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12.01.2019 10:54
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Heller & Kollegen: "Wer flexibel ist, profitiert auch 2019"

Euro am Sonntag-Exklusiv: Heller & Kollegen: "Wer flexibel ist, profitiert auch 2019" | Nachricht | finanzen.net
Euro am Sonntag-Exklusiv
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Das vergangene Jahr brachte herbe Kursverluste. Vier prominente Investmentprofis erklären, wie in diesem Jahr Handelskonflikt und Brexit auf die Märkte wirken, was von Konjunktur und Börse zu erwarten ist - und mit welchen Investments Anleger die beste Rendite erzielen.
€uro am Sonntag

Börsenumfeld

Leserfrage: Was erwarten Sie für das Aktienjahr 2019?
Gottfried Heller:
Wenn man zurückblickt, waren die Prognosen für das Jahr 2018 geradezu überschäumend voller Optimismus - und das war übertrieben. Denn im Lauf des Jahres hat sich gezeigt, dass es ein recht holpriges Jahr wird, wie ich es übrigens vorausgesagt habe. Dass es sich aber so zuspitzen würde, war dann doch überraschend. Ich investiere grundsätzlich antizyklisch, und bei den derzeitigen Bewertungen neige ich zum Kauf, trotz der starken Schwankungen, die auch 2019 wegen Brexit & Co zu erwarten sind. Man findet dann auch immer günstige Gelegenheiten, um antizyklisch einzusteigen.



Herrscht Ihrer Meinung nach bereits Panik am Markt oder steht der Ausverkauf noch an?
Robert Greil:
An der Wall Street stieg die Volatilität um Weihnachten sprunghaft an - allerdings bei nicht sehr hohen Umsätzen, was keine breite Panik darstellt. In Europa ist die Nervosität auch gestiegen, die Börsen sind hier aber noch lange nicht so volatil wie im Februar 2018, sprich nicht panisch. Wir rechnen 2019 mit keiner Rezession, ein Crash ist unwahrscheinlich. Der Druck auf die Märkte könnte aber anhalten, auch weil die Notenbanken jetzt dem Markt Liquidität entziehen. Damit wird es für alle Anlageklassen schwieriger.


Wo sehen Sie den DAX Ende des Jahres?
Klaus Kaldemorgen:
Solche Prognosen sind immer schwierig. Aber ich würde ihn ein gutes Stück höher sehen als im Augenblick - jenseits der 10.000 Punkte. Mein Argument ist, dass viele DAX-Titel 2018 mehr als 30 Prozent verloren haben. Selbst wenn man 2019 von einem sehr schwierigen wirtschaftlichen Umfeld ausgeht, kann man der Meinung sein, dass das schon in den Kursen enthalten ist. Deshalb neige ich im Augenblick dazu, etwas optimistischer ins neue Jahr zu blicken. Und gerade die deutschen Unternehmen sind stark genug, um sich auch in einem schwierigen Umfeld zu behaupten.
Greil: Das Umfeld bleibt unsicher, die Konjunkturtrends werden weltweit moderater. Hinzu kommen politische Unsicherheitsfaktoren wie die Handelskonflikte rund um die USA oder die Brexit-Saga. Wir rechnen deshalb mit signifikant schwankenden Aktienmärkten. In der Spitze kann es dabei im Jahresverlauf durchaus um 15 bis 20 Prozent nach unten gehen, ich halte aber auch zwischenzeitliche Anstiege vom aktuellen Niveau von zehn bis 15 Prozent für möglich. Am Jahresende 2019 dürften wir die Aktienmärkte am ehesten in etwa auf dem heutigen Stand sehen.

Welche Entwicklung erwarten Sie 2019 an den Finanzmärkten im Hinblick auf Handelsstreit, Brexit und Italien?
Kaldemorgen:
In der Tat müssen wir uns 2019 mit einer Reihe von Problemfeldern auseinandersetzen. Doch ich gehe nicht davon aus, dass die Börse von allen genannten Themen gleichermaßen betroffen sein wird. Unter einigen Problemen wird sie dennoch zu leiden haben. Deshalb werden sich die Kursgewinne 2019 vermutlich in engen Grenzen halten. Das "Gute" ist: Wir werden sehr starke Schwankungen an den Börsen sehen. Denn es wird immer wieder Zeiten geben, in denen der Pessimismus überwiegt, und Zeiten, in denen die Investoren optimistischer sind. Flexible Anleger können durchaus von diesen Stimmungsschwankungen profitieren.


