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14.04.2011 06:00
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Der ADAC braucht eine neue Strategie

Club-Präsident Peter Meyer sieht bei 20 Millionen Mitgliedern die Grenze des Wachstums erreicht. Mit Euro am Sonntag spricht er über den Daueraufreger E10 sowie die neue Smartphone-App zur Pannenhilfe.
€uro am Sonntag
von Wolfgang Ehrensberger, €uro am Sonntag

Gerade hat der Automobilclub ADAC mit einer Klage gegen die Ölkonzerne Aral, BP, Jet, OMV und Shell die Diskussion um den unbeliebten Kraftstoff E10 neu entfacht. ADAC-Präsident Peter Meyer führt den Zulauf von 600.000 neuen Mitgliedern 2010 auch auf solche Ak­tionen zurück. Doch allmählich stößt der Club beim Wachstum an seine Grenzen. Meyer kündigt im Interview mit €uro am Sonntag eine neue strategische Ausrichtung an. Auch der Erwerb einer Banklizenz wurde bereits geprüft.

€uro am Sonntag: Herr Meyer, können Sie mal erklären, warum an den Tankstellen oft täglich der Preis wechselt?
Peter Meyer:
Und warum er am Sonntagabend und Montagmorgen oft am günstigsten ist? Dazu schon mal so viel: Die Mineralölgesellschaften lassen unter der Woche die Preise bis Freitagnachmittag beobachten. Dann gehen die Herren in ihr verdientes Wochenende, und der ganze Markt beginnt zu kippen. Am Montagmittag tauchen sie wieder auf und sagen, ihr müsst die Preise raufsetzen. Bei der Gelegenheit: Haben Sie schon das neue E10 getankt?

Einmal, aber das wollte eigentlich ich gerade fragen.
Selbstverständlich habe ich E10 getankt, weil ich es ausprobieren wollte. Ich fahre privat einen Nissan Murano, also einen SUV mit Vierradantrieb, weil ich eine Wohnung in der Schweiz habe und dort hochmuss, auch bei Schnee. Der ist zugelassen für E10 und läuft bislang wie mit ­Super E5. Wir sind nicht gegen E10.

Aber?
Man muss klar trennen: Verantwortlich für das Desaster ist nicht die Politik, sondern es sind die Öl- und Autokonzerne, die es versäumt haben, den Sprit vernünftig in den Markt einzuführen. Jetzt unterlaufen die Ölkonzerne die geltende E5-Bestandsschutzregelung, indem sie unter dem Namen Super häufig teu­res Super Plus verkaufen und Millio­nen Autofahrer zusätzlich belasten.

Der ADAC war jahrelang gegen Ökobenzin. Jetzt sind Sie dafür. Trägt das nicht auch zur allgemeinen Verwirrung bei?
Wir waren als ADAC zweimal gegen die Einführung des Ökobenzins: Erst beim damaligen Umweltminister Jürgen Trittin, das zweite Mal bei Nachfolger Sigmar Gabriel. Damals waren tatsächlich Millionen von Autos nicht auf diese Sorte vorbereitet. Beim dritten Anlauf haben wir sehr früh mit Umweltminister Norbert Röttgen zusammengearbeitet und bei den Herstellern auf Verträglichkeitslisten gedrängt, die dann allerdings gravierende Fehler enthielten und mehrfach nachgebessert werden mussten.


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Als Verbraucherschutzorganisation hätte der ADAC diese Listen vorher prüfen können.
Nein, das konnten wir nicht verhindern. Wir können ja nicht jede einzelne Position nachprüfen.

Gerade bei Jüngeren sinkt das Interesse an Autos; Mobiltelefone mit immer neuen Funktio­nen lösen es als Statussymbol ab. Wie stellen Sie sich darauf ein?
Das stimmt nur teilweise. Früher musste man mit 18 den Führerschein haben. Heute heißt es: Ein Smartphone ist mir lieber. Aber den Führerschein will ich auch. Und irgendwann ein Auto. Individuelle Mobilität ist nach wie vor für die Deutschen ganz wichtig. Wir haben 1,4 Millionen jugendliche Mitglieder, Mopedfahrer, Führerscheinneulinge, die bei den 17,3 Millionen regulären Mitgliedern Stand Ende 2010 (Ende 2009: 16,7 Millionen) noch gar nicht mitgerechnet sind.

Welches Markt­potenzial sehen Sie noch?
Bis 2020 wollen wir 20 Millio­nen Mitglieder, das bleibt unser Ziel. Dann ist auch für den ADAC die Grenze des Wachstums erreicht, weil der Markt dann gesättigt ist.

