LeihDeinerUmweltGeld auf, das über 15 Jahre läuft.

Das geringste Zielvolumen hatte ein Angebot von FunderNation. Hier ging es um 10.000 Euro. Das entspricht nach einer Rechnung von Sky Sport dem, was Starkicker Cristiano Ronaldo in 50 Minuten kassiert. Deutlich höher liegt das Ziel von 7,5 Millionen Euro, das sich Immobilienfinanzierer Companisto in einem Fall gesetzt hatte. Die Crowd soll dafür mindestens vier Prozent im Jahr kassieren. Immerhin.

So wurde getestet:

Methode: Das Deutsche Kundeninstitut (DKI) testete 27 Anbieter von Crowd­investing-Plattformen auf rund 200 Einzelkriterien in den Bereichen Konditionen, Produktangebot und Kundenservice. Dazu wurden im vierten Quartal 2018 am Telefon und per E-Mail 710 Testkundenkontakte zu den Anbietern hergestellt. Zudem gingen Fragebögen an die Anbieter und ihr Internetauftritt wurde gecheckt. In dem Test wurde nicht zwischen den ­verschiedenen Anlageformen (Crowdlending, Crowdfunding et cetera) mit ihren typischerweise variierenden Auszahlungsvarianten unterschieden.

Kategorien: Im Test wird zwischen den Kategorien Energieträger-, Unternehmens- und Immobilienfinanzierung unterschieden. In diesen drei Gebieten machen die Anbieter das Gros des Geschäfts. Viele Akteure beschränken sich auf eine Kategorie, einige wenige bieten alle drei an.

Punkte: In die Gesamtnote sind zu jeweils 40 Prozent die Punkte aus den Bereichen Konditionen und Produktangebot eingeflossen. Die Qualitäten im Kundenservice gewichtete das DKI mit einem Anteil von 20 Prozent. Die Unternehmen FunderNation und Companisto konnten mangels geeigneter Informationen im Bereich Konditionen in den Kategorien Energieträger- und Unternehmensfinanzierung nicht gewertet werden.

Die Test-Ergebnisse

Im Überblick: Gesamtwertung und bester Service (PDF)

Die Ergebnisse in den einzelnen Kategorien (PDF)

Die Anbieter und ihre Projekte (PDF)







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Bildquellen: iStock, 123RF
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