Sehen Sie die Gefahr einer Rezession?
Heller:
Dass es eine Rezession geben sollte, halte ich für sehr unwahrscheinlich. Eine Rezession wäre erst dann wahrscheinlich, wenn es vorher einen deutlichen Konjunkturboom gegeben hätte, die Inflation dabei stark gestiegen wäre und die Notenbanken mit hohen Zinsen dagegenhalten müssten. Die Inflation ist aber bislang nicht stark gestiegen, sondern verläuft mit rund zwei Prozent noch in geordneten Bahnen.

Wie ist Ihr wirtschaftlicher Ausblick?
Kaldemorgen:
Wenn wir von den politischen Problemen einmal absehen, wird sich die Wirtschaft insgesamt und insbesondere die europäische Wirtschaft deutlich schwächer entwickeln als in den Vorjahren. Das drückt natürlich auf die Stimmung an den Börsen. Das heißt, wir werden 2019 vor allem darauf achten müssen, welche Unternehmen die Kosten gut im Griff haben. Es wird keine großen Umsatzsteigerungen geben. Doch bei Unternehmen mit Kostendisziplin kann ich mir auch weiterhin Kurszuwächse vorstellen, selbst im Fall mäßig steigender Gewinne.

Rechnen Sie mit einem unkontrollierten Brexit, und was würde das für die Märkte bedeuten?
Greil:
Alle Beteiligten wissen, welche Risiken das birgt. Also wird man sich im Zweifel zusammensetzen und notfalls versuchen, in letzter Minute einen Minimalkonsens auszuhandeln, der das Schlimmste verhindert. Allerdings sorgt der Brexit jetzt schon für große Unsicherheit. Statt zu investieren, arbeiten die Unternehmen an Notfallplänen. Das bremst die Wirtschaft in Großbritannien. Und in Deutschland, dessen fünftgrößter Exportmarkt das Königreich ist.

Wie geht es mit dem Zollstreit weiter?
Heller:
Die Zwischenwahlen haben eine Pattsituation geschaffen, da die Demokraten das Repräsentantenhaus mit klarer Mehrheit zurückerobert haben. Sie können alles blockieren, und Trump kann nicht mehr schalten und walten, wie er will. Das gilt auch für den Handelsstreit mit China. Statistisch gesehen waren solche Patts immer die besten Börsenjahre. Ebenso waren die dritten Jahre einer Präsidentschaft immer die besten Börsenjahre. Das sind zwei Punkte, die dafür sprechen, dass sich 2019 die Börsen wieder fangen, wenn die Brexit-Hürde übersprungen ist.

Eskaliert der Haushaltsstreit in Italien oder der Protest in Frankreich?
Heller:
Ich glaube, dass die Krisenherde Italien und Frankreich sich wieder beruhigen. Die Protestwelle in Frankreich läuft nach den Zugeständnissen von Macron vermutlich bald aus. In Italien wird es einen Kompromiss mit der EU zur Verschuldung geben.

Welches sind die größten Unsicherheitsfaktoren im kommenden Jahr?
Greil:
Der größte Risikofaktor ist neben einer noch stärkeren Konjunkturabschwächung der Handelskrieg zwischen China und den USA, gefolgt vom Brexit. Das Thema ist am schwierigsten zu greifen. Trump scheint in Wahlkampfdimensionen zu denken. Wenn man das unterstellt, dann bringt ihm eine Einigung mit China, und möglicherweise auch mit den Europäern, erst im US-Wahljahr 2020 etwas. Das macht mich skeptisch, ob sich vor der Deadline 1. März tatsächlich etwas Entscheidendes bewegt und ein umfassender Deal schon zu diesem Datum ansteht. Es wäre schon ein Erfolg, wenn die bestehenden Zölle nicht ausgeweitet würden.