Und dann?
Wir leiten derzeit bereits eine neue strategische Ausrichtung des ADAC ein und überarbeiten unser gesamtes Leistungsspektrum. Wir trennen uns von Leistungen, die heute nicht mehr nachgefragt werden, und ersetzen sie durch attraktive und zeitgemäße Angebote.

Welche sind das zum Beispiel?
Wir haben vor Kurzem eine kostenlose Pannenhilfe-App auf den Markt gebracht. Dieses Anwendungs­programm für Smartphones ermöglicht es beispielsweise unserer Pannenhilfezentrale, einen Liegengebliebenen schnell zu lokalisieren. Eine andere App der ADAC-Autoversicherung enthält für den Fall eines Unfalls eine Checkliste, was genau zu tun ist. Außerdem kann man die Schadensmeldung sofort elektronisch übermitteln.

In der Finanzsparte kooperiert der ADAC mit Landesbank Berlin und Deutscher Bank und bietet Kreditkarten und Sparbriefe an. Warum erwerben Sie nicht gleich selbst eine Banklizenz?
Das haben wir tatsächlich detailliert geprüft, die Pläne aber wieder in die Schublade gelegt.

Was stört Sie an einer ADAC-Bank? Sie betreiben doch auch den zweitgrößten deutschen Rechtsschutzversicherer.
Wir müssen in der Tat auf ­unsere Außenwirkung als Autoklub achten. Unsere Mitglieder wollen keine ADAC-Bank. Der ADAC ist ein Automobilclub, der seinen Mitgliedern zusätzliche Leistungen im Bereich Mobilität anbietet, entweder selbst oder mit Partnern. Beim Bankgeschäft hätten wir möglicherweise in den Augen unserer Mitglieder ein Kompetenzproblem.

Suchen Sie weitere Bankpartner?
Wir bieten seit Anfang April erstmals ein kombiniertes Produkt zwischen der ADAC-Autoversicherung und der mit der LBB kooperie­renden ADAC-Finanzdienste GmbH an. Darüber hinaus sprechen wir mit potenziellen Bankpartnern, um weitere verbraucherfreundliche und innovative Produkte auf den Markt bringen zu können.

Hat sich die an­gespannte Kostensituation im Kernbereich Pannenhilfe normalisiert?
Nein, der Anstieg der Pannen hat sich sogar noch beschleunigt, das treibt die Kosten weiter in die Höhe. Mit 4,25 Millionen liegen gebliebenen Fahrzeugen (Vorjahr: 3,93) hatten wir 2010 so viele Pannen wie nie zuvor. Das ist die Folge der harten Winter 2009/10 und 2010/11, aber auch des Trends zu mehr Inlandsreisen mit dem Auto. Was uns aber am meisten Sorgen macht: Viele Autofahrer halten ihre Wartungs- und Inspek­tionsintervalle nicht mehr ein und reparieren nur noch das Nötigste.

Was bedeutet das für Umsatz und Ergebnis?
Bei konstantem Umsatz­niveau von rund 1,8 Milliarden Euro im Verein, in den Töchtern und Regio­nalclubs werden wir das auch durch Sondereffekte erzielte gute Ergebnis von 2009 (170 Millionen Euro) 2010 nicht mehr wiederholen können. Wir werden aber über der 100-Millionen-Euro-Marke bleiben.

Ein Ziel der Regierung ist es, bis 2020 eine Million Elektroautos auf die Straße zu bringen. Verzögert sich das durch den Atomausstieg?
Ich glaube, der Atomausstieg könnte die Verbreitung von Elektroautos eher noch beschleunigen. Das Thema Elektromobilität läuft unabhängig vom Atomstrom, es bedeutet ja auch, sich von der Abhängigkeit von Energien aller Art zu lösen. Wichtig ist, nicht allein auf Batterie­fahrzeuge zu setzen, sondern auf ­hybride Antriebsformen: Diesel, Benzin, Erdgas oder Wasserstoff, gekoppelt mit einem Elektroantrieb.

Sollte es Zuschüsse nach dem Vorbild der Abwrackprämie für Elektrofahrzeuge geben?
Eine Prämierung von Elektro­autos nach Art der Abwrackprämie halten wir für ungeeignet, weil dann nur in einer Richtung gefördert wird. Die Durchsetzung könnte aber beschleunigt werden, wenn öffentliche Betreiber von Fahrzeugflotten durch die Regierung angewiesen würden, bei Ersatzfahrzeugen auf Elektromobilität umzusteigen.

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