Müssen wir uns auf ein Umfeld steigender Zinsen einstellen?
Kaldemorgen:
2019 könnte es einen Wirtschaftsabschwung geben, der stärker als erwartet ist. Auch wie der Handelskonflikt zwischen China und den USA ausgeht, ist ungewiss. Das positive Element dabei: Vor steigenden Zinsen müssen wir uns wohl nicht fürchten. In Europa werden die Zinsen niedrig, wenn nicht auf der Nulllinie bleiben. Und auch in den USA werden sie vermutlich nicht sehr viel weiter steigen. In einem solchen Umfeld ist man mit Aktien eigentlich nicht schlecht bedient. Am Ende des Tages haben Sie wenigstens die Dividendenrendite, die Sie ein wenig nach unten abfedert.

Aktienstrategie

Die Aktienmärkte haben stark korrigiert, soll ich jetzt einsteigen?
Greil:
Wir raten zur Vorsicht. Die Konjunkturschätzungen werden gerade in Europa und den USA, aber auch in Asien nach unten korrigiert. Die Gewinnschätzungen folgen in aller Regel etwas verzögert. Derzeit werden für 2019 im Schnitt in Europa und den USA noch Gewinnsteigerungen von knapp neun Prozent erwartet, in Japan elf Prozent, in den Schwellenländern zehn. Vor allem in Europa, aber auch in den USA, wird dieser Gewinnkonsens unserer Meinung nach noch auf etwa fünf bis sechs Prozent korrigiert werden. Wir sind deshalb vorsichtig, was Bewertungskennzahlen wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis angeht. Die Stimmung und die Charttechnik sind ebenfalls negativ.

Kann ich in den nächsten ein bis zwei Quartalen Positionen aufbauen?
Heller:
Ja, das können Sie. Derzeit steht aber noch ein großer Stolperstein im Weg: der Brexit. Wenn es bis zum 21. Januar zur Abstimmung kommt und Theresa Mays Plan durchfällt, wird es zunächst kein Abkommen geben. Dann könnten die Börsen sehr nervös reagieren. Speziell in Europa, weil Europa stark betroffen ist, und Deutschland am meisten. Man wird aber dann irgendeine Lösung finden, etwa indem man den EU-Verbleib der Briten verlängert, um Zeit zu gewinnen und doch noch ein Abkommen abzuschließen. Nur bei einem Austritt ohne Abkommen könnte es tatsächlich zu einer Rezession kommen, aber das wird man nicht riskieren. Für Investments würde ich also noch warten, bis die Brexit-Hürde übersprungen ist, aber dann kann man, glaube ich, schon mal einsammeln.

Ich beschäftige mich seit zehn Jahren mit der Börse. Ich halte Einzelwerte, Fonds und Sparpläne, die ich regional und nach Branchen diversifiziert habe. Wie sehen Sie 2019 und vielleicht auch 2020 mit Blick auf die Finanzmärkte?
Greil:
Je weiter der Prognosehorizont reicht, desto schwieriger wird es, insofern bin ich froh, wenn ich für 2019 richtig liege (lacht). Wir sind für 2019 ziemlich vorsichtig. Was wir sehen, ist eine globale Wachstumsverlangsamung, aber keine Rezession, keine Katastrophe. Die Marktschätzungen für das Wachstum sinken, am stärksten für Europa und die USA. Zeitverzögert werden die Aktienanalysten ihre Gewinnschätzungen weiter senken. Das begann im Oktober und wird auch noch eine Weile anhalten. Das relativiert die scheinbar oft günstigen KGV-Bewertungen. In dieser rückläufigen Phase sind die KGVs auch nicht der beste Ratgeber für Käufe. Es wird 2019 etwa darauf ankommen, zum richtigen Zeitpunkt auf die richtigen Branchen zu setzen und gutes Stockpicking zu betreiben.


Soll ich jetzt in den DAX einsteigen?
Heller:
Der DAX ist nicht nur einer der schwankungsreichsten Indizes der Welt. Er ist vor allem auch ein schlechter Orientierungswert, weil er voll ist von Auto- und Finanzwerten, aber Wachstumswerte weitgehend fehlen. Er ist ein Industrieindex mit vorwiegend veralteten Industrien, deswegen würde ich bei Investments in Deutschland eher den MDAX oder TecDAX anschauen mit ihren wachstumsstärkeren Titeln. Die Ursünde der Deutschen ist, dass sie immer nur in den DAX investieren wollen und dadurch ein völlig verzerrtes Bild von der Welt bekommen, die bei Weitem nicht so volatil ist.

In welche Aktienpositionen würden Sie in diesem Jahr investieren?
Heller:
Ich würde vor allem Value- und Nebenwerte nehmen, und die deckt man am besten über ETFs ab. Bei den defensiven Titeln würde ich zudem auf eine hohe Dividendenrendite achten, die etwa bei BASF derzeit bei gut fünf Prozent liegt, im DAX im Schnitt bei 3,3 Prozent. Das ist viel, wenn man bedenkt, dass man bei zehnjährigen Bundesanleihen gerade mal 0,25 Prozent bekommt. Man sollte außerdem die Emerging Markets im Blick haben, aber ebenfalls nicht durch Einzeltitel oder einzelne Länder, sondern global über ETFs. Nur auf China zu setzen, wäre beispielsweise wegen des Zollstreits mit den USA zu riskant. Da ist nur vorübergehend etwas Ruhe eingekehrt.

Ich habe viele deutsche Nebenwerte, die zuletzt schlechter gelaufen sind. Muss ich 2019 auf Bluechips setzen?
Greil:
Wir haben in Deutschland zwar viele gute mittelständische Firmen. Ich glaube aber, dass US-Small- und -MidCaps 2019 besser laufen. Warum? Weil die US-Wirtschaft wesentlich binnenorientierter ist als die Europas. Daher haben kleinere und mittelgroße amerikanische Firmen weniger Probleme mit Zöllen und dergleichen. In Europa ziehe ich in der aktuellen Marktphase Bluechips vor.

Ich investiere in Aktienfonds. Zu welchen Fonds würden Sie mir grundsätzlich raten?
Kaldemorgen:
Sie können zum Beispiel einen Fonds nehmen, der weltweit auf unterbewertete Aktien, sogenannte Value-Titel, setzt. Dazu könnten Sie ein Portfolio kombinieren, das in globale Wachstumswerte investiert. Damit haben Sie eine ganz gute Mischung, unabhängig davon, wie sich die Börsen 2019 entwickeln. Wenn Sie noch einen dividendenlastigen Fonds hinzunehmen, sind Sie im Aktienbereich meiner Meinung nach gut aufgestellt.

Welche Branchen würden Sie mir als Aktienanleger 2019 empfehlen, wo soll ich Schwerpunkte setzen?
Greil:
Wir raten derzeit überwiegend zu defensiveren Branchen. Während bei Energiewerten nach dem jüngsten Einbruch bei den Ölpreisen die Luft schon etwas raus ist, bleiben Pharmaaktien interessant. Sie sind klassisch defensive Papiere, die auch in den kommenden Monaten besser laufen sollten als der Markt. Der ganze Gesundheitsbereich ist auch langfristig ein Megatrend. 2019 dürfte es aber auch Zwischenerholungen geben, in denen Zykliker gut laufen.

Können Sie für Investments in Deutschland bestimmte Branchen oder Einzelwerte empfehlen?
Heller:
Pharmaunternehmen halte ich grundsätzlich für vielversprechend. Bei Value-Titeln kommen auch Versorger infrage, allerdings nicht die deutschen, denn die haben immer noch das komplexe Problem mit der Energiewende. Banken würde ich in Deutschland nicht anfassen, breiter aufgestellte Versicherungen dagegen schon.

Was halten Sie von Technologiewerten, soll ich nach den Kursverlusten jetzt einsteigen?
Heller:
Technologiewerte sind langfristig zwar wichtig und ertragreich, sie haben aber jahrelang nur Zuflüsse gehabt und sind deshalb auch zunehmend in schwächere Hände geraten, weshalb sie jetzt auch so stark korrigieren. Da war viel Schaum drauf. Technologieaktien würde ich also derzeit nur sehr selektiv kaufen. Von Amazon etwa mit einem KGV von 100 würde ich derzeit die Finger lassen.
Greil: Insgesamt ist das Umfeld noch unsicher, die Gewinnerwartungen werden auch hier noch sinken. Langfristig gehören Technologiewerte aber in jedes Depot. Nicht nur amerikanische, auch asiatische Technologiewerte, denn hier hat der Markt bereits noch deutlicher korrigiert als in den USA. Für langfristig orientierte Anleger könnten beispielsweise chinesische Internetwerte interessant werden.

Durch die starken Kursrückgänge gibt es zahlreiche Übernahmespekulationen, etwa bei Covestro, Scout24, Leoni oder Osram. Halten Sie es für sinnvoll, auf diese Übernahmekandidaten zu setzen?
Heller:
Das halte ich für sinnvoll, weil es absolut vorstellbar ist, dass angesichts der niedrigen Bewertungen beispielsweise Private-Equity- Fonds, aber auch Konkurrenzunternehmen verstärkt in solche Werte investieren.

Autowerte sind unter die Räder gekommen, die Dividendenrenditen sind aber teils sehr attraktiv. Soll ich einsteigen?
Greil: Der Dieselskandal ist hier eines, aber nicht das Hauptthema. Die Autokonjunktur hat ihren Zenit überschritten, das gilt für die USA genauso wie für Europa und China. Die besten Zeiten beim Absatz sind zunächst einmal vorbei. Zugleich müssen die Unternehmen sehr hohe Investitionen etwa in die E-Mobilität tätigen. Die großen deutschen Konzerne können sich das leisten. Aber wenn das Geschäft nachlässt und zugleich immer mehr investiert werden muss, drückt das die Gewinne. Daher bleiben wir, auch wenn schon einiges in den Kursen der Autoaktien eingepreist ist, vorsichtig und investieren sehr selektiv.

Ich interessiere mich für Bankaktien, die sind sehr stark gefallen, die Zinsen könnten 2019 aber steigen. Was halten Sie davon?
Greil:
Viele europäische Banktitel sind zwar günstig, wenn man sich gerade Substanzbewertungskennzahlen anschaut. Aber die voraussichtlich nur etwas steiler werdende Zinsstrukturkurve wird 2019 kaum die großen Gewinnsprünge ermöglichen. Zudem liegt konjunkturseitig das Beste wohl hinter uns, womit wir den Boden bei den Wertberichtigungen gesehen haben dürften.

Was erwarten Sie 2019 konkret für die Emerging Markets?
Heller:
Die sehe ich positiv. Außer Problemkindern wie Argentinien oder der Türkei sind viele Länder heute besser strukturiert, sie sind reifer und stabiler geworden und nicht mehr so hoch verschuldet. Vom Kapitalmarkt her sind sie aber doppelt geprügelt worden - von der Kurs- und von der Währungsseite her. Als es abwärts ging, hatten sie einen doppelten Hebel nach unten, während es umgekehrt mit doppeltem Hebel wieder nach oben geht. Technisch gesehen habe ich das Gefühl, dass wir bei den Emerging Markets derzeit eine Bodenbildung sehen.

Gold

Die Börsen sind sehr unsicher geworden. Was ist Ihre Meinung zum Goldpreis in diesem Jahr?
Greil:
Bei Gold sind wir verhalten optimistisch. Es ist die klassische Fluchtanlage, wenn es schwieriger an den Märkten wird. Gold läuft auch gut, wenn die Inflation anzieht. Das sehen wir aber in den kommenden Monaten kaum, weil etwa die Ölpreise stark gefallen sind. Was mich skeptisch macht, ist der nur verhaltene Anstieg des Goldpreises in den vergangenen vier Monaten trotz der politischen Unsicherheiten. Wir gehen bis Mitte 2019 von einem Preis von 1.300 US-Dollar pro Unze aus, was immerhin eine leicht positive Entwicklung wäre.
Kaldemorgen: Zunächst einmal glaube ich, dass Gold ein guter Bestandteil für jedes Portfolio ist. Sie sollten es als alternative Währung betrachten gegenüber dem Euro oder US-Dollar. Wenn Sie Gold mal nicht in Dollar, sondern in Euro rechnen, war der Preis erstaunlich stabil und wies über die Jahre meist eine leicht positive Wertentwicklung auf. Gold bringt Ihnen einfach etwas Ruhe ins Depot.
Heller: Angesichts der Vielzahl der weltweiten Probleme und der verbreiteten Unsicherheit hätte Gold eigentlich viel stärker steigen müssen. Es hat sich aber kaum bewegt. Denn Gold profitiert zwar von Pestilenz und Cholera, braucht aber auch etwas Inflation, die sich derzeit aber in Grenzen hält. Ich betrachte Gold immer als totes Metall, bin selbst nicht in Gold investiert. Gold ist riskant. Aber als letzte Art von Sicherheit, wenn alles zugrunde geht, könnten ein paar Goldmünzen auf den einen oder anderen wirken wie ein Aspirin im Nachtkästchen. Ich würde aber nie in großem Stil in Gold investieren. Metall bringt keine Rendite und verursacht auch noch Lagerkosten. Als Langfristanlage in größerem Stil taugt es überhaupt nicht, es taugt höchstens als letzte Reserve, wenn alles den Bach runtergeht.

Portfolio

Wie sollte mein Depot 2019 grundsätzlich ausgerichtet sein?
Kaldemorgen:
Zwei Dinge sind wichtig. Zum einen, dass Sie gut diversifizieren - sowohl über Sektoren als auch Regionen hinweg. Viele Anleger haben in den vergangenen Jahren zu sehr auf heimische oder europäische Aktien gesetzt. Ich würde deutlich stärker über die Emerging Markets, Europa und USA diversifizieren. Auch was die Sektoren angeht. Zum anderen sollte 2019 nicht die Frage sein, ob man Aktien im Depot hat, sondern wie viele. Besser ist es auf jeden Fall, die Aktien, die sich 2018 gut entwickelt haben, laufen zu lassen. Bei den Aktien, die sich deutlich schlechter entwickelt haben als ihr Index, sollte man dagegen genauer hinschauen und sie gegebenenfalls verkaufen.

Wie sehen Sie denn die Anleihemärkte 2019, wozu würden Sie raten?
Greil:
Wir werden wahrscheinlich im kommenden Jahr tendenziell leicht ansteigende Zinstrends sehen, was zu Kursverlusten bei Anleihen führt, wenn man ein Durchschnittsportfolio betrachtet. Man muss am Rentenmarkt im richtigen Segment unterwegs sein. Kurz laufende US-Staatsanleihen sind beispielsweise interessant oder auch teilweise kurz laufende europäische Hochzinsanleihen - je nachdem, welches Risiko Sie eingehen wollen. Grundsätzlich leiden die Hochzinspapiere stärker, wenn sich das Wirtschaftswachstum abschwächt, und sind riskanter, das gilt vor allem für Hochzinsanleihen von US-Firmen, die höher verschuldet sind. Generell raten wir hier eher zu Papieren mit kürzerer Laufzeit.

Ich habe monatlich 1.800 Euro zur Verfügung, die ich in Fondssparpläne stecken will. In wie viele Fonds sollte ich sinnvollerweise investieren?
Kaldemorgen:
Das ist ja ein sehr ordentlicher Betrag, den Sie anlegen wollen. Den können Sie durchaus in vier bis fünf verschiedene Fonds investieren. Das würde ich für eine angemessene Streuung halten, da ja innerhalb der Fonds auch noch mal diversifiziert wird.

Ich habe zwei Fonds ausfindig gemacht, die mir beide gefallen. Allerdings haben sie ein recht ähnliches Anlagekonzept. Auf einen sollte ich verzichten, oder?
Kaldemorgen:
Nicht unbedingt. Man kann durchaus gleichartige Fonds von unterschiedlichen Managern nehmen. Das ist ja ebenfalls eine Art Diversifikation. Denn auch gute Manager liegen mit ihren Einschätzungen mal daneben.

Ich bin Rentner, habe meine Anlageentscheidungen bislang immer selbst getroffen. Jetzt will ich das wegen des Aufwands nicht mehr selbst machen. Mein Vermögen ist aber wohl nicht groß genug für einen Vermögensverwalter. Soll ich bei einer Bank oder bei einem Robo-Advisor investieren?
Greil:
Wenn Sie Beratung brauchen, sind Sie grundsätzlich bei einem Anlageexperten einer Bank gut aufgehoben. Viele Banken bieten aktiv gemanagte Produkte an, die dem ähneln, was ein Vermögensverwalter macht. Sie können auch einen Teil des Geldes bei einem Robo-Advisor anlegen, das ist eine Mentalitätssache, hier trifft die Maschine die Entscheidungen. Zu bedenken gilt es dabei, dass es diese Computermodelle meist noch nicht allzu lange gibt. Die Feuertaufe haben sie noch nicht hinter sich, sie haben noch keinen kompletten Börsenzyklus durchlaufen. Es wird spannend, wie sie sich in schlechten Börsenphasen oder auch in einem Crash schlagen.

Ich habe 200.000 Euro zur Altersvorsorge, die Hälfte steckt in Tagesgeld, Festgeld, Bausparern. 100.000 Euro sind in über 20 Wertpapieren investiert, davon je ein Drittel in Aktien, Anleihen und Offenen Immobilienfonds. Ist es sinnvoll, den Aktien- und Anleiheanteil zu bündeln und auf zwei ETFs, etwa auf den MSCI World und einen ähnlichen Anleihefonds, zu setzen? Greil: Wenn Ihnen die Performance des breiten Markts genügt, dann ja. Wenn Sie auf spezielle Trends setzen wollen und damit mehr Rendite erzielen wollen, dann eher nicht. Sie müssen zudem beachten, dass ein Index wie der MSCI World etwa zur Hälfte US-Aktien und damit Dollar-Investments beinhaltet und damit das Währungsrisiko entsprechend groß ist. Das ist aus Sicht eines Euroanlegers wichtig. Die Streuung ist hier nicht so breit, wie man glauben könnte.

Ich habe rund 1.000 Euro monatlich übrig für die Altersvorsorge, bin über 50, scheue mich aber nicht vor dem Risiko. Soll ich alles in Aktien stecken?
Greil:
Wenn Sie ansonsten finanziell für das Alter abgesichert sind, kommt das in erster Linie auf Ihren Anlagehorizont und Ihre Risikobereitschaft an. Bei einem Horizont von zehn bis 15 Jahren kann man durchaus in vollem Umfang in Aktien investieren. Nach fünf oder zehn Jahren könnten Sie dann schrittweise in Anlagen wie Anleihen umschichten, wenn Sie das Risiko reduzieren wollen. ETF- oder Fondssparpläne wären geeignete Möglichkeiten.

Welche Region ist langfristig die beste?
Greil:
Die USA waren in den vergangenen 100 Jahren weltweit der mit Abstand beste Aktienmarkt. Es spricht viel dafür, dass das gegenüber Europa auch so bleibt. Je länger der Anlagehorizont, desto interessanter wird aber aus meiner Sicht Asien. Technologisch entwickeln sich hier viele Unternehmen sehr schnell, etwa wenn Sie nach China blicken. Auch Indien halte ich gerade langfristig für sehr interessant.

Ich will in einen weltweiten Aktienindex investieren. Welchen nehme ich? Kaldemorgen:
Am besten ist es, einen Fonds zu kaufen, der einen möglichst breiten Index hat. Das ist zum Beispiel der MSCI All Country World Index (ACWI, die Red.). Er unterscheidet sich vom MSCI World Index dadurch, dass nicht nur Aktien der Industrieländer enthalten sind, sondern auch Schwellenländer stärker gewichtet sind. Damit sind Sie weltweit ausgewogen investiert.

Was halten Sie von einem ETF auf den MSCI World Index?
Heller:
Grundsätzlich gut und mit über 1.600 Einzeltiteln breit aufgestellt, allerdings mit einem sehr starken Übergewicht in den USA. Man könnte alternativ den ACWI nehmen, der zusätzlich zehn bis zwölf Prozent in den Emerging Markets hält, damit haben Sie praktisch die ganze Welt.

Ich habe in Ihren Mischfonds DWS Concept Kaldemorgen investiert. Mit welchem Ergebnis rechnen Sie 2019?
Kaldemorgen:
Mit einem positiven, hoffe ich. Zumindest ist das mein Ziel. Allerdings sollten die Erwartungen an die Wertentwicklung bescheiden sein. Ich wäre sicherlich mit einem mittleren einstelligen Zuwachs sehr zufrieden.

Können Sie mir erklären, warum der DWS Top Dividende aus Ihrem Haus so schlecht gelaufen ist?
Kaldemorgen:

Der Fonds ist nicht schlecht gelaufen. Wenn Sie die Entwicklung 2018 betrachten, dann steht der Fonds rund zwei Prozent im Plus. Insofern hat er sich deutlich besser entwickelt als die meisten europäischen und globalen Aktienfonds. Er hatte am Jahresanfang mal einen Durchhänger, aber der Fondsmanager war klug genug, bei seiner Strategie zu bleiben. Und das hat sich in den unruhigen Börsenmonaten sehr gut ausgezahlt.



Das sind die Favoriten von Robert Greil (pdf)
Das sind die Favoriten von Gottfried Heller (pdf)
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Bildquellen: Julian Mezger für Finanzen Verlag

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